Sporttherapie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Sporttherapie kommt zu unterschiedlichen Zielen zum Einsatz. Bei diesen handelt es sich vor allem um Vorbeugung und Rehabilitation. Welche Übungen und Sportarten sich eignen, hängt insbesondere von den Beschwerden und zugrundeliegenden Erkrankungen des Patienten ab.
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Was ist die Sporttherapie?
Die Sporttherapie ist eine nichtmedikamentöse Behandlung. Ihre Ursprünge lassen sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Heutzutage gewinnt sie immer mehr an Beliebtheit und Anwendung. Letztendlich soll die Sporttherapie psychische und/oder physische Beschwerden lindern, kompensieren oder regenerieren. Sekundärschäden lässt sich mithilfe der Übungen vorbeugen. Weiterhin sollen soziale Faktoren gestärkt und das Bewusstsein für die eigene Gesundheit gefördert werden.
Die Sporttherapie selbst besteht neben der aktiven Komponente aus pädagogischen, psychologischen sowie soziotherapeutischen Elementen. Körperwahrnehmung, Koordination und Kondition sollen im Rahmen der verschiedenen Sitzungen erhöht werden. Dabei ist die Bestrebung der Sporttherapie nicht der Leistungssport. Stattdessen soll sie die betroffene Person aktivieren und zu einer besseren Gesundheit verhelfen. Wann eine spezifische Sporttherapie hilfreich ist, entscheidet der Arzt. Erbracht wird sie von Sport- und Bewegungstherapeuten mit sportwissenschaftlicher oder sporttherapeutischer Ausbildung, während die Sportmedizin als ärztliche Fachrichtung die medizinischen Fragen rund um Bewegung und Sport bearbeitet. Von der Physiotherapie unterscheidet sich die Sporttherapie dadurch, dass sie mit sportlichen Übungs- und Spielformen arbeitet und auf die gesamte körperliche Leistungsfähigkeit zielt; vom Rehabilitationssport unterscheidet sie sich dadurch, dass dieser als ärztlich verordnetes Gruppenangebot unter Anleitung von Übungsleitern stattfindet. Das grundsätzliche regelmäßige Ausüben von sportlichen Aktivitäten kann jedoch dazu beitragen, zahlreiche Beschwerden zu verhindern.
Die lange Zeit maßgebliche Begriffsbestimmung stammt aus dem Jahr 1986 vom Deutschen Sporttherapeutenbund; der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie hat sie 1990 in leicht veränderter Form bestätigt. Danach ist die Sporttherapie eine bewegungstherapeutische Maßnahme, die gestörte körperliche, psychische und soziale Funktionen mit geeigneten Mitteln des Sports kompensiert, die Regeneration fördert, Sekundärschäden vorbeugt und gesundheitsgerechtes Verhalten unterstützt. Der Begriff reicht damit über eine bloße Übungsanleitung hinaus: Er schließt die Aufklärung des Patienten über seine Erkrankung, die Erfahrung der eigenen Belastbarkeit und den Aufbau einer dauerhaften Bewegungsgewohnheit ausdrücklich mit ein. 2025 hat der Fachverband diese Bestimmung durch eine neu gefasste Definition abgelöst.
Historisch steht die Sporttherapie in der Linie der Heilgymnastik und der Turnbewegung des 19. Jahrhunderts, die die körperliche Übung erstmals systematisch als Behandlungsmittel beschrieben haben. Im 20. Jahrhundert kamen die entscheidenden Anstöße aus der Rehabilitation nach Unfällen und Kriegsverletzungen sowie aus der Betreuung von Herzkranken, bei denen die früher übliche strenge Schonung nach und nach durch ein abgestuftes Bewegungsprogramm abgelöst wurde. Aus diesen Anfängen gingen die organisierten Gruppenangebote der Nachkriegszeit hervor und aus ihnen das heutige Berufsfeld.
Die Berufsbezeichnung „Sporttherapeut“ ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. In der Praxis stammen die Fachkräfte deshalb aus unterschiedlichen Ausbildungswegen: aus sportwissenschaftlichen Studiengängen mit einem Schwerpunkt in Prävention und Rehabilitation, aus der Physiotherapie mit einer sporttherapeutischen Zusatzqualifikation oder aus dem Sportlehramt mit einer entsprechenden medizinischen Weiterbildung. Der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie vertritt das Feld als Fachverband und vergibt eigene Qualifikationsnachweise, an denen sich Kliniken und Kostenträger orientieren. Wer eine Sporttherapie sucht, kann deshalb nach der konkreten Ausbildung und nach der Erfahrung mit dem eigenen Krankheitsbild fragen.
Angeboten wird die Sporttherapie vor allem dort, wo sie in ein größeres Behandlungsprogramm eingebettet ist: in Rehabilitationskliniken, in ambulanten Rehabilitationszentren, in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen, in der Nachsorge von Krebspatienten und in der Behandlung älterer Menschen. Vom Rehabilitationssport und vom Funktionstraining unterscheidet sie sich auch sozialrechtlich: Diese beiden sind im Neunten Buch Sozialgesetzbuch als ergänzende Leistungen zur Rehabilitation geregelt (§ 64 SGB IX), werden ärztlich verordnet und finden in festen Gruppen statt, mit dem Zweck, die in der Rehabilitation begonnene Bewegung dauerhaft fortzuführen. Die Sporttherapie im engeren Sinn gehört dagegen zur Behandlung selbst.
Funktion, Wirkung & Ziele
Häufig geht es im Rahmen eines solchen Ansatzes darum, psychisch Erkrankte zu betreuen, ihnen zu einem besseren Leben und Körpergefühl zu verhelfen sowie den Leidensdruck bei seelischen und psychischen Störungen zu reduzieren. Abhängig von den Beschwerden erfolgen die Termine in Einzelsitzungen oder im Rahmen einer kleineren Gruppe. Die Zusammenarbeit mit anderen Patienten ermöglicht die Schulung sozialer Kompetenzen. Aus der körperbezogenen Psychotherapie stammt die Konzentrative Bewegungstherapie. Hier erhalten die Patienten in der Regel nur wenige Vorgaben, die es umzusetzen gilt. Stattdessen stellt der Therapeut/ die Therapeutin eine Verbindung zur aktuellen Situation her. So geht es bei dem Ansatz zum Beispiel darum, den Raum zu entdecken, bestimmte Handlungen nachzuspielen oder verschiedene Gangarten zu erproben.
Das Tun und Erleben steht bei der Konzentrativen Bewegungstherapie im Mittelpunkt. Patienten sollen sowohl ihren Körper als auch ihre Handlungen bewusst wahrnehmen. Nach dem körperlichen Teil wird die Sitzung verbal aufgearbeitet. Hier sollen innere sowie äußere Konflikte, Gefühle oder Bestrebungen besprochen werden. Generell ermöglicht die Konzentrative Bewegungstherapie den Teilnehmenden, die Nähe zu anderen Personen zu erlernen oder bewusst individuelle Grenzen aufzuzeigen. Gefühle oder Ängste, die sich während der Interaktion ergeben, liefern unter Umständen Hinweise zur seelischen Verfassung. Deswegen ist es wichtig, dass die Sitzung immer durch ein ausführliches Gespräch beendet wird. Ziel der Therapie ist es unter anderem, den Betroffenen eine Möglichkeit zu geben, sich nonverbal auszudrücken. Die offene Kommunikation fällt vielen erkrankten Personen schwer.
Eine weitere Methode, die häufig aus medizinischen Gründen angewendet wird, ist die Integrative Bewegungstherapie. Einzeltermine sind selten, stattdessen handelt es sich um einen Ansatz, der die Interaktion mit anderen Menschen verlangt. Körper, Gefühle und Gedanken sollen bewusst wahrgenommen werden.
Beide Verfahren haben eine eigene Herkunft. Die Konzentrative Bewegungstherapie geht auf den Arzt und Psychoanalytiker Helmuth Stolze zurück, der ihr 1958 diesen Namen gab; sie greift auf die Körperarbeit der Gymnastiklehrerin Elsa Gindler zurück. Vertreten wird sie seit 1975 durch einen eigenen deutschen Arbeitskreis. Die Integrative Bewegungstherapie wurde in den 1970er Jahren von Hilarion Petzold und Mitarbeitern im Rahmen der Integrativen Therapie entwickelt und wird je nach Aufgabe übungszentriert, erlebniszentriert oder konfliktzentriert eingesetzt. Beide gehören zu den körperbezogenen Psychotherapieverfahren und werden vor allem in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken angeboten, häufig innerhalb desselben Behandlungsprogramms wie die übrigen sporttherapeutischen Einheiten.
Die Sporttherapie richtet sich jedoch nicht ausschließlich auf psychische Erkrankungen. Zu ihr gehören auch Übungen, die zum Beispiel nach einer Operation die Bewegungsfähigkeit wiederherstellen. So kann bei einem Bandscheibenvorfall die Stärkung der Rückenmuskulatur hilfreich sein, nach einer Knieoperation das behutsame Beugen und Strecken des Beins.
Am Anfang einer Sporttherapie steht die Bestandsaufnahme. Der behandelnde Arzt gibt die Belastung frei und benennt, was zu beachten ist; je nach Erkrankung gehört dazu eine Untersuchung unter Belastung, etwa ein Belastungs-EKG oder ein Gehtest. Der Sport- und Bewegungstherapeut erhebt anschließend den Ausgangsbefund: Geprüft werden Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination, dazu kommen die bisherigen Bewegungsgewohnheiten und das, was der Patient im Alltag wieder erreichen möchte. Aus beidem entsteht ein Plan, der mit geringer Belastung beginnt und schrittweise gesteigert wird.
Gesteuert wird die Belastung über mehrere Größen zugleich. Neben der Herzfrequenz dient das subjektive Anstrengungsempfinden als Orientierung, das sich mit einer eigens dafür entwickelten Skala erfassen lässt, der Borg-Skala. Hinzu kommen Beobachtungen wie die Atmung, die Bewegungsqualität und die Frage, wie schnell sich der Patient nach einer Einheit wieder erholt. Nimmt ein Betroffener Mittel ein, die den Puls beeinflussen, etwa Betablocker, verliert die Herzfrequenz als alleiniger Maßstab an Aussagekraft, und das Anstrengungsempfinden rückt in den Vordergrund. Der Verlauf wird dokumentiert und in Abständen mit dem Ausgangsbefund verglichen; daran entscheidet sich, ob der Plan fortgeführt, verändert oder beendet wird.
Inhaltlich setzt sich eine Einheit meist aus mehreren Bausteinen zusammen. Ein Ausdaueranteil beansprucht Herz, Kreislauf und Atmung, etwa durch Gehen, Radfahren auf einem Standfahrrad oder Bewegung im Wasser. Ein Kraftanteil richtet sich auf die Muskulatur, die für die gestörte Funktion gebraucht wird. Dazu kommen Übungen für Koordination und Gleichgewicht, Dehnen und Mobilisieren sowie ein ruhiger Abschluss. Bei vielen Erkrankungen ist weniger die einzelne Übung entscheidend als die Regelmäßigkeit über einen längeren Zeitraum. Ein erklärtes Ziel der Sporttherapie besteht deshalb darin, den Patienten an ein Angebot heranzuführen, das er nach dem Ende der Behandlung selbständig weiterführen kann.
Die Einsatzfelder reichen weit über die Orthopädie hinaus. In der Rehabilitation nach einem Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz gehört die sporttherapeutische Behandlung zum festen Bestandteil des Programms, ebenso bei Bluthochdruck. Bei Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas richtet sie sich auf Stoffwechsel und Körpergewicht, bei COPD auf die Belastbarkeit und den Umgang mit Atemnot. In der Orthopädie geht es um Arthrose, um Rückenbeschwerden und um den Erhalt der Knochenfestigkeit bei Osteoporose; in der Neurologie um Gehen, Gleichgewicht und Ausdauer nach einem Schlaganfall oder bei Multipler Sklerose. In der Krebsnachsorge steht die anhaltende Erschöpfung im Vordergrund, in der Psychiatrie die Aktivierung bei Depressionen und Angsterkrankungen. Bei älteren Menschen zielt die Sporttherapie vor allem darauf, Stürze zu vermeiden und die Selbständigkeit zu erhalten.
Findet die Sporttherapie im Rahmen einer stationären oder ambulanten Rehabilitation statt, trägt der zuständige Rehabilitationsträger die Kosten, also je nach Fall die gesetzliche Krankenversicherung, die Rentenversicherung oder die Unfallversicherung. Wer sie außerhalb einer solchen Maßnahme in Anspruch nehmen möchte, klärt die Kostenfrage besser vorab mit dem Versicherer, denn hier gehen die Regelungen auseinander.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Bei der Sporttherapie zur Regeneration von physischen Erkrankungen kann es jedoch zu Beschwerden kommen. Diese treten vermehrt dann auf, wenn der Sport- und Bewegungstherapeut dem Patienten einige Übungen zur häuslichen Anwendung gibt und diese falsch ausgeführt werden. Besonders bei Workouts, die den Rücken oder die Knie betreffen, lassen sich häufig Anwendungsfehler entdecken, die eventuell in weiteren Beschwerden resultieren. So ist es zum Beispiel wichtig, dass ein Gelenk bei einer Übung nie vollkommen durchgestreckt wird, sondern in End- und Ausgangsposition immer eine leichte Neigung bewahrt. Weiterhin sollte stets auf eine Körperhaltung geachtet werden, bei der sich der Rücken in einer geraden Linie befindet und sich kein Hohlkreuz herausbildet.
Ansonsten lässt sich die Entstehung von Verspannungen der Muskulatur nicht ausschließen. Diese machen sich vor allem durch Schmerzen bemerkbar. Die betroffene Stelle ist häufig verhärtet und kann abhängig von ihrer Lage die Bewegung bestimmter Körperteile einschränken. Eine zu frühe Belastung bei der Sporttherapie von frisch operierten Gelenken resultiert oft in Schmerzen und einer schlechten Verheilung der Wunde. Gerade nach einer Knieoperation sollte das Bein langsam bewegt und das Gelenk nicht sofort durch eine Beugung belastet werden.
Vor Beginn klärt der Arzt, ob und in welchem Umfang Belastung möglich ist. Ausgesetzt wird eine Sporttherapie vorübergehend unter anderem bei fieberhaften Infekten, bei einer akuten Entzündung im behandelten Gebiet, bei einer instabilen Herz-Kreislauf-Situation oder solange eine Wunde noch nicht belastbar verheilt ist. Besonders deutlich ist das bei einer nicht ausgeheilten Herzmuskelentzündung: Hier gilt körperliche Belastung als zu vermeiden, weil sie den Verlauf verschlechtern kann.
Während der Übungen gibt es Zeichen, die zum Abbruch und zur ärztlichen Nachfrage führen: Schmerzen oder ein Druckgefühl in der Brust, Atemnot, die nicht zur Belastung passt, Schwindel, Übelkeit, Herzstolpern, kalter Schweiß oder ein plötzlich einschießender Schmerz im Gelenk. Auch ein Schmerz, der nach der Einheit nicht abklingt, sondern über den folgenden Tag hinaus anhält, gehört mit dem Therapeuten besprochen. Sinnvoll ist es, solche Beobachtungen festzuhalten, weil sich daraus oft ein Muster ergibt, das sich einer bestimmten Übung oder einer bestimmten Belastungshöhe zuordnen lässt.
Ein eigener Punkt ist die Steigerung. Wird zu schnell zu viel verlangt, kommt es zu Muskelkater, zu Reizzuständen von Sehnen und Sehnenansätzen und zu Beschwerden in den belasteten Gelenken. Bei älteren Menschen und bei neurologischen Erkrankungen steht die Sturzgefahr im Vordergrund; eine rutschfeste Unterlage, festes Schuhwerk, eine Haltemöglichkeit in Reichweite und die Anwesenheit des Therapeuten bei Gleichgewichtsübungen gehören deshalb zum Vorgehen. Wer Mittel zur Senkung des Blutzuckers anwendet, sollte wissen, dass Bewegung den Blutzucker beeinflusst, und das Vorgehen vorher mit dem behandelnden Arzt abstimmen.
Die Übungen für zu Hause werden in der Praxis so lange angeleitet und kontrolliert, bis der Patient sie sicher beherrscht. Eine schriftliche oder bebilderte Anleitung ersetzt diese Kontrolle nicht, ist aber eine brauchbare Gedächtnisstütze. Ändert sich etwas an der Erkrankung, am Befinden oder an den eingenommenen Medikamenten, wird der Plan neu bewertet; das gilt auch dann, wenn sich der Patient zwischenzeitlich deutlich verbessert hat und die bisherige Belastung zu niedrig geworden ist.
Quellen
- Wonisch, M., Hofmann, P., Förster, H., et al. (Hrsg.): Kompendium der Sportmedizin.
ISBN: 9783662688823
- Joisten, C. (Hrsg.): Lehrbuch Sportmedizin.
ISBN: 9783769106077
- Dickhuth, H.-H., Mayer, F., Röcker, K., Berg, A. (Hrsg.): Sportmedizin für Ärzte.
ISBN: 9783769137521
- Crevenna, R. (Hrsg.): Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation.
ISBN: 9783662490341
- Weineck, J.: Optimales Training.
ISBN: 9783946761754
