Zirkumzision

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Zirkumzision, oder auch männliche Beschneidung, ist die vollständige oder teilweise Entfernung der Vorhaut des männlichen Gliedes. Die weltweit sehr häufig und meist im Kindesalter durchgeführte Vorhautbeschneidung wird in der Regel aus religiösen oder kulturellen Gründen vorgenommen. Es gibt aber auch medizinische Gründe für die Zirkumzision bei Jugendlichen oder Erwachsenen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Zirkumzision?

Zirkumzision
Eine Zirkumzision, oder auch männliche Beschneidung, ist die vollständige oder teilweise Entfernung der Vorhaut des männlichen Gliedes.

Bei der Zirkumzision wird die Vorhaut des männlichen Gliedes operativ entfernt. Die Vorhaut ist ein beweglicher Hautlappen, der die Eichel des Gliedes umschließt. Die Operation erfolgt meist unter lokaler Betäubung; bei rituellen Beschneidungen von Säuglingen wurde in der Vergangenheit vielfach ganz darauf verzichtet. Früher ging man davon aus, dass Neugeborene den Eingriff kaum als schmerzhaft empfinden. Nach heutigem Kenntnisstand ist das Gegenteil der Fall, sodass eine wirksame Schmerzausschaltung auch bei Säuglingen als zwingend gilt. Während die Beschneidung im Christentum unüblich ist, werden im Judentum männliche Säuglinge in der Regel am achten Lebenstag beschnitten; im Islam erfolgt der Eingriff meist erst später im Kindesalter.

In einigen Ländern, beispielsweise in den USA, wird die Zirkumzision in vielen Fällen routinemäßig durchgeführt. Schätzungsweise sind über 50 % der männlichen US-Amerikaner beschnitten. Allerdings zeichnet sich dort in den letzten zwanzig Jahren ein Trend ab, die Beschneidung männlicher Säuglinge seltener durchzuführen. Grund für diese Entwicklung ist eine teilweise recht energisch geführte gesellschaftliche Debatte über Nutzen und Risiken der Beschneidung. In Deutschland wird die Beschneidung zwar auch in jüdischen und islamischen Gemeinden durchgeführt. Bei der christlichen Mehrheitsbevölkerung ist sie aber nur im Falle einer medizinischen Indikation üblich. Rechtlich ist die Beschneidung von Jungen in Deutschland seit 2012 ausdrücklich geregelt: Nach § 1631d des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) dürfen Eltern in die medizinisch nicht erforderliche Beschneidung ihres nicht einsichts- und urteilsfähigen Sohnes einwilligen, wenn der Eingriff nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wird und das Kindeswohl nicht gefährdet ist. In den ersten sechs Lebensmonaten dürfen ihn auch von einer Religionsgesellschaft dafür vorgesehene Personen vornehmen, wenn sie besonders ausgebildet und einem Arzt vergleichbar befähigt sind.

Die Vorschrift ist enger gefasst, als sie auf den ersten Blick wirkt. Sie steht im Kindschaftsrecht und knüpft an die Personensorge an, gibt den Eltern also ein Einwilligungsrecht und erklärt nicht den Eingriff allgemein für zulässig. Erfasst ist ausdrücklich nur das nicht einsichts- und urteilsfähige männliche Kind: Kann ein Junge Bedeutung und Tragweite des Eingriffs bereits erfassen, trägt die Einwilligung der Eltern ihn nicht mehr. Auch die Ausnahme für Nichtärzte ist eng begrenzt, denn sie gilt allein für die ersten sechs Monate nach der Geburt; danach bleibt die Beschneidung Ärzten vorbehalten. Für weibliche Genitalien gilt in Deutschland das Gegenteil: Ihre Verstümmelung ist seit 2013 als eigener Straftatbestand im Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bedroht. Die beiden Eingriffe werden rechtlich also ausdrücklich unterschiedlich behandelt.

Wie viel Gewebe bei einer Zirkumzision entfernt wird, ist im Übrigen nicht festgelegt. Die Vorhaut besteht aus zwei Schichten: Das äußere Blatt ist gewöhnliche Haut und geht an der Spitze in das innere Blatt über, eine dünne, feuchte Schleimhaut, die der Eichel anliegt. An der Unterseite verbindet ein schmales Bändchen, das Frenulum, Vorhaut und Eichel miteinander. Je nach Technik bleibt ein unterschiedlich breiter Rest des inneren Blattes stehen, und das Bändchen kann erhalten oder mit durchtrennt werden. Zwischen einer knappen Kürzung und der vollständigen Entfernung liegen deshalb viele Zwischenformen, was auch den Vergleich von Ergebnissen erschwert.

Die Beschneidung gehört zu den ältesten überlieferten chirurgischen Eingriffen überhaupt. Altägyptische Reliefs zeigen sie bereits Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung, und im Judentum ist sie seit biblischer Zeit als Bundeszeichen bezeugt. Weltweit ist heute ein erheblicher Teil der Männer beschnitten, wobei die Anteile zwischen den Regionen weit auseinandergehen: In weiten Teilen Nordafrikas, Westasiens und Südostasiens sowie in mehreren Ländern des östlichen und südlichen Afrika ist die Beschneidung die Regel, in Europa, Lateinamerika und Ostasien dagegen die Ausnahme. Diese Verteilung folgt der Religions- und Kulturgeschichte weit mehr als medizinischen Erwägungen, und sie erklärt, warum dieselbe Frage in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich beantwortet wird.

Funktion, Wirkung & Ziele

Neben religiösen und ästhetischen Gründen gibt es auch verschiedene medizinische Indikationen für eine Beschneidung. Dazu gehören wiederkehrende Entzündungen an Vorhaut oder Eichel (Balanitis) sowie der ableitenden Harnwege (Urethritis oder Cystitis). Dies gilt vor allem dann, wenn keine anderen behandelbaren Ursachen für diese Entzündungen gefunden werden können. Ein weiterer relativ häufiger Grund ist die Vorhautverengung (Phimose).

Bei dieser lässt sich die Vorhaut beim versteiften Glied nicht oder nicht ganz zurückziehen, wodurch der Geschlechtsverkehr sehr schmerzhaft werden kann. Auch Schmerzen beim Wasserlassen und Schwierigkeiten mit der Hygiene können direkte Folgen der Phimose sein. Die Vorhautverengung kann häufig aber auch auf andere Art behandelt werden. Bei kleinen Jungen ist die Vorhaut zudem meist nur natürlicherweise mit der Eichel verklebt; diese Verklebung löst sich bis zur Pubertät fast immer von selbst, sodass eine Operation im Kindesalter nur selten nötig ist. Bei einer echten Vorhautverengung wird zunächst über mehrere Wochen eine kortisonhaltige Salbe aufgetragen, was häufig bereits ausreicht. Neben der Behandlung der genannten gesundheitlichen Beschwerden dient die Zirkumzision auch der einfacheren Reinigung des Gliedes. Eine Ablagerung des weißlichen Vorhauttalgs (Smegma) findet beim beschnittenen Glied kaum noch statt, sodass sich weniger Bakterien ansammeln können. Dadurch wird die Gefahr von Entzündungen der ableitenden Harnwege verringert.

Außerdem verringert sich das Risiko der Übertragung von Geschlechtskrankheiten. So gelten beschnittene Männer als deutlich weniger anfällig für Infektionen mit HIV und HPV. HPV, die sogenannten humanen Papillomviren, können bei Männern und Frauen Feigwarzen und Krebs auslösen. Insbesondere werden sie für den Gebärmutterhalskrebs verantwortlich gemacht. Belegt ist die schützende Wirkung der Beschneidung vor allem für die Übertragung von der Frau auf den Mann in Ländern mit hoher HIV-Verbreitung; einen Ersatz für Kondome stellt sie nicht dar.

Über den Schutz vor HPV kann eine Beschneidung auch der Sexualpartnerin des Mannes zugutekommen. Manche Männer schätzen neben der veränderten Optik nach der Beschneidung die geringere Reizempfindlichkeit des Gliedes. Dieser Effekt kann dazu führen, dass die weniger reizempfindliche Eichel zu einer Verlängerung des Geschlechtsverkehrs beiträgt. Ob die Beschneidung das Empfinden dauerhaft messbar herabsetzt, ist allerdings umstritten: Kontrollierte Untersuchungen fanden überwiegend keinen bedeutsamen Unterschied. Der Eingriff dauert nur etwa fünfzehn Minuten. Bei der Operation wird die Vorhaut mit einer Klemme gefasst und gestrafft.

Dann kann sie vor der Klemme vollständig durchtrennt werden. Zumeist wird dabei auch das innere Vorhautblatt gekürzt. Die Zirkumzision kann aber auch zirkulär (also rund um die Eichel) durchgeführt werden. Dazu werden vor der Beschneidung zwei Stellen markiert, an denen der Schnitt durchgeführt werden soll. Nach durchgeführter Zirkumzision liegt die Eichel des Gliedes frei, während sie sonst von der Vorhaut verdeckt war. In der Zeit kurz nach der Operation kann daher die sehr sensible Eichel leicht gereizt sein, sie gewöhnt sich aber meist innerhalb weniger Wochen an die ungewohnte Berührung.

Innerhalb von etwa vierzehn Tagen heilt die Wunde normalerweise ab. Geschlechtsverkehr sollte aber frühestens drei Wochen nach der Operation wieder stattfinden. In dieser Phase sollte auch auf Vollbäder mit Badezusätzen verzichtet werden, kurze Duschen sind sinnvoller. Auch sollte unnötige Bewegung vermieden werden. Sportliche Betätigung ist erst wieder möglich, wenn die Heilung vollständig abgeschlossen ist.

Zum Ablauf eines geplanten Eingriffs gehört, noch bevor operiert wird, ein Aufklärungsgespräch, in dem der Befund, das vorgesehene Verfahren und die Alternativen besprochen werden. Erfragt werden dabei auch eine Blutungsneigung, bekannte Gerinnungsstörungen in der Familie und Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen, weil sich danach richtet, wie der Eingriff vorbereitet werden muss. Bei Kindern wird die örtliche Betäubung der Penisnerven häufig mit einer Narkose oder einer Sedierung kombiniert; die Narkose kann dadurch flach gehalten werden, und der Betroffene bleibt auch nach dem Aufwachen zunächst schmerzfrei. Bei Erwachsenen genügt meist die örtliche Betäubung allein. Der Eingriff wird üblicherweise ambulant vorgenommen, der Betroffene kann Praxis oder Klinik also am selben Tag wieder verlassen; eine erste Wundkontrolle folgt nach wenigen Tagen.

Nicht jede Vorhautverengung führt zwangsläufig zur vollständigen Beschneidung. Es gibt vorhauterhaltende Operationen, bei denen die Vorhaut lediglich eingeschnitten und die entstandene Lücke quer wieder vernäht wird, sodass sich der Umfang der Öffnung vergrößert, die Vorhaut aber erhalten bleibt. Solche Erweiterungsplastiken kommen vor allem dann in Betracht, wenn das Gewebe im Übrigen unauffällig ist. Ihr Nachteil liegt darin, dass die Verengung erneut auftreten kann und dann doch eine Beschneidung folgt; auch das Ergebnis fällt weniger gleichmäßig aus. Möglich ist ebenso eine Teilbeschneidung, bei der nur der verengte Ring entfernt wird. Welches Vorgehen infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob die Vorhaut lediglich zu eng ist oder ob ihr Gewebe selbst krankhaft verändert ist; diese Unterscheidung trifft der Arzt bei der Untersuchung.

Zwei Befunde führen dagegen regelmäßig zur vollständigen Entfernung der Vorhaut. Der eine ist eine vernarbende Hauterkrankung, bei der sich die Vorhaut derb und weißlich verändert und ihre Dehnbarkeit verliert; hier hilft eine Salbenbehandlung nicht dauerhaft weiter, und das veränderte Gewebe wird abgetragen, auch weil die Harnröhrenmündung mitbetroffen sein kann. Der andere ist die Paraphimose: Eine verengte Vorhaut, die hinter die Eichel zurückgestreift wurde und nicht mehr nach vorn gleitet, schnürt die Eichel ein, die daraufhin anschwillt und schmerzt. Das ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss; nach dem Abklingen der Schwellung schließt sich häufig eine Beschneidung an, damit sich der Vorgang nicht wiederholt.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Zirkumzision ist ein in der Regel sehr komplikationsarmer Eingriff. Wie bei jeder Operation kann es aber zu Problemen kommen. Dazu gehören allergische Reaktionen auf Betäubungsmittel, Schmerzen nach der Operation, die Bildung eines Blutergusses und andere operationstypische Komplikationen. Insbesondere in der Phase der Wundheilung bestehen einige Risiken, über die vor der Operation Klarheit bestehen sollte.

So sind Nachblutungen der Wunde ebenso möglich wie Schwellungen in der Nähe der Operationswunde. Durch ungewollte nächtliche Erektionen kann die Wunde wieder aufreißen. Diese Probleme können durch eine strikte Einhaltung der Ruhephase minimiert oder gänzlich vermieden werden. Wenn die Vorhaut nicht vollständig entfernt wurde, kann es durch Schrumpfung des Narbengewebes zu einer erneuten Verengung kommen, die möglichst schnell behandelt werden sollte. Seltener tritt eine Knotenbildung der dorsalen Vene auf. Diese Vene wird bei der Operation meist durchtrennt und verästelt sich später neu.

Dabei können Knoten entstehen. Die Nähe des Eingriffes zu den für das sexuelle Lustempfinden wichtigen Regionen des Gliedes kann zu einer Beeinträchtigung der Empfindsamkeit führen. Diese Begleiterscheinung ist aber fast immer nur temporär. In der Forschung ist auch von psychischen Folgen der Zirkumzision die Rede. So wurden bei einigen Männern posttraumatische Belastungsstörungen festgestellt, die nachhaltige Auswirkungen auf die Lebensqualität haben können. Eine körperliche Veränderung an diesem für die Sexualität wesentlichen Körperteil kann im schlimmsten Falle zu einer negativen Einstellung zur Sexualität führen.

Wie hoch das Risiko im Einzelfall ausfällt, hängt außerdem stark von den Bedingungen ab, unter denen der Eingriff stattfindet. Mit sterilem Vorgehen, geeignetem Instrumentarium und einem erfahrenen Operateur verläuft die Zirkumzision in aller Regel ohne Zwischenfälle. Wird sie außerhalb medizinischer Einrichtungen und ohne diese Voraussetzungen vorgenommen, treten Blutungen und Infektionen deutlich häufiger auf, und es sind schwere Verläufe beschrieben. Die Auseinandersetzung über den Eingriff dreht sich deshalb regelmäßig auch um die Frage, wer ihn unter welchen Bedingungen vornimmt.

Eine eigene Gruppe von Komplikationen betrifft das Maß des entfernten Gewebes. Wird zu wenig Haut entfernt, kann sich die Öffnung erneut verengen; wird zu viel entfernt, kann die verbliebene Haut bei der Erektion spannen. In beiden Fällen kann ein zweiter Eingriff nötig werden. Nach einer Beschneidung im Säuglingsalter kann sich außerdem die Harnröhrenmündung verengen, weil die nun ungeschützte Öffnung dauerhaft gereizt wird und vernarbt; das fällt meist erst später durch einen dünnen oder abgelenkten Harnstrahl auf. Selten bilden sich an der Nahtreihe knötchenförmige Verdickungen oder eine breite, wulstige Narbe. Zur regelrechten Heilung gehört, dass sich die Naht in den ersten Wochen derb anfühlt und dass sich selbstauflösendes Nahtmaterial von allein zurückbildet. Bleiben dagegen Rötung, zunehmender Schmerz oder eine Absonderung bestehen, wird eine Infektion abgeklärt und gezielt behandelt.

Wird der Eingriff in Vollnarkose vorgenommen, kommen deren allgemeine Risiken hinzu; das betrifft vor allem kleine Kinder, bei denen eine örtliche Betäubung allein nicht ausreicht. Zu bedenken ist schließlich, dass die Beschneidung endgültig ist. Ein Verfahren, mit dem sich die Vorhaut wiederherstellen ließe, gibt es nicht; die beschriebenen Versuche, verbliebene Haut über längere Zeit zu dehnen, ersetzen das entfernte Gewebe nicht. Gerade weil der Eingriff nicht rückgängig zu machen ist und überwiegend an Kindern vorgenommen wird, die nicht selbst entscheiden können, wird er medizinisch wie gesellschaftlich seit Jahrzehnten kontrovers beurteilt.

Typische & häufige Peniserkrankungen

Quellen

  • Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
    ISBN: 9783662633991
  • Hautmann, R., Gschwend, J. E. (Hrsg.): Urologie.
    ISBN: 9783662736524
  • Schmelz, H. U., Sparwasser, C., Weidner, W. (Hrsg.): Facharztwissen Urologie.
    ISBN: 9783642449413
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Protz, K., Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung.
    ISBN: 9783437278877

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