Wulstnarbe
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Normalerweise heilen Wunden bei intakter Wundheilung so ab, dass zwar ein Narbengewebe vorhanden bleibt. Dieser Bereich hebt sich jedoch im Laufe der Zeit kaum noch vom gesunden Areal ab. Anders ist dies bei einer sogenannten Wulstnarbe, die eine ästhetische Beeinträchtigung darstellen kann.
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Was ist eine Wulstnarbe?
Als Wulstnarbe bezeichnet man umgangssprachlich jede überschießende Narbe. Im Unterschied zu einem "gesunden" Narbengewebe ist sie erhaben und ragt über die Hautoberfläche hinaus. In der medizinischen Fachsprache werden dabei zwei Formen unterschieden: Eine hypertrophe Narbe bleibt auf das ursprüngliche Wundgebiet begrenzt und bildet sich häufig im Lauf von Monaten bis Jahren von selbst wieder zurück. Ein Keloid wächst dagegen über die Wundgrenzen hinaus in die gesunde Haut hinein und bildet sich nicht von allein zurück. Von der Unterscheidung hängt ab, was zu erwarten ist und wie behandelt wird.
Unter diesen Gegebenheiten ist eine Wulstnarbe optisch gut zu erkennen. Außerdem kann eine Wulstnarbe unter bestimmten Bedingungen auch Beschwerden verursachen.
Dies ist häufig dann der Fall, wenn eine Wulstnarbe über einem Gelenk oder an einer stark bewegten Körperstelle entstanden ist. Durch die Wulstnarbe, die sich verhärten kann, kommt es zu Spannungsgefühlen und mitunter zu einer eingeschränkten Beweglichkeit. Eine Wulstnarbe betrifft dabei immer die Haut. Die Verwachsungen, die nach Operationen im Bauchraum entstehen können, sind demgegenüber ein eigenes Krankheitsbild und keine Wulstnarbe.
Ursachen
Außerdem wirken noch mehr Faktoren auf die Bildung einer Wulstnarbe ein. Zu diesen gehören beispielsweise die Zytokine und das Zellwachstum fördernde körpereigene Stoffe sowie die Makrophagen und die als epidermale Keratinozyten bezeichneten Zellstrukturen.
Es kommt wahrscheinlich zu einem Ungleichgewicht zwischen diesen Komponenten, sodass vermehrt Kollagen als Basis für die Wulstnarbe entsteht. Eine gewisse genetische Bereitschaft des Organismus kann zu einer vermehrten Neigung zu Wulstnarben beitragen. Häufiger als andere sind Menschen mit dunklerer Haut und jüngere Menschen betroffen. Bevorzugt entstehen Wulstnarben am Brustbein, an den Schultern, am Oberkörper und an den Ohrläppchen, etwa nach einem Piercing. Wer bereits zu Wulstnarben neigt, sollte geplante Eingriffe an diesen Stellen vorher mit dem Arzt besprechen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Wulstnarben sind eine äußerliche Erscheinung, die das Aussehen deutlich verändern kann. Sie entstehen ausschließlich an der Haut; die Verwachsungen im Körperinneren, die nach Bauchoperationen auftreten können, sind ein anderes Krankheitsbild. Wulstnarben können Begleitsymptome verursachen, die unerwünscht sind. So kommt es bei wulstartigen Narbenbildungen häufig zu Spannungsgefühlen, Juckreiz und einer erhöhten Berührungsempfindlichkeit. Eine Wulstnarbe ist lange Zeit gerötet und erhaben.
Zu den typischen Symptomen, die Wulstnarben verursachen können, gehören Juckreiz, Druck- und Spannungsgefühle oder Schmerzen rund um das Wundgebiet. Das frische Narbengewebe wird erst nach mehreren Monaten oder Jahren weicher. Es nimmt oft nach und nach eine normale Färbung ein. Wulstnarben, die durch Verbrennungen oder operative Eingriffe entstehen, können nach dem Abheilen noch lange empfindlich gegenüber Sonneneinstrahlung oder Druck bleiben. Sie können anhaltend schmerzen.
Nach Operationen im Bauchraum, etwa an der Galle, können sich dort Verwachsungen bilden. Dabei handelt es sich nicht um eine Wulstnarbe, sondern um strangförmige Verbindungen zwischen Organen und Bauchfell. Sie können Schmerzen und im ungünstigen Fall einen Darmverschluss verursachen. Problematisch ist, dass jede weitere Operation neuerliche Verwachsungen nach sich zieht.
Wulstnarben stellen ein kosmetisches, aber wegen der auftretenden Begleitsymptome auch ein medizinisches Problem dar. Manchmal ist eine operative Korrektur notwendig. Besonders problematisch sind die Narbenbildungen nach schweren Verbrennungen und Verätzungen. Hier entwickeln sich oft schmerzhafte Wulstnarben, die spezieller Behandlungsansätze und vieler kosmetischer Operationen bedürfen.
Diagnose & Verlauf
Eine Wulstnarbe ist immer gutartig und rein äußerlich durch ihre Beschaffenheit erkennbar. Ob eine hypertrophe Narbe oder ein Keloid vorliegt, erkennt der Arzt daran, ob die Wucherung auf das ursprüngliche Wundgebiet begrenzt bleibt oder darüber hinaus in die gesunde Haut hineinwächst. Verwachsungen, die sich nach einem operativen Eingriff im Inneren des Körpers gebildet haben, sind von außen dagegen nicht erkennbar und werden vor allem anhand der Beschwerden vermutet.
Eine Wulstnarbe, welche sich nach Defekten durch Verbrennungen, Akne oder Impfungen entwickelt, äußert sich vielfach durch ein anhaltendes Jucken und sogar eine gewisse Schmerzhaftigkeit. Die Begrenzungen der Wulstnarbe sind nicht glatt und gehen nicht gleichmäßig in umliegendes intaktes Gewebe über.
Hautärzte erkennen schon rein visuell eine Wulstnarbe und können diese mit einem Vergrößerungsinstrument noch besser differenzieren.
Komplikationen
Wenn eine Wulstnarbe entsteht, ist das für die Betroffenen vor allem ein kosmetisches Problem. Komplikationen können auftreten, wenn keine Möglichkeit besteht, die Narbe medizinisch zu behandeln. Die Betroffenen entwickeln dann häufig Minderwertigkeitskomplexe und trauen sich nicht mehr, ihren Körper zu zeigen.
Bleibt therapeutische Unterstützung aus, können sich diese seelischen Beschwerden verstärken und das Leben der Betroffenen erheblich beeinflussen. Eine Wulstnarbe kann auch körperliche Probleme hervorrufen. Meistens sind die auffälligen Hautveränderungen mit einer Berührungsempfindlichkeit verbunden.
Manche Betroffene berichten über wiederkehrende Schmerzen im Narbenbereich, die sich sehr negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Der ständige Juckreiz kann dazu führen, dass die Betroffenen die Narbe aufkratzen und eine Infektion verursachen. Im schlimmsten Fall kann es dadurch zu einer Blutvergiftung kommen.
Meistens führt das Aufkratzen dazu, dass sich die Narbe vergrößert. Eine medikamentöse Behandlung mittels Kortison kann in seltenen Fällen Nebenwirkungen hervorrufen. Größere Komplikationen sind bei einem operativen Eingriff möglich. Chirurgische Maßnahmen bergen zum Beispiel das Risiko, dass die umliegenden Gewebestrukturen verletzt werden. Auch Wundheilungsstörungen und Infektionen können auftreten.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Wulstnarbe kann sehr unschön aussehen. Sie kann Menschen, die sie erleben, stark belasten. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine Wulstnarbe im sichtbaren Bereich liegt.
Wulstnarben können sich jedoch auch entzünden oder weiter wachsen. Davon zu unterscheiden sind die Verwachsungen im Bauchraum nach Operationen, für die Mediziner auch den Ausdruck Verwachsungsbauch verwenden. Hier würde eine erneute Operation vermutlich neue Verwachsungen erzeugen. Trotzdem kann ein operativer Eingriff bei starken Beschwerden angezeigt sein. Wulstnarben, die nach Rückenoperationen in der Haut entstehen, können Spannungsgefühle auslösen und empfindlich auf Druck und Berührung reagieren.
Die psychische Belastung durch eine gerötete Wulstnarbe im Sichtbereich kann erheblich sein. Wulstnarben sind sowohl kosmetisch als auch medizinisch relevante Probleme. Der Arztbesuch ist immer dann angezeigt, wenn es infolge einer Wulstnarbe zu Depressionen oder anderen Beschwerden kommt. Zuständig sind je nach Sachlage die Dermatologie (Hautheilkunde) und die plastische Chirurgie; bei starker seelischer Belastung kommt zusätzlich die Hilfe eines Psychologen in Betracht. Ein Keloid allein herauszuschneiden, genügt allerdings nicht: Es kehrt an derselben Stelle sehr häufig zurück, oft größer als zuvor. Deshalb wird die Operation in der Regel mit weiteren Verfahren kombiniert, etwa mit Kortisoninjektionen, einer Kompressionsbehandlung oder in einzelnen Fällen einer Bestrahlung.
Im Falle schwerer Brandverletzungen oder nach Verätzungen kommt es vermehrt zur Bildung von Wulstnarben. Hier können interdisziplinäre Hilfen nötig sein. Auch wenn die Narbenbildung durch elastische Gesichtsmasken reduziert werden kann, sind viele kosmetische Operationen unumgänglich.
Behandlung & Therapie
Eine Wulstnarbe kann nicht nur behandelt, sondern auch entfernt werden. In diesem Zusammenhang werden gerade solche Narben als lästig und störend empfunden, die an gut sichtbaren Körperstellen lokalisiert sind. Darüber hinaus lassen sich mit der Behandlung der Wulstnarbe auch die damit zusammenhängenden Beschwerden in den Griff bekommen.
Bei einer Wulstnarbe muss nicht immer gleich zum Skalpell gegriffen werden. Eine auf der Hautoberfläche aufliegende Wulstnarbe kann auch medikamentös oder mit Cremes und Salben behandelt werden. Am besten belegt ist die Behandlung mit Silikongel oder Silikonpflastern, die über Monate hinweg täglich auf der Narbe bleiben. Ebenfalls bewährt hat sich die Kompressionsbehandlung mit Druckverbänden oder Kompressionsbekleidung, vor allem nach Verbrennungen. Eine andere Version, eine Wulstnarbe "unsichtbar" zu machen, ist der Einsatz der sogenannten Kryotherapie (Kältebehandlung). Durch die direkte Einwirkung sehr niedriger Temperaturen kommt es bei der Wulstnarbe zu einer Hemmung des Zellwachstums. Erfolgreich sind zudem Injektionen von Kortison, um die Sichtbarkeit der Wulstnarbe zu verringern.
Zu den hoch modernen Verfahren, welche in der Dermatologie und der ästhetischen Medizin angewandt werden, um eine Wulstnarbe zu behandeln, gehören die Lasergeräte. Sowohl die fraktionierte als auch die ultragepulste Kohlendioxidlaserbehandlung sind hierbei von Bedeutung. Eine chirurgische Korrektur der Wulstnarbe durch eine Nachoperation kann ebenfalls sinnvoll sein. Bei einem Keloid wird sie mit Kortisoninjektionen, einer Kompressionsbehandlung oder einer Bestrahlung kombiniert, weil das Keloid sonst häufig wiederkehrt.
Vorbeugung
Die besten Prophylaxen gegen eine Wulstnarbe sind natürlich eine intakte und reibungslose Wundheilung sowie eine professionelle Versorgung der Wunde.
Darüber hinaus sollten als Vorbeugung gegen eine Wulstnarbe keine UV-Strahlen übermäßig auf eine frische Narbe einwirken. Auch das Ausüben von Reibung und Druck auf eine gerade geheilte Wunde sollten vermieden werden. Durch ein "geschmeidig halten" einer Narbe kann eine Neubildung von Narbengewebe bei einer Wulstnarbe ebenfalls verhindert werden. Die Anwendung spezieller Narbenpflaster aus Silikon ist gegen eine Wulstnarbe ebenfalls empfehlenswert.
Nachsorge
Die Nachsorge einer Wulstnarbe konzentriert sich darauf, passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Die meisten Narben können durch Cremes und Salben, Lasertherapien wie die Kohlendioxidlaserbehandlung oder eine Kryotherapie behandelt werden. Auch eine chirurgische Entfernung der Narbe ist möglich; bei einem Keloid wird sie mit Kortisoninjektionen, einer Kompressionsbehandlung oder einer Bestrahlung kombiniert, weil es sonst häufig wiederkehrt. Nach dem Abschluss der Behandlung stellt der Dermatologe eine Untersuchung der betroffenen Hautstellen an.
Mittels einer blickdiagnostischen Untersuchung und einem anschließenden Gespräch mit dem Patienten kann festgestellt werden, ob das Ergebnis den Erwartungen entspricht. Abhängig davon können dann weitere Schritte geplant werden. Ist keine weitere Behandlung möglich, da die Wulstnarbe bereits zu stark verknotet ist oder sich an einer sensiblen Körperpartie befindet, ist für den Patienten oft eine therapeutische Beratung sinnvoll.
Andernfalls kann das Aussehen der Narbe Minderwertigkeitskomplexe hervorrufen und es dem Betroffenen erschweren, seinen Körper frei zu zeigen. Die Nachsorge konzentriert sich darauf, gemeinsam mit dem Patienten die Behandlung und die Nachbehandlung der Wulstnarbe durchzuführen. Sie wird in der Regel von dem zuständigen Dermatologen oder dem Hausarzt übernommen. Je nachdem, wie sich die Wulstnarbe entwickelt, sind mitunter weitere Arzttermine notwendig. In anderen Fällen stagniert die Wulstnarbe und der Patient entscheidet sich gegen eine weitere Behandlung.
Das können Sie selbst tun
Eine Wulstnarbe ist in der Regel nur dann ein Problem für den Patienten, wenn sie schmerzt oder stört, aber medizinisch nichts gegen sie unternommen werden kann. Liegt die Wulstnarbe an einer schwer zugänglichen Stelle, sind die Möglichkeiten begrenzt, sich selbst zu helfen.
Äußerliche Narben, die den Patienten stören, können jedoch mit Geduld und geeigneten Cremes geglättet und gelindert werden. In Apotheken und Drogerien werden verschiedene Narbencremes und -öle angeboten. Welches das Richtige für den Patienten ist, kann nur er selbst herausfinden. Wichtig ist, dass er mit dem Produkt die Narbenfläche einsalben und sanft einmassieren kann. Am besten belegt ist dabei die Wirkung von Silikongelen und Silikonpflastern, die über mehrere Monate konsequent angewendet werden müssen. Für die sanfte Massage sollte sich der Patient zweimal am Tag Zeit nehmen. Nach dem Eincremen darf das Gewebe mit den Fingerspitzen gelockert und bewegt werden, bis es warm und gut durchblutet ist. Es dauert möglicherweise Wochen oder sogar Monate, bis die Narbe weich und geschmeidig ist, aber die konsequente Selbstbehandlung kann den Juckreiz lindern und das Gewebe wieder schmerzfrei machen. Gleichzeitig lernt der Patient, die Narbe als Teil seines Körpers anzusehen und sie zu akzeptieren.
Sind die Wulstnarben subjektiv kosmetisch sehr störend, kann eine psychotherapeutische Intervention helfen, besser mit ihr zurecht zu kommen. Wenn die Narben auch für Außenstehende deutlich sichtbar sind, hilft der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe. Die behandelnden Ärzte können entsprechende Adressen anbieten.
Quellen
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ISBN: 9783662495445
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- Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
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- Schwarz, T., Schmuth, M., Fritsch, P.: Dermatologie und Venerologie.
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