Vasektomie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Unter einer Vasektomie versteht man die Durchtrennung der Samenleiter des Mannes mit dem Ziel der dauerhaften Unfruchtbarkeit. Der Hauptgrund des Eingriffs besteht im Wunsch des Patienten nach einer Empfängnisverhütung ohne Zuhilfenahme weiterer Hilfsmittel beziehungsweise Medikamente. Die Vasektomie führt nur selten zu Komplikationen und ist in der Regel wesentlich risikoärmer als die Sterilisation der Frau.
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Was ist die Vasektomie?
Im weiteren Sinne bezeichnet die Vasektomie in der Medizin die operative Entfernung eines Gefäßes aus dem Körper. Der enge Begriff der Vasektomie (oder auch gleichbedeutend Vasoresektion) kennzeichnet die Sterilisation des Mannes als Methode der dauerhaften Empfängnisverhütung.
Der Eingriff gehört heute zum Standardrepertoire in der Urologie. Unter örtlicher Betäubung oder im Dämmerschlaf des Patienten durchtrennt der Arzt im Hodensack die Samenleiter, die sich in den Samensträngen befinden. Bei der klassischen Vasektomie wird die Haut am Hodensack mithilfe eines Skalpells eröffnet, es gibt jedoch zu dieser Operationsform noch eine Alternative: So kann die Haut mit einer Nadel durchbohrt und das entstandene Loch vorsichtig gedehnt werden, um an die Samenleiter zu gelangen, die dann mithilfe spezieller Klemmen freigelegt werden.
Der Vorteil der klassischen Methode liegt in der guten Sichtkontrolle über das gesamte Operationsfeld. Die Nadelmethode verletzt die Haut nur punktförmig, sodass sie in der Regel von alleine abheilt und in vielen Fällen ein kürzerer Regenerationsprozess zu erwarten ist. Bis auf Ausnahmen, in denen eine medizinische Indikation besteht, gehört die Vasektomie zu den Wunschleistungen des Patienten, die von den Krankenkassen nicht erstattet und daher privat abzurechnen sind.
Der Samenleiter ist ein derber, im Samenstrang gut tastbarer Gang, der die Samenzellen aus dem Nebenhoden in Richtung Vorsteherdrüse und Harnröhre führt. Gerade diese Tastbarkeit macht den Eingriff technisch vergleichsweise einfach: Der Arzt fixiert den Samenleiter unter der Haut des Hodensacks, bevor er ihn freilegt. Alles Übrige bleibt unberührt. Die Hoden verbleiben an ihrem Platz, ihre Hormonbildung läuft unverändert weiter, und weil der weitaus größte Teil des Ejakulats aus den Sekreten von Vorsteherdrüse und Bläschendrüsen stammt, ändern sich Menge und Aussehen des Samenergusses für den Betroffenen praktisch nicht. Von der Entfernung der Hoden, bei der die Bildung von Testosteron wegfällt, ist die Vasektomie daher streng zu unterscheiden.
Auch von der Sterilisation der Frau unterscheidet sich der Eingriff grundlegend. Bei ihr müssen die Eileiter im Bauchraum erreicht werden, was in aller Regel eine Bauchspiegelung in Vollnarkose erfordert; beim Mann liegt das Ziel unmittelbar unter der Haut und ist in örtlicher Betäubung erreichbar. Aus diesem Unterschied erklärt sich der größte Teil des Abstands, den beide Verfahren im Hinblick auf Aufwand und mögliche Komplikationen zueinander haben.
Beschrieben ist die Durchtrennung der Samenleiter seit dem 19. Jahrhundert, zunächst im Zusammenhang mit Erkrankungen der Vorsteherdrüse und mit Vorstellungen über eine „Verjüngung“, die sich nicht bestätigt haben. Als planmäßige Verhütungsmethode setzte sie sich erst im 20. Jahrhundert durch. Die skalpellfreie Technik, bei der die Haut nur punktförmig durchstoßen und anschließend gedehnt wird, wurde in den 1970er-Jahren in China entwickelt und über Programme der Familienplanung international verbreitet. Belastet ist die Geschichte der männlichen Sterilisation durch Zwangssterilisationen; heute setzt der Eingriff in Deutschland ausnahmslos die eigene, aufgeklärte Einwilligung des Betroffenen voraus, und bei Minderjährigen ist er unzulässig.
Wie häufig Männer sich sterilisieren lassen, ist von Land zu Land sehr verschieden und hängt weniger von medizinischen als von kulturellen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten ab. In Deutschland liegt die Verhütung nach wie vor überwiegend bei den Frauen; als fest etablierte Möglichkeit für Paare mit abgeschlossener Familienplanung ist die Vasektomie gleichwohl anerkannt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Die Sicherheit von Verhütungsmaßnahmen wird mit dem sogenannten Pearl Index beziffert, der die Anzahl der trotz Verhütung eingetretenen unerwünschten Schwangerschaften bei 100 Frauen innerhalb eines Jahres angibt. Mit 0,1 hat die Sterilisation nach dem Hormonimplantat der Frau den zweitbesten Wert aller möglichen Verhütungsmethoden, weswegen diese Operation bei nicht bestehendem Kinderwunsch oft die ideale Lösung ist. Die Sicherheit hat bei vielen Paaren auch Einfluss auf den Geschlechtsverkehr, der – ohne zusätzliche Verhütungsmittel und vor allem ohne Angst vor einer möglichen Schwangerschaft – besonders unbeschwert ablaufen kann.
Diese Sicherheit der männlichen Sterilisation kommt durch die komplette Durchtrennung der Samenleiter. Dadurch wird den Spermien ihr natürlicher Weg ins Ejakulat versperrt, sodass eine Befruchtung nicht mehr möglich ist. Um sicherzugehen, dass die Operation tatsächlich erfolgreich war, wird das Ejakulat etwa zwei bis drei Monate nach der Vasektomie auf Spermien untersucht. Bis zu diesem Zeitpunkt wird den Männern, deren Hormonproduktion durch den Eingriff ja nicht verändert wird, geraten, beim Geschlechtsverkehr Verhütungsmaßnahmen zu ergreifen. Die Operation gehört zu den urologischen Routineeingriffen. Sie wird meist ambulant, entweder mit einer örtlichen Betäubung der Genitalregion oder mit einem Dämmerschlaf, durchgeführt.
Die Schnitte (bei der klassischen Vasektomie) werden entweder paarig rechts und links oder als mittiger Schnitt angelegt. Von den Samenleitern wird ein kleines Stück – etwa ein bis drei Zentimeter – entnommen, um den Durchfluss der Spermien unmöglich zu machen. Diese werden stattdessen vom Körper resorbiert. Die verbleibenden beiden Enden der jeweiligen Samenleiter können entweder verödet werden oder sie werden umgeschlagen und mit einem Faden, der sich nicht von selbst auflösen kann, vernäht.
Wie die beiden Enden versorgt werden, handhaben die Operateure unterschiedlich. Verbreitet ist es, zusätzlich zur Durchtrennung die bindegewebige Hülle des Samenstrangs zwischen die Enden zu legen, sodass das zum Hoden führende und das abführende Ende voneinander abgeschirmt bleiben. Diese Zwischenlagerung der Faszie und das Veröden der Schnittflächen sollen verhindern, dass die Enden wieder zusammenwachsen.
Vor dem Eingriff steht ein ausführliches Aufklärungsgespräch. Es geht darin nicht nur um Ablauf und Risiken, sondern vor allem um die Endgültigkeit der Entscheidung: Die Vasektomie ist als dauerhafte Maßnahme gedacht und sollte nicht in einer Ausnahmesituation beschlossen werden, etwa unmittelbar nach einer Geburt oder in einer Krise der Partnerschaft. Viele Ärzte räumen deshalb zwischen Beratung und Operation eine Bedenkzeit ein. Rechtlich maßgeblich ist allein die Einwilligung des Mannes; die Zustimmung der Partnerin ist nicht erforderlich, auch wenn die Entscheidung in der Regel gemeinsam fällt. Zur Vorbereitung gehören außerdem die Frage nach gerinnungshemmenden Medikamenten und die Frage nach Voroperationen oder Entzündungen im Bereich von Hodensack und Leiste, weil Narben das Auffinden der Samenleiter erschweren können. Wer den Eingriff im Dämmerschlaf durchführen lässt, darf anschließend nicht selbst Auto fahren und braucht eine Begleitung.
Der Eingriff selbst gehört zu den kürzeren urologischen Operationen und ist meist in weniger als einer Stunde beendet; nach Hause gehen kann der Patient in der Regel noch am selben Tag. Kühlung, Hochlagerung und eine eng anliegende Unterhose, die den Hodensack stützt, lindern die übliche Schwellung. Für einige Tage sind schweres Heben, Sport und Radfahren zu meiden; wie lange geschont werden soll, richtet sich nach dem Befinden und nach der Anweisung des Operateurs. Sexuelle Aktivität ist nach dem Abklingen der Beschwerden wieder uneingeschränkt möglich.
Wichtiger als der Eingriff selbst ist für die Verhütungssicherheit die anschließende Kontrolle. Erst ein Spermiogramm, in dem keine Samenzellen mehr nachweisbar sind, belegt den Erfolg. Werden noch Spermien gefunden, wird die Untersuchung wiederholt; finden sich auch später unverändert bewegliche Samenzellen, spricht das für einen unvollständigen Verschluss, und der Eingriff muss gegebenenfalls wiederholt werden. Bis zur unauffälligen Kontrolle bleibt eine andere Verhütungsmethode nötig – ein Punkt, der in der Praxis regelmäßig unterschätzt wird und als wichtigste Ursache ungewollter Schwangerschaften nach einer Vasektomie gilt.
Männer, die eine spätere Vaterschaft nicht völlig ausschließen wollen, können vor dem Eingriff Samenzellen einfrieren lassen. Diese Kryokonservierung ist eine Vorsorgemaßnahme und in aller Regel selbst zu bezahlen. Sie ersetzt keine sorgfältige Entscheidung, verschafft aber im Fall veränderter Lebensumstände eine Rückfallebene.
Nicht jeder Wunsch nach einer Vasektomie führt unmittelbar zum Eingriff. Sprechen die Lebensumstände dafür, dass die Entscheidung noch nicht gefestigt ist – sehr junges Alter, eine kinderlose Partnerschaft, eine akute Belastung –, wird ein sorgfältiger Arzt zunächst auf die Möglichkeiten der zeitweisen Verhütung verweisen und dem Paar Zeit lassen. Umgekehrt gibt es Situationen, in denen die Sterilisation des Mannes die schonendere Lösung ist: etwa wenn eine weitere Schwangerschaft für die Partnerin ein erhebliches gesundheitliches Risiko bedeuten würde oder wenn eine hormonelle Verhütung für sie nicht infrage kommt. Die Vasektomie steht damit nicht für sich, sondern am Ende einer Abwägung, in die beide Partner und ihre bisherige Verhütungsgeschichte eingehen. Zur Beratung gehört deshalb auch die Frage, welche Methoden bislang angewendet wurden und warum sie nicht mehr passen.
Vor Infektionen, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, bietet der Eingriff keinerlei Schutz. Er verhindert ausschließlich eine Schwangerschaft; wo ein Infektionsschutz nötig ist, bleibt das Kondom unverzichtbar.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Weitere mögliche, aber eher seltene Komplikationen sind die Entstehung von Hämatomen und die Bildung von Infektionen im Operationsgebiet. Nebenwirkungen im Hinblick auf die von den Männern häufig geäußerten Ängste wie Libidomangel, Verringerung der Erektionsfähigkeit sowie die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erleben, sind dagegen unbegründet. Auf all diese Vorgänge hat die fachgerecht durchgeführte Vasektomie keinen Einfluss, sodass das Liebesleben uneingeschränkt und – aufgrund der nicht mehr notwendigen Verhütungsmethoden wie Pille und Kondom – sogar häufig deutlich entspannter abläuft.
Da die Spermienproduktion von der Vasektomie nicht beeinflusst wird, ist spätestens ein Jahr nach dem Eingriff eine erneute Kontrolle auf Spermien im Ejakulat (aufgrund einer eventuellen Rekanalisierung der Samenleiter) notwendig. Das ist jedoch nur sehr selten der Fall. Die weiterhin bestehende Spermabildung ist auch der Grund, warum – was häufig mit einer neuen Partnerschaft angestrebt wird – eine Refertilisierung, also das mit Mitteln der Mikrochirurgie realisierte Rückgängigmachen des Eingriffs, überhaupt möglich ist. Die Durchgängigkeit der Samenleiter lässt sich dabei zwar häufig wiederherstellen, eine anschließende Schwangerschaft der Partnerin gelingt jedoch deutlich seltener; verlässlich rückgängig zu machen ist die Vasektomie daher nicht. Am ehesten gelingen Refertilisierung und anschließende Schwangerschaft, wenn der Eingriff in den ersten fünf Jahren nach der Vasektomie durchgeführt wird.
Zu den örtlichen Komplikationen zählen neben Blutergüssen und Wundinfektionen Schwellungen im Bereich der Nebenhoden, die durch den Rückstau der weiterhin gebildeten Samenzellen entstehen. Treten Samenzellen aus dem verschlossenen Ende in das umgebende Gewebe aus, kann sich ein Samenzellgranulom bilden, ein kleiner, mitunter druckempfindlicher Knoten. Beides bildet sich meist von selbst zurück. Beim länger anhaltenden Post-Vasektomie-Schmerz werden zunächst einfache Maßnahmen wie Kühlung, Schonung und Stützung des Hodensacks versucht; nur in hartnäckigen Fällen kommen weitere Eingriffe in Betracht. Weil sich ein solches Beschwerdebild vorher nicht abschätzen lässt, gehört es zu den Punkten, die im Aufklärungsgespräch angesprochen werden müssen.
Anzeichen, die eine ärztliche Vorstellung nach dem Eingriff nahelegen, sind eine rasch zunehmende Schwellung des Hodensacks, starke oder wieder zunehmende Schmerzen, Rötung und Überwärmung sowie Fieber. Solche Verläufe sind selten, lassen sich aber umso einfacher behandeln, je früher sie erkannt werden.
Bei vielen Männern lassen sich nach dem Eingriff Antikörper gegen körpereigene Samenzellen nachweisen. Erkennbare Folgen für die Gesundheit hat das nicht, die Aussichten einer späteren Refertilisierung können dadurch aber gemindert sein.
Ob eine Vasektomie das Risiko für Prostatakrebs erhöht, ist über Jahrzehnte diskutiert worden. Die vorliegenden Untersuchungen haben einen solchen Zusammenhang nicht bestätigt; ein medizinischer Grund, von dem Eingriff abzuraten, ergibt sich daraus nicht. Ebenso wenig ist ein Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegt.
Der schwerwiegendste Nebeneffekt bleibt die Endgültigkeit selbst. Wer den Eingriff später bereut, war zum Zeitpunkt der Operation meist noch jung oder lebt inzwischen in einer neuen Partnerschaft. Die mikrochirurgische Wiederherstellung – die Vasovasostomie, bei ungünstigem Befund am Nebenhoden auch die aufwendigere Vasoepididymostomie – ist ein deutlich größerer Eingriff als die Vasektomie, dauert länger und wird üblicherweise nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen. Führt sie nicht zum Ziel, bleibt der Weg über die operative Gewinnung von Samenzellen aus Hoden oder Nebenhoden mit anschließender künstlicher Befruchtung. Beide Wege sind aufwendig und in ihrem Ergebnis nicht vorherzusagen. Sie ändern nichts daran, dass die Vasektomie als endgültige Entscheidung zu treffen ist.
Die Kontrolle auf Spermienfreiheit wird schriftlich festgehalten. Dieser Nachweis ist mehr als eine Formalie: Er ist das einzige Dokument, das den Erfolg des Eingriffs belegt, und er kann Jahre später Bedeutung erlangen – etwa wenn in der Partnerschaft doch eine Schwangerschaft eintritt und die Frage nach einer Rekanalisierung im Raum steht. Aus demselben Grund empfiehlt es sich, den Befund zusammen mit dem Operationsbericht aufzubewahren und bei einem Wechsel des behandelnden Arztes mitzunehmen.
Quellen
- Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
ISBN: 9783662634011
- Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Ruf, C., Nestler, T.: Facharztwissen Urologie.
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- Gschwend, J. E., Hautmann, R.: Urologie.
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- Gasser, T., Eberli, D., Thomas, C.: Basiswissen Urologie.
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