Teratom


Medizinische Qualitätssicherung am 15. April 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Teratome sind geschwulstähnliche Gebilde, die relativ selten vorkommen und auch heute noch wegen ihres fremdartigen Aussehens bei vielen Menschen Entsetzen auslösen. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um gutartige Tumore.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Teratome?

Teratome sind angeborene Geschwülste, die eine oder mehrere rudimentär ausgebildete Gewebestruktur(en) enthalten. Sie entstehen aus den Keimzellen (Stammzellen) der Eierstöcke und Hoden und sind meist dort lokalisiert. Allerdings können sie auch an anderer Stelle vorkommen (zentrales Nervensystem, Hals, Steißbein, Bauchregion, Gehirn).

Die in den Hoden angesiedelten Teratome sind bösartig, die in den Eierstöcken befindlichen sind in der Regel gutartig. Teratome kommen meist nur einseitig vor. Sie können aus nur einem Keimblatt (Dermoidzysten) oder aus mehreren Keimblättern hervorgehen. Dermoidzysten enthalten nur Hautgewebe, Talg und Schweißdrüsen sowie Haarfollikel. Bestehen die Geschwülste aus den Zellen mehrerer Keimblätter, haben sie noch Zähne, Muskelgewebe und andere Strukturen.

Derart ausdifferenzierte Formen werden auch reife Teratome genannt. Die unreifen jedoch (maligne Teratome) beinhalten oft nur embryonales Epithelgewebe. Die größte Anzahl der Keimzelltumore entsteht aus ektodermalem und neuroektodermalem Gewebe und entwickelt Haut, Haare, Schweiß- und Talgdrüsen sowie Nervengewebe. Wesentlich seltener kommen mesodermale Formen mit Knochen, Muskeln, Zähnen und entodermale Teratome vor. Sie sind mit rudimentärem Schilddrüsen, Pankreas und Hypophysen-Gewebe ausgestattet.

In ganz seltenen Fällen enthalten die Zysten sogar ganze Organe (Hände, Füße, Augen) oder eine Struktur, die einem missgebildeten Fötus (Homunculus) ähnelt. Keimzell-Tumore sind in der Regel als Zysten ausgebildet und haben einen mit gelbem Talg oder Schleim gefüllten Hohlraum. Außerdem gibt es noch solide Teratome. Sie sind vollständig mit Gewebe ausgefüllt.

Ursachen

Ursache für die Entstehung von Teratomen ist wahrscheinlich, dass sich während der Entwicklung des Embryos im Mutterleib embryonale Stammzellen verselbstständigen und an anderer Stelle im Körper ansiedeln. Allerdings geht die Wissenschaft davon aus, dass auch verschleppte Keimzellen zu Teratomen werden können.

Das kann beispielsweise bei einer Operation passieren oder wenn sich der Erwachsene verletzt: Das Gewebe wird versehentlich mit herausgerissen und wächst an anderem Ort wieder an, wo es sich nach und nach ausdehnt. Die Bezeichnung „Zwillingsgeschwür“, mit der das Teratom mitunter benannt wird, ist jedoch irreführend: Ein Teratom ist kein im Körper seines Bruders/seiner Schwester rudimentär ausgebildeten Zwilling, da es aus embryonalen Stammzellen und nicht aus Geschlechtszellen besteht.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Meist kommt es erst im Erwachsenenalter zum Auftreten von Symptomen und zur Entdeckung des Teratoms. Manchmal werden jedoch schon im Körper von Säuglingen Teratome beachtlicher Größe entdeckt. Die Art der Symptome richtet sich danach, wo der Keimzelltumor lokalisiert ist und welche Größe er bereits entwickelt hat.

Bei Teratomen im Bauchraum bemerkt der Betroffene eine Zunahme des Bauchumfangs. Befinden sie sich weiter unten, wölbt sich der Unterbauch vor. Es kann zu Störungen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang kommen. Drückt die Geschwulst durch ihre wachsende Ausdehnung auf Nerven oder schiebt sie Organe beiseite, kommt es zu erhöhtem Druckgefühl und zu Schmerzen. Das kann beispielsweise durch eine Dermoidzyste der Fall sein.

Bösartige Teratome vergrößern sich schneller und wachsen sogar in benachbarte Organe hinein. Dann kann es auch zu unregelmäßigem Monatszyklus kommen. Eine Stiel-Drehung oder ein Kapselriss verursachen extreme Bauchschmerzen und können sogar lebensgefährlich sein, wenn sich der Inhalt des Tumors in die Bauchhöhle entleert und dort eine Bauchfellentzündung verursacht. In seltenen Fällen kann es auch zu Einblutungen in den Bauchraum und zur Ablösung des Tumors kommen.

Teratome, die sich im Gehirn befinden, sind mit chronischen Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Symptomen verbunden, die für gewöhnliche Hirntumore typisch sind. Enthalten die im Eierstock befindlichen Teratome einen hohen Anteil an Schilddrüsen-Gewebe, kann es dadurch zu einer Schilddrüsenüberfunktion bei dem Patienten kommen (Struma ovarii). Etwa ein Prozent der Keimzelltumoren werden später bösartig.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Teratome des Bauchraums werden durch Abtasten der betreffenden Stelle festgestellt. Um sicher zu sein, worum es sich genau handelt, wird eine Ultraschall und gegebenenfalls noch eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. Enthält das Teratom kalkhaltige Substanzen wie beispielsweise Zähne, kann der Arzt schon in diesem Stadium der Untersuchung wissen, welche Form des Keimzell-Tumors vorliegt.

Vollständige Gewissheit erhält er jedoch erst durch eine Gewebeentnahme, die unter lokaler Betäubung erfolgt. Dabei wird an der betreffenden Stelle ein winziges Stück Gewebe entfernt und histologisch untersucht. Blut-Untersuchungen ergeben eine starke Erhöhung der Tumormarker bHCG, AFP und/oder LDH. Die meisten Teratome werden erst dann sicher als solche diagnostiziert, wenn sie bereits ziemlich groß sind und Symptome verursachen.

Komplikationen

Ein Teratom kann zu verschiedenen Beschwerden führen. Dabei ist vor allem die genaue Position und die Größe sehr entscheidend für die Komplikationen und Beschwerden. Die Betroffenen leiden in erster Linie an Beschwerden beim Stuhlgang und beim Wasserlassen. Dabei kann es zu einem Brennen oder im Allgemeinen zu Schmerzen kommen. Viele Betroffene leiden an psychischen Beschwerden oder an Depressionen.

Ebenso kann es bei Frauen krankheitsbedingt zu Unregelmäßigkeiten bei der Periode und damit zu Stimmungsschwankungen kommen. Mitunter treten dabei Bauchschmerzen auf und das Bauchfell selbst kann sich entzünden. Weiterhin leiden die Betroffenen beim Teratom an starken Schwindelgefühlen und an einer Fehlfunktion der Schilddrüse. Diese wirkt sich in der Regel sehr negativ auf die Gesundheit aus und kann eventuell auch die Lebenserwartung des Patienten verringern.

In den meisten Fällen erfolgt bei einem Teratom ein operativer Eingriff. Dabei kann die Wucherung entfernt werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. Einige Patienten sind allerdings auf eine Chemotherapie angewiesen, die zu Nebenwirkungen führen kann. Nach einer erfolgreichen Behandlung treten keine weiteren Beschwerden mehr auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Können bei Neugeborenen und Säuglingen Schwellungen oder allgemeine Unregelmäßigkeiten der Körperform wahrgenommen werden, sollten die Beobachtungen mit einem Arzt besprochen werden. Bei einem Teratom kommt es zu optischen Veränderungen im Bereich der Genitalien. Bei männlichen Lebewesen zeigen sich Schwellungen der Hoden und bei weiblichen Wucherungen im Bereich der Eierstöcke. Sollten daher Auffälligkeiten in diesen Körperregionen festgestellt werden, ist unverzüglich die Rücksprache mit einem Arzt notwendig.

Da es in den meisten Fällen zu den ersten Unregelmäßigkeiten im Erwachsenenalter kommt, wird ein Arzt benötigt, sobald die angeborene Störung bemerkt wird. Unregelmäßigkeiten beim Toilettengang, Auffälligkeiten beim Wasserlassen oder Störungen beim Stuhlgang sind Anzeichen für eine gesundheitliche Beeinträchtigung. Sie sind untersuchen und behandeln zu lassen.

Zeigen sich bei jungen Mädchen oder Frauen Störungen des Monatszyklus oder ungewöhnlich starke Unterleibsschmerzen, wird ein Arzt benötigt. Bemerken Jungen oder Männer optische Unregelmäßigkeiten ihrer Hoden sollten sie ebenfalls bei einem Arzt vorstellig werden. Kopfschmerzen, Schwindel oder Gangunsicherheiten können ebenfalls auf ein Teratom hindeuten. Kommt es zu Heiserkeit, Problemen beim Schluckakt oder zu Beschwerden des Steißbeins, sollte ein Arzt konsultiert werden. Störungen der Konzentration, Einbußen der Gedächtnistätigkeit sowie Unstimmigkeiten der Koordination oder allgemeine Funktionsstörungen sind schnellstmöglich von einem Arzt untersuchen zu lassen.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung des Teratoms ist davon abhängig, ob es gutartig oder bösartig ist - was anhand der entnommenen Gewebeprobe festgestellt wird. Ist es gutartig, reicht es schon aus, wenn es vollständig chirurgisch entfernt wird. Dazu wird eine Ausschälung des Eierstocks mithilfe einer Bauchspiegelung durchgeführt.

Bei Vorliegen eines malignen Teratoms werden nicht nur der eigentliche Tumor, sondern auch noch das befallene benachbarte Gewebe und die in der Nähe befindlichen Lymphknoten entfernt. Bei Männern wird der befallene Hoden entfernt. Danach erfolgt eine cisplatinbasierte chemotherapeutische Behandlung. Die Prognose ist in solchen Fällen günstig. Die bei manchen Mädchen und jungen Frauen auftretenden malignen Teratome reagieren jedoch auf die Chemo- oder Strahlentherapie meist negativ.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist nicht möglich, da Teratome spontan entstehen.

Nachsorge

Wurde das Teratom operativ entfernt, ist es je nach Zustand des Patienten unterschiedliche, wie lange dieser im Anschluss noch im Krankenhaus bleiben muss. Eine entscheidende Rolle spielt der Umfang des Keimzelltumors. Weitere wichtige Faktoren sind die Position des Teratoms sowie der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.

Handelt es sich lediglich um ein kleines Teratom, wie zum Beispiel ein Dermoid im Eierstock der Frau, reicht oft schon eine ambulante Entfernung aus, sodass der Patient anschließend wieder nach Hause zurückkehren kann. In den meisten Fällen müssen die Betroffenen nach der Operation, die meist als Bauchspiegelung erfolgt, noch ein bis drei Tage in der Klinik bleiben.

Liegt jedoch ein Teratom in größerem Umfang vor, erfordert dies einen aufwendigeren Eingriff wie einen Bauchschnitt, wodurch die Dauer des Klinikaufenthaltes länger ausfällt. So bleiben die Patienten oft bis zu einer Woche im Krankenhaus. Babys oder Kleinkinder, bei denen ein Steißbeinteratom operativ entfernt wurde, müssen ebenfalls einige Tage im Krankenhaus bleiben, wobei die Dauer unterschiedlich ist. Teilweise findet danach noch eine Chemotherapie statt.

Weil ein Teratom trotz erfolgreicher Behandlung erneut auftreten kann, was meist nach zwei bis fünf Jahren der Fall ist, empfiehlt sich eine regelmäßige Nachsorge in Form von Kontrolluntersuchungen. Dabei werden u. a. eine Computertomographie oder eine Röntgen-Thorax-Untersuchung vorgenommen, um ein eventuelles Rezidiv frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Das können Sie selbst tun

Gutartige Teratome werden operativ entfernt. Nach einem chirurgischen Eingriff gelten die üblichen Maßnahmen. Die Genesung lässt sich unterstützen, indem die Wunde ausreichend gepflegt und versorgt wird. Sollten erneut Beschwerden auftreten, die auf ein Rezidiv hindeuten, muss der Arzt informiert werden. Womöglich ist eine weitere Behandlung vonnöten.

Teratom-Patienten sollten enge Rücksprache mit ihrem Hausarzt halten, da ein Teratom hormonelle Beschwerden verursachen kann. Schweißausbrüche und psychische Beschwerden deuten auf einen Einfluss auf den Hormonhaushalt hin und müssen entsprechend behandelt werden, um ernsthafte Beschwerden und Komplikationen zu vermeiden. Zur Genesung tragen auch Bewegung und die Vermeidung von Stress bei. Gerade nach größeren Operationen, die auch seelisch eine Belastung darstellen, muss ein Ausgleich geschaffen werden.

Die Betroffenen sollten sich zudem an eine Selbsthilfegruppe wenden. Freunde und Bekannte stellen bei einer Krebserkrankung eine zusätzliche Unterstützung dar. Bei bösartigen Teratomen wird der Körper durch die Chemotherapie stark belastet und es sind entsprechende Gegenmaßnahmen vonnöten. Sport und ein Ernährungsplan sind wichtige Bausteine der begleitenden Behandlung. Der Arzt wird hierfür weitere Ärzte hinzuziehen und den Patienten anhalten, die Maßnahmen strikt einzuhalten.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Regina 62 kommentierte am 11.03.2017

Teratom an der Schilddrüse wurde vor ca. fünf Jahren bei meiner Tochter, damals 28 Jahre alt, operativ entfernt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich davon später etwas Bösartiges ausbreitet?