Wundrose
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Wundrose (Erysipel) ist eine Hautkrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird, meist durch ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Dabei kommt es zu einer typischen Entzündung der Haut und stark sichtbaren Hautrötungen. Eine Wundrose kommt zumeist am Bein oder im Gesicht vor und ist nicht selten von starkem Fieber begleitet.
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Was ist eine Wundrose?
Die Wundrose, im medizinischen Fachgebrauch als Erysipel und im Volksmund als Rotlauf bekannt, beschreibt eine Rötung der Haut. Diese ist scharf begrenzt und deutlich erkennbar, sie nimmt die Form einer Flamme auf der Haut an. Der Ausdruck Rotlauf ist allerdings missverständlich: Als Rotlauf des Menschen (Erysipeloid) wird eine andere Erkrankung bezeichnet, die von einem anderen Erreger verursacht wird und vor allem Menschen betrifft, die beruflich mit Fleisch oder Fisch umgehen.
Eine Wundrose entsteht, wenn sich Bakterien in minimale Wunden einnisten und sich die Stelle entzündet - betroffen sind in der Regel die Lederhaut und die dort verlaufenden Lymphbahnen.
Besonders häufig kommt die Wundrose am Bein, an den Armen oder im Gesicht vor, wo sie an jeder Stelle auftreten kann. Seltener trifft man die Rötung bzw. Wundrose auch im Bereich des Bauchnabels an.
Ursachen
Die Bakterien treten durch kleine Wunden ein, die in der obersten Hautschicht entstehen. Diese können beispielsweise durch Fußpilz oder Neurodermitis hervorgerufen werden, wodurch man sie kaum bemerkt. Häufig ist bei Ausbruch der Wundrose die verantwortliche Wunde nicht mehr aufzufinden, da sie so klein ist und schnell wieder verheilt. Weitere Eintrittsportale für die Erreger der Wundrose sind größere Wunden, beispielsweise Schrunden (Rhagade), die den Zugang zur obersten Hautschicht freigeben.
Sobald die Erreger ein Eintrittsportal gefunden haben, können sie sich rund um die Wunde herum einnisten und beginnen mit der Vermehrung. Auf diese Weise entsteht schließlich die Wundrose.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
In den meisten Fällen entstehen die ersten Anzeichen einer Wundrose an den Beinen oder den Unterschenkeln. Seltener treten Symptome an Armen oder im Gesicht (Gesichtsrose) auf. Typische Merkmale der Wundrose sind rötliche Entzündungsherde auf der Haut. Die tiefroten Flächen weisen eine scharfe Begrenzung zu gesunden Hautarealen in direkter Nachbarschaft auf.
Form und Verlauf folgen dabei keinem klaren Muster und wirken sehr unregelmäßig. Bei fortgeschrittener und tief sitzender Wundrose verliert die Entzündung ihre charakteristische Kontur und läuft weicher in die umgebende Haut über. Neben einer ausgeprägten Schwellung leiden Betroffene zudem an einer erhöhten Druckempfindlichkeit im erkrankten Bereich. Durch Auflegen der Hand macht sich ein deutlicher Temperaturanstieg durch infektiöse Prozesse bemerkbar.
Lymphknoten in unmittelbarer Nähe reagieren auf die Wundrose durch eine schmerzhafte Vergrößerung. Typische Symptome wie Fieber über 39° Celsius, Schüttelfrost, Gelenkbeschwerden oder eine große Abgeschlagenheit begleiten das Beschwerdebild in variierender Intensität. Patienten klagen über Beeinträchtigungen, die in vielen Fällen an eine angehende Grippe erinnern.
Bei der wiederkehrenden Wundrose rücken die allgemeinen Beschwerden wie Schwächegefühl und Müdigkeit in den Hintergrund. Der Rückfall führt im Gegenzug zu einer Ausprägung von Lymphödemen aufgrund geschädigter Lymphbahnen. Bei schweren Verläufen liegen zudem ein Kreislaufschock aufgrund einer Blutvergiftung, eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) und die Entwicklung einer Meningitis im Bereich des Möglichen.
Unabhängig davon gilt für jede Wundrose: Greift die Infektion um sich und stirbt dabei Gewebe ab, kann eine nekrotisierende Fasziitis dahinterstecken, eine sich innerhalb von Stunden ausbreitende Infektion der Muskelhüllen, die sofort operiert werden muss. Warnzeichen sind Schmerzen, die in keinem Verhältnis zum sichtbaren Befund stehen, eine rasche Ausbreitung innerhalb weniger Stunden, dunkle Verfärbungen oder Blasen und ein schweres Krankheitsgefühl. Dann muss der Betroffene sofort in eine Notaufnahme; im Zweifel gilt der Notruf 112.
Diagnose
Die Diagnose stellt der Arzt in aller Regel anhand des typischen Bildes: eine scharf begrenzte, flammenförmige, überwärmte Rötung, dazu ein rasch einsetzendes Fieber mit Schüttelfrost. Im Blut zeigen sich erhöhte Entzündungswerte.
Ein Abstrich von der Hautoberfläche hilft meist nicht weiter, da die Erreger in der Tiefe der Haut sitzen. Wichtiger ist die gezielte Suche nach der Eintrittspforte, vor allem in den Zehenzwischenräumen. Abzugrenzen sind unter anderem eine Venenentzündung, eine tiefe Beinvenenthrombose, ein allergisches Kontaktekzem und die deutlich gefährlichere nekrotisierende Fasziitis.
Krankheitsverlauf
Zunächst treten die bakteriellen Erreger der Wundrose (Erysipel) durch die Wunde in den Körper ein. Die Inkubationszeit beträgt etwa 2 bis 5 Tage. Innerhalb dieser Zeit kann die Wunde bereits wieder verheilt sein - das hängt von ihrer Größe ab.
Die ersten Symptome der Wundrose erscheinen plötzlich. Die betroffene Person leidet zunächst unter Fieber, begleitet von starkem Schüttelfrost. Die Wundrose selbst wird erst einige Stunden nach Eintreten der ersten Symptome sichtbar. Die Haut rötet sich in diesem Stadium, die Rötung breitet sich schnell aus. Sie zeichnet sich durch ihre hochrote Farbe aus und ist meist flammenförmig.
Die Ausprägung der Wundrose kann so leicht sein, dass nur einige rote Punkte auf der Haut zu erkennen sind - es kann aber auch zu einer weitaus deutlicheren Ausprägung kommen. Die entzündete Stelle schwillt nach und nach deutlich sichtbar an. In einigen schweren Fällen bilden sich Blasen, die einbluten können. Diese werden als bullöses Erysipel bezeichnet.
Komplikationen
Wenn eine Wundrose zu spät oder nicht hinreichend behandelt wird, können besonders bei Menschen mit einer Abwehrschwäche oder anderen Erkrankungen verschiedene Komplikationen drohen. Die Entzündung kann die Lymphwege verkleben, wodurch die Lymphflüssigkeit nicht richtig abfließen kann und sich im Gewebe staut (Lymphödem). Weil das betroffene Gewebe dadurch nicht optimal mit Nährstoffen versorgt wird, besteht so die Gefahr, dass einzelne Streptokokken überleben, sich vermehren und erneut eine Wundrose verursachen.
Bei schwerem Verlauf oder unzureichender Behandlung können starke Schwellungen auftreten und eine Elephantiasis mit stark geschwollenen Beinen begünstigen. Weiterhin kann es zu Entzündungen der umliegenden Venen kommen. In seltenen Fällen droht eine lebensbedrohliche Sepsis, wenn Bakterien in den Blutkreislauf gelangen.
Auch in den Nieren kann eine Wundrose zu Komplikationen führen: Nach der Infektion können sich Bakterienbestandteile und die gegen sie gebildeten Abwehrstoffe zu Komplexen verbinden, die sich in den Nierenkörperchen ablagern und dort eine Entzündung auslösen. Mediziner sprechen dann von einer Poststreptokokken-Glomerulonephritis. Menschen mit einer operierten oder künstlichen Herzklappe gelten als Risikopatienten, weil die Erreger bei ihnen leichter eine Entzündung der Herzinnenhaut auslösen können. Sehr gefährlich, wenn auch selten, ist eine Gesichtsrose, bei der Bakterien ins Gehirn gelangen und dort eine Hirnhautentzündung oder eine Hirnvenenthrombose verursachen können. Eine Wundrose hat den Nachteil, dass sie immer wieder auftreten und auch chronisch werden kann.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Veränderungen des Hautbildes sind grundsätzlich ein Anzeichen, dass im Organismus Unstimmigkeiten vorhanden sind. Halten die Auffälligkeiten über mehrere Tage oder Wochen an oder haben sie einen zunehmenden Charakter, ist ein Arzt zu konsultieren. Besorgniserregend sind Rötungen der Haut, Juckreiz oder Schmerzen. Zur Vermeidung von Komplikationen oder Folgeerkrankungen sollte bereits bei den ersten Hinweisen ein Arzt aufgesucht werden.
Leidet der Betroffene unter Entzündungen der Haut, ist unverzüglich eine Abklärung der Ursache anzuraten. Bei Fieber, Müdigkeit, einer inneren Schwäche, Abgeschlagenheit sowie einer Abnahme der körperlichen Kräfte wird eine medizinische Versorgung benötigt. Ist die allgemeine Leistungsfähigkeit des Betroffenen herabgesetzt, sollte er Hilfe in Anspruch nehmen.
Schwellungen der Lymphe sowie grippeähnliche Symptome sind ebenfalls einem Arzt vorzustellen. Bei raschen und fortschreitenden Veränderungen der allgemeinen Gesundheit besteht akuter Handlungsbedarf. Verschlechtert sich das Wohlbefinden innerhalb kurzer Zeit rapide, sollte ein Krankenhaus aufgesucht werden. Unbehandelt und bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf kann es zu einem lebensbedrohlichen Zustand des Betroffenen kommen.
Er kann aufgrund der Beschwerden eine Blutvergiftung erleiden, die einen tödlichen Verlauf nehmen kann. Entstehen Ödeme oder leidet der Betroffene aufgrund des veränderten Hautbildes unter einer emotionalen Belastung, ist ein Arztbesuch notwendig. Beschwerden der Gelenke, Einschränkungen der Mobilität sowie Schüttelfrost sind ebenfalls ärztlich abzuklären.
Sofort ärztliche Hilfe ist nötig, wenn sich die Rötung rasch ausbreitet, wenn von ihr ein roter Streifen in Richtung Körpermitte zieht, wenn hohes Fieber oder Schüttelfrost hinzukommen oder wenn sich der Zustand rasch verschlechtert. Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung, hoher Puls und kalte, fahle Haut sind Zeichen einer Sepsis – dann gilt der Notruf 112.
Behandlung & Therapie
Je nach Ausprägung der Wundrose (Erysipel) werden Patienten unterschiedlich behandelt. Bei einigen erfolgt die Gabe von Medikamenten unter Aufsicht des Hausarztes, andere hingegen müssen stationär behandelt werden. Sobald aus der Wundrose bullöse Erysipele werden, wird der Patient ins Krankenhaus eingeliefert. Dort erhält er starke Antibiotika in besonders hoher Dosis, um die Erreger der Wundrose abzutöten.
Häufig werden Penicillin oder Cephalosporine intravenös verabreicht. Beim Abheilen einer blasenbildenden Wundrose können Narben auf der Haut zurückbleiben. Bei leichteren Formen der Wundrose ohne Beeinträchtigung reicht es, die Antibiotika in Tablettenform zu verschreiben.
Ebenso wichtig wie die Antibiotika sind Bettruhe, die Ruhigstellung der betroffenen Gliedmaße und ihre Hochlagerung. Ein betroffenes Bein wird über Herzhöhe gelagert, damit die Schwellung zurückgeht; ein betroffener Arm wird ruhiggestellt.
In jedem Fall aber muss die Ursache der Wundrose behandelt werden, um eine wiederkehrende Infektion zu vermeiden. Gemeint ist damit vor allem die Eintrittspforte für die Erreger: Am Bein ist das meist ein Fußpilz mit eingerissener Haut in den Zehenzwischenräumen. Er muss konsequent mitbehandelt und die Zehenzwischenräume müssen dauerhaft gepflegt werden, sonst kehrt die Wundrose zurück.
Vorbeugung
Einer Wundrose lässt sich vor allem vorbeugen, indem die Eintrittspforten für die Erreger geschlossen werden. Dazu gehören die tägliche Kontrolle und sorgfältige Pflege der Füße, das gründliche Abtrocknen der Zehenzwischenräume und die konsequente Behandlung eines Fußpilzes. Trockene, rissige Haut wird regelmäßig eingecremt, kleine Verletzungen werden gereinigt und abgedeckt.
Besteht bereits ein Lymphödem oder eine chronische Schwellung des Beines, helfen Kompressionsstrümpfe und eine manuelle Lymphdrainage, denn gestaute Lymphflüssigkeit begünstigt neue Infektionen. Treten Wundrosen immer wieder auf, kann der Arzt zusätzlich eine vorbeugende Langzeitbehandlung mit einem Antibiotikum über Monate verordnen.
Nachsorge
Nach dem Abklingen der akuten Entzündung geht es darum, einen Rückfall zu verhindern. Das verordnete Antibiotikum wird bis zum letzten verordneten Tag eingenommen, auch wenn Rötung und Fieber längst zurückgegangen sind. Der Arzt kontrolliert, ob die Rötung vollständig verschwindet und die Entzündungswerte im Blut sich normalisieren.
In den Wochen danach wird die Eintrittspforte behandelt, durch die die Erreger eingedrungen sind - meist ein Fußpilz oder eine eingerissene Hautstelle zwischen den Zehen. Solange eine Schwellung besteht, wird das betroffene Bein hochgelagert; häufig verordnet der Arzt Kompressionsstrümpfe, weil die Lymphbahnen durch die Entzündung dauerhaft geschädigt sein können.
Rückfälle sind bei der Wundrose häufig. Kehren Fieber, Schüttelfrost oder eine sich ausbreitende Rötung zurück, ist sofort wieder ärztliche Hilfe nötig.
Das können Sie selbst tun
Meist ist der Patient bereits in ärztlicher Behandlung, wenn bekannt wird, dass es sich bei der Hauterkrankung um eine Wundrose handelt. Wichtig ist dann, dass der Patient versteht, dass es sich dabei um eine ernsthafte Infektion handelt und den Anweisungen des Arztes dringend Folge zu leisten ist.
Während der Zeit, in der der Patient entsprechende Medikamente - meist Antibiotika - einnimmt, sollte er sich schonen und auf ausreichende Ruhe- und Schlafzeiten achten. Darüber hinaus sollte der Patient Stress vermeiden und auf Genussgifte wie Alkohol und Zigaretten verzichten. Eine gesunde Ernährung unterstützt die Genesung. Frisches Obst und Gemüse bringt viele Vitamine und Mineralstoffe. Dazu sind helles, mageres Fleisch sowie Vollkornprodukte empfehlenswert. Die Kost sollte den Patienten einerseits wieder zu Kräften bringen, andererseits aber nicht belasten. Fast Food ist dafür nicht geeignet. Solange Rötung und Schwellung bestehen, gilt Schonung: Das betroffene Bein wird hochgelagert, langes Gehen und Stehen sind zu vermeiden. Erst wenn die Entzündung abgeklungen ist, wird die Belastung schrittweise wieder gesteigert. Dann helfen Bewegung an der frischen Luft und Spaziergänge dabei, die Kondition zurückzugewinnen.
Ging die Wundrose mit einer Blasenbildung einher, kann sie im Heilungsverlauf vorsichtig gepflegt werden, damit sich keine Narbe bildet. Entsprechende Narbencremes oder -salben wird der Hautarzt empfehlen. Sie sollten regelmäßig, aber mit äußerster Vorsicht einmassiert werden, so dass einerseits die Wunde nicht übermäßig gezerrt und gerieben, aber andererseits das Gewebe geschmeidig gehalten wird.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
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- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
