Implantat
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Ein Implantat ist ein künstliches Material, das in den Körper eingepflanzt wird und dort für längere Zeit oder permanent verbleibt. Unterschieden werden dabei funktionelle, plastische bzw. medizinische Implantate.
Was ist ein Implantat?
Implantate sind künstliche Produkte, die aus unterschiedlichen Gründen in den Körper eingebracht werden. Medizinische Implantate ersetzen oder unterstützen bestimmte Körperfunktionen. Dazu zählen beispielsweise:
- Gelenkersatz
Wurden Körperteile zerstört oder sollen Körperteile vergrößert werden, so kommen so genannte plastische Implantate zum Einsatz. Sehr bekannt sind hier beispielsweise Implantate zur Vergrößerung der Brust. Zur Kennzeichnung von Menschen oder Tieren werden funktionelle Implantate wie RFID-Chips eingesetzt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Häufig werden Metalle, Keramik oder Kunststoffe eingesetzt; körpereigenes Gewebe wird zwar ebenfalls übertragen, dann spricht man allerdings von einem Transplantat und nicht von einem Implantat. Viele Implantate entstanden dabei erst in den letzten Jahrzehnten, darunter auch der Herzschrittmacher, der vor allem bei einem zu langsamen Herzschlag zum Einsatz kommt. Ein Herzschrittmacher besteht aus einem Gehäuse mit Batterie, wo ein Impuls entsteht, der dann mittels einer Sonde zum Herzen geleitet wird und dort den Herzschlag reguliert. Fällt das Herz jedoch komplett aus, so ist es möglich, dieses durch ein Kunstherz zu ersetzen. Allerdings dient es meist der Überbrückung bis zu einer Herztransplantation; lange Zeit war die Verweildauer im Körper auf wenige Monate begrenzt, heute sind auch längere Zeiträume möglich. Ein weiteres wichtiges Implantat ist der Stent, der bei verengten Gefäßen zum Einsatz kommt.
Ein Stent ist ein kleines Röhrchen aus einem feinen Metallgeflecht, das man in die Bahnen schiebt und das sich dort den Adern anpasst. Patienten, denen Medikamente verabreicht werden müssen, erhalten sehr häufig einen so genannten Portkatheter, der unter der Haut implantiert wird. Durch diese Technologie hat der Arzt sehr schnell Zugang zu den Blutbahnen, sodass nicht bei jeder Behandlung eine Vene neu punktiert werden muss. Verliert die Netzhaut die Funktion, so besteht die Möglichkeit, ein Retina-Implantat einzusetzen. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Wege: Bei einem epiretinalen Eingriff wird das Implantat auf der Netzhaut befestigt, das Bild selbst wird jedoch von einer Kamera erzeugt, die in einer Brille zu finden ist.
Beim subretinalen Eingriff setzt der Chirurg das Implantat hinter der Netzhaut ein, wodurch ein Teil der Augenfunktion zurückkehren kann: Betroffene nehmen damit meist Hell-Dunkel-Unterschiede und grobe Umrisse wahr. Werden an den Gelenken Abnutzungserscheinungen festgestellt, so werden Endoprothesen eingesetzt, Implantate, die dauerhaft im Körper bleiben. Dies ist aber meist nur dann der Fall, wenn Medikamente oder eine Physiotherapie nicht den gewünschten Erfolg brachten. Die Operation ist hier relativ kompliziert, da der Chirurg zunächst die zerstörten Gelenkflächen entfernen muss. Anschließend wird das künstliche Gelenk fixiert und der Gelenkkopf angepasst. Relativ unkompliziert verläuft das Setzen eines Zahnimplantats. Dieser Eingriff wird normalerweise ambulant vorgenommen, eine Vollnarkose ist nicht notwendig. Ein Zahnimplantat besteht aus zwei Elementen: einem Schaft aus Metallen und einem Kopf.
Der Chirurg öffnet dafür zunächst das Zahnfleisch und nimmt dann eine Bohrung in den Kiefer vor. Anschließend wird der Schaft eingesetzt und der Kopf aufgeschraubt. Vorwiegend kosmetische Aspekte erfüllt eine Brustvergrößerung, sie wird aber auch auf Grund diverser Krankheiten durchgeführt. Häufig wird zu diesem Zweck ein Silikonpolster eingesetzt, das mehrere Jahre im Körper bleiben kann. Neuere Methoden verwenden Eigenfett, um eine Brust zu formen. Dabei wird Gewebe aus den Oberschenkeln oder aus dem Bauch entnommen und in weiterer Folge in die Brust der Frau eingesetzt.
Nach einer Brustamputation wird häufig eine Brustrekonstruktion mit einem Implantat durchgeführt. Das Implantat wird dabei entweder vor oder hinter dem Brustmuskel eingesetzt, daher ist es wichtig, dass der Muskel bei einer Amputation auch erhalten werden kann. Vor der Rekonstruktion setzt der Arzt einen Expander in die Brust ein, damit das Gewebe gedehnt werden kann. Die eigentliche Operation erfolgt dann nach etwa sechs Monaten. Nicht immer haben Implantate aber nur einen rein medizinischen Zweck. RFID-Chips beispielsweise sind kleine Speicher, die unter der Haut eingesetzt werden und meist eine Kennnummer enthalten, über die sich weitere Daten abrufen lassen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Ein Portkatheter hält im Normalfall rund fünf Jahre, eher selten können hier Entzündungsherde auftreten oder der Katheter wird vom Körper abgestoßen. Eventuell auftretende Thrombosen können mit Medikamenten behandelt werden. Erhalten Patienten einen Gelenkersatz, so müssen sie sich einer mehrstündigen Operation unterziehen. Thrombosen und Hämatome können auftreten. Allerdings sind die Nebenwirkungen in den meisten Fällen gering und die Mehrheit der Patienten zeigt sich mit dem neuen Gelenk zufrieden.
Brustimplantate sind nach wie vor noch mit Gefahren verbunden. So kann es zu Schmerzen bzw. Verformungen kommen, die auftreten, wenn beispielsweise Silikon ausläuft. Daher sollte in diesem Fall genau abgewogen werden, ob eine Vergrößerung wirklich notwendig ist.
Unabhängig vom Typ gehört die Infektion des Implantats zu den gefürchtetsten Komplikationen. Keime können sich auf der Oberfläche des Fremdmaterials in einem Biofilm einnisten, der für Abwehrzellen und für Antibiotika schwer erreichbar ist. Solche Infektionen erfordern häufig einen erneuten Eingriff und im ungünstigen Fall den vorübergehenden oder endgültigen Ausbau des Implantats; unbehandelt kann sich eine Sepsis entwickeln. Zeichen einer beginnenden Infektion sind zunehmende Schmerzen, Rötung, Überwärmung, Schwellung, Sekretaustritt an der Narbe oder Fieber nach zunächst beschwerdefreiem Verlauf.
Weitere Probleme sind typspezifisch und lassen sich nicht auf Implantate insgesamt übertragen. Um Brustimplantate kann sich die natürliche Bindegewebskapsel verhärten und zusammenziehen; diese als Kapselfibrose bezeichnete Reaktion kann Schmerzen und Formveränderungen verursachen. An Zahnimplantaten kann sich das umgebende Gewebe entzünden und der tragende Knochen zurückgehen, weshalb der Mundhygiene besondere Bedeutung zukommt. Künstliche Gelenke können sich im Laufe der Jahre lockern, unter anderem als Reaktion des Gewebes auf Abriebpartikel. Bei Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren zählen Probleme an den Elektroden sowie Infektionen der Gerätetasche zu den bekannten Komplikationen. Allen gemeinsam ist: Beschwerden, die nach einer beschwerdefreien Zeit neu auftreten, sollten ärztlich abgeklärt werden.
Abgrenzung: Implantat, Transplantat und Prothese
Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt. Ein Implantat besteht aus körperfremdem Material und verbleibt im Körper. Wird dagegen biologisches Gewebe übertragen – körpereigenes aus einer anderen Körperregion oder gespendetes von einem anderen Menschen –, spricht man von einem Transplantat. Der Begriff Prothese bezeichnet einen Ersatz für ein fehlendes oder funktionsloses Körperteil; sie kann außen getragen werden, etwa als Beinprothese, oder als Endoprothese dauerhaft im Körper liegen, etwa als künstliches Hüft- oder Kniegelenk. Endoprothesen sind damit eine Untergruppe der Implantate.
Nicht jedes Implantat bleibt dauerhaft im Körper. Platten, Schrauben und Nägel, die einen Knochenbruch stabilisieren, werden je nach Lage und Beschwerden nach der Ausheilung wieder entfernt; für solche Eingriffe hat sich der Ausdruck Metallentfernung eingebürgert. Andere Implantate sind von vornherein aus abbaubaren Werkstoffen gefertigt und lösen sich im Körper langsam auf. Wird ein Implantat wieder herausgenommen, spricht man vom Explantieren.
Weil der Oberbegriff so weit gefasst ist, lassen sich Aussagen über Nutzen, Risiken und Haltbarkeit nur selten verallgemeinern. Ein Zahnimplantat, ein Herzschrittmacher, ein Stent und ein Brustimplantat unterscheiden sich in Material, Eingriff, Nachsorge und möglichen Komplikationen grundlegend. Angaben zu einer dieser Gruppen gelten deshalb nicht automatisch für die übrigen.
Werkstoffe und ihre Eigenschaften
Die Auswahl des Werkstoffs richtet sich danach, welche Belastung ein Implantat aushalten muss und wie das umgebende Gewebe darauf reagieren soll. Titan und Titanlegierungen sind im Knochenbereich weit verbreitet, weil sie fest, vergleichsweise leicht und gut verträglich sind und weil Knochengewebe an ihre Oberfläche heranwächst. Dieses feste Verwachsen wird als Osseointegration bezeichnet und ist die Grundlage dafür, dass ein Zahnimplantat später belastet werden kann.
Für die Gleitflächen künstlicher Gelenke werden Metalllegierungen, hochvernetzte Kunststoffe und Keramiken auf Aluminium- oder Zirkoniumoxidbasis miteinander kombiniert; jede Materialpaarung hat eigene Vor- und Nachteile hinsichtlich Abrieb und Bruchgefahr. Gefäßprothesen bestehen häufig aus Kunststoffgeweben, Stents aus Metalllegierungen, teilweise mit einer Beschichtung, die dem erneuten Zuwachsen des Gefäßes entgegenwirken soll. Brustimplantate bestehen üblicherweise aus einer Silikonhülle mit Silikongel- oder Kochsalzfüllung.
Verträglichkeitsprobleme sind selten, aber möglich. Bei bekannter Nickelallergie werden nickelarme oder nickelfreie Werkstoffe gewählt; ob eine Metallunverträglichkeit für Beschwerden nach einem Gelenkersatz verantwortlich ist, lässt sich im Einzelfall oft nur schwer klären. Ein weiterer Gesichtspunkt ist das Verhalten in der Bildgebung: Manche Metalle erzeugen störende Artefakte im Röntgenbild oder in der Computertomographie, und nicht jedes Implantat ist uneingeschränkt für eine Magnetresonanztomographie geeignet.
Planung und Ablauf des Eingriffs
Vor dem Einsetzen steht die Planung. Dazu gehören die körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren zur Beurteilung des Knochenlagers oder der Gefäße, die Auswahl von Größe und Typ sowie ein Aufklärungsgespräch über Alternativen, Nutzen und Risiken. Erfragt werden dabei auch Allergien, frühere Eingriffe, bestehende Infektionen und die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, weil diese vor manchen Eingriffen angepasst werden müssen.
Wie aufwendig der Eingriff ausfällt, hängt vollständig vom Implantattyp ab. Ein Zahnimplantat wird meist ambulant in örtlicher Betäubung eingesetzt, ein Herzschrittmacher in örtlicher Betäubung, ein Gelenkersatz dagegen in Narkose oder rückenmarksnaher Betäubung im Rahmen eines stationären Aufenthalts. Gemeinsam ist allen Eingriffen das streng sterile Vorgehen, denn eingebrachtes Fremdmaterial ist besonders anfällig für Keime. Bei vielen Implantationen wird deshalb kurz vor dem Hautschnitt einmalig ein Antibiotikum gegeben.
Nach dem Eingriff folgt eine Phase, in der das Implantat einheilen soll. Bei knöchernen Implantaten wird die Belastung zunächst begrenzt; bei Zahnimplantaten wird der endgültige Zahnersatz häufig erst nach der Einheilung aufgesetzt. Wie lange diese Phase dauert und welche Einschränkungen dabei gelten, legt das Behandlungsteam anhand des Befundes fest. Zur Beurteilung der Wundheilung und der Lage des Implantats dienen Kontrolltermine, bei knöchernen Implantaten meist mit einer Röntgenaufnahme.
Nachsorge, Haltbarkeit und Alltag
Die meisten Implantate erfordern regelmäßige Kontrollen. Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren werden in Spezialsprechstunden ausgelesen und in ihren Einstellungen überprüft; geht die Energiequelle zur Neige, wird das Gerät ausgetauscht, während die Elektroden häufig belassen werden können. Künstliche Gelenke werden klinisch und im Röntgenbild auf Lockerungszeichen untersucht. Zahnimplantate benötigen eine sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige professionelle Reinigung, weil sich am Übergang zum Zahnfleisch Entzündungen entwickeln können.
Angaben zur Haltbarkeit lassen sich nicht von einem Implantattyp auf den anderen übertragen: Ein Stent soll dauerhaft im Gefäß verbleiben, ein Expander vor einer Brustrekonstruktion dagegen nur vorübergehend, und bei Brustimplantaten wird üblicherweise damit gerechnet, dass sie im Laufe des Lebens gewechselt werden müssen. Für künstliche Gelenke gilt, dass sie sich nach Jahren lockern können und dann eine Wechseloperation nötig wird, die aufwendiger ist als der Ersteingriff.
Im Alltag ist der Implantatepass das wichtigste Dokument. Er hält fest, welches Produkt eingesetzt wurde, und sollte zu ärztlichen Terminen mitgebracht werden, insbesondere vor einer Kernspintomographie. Vor zahnärztlichen und operativen Eingriffen ist auf bestimmte Implantate hinzuweisen, weil etwa bei künstlichen Herzklappen eine vorbeugende Antibiotikagabe zum Schutz vor einer Endokarditis empfohlen werden kann. Träger von Herzschrittmachern erhalten zusätzlich Hinweise zum Umgang mit starken Magnetfeldern und elektromagnetischen Störquellen.
Wann ein Implantat nicht infrage kommt
Gegen das Einsetzen eines Implantats sprechen vor allem akute Infektionen, insbesondere im geplanten Operationsgebiet, sowie Zustände, in denen die Wundheilung erheblich gestört ist. Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, eine ausgeprägte Immunschwäche und starkes Rauchen gelten als Umstände, die das Risiko für Wundheilungsstörungen und für ein Versagen des Implantats erhöhen; bei Zahnimplantaten wird dem Rauchverzicht deshalb besondere Bedeutung beigemessen.
Bei knöchernen Implantaten ist außerdem die Beschaffenheit des Knochenlagers entscheidend. Reicht das Knochenangebot nicht aus – etwa nach längerem Zahnverlust oder bei ausgeprägter Osteoporose –, sind aufbauende Maßnahmen nötig, oder es wird zu einer anderen Versorgung geraten. Bei rein ästhetisch begründeten Implantaten wird zusätzlich geprüft, ob die Erwartungen an das Ergebnis realistisch sind. Ob ein Implantat im Einzelfall die geeignete Lösung ist, hängt somit weniger vom Lebensalter als vom Gesamtzustand und von der örtlichen Situation ab.
Zulassung und Sicherheit
Implantate sind Medizinprodukte und unterliegen als solche gesetzlichen Anforderungen an Herstellung, Prüfung und Überwachung. In der Europäischen Union dürfen sie nur mit einer CE-Kennzeichnung in Verkehr gebracht werden; bei Produkten mit höherem Risiko ist eine benannte Stelle in die Bewertung eingebunden. Hersteller sind verpflichtet, schwerwiegende Vorkommnisse zu melden, und die zuständigen Behörden können Rückrufe oder Sicherheitshinweise veranlassen.
Anlass für strengere Regeln waren unter anderem Fälle mangelhafter Produkte. Bekannt wurde der Fall eines französischen Herstellers, der Brustimplantate mit einem nicht für medizinische Zwecke vorgesehenen Silikon füllte; betroffenen Frauen wurde später zur Entfernung geraten. In Deutschland wurde zudem ein Implantateregister eingerichtet, in dem bestimmte Implantationen erfasst werden, damit Auffälligkeiten einzelner Produkte früher erkannt werden können. Für Betroffene bedeutet das vor allem: Unterlagen und Implantatepass aufbewahren, damit sich im Bedarfsfall nachvollziehen lässt, welches Produkt eingesetzt wurde und wann.
Quellen
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Grifka, J., Kuster, M. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783662716083
- Gutwald, R., Gellrich, N.-C., Schmelzeisen, R.: Zahnärztliche Chirurgie und Implantologie.
ISBN: 9783769136579
- Berger, A., Hierner, R., Pallua, N. (Hrsg.): Plastische Chirurgie.
ISBN: 9783662488492
- Schwenzer, N., Ehrenfeld, M. (Hrsg.): Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.
ISBN: 9783135935041
