Chirurgie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Der Bereich der Chirurgie umgreift insgesamt acht verschiedene Teilgebiete, die sich alle mit der operativen, also invasiven Behandlung und Nachbehandlung von Beschwerden, Verletzungen oder Erkrankungen unterschiedlicher Körperregionen und Körperbestandteile befassen.
Während der Viszeralchirurg zum Beispiel mit der operativen Behandlung von Organen des Bauchraums befasst ist, ist der Thoraxchirurg für die invasive Behandlung von Lunge, Bronchien und anderen Teilen des Brustraums zuständig. Chirurgische Eingriffe finden in der Regel unter Vollnarkose oder Lokalanästhesie statt und sind damit mit einer Belastung von Lunge, Herz und Nieren verbunden, die speziell für Patienten mit einer Erkrankung dieser Organe ein erhöhtes Operationsrisiko birgt.
Was ist die Chirurgie?
Die Chirurgie ist ein medizinisches Teilgebiet, das operative Lösungen für Verletzungen und Krankheiten erarbeitet. Chirurgische Eingriffe gab es schon in der Steinzeit, so beispielsweise in Form von Amputationen.
Seitdem hat sich die Chirurgie selbstverständlich weiterentwickelt, die Anästhesie wurde eingeführt und vor allem ihre Hygienestandards verbessert, um das Risiko von Infektionen oder gar Sepsis zu minimieren. Während die Patienten in grauer Vorzeit bei chirurgischen Eingriffen häufig starben, ist die heutige Chirurgie in weiten Teilen mit deutlich geringeren Risiken verbunden, da viele chirurgische Eingriffe zum täglichen Brot eines Krankenhauses gehören.
Heute gibt es insgesamt acht unterschiedliche Fachrichtungen der Chirurgie, auf die sich der Arzt während der Ausbildung je spezialisieren kann. Neben der Allgemeinchirurgie, der Gefäßchirurgie und der Herzchirurgie sind zum Beispiel die Kinder- und Jugendchirurgie sowie die Orthopädie und Unfallchirurgie wichtige Orientierungen, aber auch die Plastische Chirurgie, die Thoraxchirurgie und die Viszeralchirurgie sind chirurgische Teilgebiete. Die Bezeichnungen haben sich dabei verändert: Orthopädie und Unfallchirurgie waren lange zwei getrennte Facharztbezeichnungen, heute bilden sie eine gemeinsame Facharztbezeichnung.
Funktion, Wirkung & Ziele
Eine der wichtigsten Aufgaben von Gefäßchirurgen ist zum Beispiel das Anlegen von Gefäßbypässen, die bei arteriellen Verschlüssen den Blutkreislauf wiederherstellen. Mit der Herzchirurgie bringt der Laie dagegen oft Herztransplantationen in Zusammenhang. Tatsächlich bildet aber der Koronararterien-Bypass das Herzstück der Herzchirurgie, eine Blutgefäßbrücke bei einem Verschluss der Koronararterie am Herzmuskel. In der Kinderchirurgie liegt der Fokus wiederum auf der operativen Behandlung von urologischen Erkrankungen, Organtumoren oder Verletzungen im Kindesalter.
Orthopäden und Unfallchirurgen behandeln operativ wiederum Fehlbildungen sowie Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, so neben Skeletterkrankungen auch Beschwerden der Muskulatur, des Bandapparats oder der Sehnen. Knochenbrüche sind für Orthopäden und Unfallchirurgen einer der häufigsten Einsatzbereiche. Plastische Chirurgie ist dagegen ästhetisch oder rekonstruktiv. Aus funktionellen oder kosmetischen Gründen greifen plastische Chirurgen somit formverändernd in Organe oder Teile des Gewebes ein. Die Thoraxchirurgie ist wiederum mit Fehlbildungen und Erkrankungen der Lunge, der Bronchien, der Pleura oder der Thoraxwand und des Mediastinums befasst.
Speziell bei Tumorerkrankungen der genannten Bereiche wird der Patient an einen Thoraxchirurgen verwiesen. Trotz dieser und vieler weiterer Unterschiede ist allen chirurgischen Verfahren das invasive Vorgehen gemein. Die Endoskopie und verwandte Eingriffe werden dabei als minimal-invasive Verfahren mit den geringsten Haut- und Weichteilverletzungen verstanden. Sie sind vor allem für die Viszeralchirurgie relevant, die sich mit operativen Behandlungen der Bauchorgane befasst.
Unabhängig vom Teilgebiet erhält der Patient vor jedem chirurgischen Eingriff eine Betäubung. Neben einer Vollnarkose kommt dabei auch eine lokale Betäubung in Frage. Wo genau der Arzt bei der Operation den Körper des Patienten öffnet, etwas herausnimmt oder einsetzt, hängt vom Krankheitsbild ab. So stehen mittlerweile sogar für Knochenschnitte verschiedene Methoden zur Verfügung, darunter beispielsweise das Laserverfahren. Egal welches Verfahren zu welchem Zweck Einsatz findet, ist ihnen allen aber das sterile Arbeiten gemein. Daher haben alle chirurgischen Eingriffe eine Desinfizierung des Operationsfeldes, der Instrumente, der operierenden Ärzte und des Patienten gemein.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Trotz solcherlei Unterschieden treffen einige Risiken aber auf jeden chirurgischen Eingriff zu. Dazu gehört zum Beispiel das Risiko der Infektion, das sich durch sorgfältige Vorbereitung und steriles Arbeiten deutlich verringern lässt. Insbesondere offene Eingriffe bergen ein erhöhtes Sepsisrisiko, also die Gefahr einer systemischen Blutvergiftung oder Entzündungsreaktion aufgrund von Bakterien oder Pilzen. Dieses Risiko ist beim gegenwärtigen Stand der Medizin deutlich geringer als früher, ganz ausschließen lässt es sich aber nicht.
Einige Dispositionen können einen chirurgischen Eingriff unter Umständen verhindern. Grundsätzlich sind planbare chirurgische Verfahren für Menschen mit bestehenden Entzündungen zum Beispiel nicht angezeigt. Daher nimmt der Arzt vor einem invasiven Verfahren Blutproben. Falls sich über erhöhte Entzündungswerte so der Verdacht auf eine aktive Entzündung einstellt, muss diese erst gänzlich ausheilen, bevor eine Operation durchgeführt wird.
Jedes operative Verfahren belastet das Herz, die Lunge und die Nieren. Wie hoch diese Belastung ist, hängt jeweils von der Art und Dauer der Narkose ab. Sollten Herz, Lunge oder Nieren selbst von Erkrankungen betroffen sein, so stellt sich für den Patienten ein erhöhtes Narkose- und Operationsrisiko ein. Dasselbe gilt unabhängig von bestehenden Erkrankungen auch für Menschen mit Übergewicht.
Vorbereitung auf einen Eingriff
Vor einem planbaren, also nicht notfallmäßigen Eingriff steht eine Reihe von Vorbereitungsschritten, die sich über mehrere Termine verteilen können. Am Anfang steht das Aufklärungsgespräch mit der Operateurin oder dem Operateur. Darin werden die Art des vorgesehenen Eingriffs, sein Ziel, mögliche Behandlungsalternativen einschließlich des Verzichts auf eine Operation sowie die typischen Risiken erläutert. Besprochen wird auch, ob sich der Eingriff während der Operation erweitern kann, wenn der Befund von der Erwartung abweicht. Die Einwilligung des Patienten wird schriftlich festgehalten; sie ist Voraussetzung dafür, dass operiert werden darf. Zwischen Aufklärung und Eingriff soll genügend Zeit liegen, damit Betroffene die Information in Ruhe abwägen und Rückfragen stellen können.
Ein zweites, davon getrenntes Gespräch führt die Anästhesie. Hier geht es um das Betäubungsverfahren, um Vorerkrankungen von Herz, Lunge und Nieren, um regelmäßig eingenommene Medikamente, um Allergien, um Erfahrungen mit früheren Narkosen in der Familie und um den Zustand der Zähne, weil beim Einführen des Beatmungsschlauchs lockere Zähne beschädigt werden können. Zur Vorbereitung gehören je nach Alter, Vorerkrankungen und Größe des Eingriffs eine Blutuntersuchung, ein EKG und bildgebende Verfahren. Röntgenaufnahmen, Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie dienen dabei nicht nur der Diagnose, sondern auch der Planung des Zugangswegs. Bei größeren Eingriffen wird vorab die Blutgruppe bestimmt, damit im Bedarfsfall passende Präparate für eine Bluttransfusion bereitstehen.
Gerinnungshemmende Medikamente, umgangssprachlich Blutverdünner, sind ein häufiger Gesprächspunkt, weil sie das Blutungsrisiko während der Operation erhöhen. Ob, wann und wie lange sie vor einem Eingriff pausiert oder umgestellt werden, entscheiden die behandelnden Ärzte im Einzelfall; eigenmächtiges Absetzen kann gefährlich sein. Auch der Verzicht auf Rauchen und Alkohol in den Wochen vor einer Operation wird üblicherweise empfohlen, weil beides mit einer schlechteren Wundheilung und mit vermehrten Atemwegskomplikationen in Verbindung gebracht wird. Unmittelbar vor dem Eingriff gilt ein Nüchternheitsgebot: Der Magen soll leer sein, damit bei der Narkoseeinleitung kein Mageninhalt in die Atemwege gelangt. Zur äußeren Vorbereitung gehören das Ablegen von Schmuck und Piercings, das Entfernen von herausnehmbarem Zahnersatz sowie von Nagellack, der die Messung der Sauerstoffsättigung am Finger stören kann. Haare im Operationsgebiet werden nur entfernt, wenn sie tatsächlich stören, und dann möglichst schonend, weil Verletzungen der Haut Eintrittspforten für Keime schaffen.
Der Ablauf im Operationssaal
Der Operationsbereich ist ein abgetrennter Teil des Krankenhauses mit eigener Zugangsregelung, eigener Kleidung und einer Lüftungsanlage, die die Keimbelastung der Luft niedrig hält. Patienten werden über eine Schleuse eingeschleust und auf einen Operationstisch umgelagert. Im Saal arbeitet ein Team mit klar verteilten Rollen: die operierende Ärztin oder der operierende Arzt, meist eine oder mehrere assistierende Personen, eine instrumentierende Pflegekraft beziehungsweise eine operationstechnische Assistenz, die die Instrumente vorbereitet und anreicht, sowie eine unsterile Springerkraft, die von außen zuarbeitet. Dazu kommt das Anästhesieteam, das die Betäubung führt und während des gesamten Eingriffs Kreislauf, Atmung und Narkosetiefe überwacht.
Vor dem Schnitt hat sich ein gemeinsames Innehalten des gesamten Teams etabliert, häufig als Team-Time-out bezeichnet. Anhand einer Checkliste, wie sie die Weltgesundheitsorganisation für sichere Chirurgie vorgeschlagen hat, werden Identität des Patienten, geplanter Eingriff und – bei paarigen Körperteilen – die richtige Seite laut bestätigt. Die zu operierende Seite wird dafür schon vorher auf der Haut markiert. Nach der Narkoseeinleitung wird der Patient gelagert und sorgfältig gepolstert, weil längeres unverändertes Liegen Druckstellen und Nervenschäden verursachen kann. Es folgen die großflächige Desinfektion des Operationsfeldes und die sterile Abdeckung; das Team desinfiziert die Hände chirurgisch und legt sterile Kittel und Handschuhe an.
Der eigentliche Eingriff beginnt mit dem Zugang zum Operationsgebiet. Gewebeschichten werden nacheinander durchtrennt, Blutungen fortlaufend gestillt, etwa durch Verschluss einzelner Gefäße oder mit Hilfe von Strom. Entnommenes Gewebe wird in aller Regel zur feingeweblichen Untersuchung geschickt. Vor dem Wundverschluss zählt das Team Tupfer, Kompressen und Instrumente nach einem festen Schema, damit nichts im Körper zurückbleibt. Der Verschluss erfolgt je nach Gewebe und Lage mit Nähten, Klammern oder Gewebekleber; manchmal wird eine Drainage eingelegt, über die Wundsekret oder Blut nach außen abfließen kann. Anschließend wird der Patient in einem Aufwachraum überwacht, bis Kreislauf, Atmung und Bewusstsein wieder stabil sind. Nach sehr großen Eingriffen oder bei erheblichen Vorerkrankungen schließt sich stattdessen eine Überwachung in der Intensivmedizin an.
Offene, minimal-invasive und roboterassistierte Verfahren
Die Chirurgie unterscheidet grundsätzlich zwischen offenen und minimal-invasiven Zugängen. Beim offenen Vorgehen wird das Operationsgebiet über einen ausreichend großen Schnitt direkt eingesehen und mit den Händen erreicht. Beim minimal-invasiven Vorgehen werden dagegen nur kleine Öffnungen angelegt, durch die eine Kamera und lange, dünne Instrumente eingeführt werden; das Team arbeitet nach dem Bild auf einem Monitor. Im Bauchraum heißt dieses Verfahren Laparoskopie oder Bauchspiegelung; damit dabei Platz entsteht, wird die Bauchhöhle mit Gas gefüllt. Für den Brustkorb gibt es die entsprechende Thorakoskopie, für Gelenke die Arthroskopie.
Minimal-invasive Zugänge gelten allgemein als schonender für die Bauchdecke und die Weichteile, weil die Wunden kleiner ausfallen; damit werden ein geringerer Schmerzmittelbedarf, eine frühere Mobilisierung und kürzere Krankenhausaufenthalte in Verbindung gebracht. Geeignet sind sie jedoch nicht für jeden Befund. Ausgedehnte Verwachsungen nach früheren Operationen, unübersichtliche Blutungen oder sehr große Befunde können ein offenes Vorgehen erforderlich machen. Auch während einer laufenden minimal-invasiven Operation kann das Team auf den offenen Zugang wechseln; ein solcher Umstieg ist keine Komplikation im eigentlichen Sinn, sondern eine Sicherheitsentscheidung, über die vor dem Eingriff aufgeklärt wird.
Bei roboterassistierten Operationen steuert die Operateurin oder der Operateur die Instrumente nicht mehr direkt mit der Hand, sondern von einer Konsole aus. Das System übersetzt die Handbewegungen auf die Instrumentenspitzen und kann dabei Zittern herausfiltern und Bewegungen in enge Räume übertragen. Der Roboter operiert nicht selbständig, sondern führt aus, was der Mensch vorgibt. Verbreitet ist die Technik unter anderem in der Urologie und in der Viszeralchirurgie. Von den chirurgischen Zugängen abzugrenzen sind schließlich Eingriffe über natürliche Körperöffnungen, wie sie die Endoskopie des Magen-Darm-Trakts erlaubt: Hier lassen sich beispielsweise Polypen entfernen, ohne dass die Bauchdecke eröffnet werden muss.
Nachsorge, Heilungsverlauf und Rehabilitation
Nach der Operation richtet sich die Betreuung darauf, Schmerzen zu kontrollieren, Komplikationen früh zu erkennen und die Belastbarkeit schrittweise wieder aufzubauen. Die Wunde wird regelmäßig kontrolliert und der Verband gewechselt; Nähte oder Klammern werden von medizinischem Personal entfernt, sobald die Wundränder ausreichend fest verklebt sind. Bestimmte Nahtmaterialien lösen sich von selbst auf und müssen nicht gezogen werden. Anzeichen, die für eine Wundinfektion sprechen können, sind zunehmende Rötung und Schwellung, Überwärmung, wachsender statt abnehmender Schmerz, austretendes Sekret und Fieber; sie sind ein Grund, ärztlichen Rat einzuholen, statt abzuwarten.
Eine zentrale Rolle spielt die Vorbeugung von Blutgerinnseln. Weil längeres Liegen den Blutfluss in den Beinvenen verlangsamt, gehören frühes Aufstehen, Bewegungsübungen, Kompressionsstrümpfe und – nach ärztlicher Anordnung – gerinnungshemmende Medikamente zur Thromboseprophylaxe. Sie soll verhindern, dass sich eine Thrombose bildet und ein Gerinnsel in die Lunge verschleppt wird. Aus demselben Grund werden Atemübungen angeleitet: Flache Atmung nach Eingriffen am Bauch oder Brustkorb begünstigt eine Lungenentzündung. Eine ausreichende Schmerztherapie ist dabei nicht nur eine Frage des Komforts, sondern Voraussetzung dafür, dass Betroffene überhaupt tief durchatmen und sich bewegen können.
Wie schnell die Belastung gesteigert werden darf, hängt vom Eingriff ab und wird individuell vorgegeben; nach Operationen an der Bauchdecke etwa wird schweres Heben für eine gewisse Zeit vermieden, damit die Naht nicht nachgibt und sich keine Narbenhernie bildet. Physiotherapie unterstützt den Wiederaufbau von Kraft und Beweglichkeit, bei größeren Eingriffen schließt sich eine Rehabilitation an. Die Narbe selbst braucht lange, bis sie ausgereift ist: Sie bleibt zunächst gerötet und derb und verblasst über Monate. Frische Narben reagieren empfindlich auf Sonnenlicht, und bei entsprechender Veranlagung kann überschießendes Narbengewebe entstehen. Zu den Nachsorgeterminen gehört schließlich die Besprechung des feingeweblichen Befundes, aus dem sich – etwa bei einer Tumorerkrankung – weitere Behandlungsschritte ergeben können.
Ambulante und stationäre Chirurgie
Nicht jeder Eingriff erfordert eine Übernachtung. Beim ambulanten Operieren verlässt der Patient die Einrichtung noch am selben Tag. Voraussetzung sind ein überschaubarer Eingriff, ein stabiler Allgemeinzustand und eine gesicherte Versorgung zu Hause: In den Stunden nach einer Narkose soll eine erwachsene Begleitperson erreichbar sein, und Betroffene dürfen selbst kein Fahrzeug führen, weil Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen noch beeinträchtigt sein können. Ambulant operiert wird sowohl in Krankenhäusern als auch in chirurgischen Praxen und Operationszentren. Größere Eingriffe, ausgeprägte Vorerkrankungen oder ein erhöhter Überwachungsbedarf sprechen dagegen für eine stationäre Behandlung.
Quer dazu verläuft die Unterscheidung zwischen planbaren und dringlichen Eingriffen. Bei einer elektiven Operation lässt sich der Termin nach Vorbereitung und Befinden wählen. In der Notfallmedizin fehlt diese Zeit: Bei einer Blutung, einem Darmverschluss oder einer Blinddarmentzündung mit drohendem Durchbruch muss rasch gehandelt werden, die Vorbereitung beschränkt sich auf das Nötigste, und die Aufklärung erfolgt so ausführlich, wie es die Lage zulässt. Ist ein Patient nicht ansprechbar, richtet sich das Vorgehen nach dem mutmaßlichen Willen, wie er sich etwa aus einer schriftlichen Vorsorgeverfügung ergeben kann.
Die Kosten medizinisch notwendiger Operationen tragen in Deutschland die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen. Anders liegt der Fall bei Eingriffen ohne Krankheitswert: Rein ästhetisch begründete Operationen der Plastischen Chirurgie sind grundsätzlich selbst zu bezahlen, und Folgebehandlungen nach solchen Eingriffen können die Versicherten anteilig belasten. Zwischen beiden Polen liegen Eingriffe, deren Notwendigkeit im Einzelfall geprüft wird; hier empfiehlt sich eine Klärung mit der Krankenkasse vor dem Termin.
Ausbildung und Weiterbildung
Am Anfang steht für alle chirurgischen Berufswege das Studium der Humanmedizin, das mit der Approbation als Ärztin oder Arzt endet. Erst danach beginnt die eigentliche Spezialisierung: Die Weiterbildung zum Facharzt richtet sich nach den Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, die sich an einer bundesweiten Musterweiterbildungsordnung orientieren. Für die chirurgischen Fächer ist ihnen eine gemeinsame Basisweiterbildung vorgeschaltet, in der alle angehenden Chirurginnen und Chirurgen zunächst dieselben Grundlagen erwerben, bevor sie sich einem der Teilgebiete zuwenden. Die erbrachten Eingriffe und Untersuchungen werden dokumentiert, regelmäßige Weiterbildungsgespräche begleiten den Weg, und am Ende steht eine Prüfung vor der Ärztekammer.
Auf die Facharztbezeichnung können Schwerpunkte und Zusatz-Weiterbildungen aufbauen, etwa in der Handchirurgie oder in der speziellen Viszeralchirurgie. Chirurgische Fertigkeiten werden zunehmend nicht mehr ausschließlich am Patienten erlernt: Simulatoren für minimal-invasive Techniken, Modelle und strukturierte Kurse gehören heute zur Ausbildung. Neben den Ärzten arbeitet im Operationssaal eine eigene Berufsgruppe, deren Ausbildung inzwischen bundeseinheitlich geregelt ist: die operationstechnische Assistenz. Daneben können examinierte Pflegefachkräfte eine Fachweiterbildung für den Operationsdienst absolvieren. Beide sind für die sterile Vorbereitung, das Instrumentieren und die Sicherheit im Saal mitverantwortlich.
Abgrenzung zu anderen operierenden Fächern
Nicht jede Operation fällt in die Chirurgie im engeren Sinn. Zahlreiche Fachgebiete operieren in ihrem jeweiligen Bereich eigenständig, ohne zu den chirurgischen Facharztbezeichnungen zu zählen. Die Gynäkologie operiert an den weiblichen Geschlechtsorganen und führt unter anderem den Kaiserschnitt durch, die Urologie an Nieren, Harnwegen und männlichen Geschlechtsorganen. Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, die Augenheilkunde, die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und die Neurochirurgie mit ihrem Arbeitsgebiet an Gehirn, Rückenmark und Nerven sind weitere eigenständige Fächer mit operativem Schwerpunkt. Für Laien ist diese Grenze oft nicht sichtbar, weil aus ihrer Sicht in allen Fällen operiert wird.
Ebenso eigenständig ist die Anästhesiologie, die Betäubung, Überwachung und Intensivmedizin verantwortet und ohne die der überwiegende Teil der heutigen Chirurgie nicht möglich wäre. Ergänzt wird das Bild durch die nicht operativen Partnerfächer: Die Innere Medizin klärt Befunde ab und behandelt medikamentös, die Radiologie liefert die Bildgebung und führt selbst bildgesteuerte Eingriffe über Katheter durch, die Pathologie beurteilt entnommenes Gewebe. Bei Krebserkrankungen wird die Behandlungsstrategie heute üblicherweise in gemeinsamen Fallkonferenzen mehrerer Fachrichtungen festgelegt, in denen Operation, medikamentöse Therapie und Bestrahlung gegeneinander abgewogen und aufeinander abgestimmt werden. Ob operiert wird, ist damit selten die Entscheidung eines einzelnen Faches.
Quellen
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Schumpelick, V., Kasperk, R., Stumpf, M.: Operationsatlas Chirurgie.
ISBN: 9783132438477
- Niethard, F. U., Biberthaler, P., Pfeil, J.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443150
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Aust, G., Engele, J., Kirsch, J., et al.: Anatomie.
ISBN: 9783132452572
