Storage-pool-disease

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Storage-pool-disease ist eine erblich bedingte Erkrankung der Thrombozyten, die zu einer erhöhten Blutungsneigung führt. Sie gehört damit zur großen Gruppe der Thrombozytopathien. Es werden sowohl milde Fälle mit wenig Behandlungsbedarf als auch schwere Fälle mit großer Blutungsneigung beobachtet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Storage-pool-disease-Erkrankung?

Storage pool disease
Die Storage-pool-disease ist eine besondere Form der Thrombozytopathie. Genetisch bedingt kommt es hier zu einem Mangel oder gar zum Fehlen von Alpha- oder Delta-Granula.
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Storage-pool-disease ist eine englische Bezeichnung und heißt übersetzt "Sammelspeicherkrankheit". Sie betrifft die Speicherung von Blutgerinnungsfaktoren in den Granula der Thrombozyten. Diese sehr seltene Erkrankung ist im deutschen Sprachraum vor allem unter ihrem englischen Namen bekannt.

Das Merkmal der Storage-pool-disease besteht nun im Mangel oder gar im Fehlen bestimmter Granula innerhalb der Thrombozyten. Dabei handelt es sich um die Alpha- oder Delta-Granula, deren Abwesenheit zu einer Störung der Thrombozytenaktivierung führt. In diesen Granula befinden sich wichtige Gerinnungsfaktoren, Akute-Phase-Proteine oder Wirkstoffe, welche den Blutgerinnungsprozess regulieren.

Durch die mangelnde Speicherung dieser Stoffe im Rahmen der Storage-pool-disease ist der Blutgerinnungsprozess bei Blutungen und Verletzungen gestört. Die Thrombozyten stellen die sogenannten Blutplättchen dar. Sie bilden sich aus den Megakaryozyten des Knochenmarks. Megakaryozyten sind große Zellen mit mehreren Zellkernen, die zu den blutbildenden Zellen gehören.

Aus ihren Ausläufern schnüren sich mehrere hundert bis tausend Thrombozyten ab. Thrombozyten sind Blutbestandteile, die sich bei Blutungen und Verletzungen zu einem Thrombus zusammenballen, um die offene Blutungsstelle zu verschließen. Es sind zwar Blutzellen, die aber keinen Zellkern enthalten. Die Funktion der Thrombozyten ist vor allem auf die Blutungsstillung konzentriert. Daneben sind sie an Entzündungsvorgängen und an der Wundheilung beteiligt.

Ursachen

Die Storage-pool-disease ist eine besondere Form der Thrombozytopathie. Genetisch bedingt kommt es hier zu einem Mangel oder gar zum Fehlen von Alpha- oder Delta-Granula. Es können auch beide Granula gleichzeitig betroffen sein. In den Alpha-Granula sind sogenannte Adhäsionsfaktoren wie der von-Willebrand-Faktor, Fibronektin, P-Selektin, bestimmte Gerinnungsfaktoren (Faktor V) und Wachstumsfaktoren enthalten.

Die Delta-Granula enthalten vorrangig aggregationsfördernde Faktoren wie ADP, Serotonin und Kalzium. Wenn Adhäsionsfaktoren, aggregationsfördernde Faktoren oder gar beide fehlen, wird der Prozess der Thrombozytenaktivierung gestört. Die Thrombozytenaktivierung setzt sich aus den vier Teilschritten Adhäsion, Formwandel, Aggregation und Freisetzungsreaktion zusammen.

Bei der Adhäsion binden sich die Thrombozyten durch die Wirkung des von-Willebrand-Faktors und weiterer Gerinnungsfaktoren an die verletzte Stelle der Gefäßwand. Während des Formwandels schwellen die Thrombozyten kugelförmig an. In der Phase der Aggregation ballen sie sich besonders durch den Einfluss von ADP zusammen. Dabei bindet sich der Rezeptor Glykoprotein IIb/IIIa an Fibrinogen.

Bei der Freisetzungsreaktion werden aus den Granula der Thrombozyten verschiedene Substanzen freigesetzt, die zur Gerinnung des Blutes und zur Verstärkung der Thrombozytenaktivierung führen. Der Prozess der Thrombozytenaktivierung kann jedoch an mehreren Stellen gestört sein. Im Falle der Storage-pool-disease betrifft das die Adhäsion oder die Aggregation.

Es gibt auch Formen der Erkrankung, wo beide Prozesse gestört sind. Die Adhäsion der Thrombozyten an die Gefäßwand wird durch den Mangel oder das Fehlen der Alpha-Granula beeinträchtigt. Wichtige Faktoren wie der von-Willebrand-Faktor stehen nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Bei Fehlen der Delta-Granula kommt es zum Mangel an ADP.

ADP unterstützt die Aggregation der Thrombozyten und trägt zur Verstärkung der Thrombozytenaktivierung bei. In sehr seltenen Fällen sind weder Alpha-Granula noch Delta-Granula vorhanden. Das führt zu noch gravierenderen Blutungsneigungen. Die Erkrankung ist erblich bedingt. Im Falle des Mangels an Alpha-Granula ist unter anderem das Gen NBEAL2 von einer Mutation betroffen. Der Gendefekt wird autosomal-rezessiv vererbt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Storage-pool-disease kann sehr mild verlaufen, ohne dass größere Blutungen auftreten. In diesem Fall besteht eine normale Lebenserwartung. In schwereren Fällen treten Schleimhautblutungen, subkutane Hautblutungen, länger andauernde Menstruationsblutungen und erhöhte Hämatomneigungen auf.

Komplikationen durch großen Blutverlust können bei Operationen, Traumen, Zahnextraktionen oder Geburten auftreten. Dabei kann es zu einem hypovolämischen Schock kommen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Storage-pool-disease erfolgt durch Ermittlung der Thrombozytenzahl, durch eine Thrombozytenfunktionsdiagnostik sowie durch eine elektronenmikroskopische Bestimmung der Granula. Die Blutungszeit ist bei der Storage-pool-disease häufig verlängert, bei milden Formen kann sie jedoch normal ausfallen. Lange Zeit galt die Blutungszeit als Standardtest der Gerinnungsdiagnostik; heute wird sie wegen ihrer geringen Zuverlässigkeit kaum noch bestimmt, an ihre Stelle sind Thrombozytenfunktionstests getreten.

Bei der Thrombozytenzahl treten unter einem Mangel an Delta-Granula keine Abweichungen auf, während diese bei einem Mangel an Alpha-Granula leicht erniedrigt ist. Im Rahmen einer Thrombozytendiagnostik wird die Kollagen-induzierte Thrombozytenaggregation untersucht. Sie fällt im Falle der Storage-pool-disease vermindert aus; nach Zugabe von ADP oder Adrenalin fehlt typischerweise die zweite Aggregationswelle. Elektronenmikroskopische Untersuchungen der Granula können den endgültigen Nachweis des Bestehens oder des Ausschlusses einer Storage-pool-disease erbringen.

Komplikationen

Bei Storage-pool-disease müssen nicht unbedingt Beschwerden oder schwerwiegende Komplikationen auftreten. In vielen Fällen können die Betroffenen ein gewöhnliches Leben führen und sind in ihrem Alltag nicht eingeschränkt. Allerdings leiden manche Betroffene bei dieser Erkrankung an einer stark erhöhten Blutungsneigung. Dabei können schon leichte Verletzungen zu starken Blutungen führen, die nicht ohne Weiteres gestoppt werden können.

Auch die Regelblutung der Frau ist in der Regel stärker als üblich und dauert dabei länger an. Weiterhin leiden die Patienten durch Storage-pool-disease häufig an Schwellungen oder an Blutergüssen. Bei operativen Eingriffen ist eine Abschätzung des Risikos notwendig und alle Eingriffe müssen vermieden werden, wenn eine alternative Behandlung erfolgen kann. Vor allem bei Zahnbehandlungen kann es häufig zu starken Blutungen kommen. Weiterhin leiden die Betroffenen auch häufig an Nasenbluten.

Eine Behandlung ist nur dann notwendig, wenn eine Blutung gestoppt werden muss. Allerdings können die Beschwerden auch vorbeugend mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden. Auch diese Behandlung hat ihre Risiken: Desmopressin kann Kopfschmerzen, eine Gesichtsrötung und über die Wasserrückhaltung im Körper eine Verdünnung des Blutsalzgehalts hervorrufen, weshalb die Trinkmenge begrenzt werden muss. Thrombozytenkonzentrate wiederum können allergische Reaktionen auslösen und dazu führen, dass der Körper Abwehrstoffe gegen fremde Blutplättchen bildet. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird bei einer erfolgreichen Behandlung in der Regel nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei der Storage-pool-disease ist der Betroffene auf eine Behandlung durch einen Arzt angewiesen. Es handelt sich um eine schwerwiegende Krankheit, die im schlimmsten Fall zu erheblichen Komplikationen oder sogar zum Tod des Betroffenen führen kann. Um diese Komplikationen zu verhindern, sollte schon bei den ersten Anzeichen ein Arzt aufgesucht werden.

Eine frühzeitige Diagnose wirkt sich immer positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene starke Blutungen zeigt, die vor allem auf der Haut auftreten. Die Blutungsneigung ist dabei deutlich erhöht, sodass es schon bei leichten Verletzungen zu starken Blutungen kommt. In vielen Fällen dauern die Blutungen auch relativ lange an. Bei Frauen kann auch eine starke und sehr lange Menstruationsblutung auf Storage-pool-disease hindeuten und sollte ebenfalls von einem Arzt untersucht und behandelt werden.

In der Regel kann die Krankheit durch einen Allgemeinarzt gut behandelt werden. Die weitere Betreuung übernimmt meist ein auf Bluterkrankungen spezialisierter Arzt, der Hämatologe. Allerdings sollte bei medizinischen Untersuchungen immer auf diese Krankheit hingewiesen werden.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung der Storage-pool-disease ist oft nicht nötig, wenn es sich um milde Formen der Erkrankung handelt. Bei der kombinierten Storage-pool-disease ist eine Therapie jedoch notwendig. Allerdings ist eine ursächliche Behandlung aufgrund der genetischen Bedingtheit der Erkrankung nicht möglich.

Meist wird zur Blutstillung das Medikament Desmopressin eingesetzt. Das künstlich hergestellte Desmopressin ist strukturverwandt mit dem Hormon Vasopressin, welches im Organismus als Antidiuretikum wirkt. Es senkt die Ausscheidung von Wasser aus dem Körper. Desmopressin wirkt ähnlich.

Außerdem fördert es noch die Sekretion des von-Willebrand-Faktors, der zusammen mit dem Faktor VIII die Adhäsion der Thrombozyten verstärkt. So kann die Blutungszeit bei schweren Blutungen verkürzt werden. Personen mit schwereren Formen der Storage-pool-disease müssen vor eventuellen Operationen prophylaktisch Thrombozytenkonzentrate injiziert bekommen, um lebensgefährliche Blutungen zu vermeiden.


Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor einer Storage-pool-disease ist aufgrund der genetischen Ursache nicht möglich. Allerdings werden humangenetische Beratungen für Personen mit Kinderwunsch angeboten, in deren Familie bereits Fälle von Storage-pool-disease vorgekommen sind. Auch eine pränatale Untersuchung auf eine NBEAL2-Mutation kann durchgeführt werden.

Nachsorge

In den meisten Fällen erweisen sich die Maßnahmen und die Möglichkeiten einer direkten Nachsorge bei der Storage-pool-disease als relativ schwierig. Betroffene müssen frühzeitig einen Arzt aufsuchen, damit es im weiteren Verlauf nicht zu anderen Komplikationen oder zu anderen Beschwerden kommt. Da es sich bei der Krankheit um eine angeborene Störung der Blutplättchen handelt, kann diese nicht vollständig geheilt werden.

Bei einem Kinderwunsch wird Betroffenen eine genetische Untersuchung und Beratung angeboten, in der das Vererbungsrisiko besprochen wird. Einen operativen Eingriff, der die Beschwerden dauerhaft beseitigt, gibt es bei der Storage-pool-disease nicht. Operationen sind im Gegenteil mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden und werden nach Möglichkeit vermieden. Ist ein Eingriff unumgänglich, sollten sich die Patienten anschließend schonen, wobei auch von Anstrengungen oder von körperlichen und stressigen Tätigkeiten abzusehen ist.

Die meisten Patienten sind auch auf eine psychologische Unterstützung angewiesen, wodurch vor allem Depressionen verhindert werden können. Dabei ist auch die Unterstützung der Betroffenen in ihrem Alltag sehr wichtig, um ihre Lebensqualität zu erhöhen. Regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durch einen Arzt sind dabei sehr wichtig, um den aktuellen Zustand der Storage-pool-disease zu überwachen. In der Regel verringert diese Krankheit nicht die Lebenserwartung des Patienten.

Das können Sie selbst tun

Milde Formen der Storage-pool-disease müssen nicht behandelt werden. Bei ausgeprägten Beschwerden ist eine ärztliche Behandlung mittels Desmopressingabe erforderlich. Die Behandlung der einzelnen Symptome kann von den Betroffenen unterstützt werden.

Schleimhautblutungen gilt es zügig zu stillen. Die betroffene Stelle muss mit einem sanften, vom Arzt empfohlenen Mittel desinfiziert werden. Hämatome gilt es zu schonen. Zudem sollten die betroffenen Stellen beobachtet werden, damit bei einer Intensivierung des Hämatoms rasch ärztlicher Rat eingeholt werden kann. Bei Hautblutungen muss zunächst das Blut entfernt werden. Kleinere Blutungen lassen sich mit einem Pflaster oder einem Verband behandeln. Bei großflächigen Blutungen sollte der zuständige Mediziner informiert werden. Selbiges gilt bei starken körperlichen Beschwerden wie Unwohlsein oder Herz-Kreislauf-Problemen.

Ein Bluterguss sollte innerhalb einiger Tage bis Wochen abgeklungen sein. Anschließend müssen sich die Patienten einige Tage schonen. Die Storage-pool-disease selbst bleibt als erbliche Erkrankung lebenslang bestehen. Die Ernährung sollte möglichst reich an Eisen, Folsäure und Vitamin B12 sein, da der Körper infolge einer Anämie wichtige Nähr- und Mineralstoffe benötigt. Welche Maßnahmen bei der Storage-pool-disease im Detail sinnvoll sind, orientiert sich an der Schwere der Erkrankung. Patienten sollten sich in erster Linie an den Vorgaben des Arztes orientieren. Lässt sich eine Blutung nicht stillen oder treten Zeichen eines Kreislaufschocks wie Blässe, kalter Schweiß, Herzrasen oder Benommenheit auf, ist zuerst die Blutung durch festen Druck auf die Wunde zu stillen und sofort der Notruf 112 zu wählen. Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 erreichbar.

Quellen

  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch: Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512235
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443471
  • Murken, J. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik.
    ISBN: 9783132416871
  • Suttorp, N., Möckel, M., Siegmund, B., Dietel, M. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin.
    ISBN: 9783132452091

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