Gallensteine
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Gallensteine sind eine häufig vorkommende Erkrankung der Gallenblase sowie der Gallengänge. Dabei entstehen die Gallensteine vor allem aus verfestigtem Cholesterin und Gallenfarbstoff in der Gallenblase; sie können anschließend auch im Gallengang stecken bleiben.
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Was sind Gallensteine?
Gallensteine sind ein Produkt der Galle und etwa ein Fünftel der erwachsenen Einwohner in den Industriestaaten sind deren Träger. Sie entstehen aus der Gallenflüssigkeit, deren Bestandteile auskristallisieren und sich zu festen Klumpen verbinden. Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber produziert und gelangt danach in die Gallenblase.
Viele Gallensteine sind nicht gefährlich und verursachen auch keine Schmerzen. Ein Problem gibt es erst, wenn ein Stein den Abfluss der Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase oder im Gallengang blockiert. Einige Steine sind so klein, dass sie den Gallengang von selbst passieren und mit dem Stuhl ausgeschieden werden, andere Steine sind so groß, dass sie samt Gallenblase operativ entfernt werden müssen.
Ursachen
Die Ursachen, die zur Bildung von Gallensteinen führen, sind noch nicht ganz erforscht. Einige Wissenschaftler führen die Bildung von Gallensteinen auf einen Defekt eines bestimmten Gens zurück, eine Mutation, die für die Entstehung von Gallensteinen verantwortlich ist. Andere Forscher wiederum vermuten, dass die Bildung der Gallensteine durch einen erhöhten Cholesterinspiegel gefördert wird in Verbindung mit der verminderten Bildung von Gallenflüssigkeit.
Neben diesen Faktoren gibt es noch einige andere medizinische Gründe, wie etwa eine Schwangerschaft, fettreiche Ernährung oder auch eine radikale Diät mit einem vollständigen Entzug von Fetten. Ebenso können die Ursachen für Gallensteine auch durch andere Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Fettsucht, Schilddrüsenprobleme oder auch eine familiäre Veranlagung ausgelöst werden.
Weiterhin können auch Gallensteine nach großen Operationen ausgelöst werden, aber auch Entzündungen an der Leber, im direkten Umfeld oder direkt in der Galle können zur Bildung führen. Daher sollte jeder, der unter den vorgenannten Gründen leidet, eine vorsorgliche medizinische Untersuchung in Bezug auf Gallensteine durchführen lassen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ob und welche Symptome Patienten mit Gallensteinen haben, hängt unter anderem von der Größe der Steine, der Anzahl und ihrer Lage in der Gallenblase beziehungsweise im Gallenblasengang ab. Ein großer Teil der Menschen mit Steinen in der Gallenblase hat gar keine oder nur selten Beschwerden.
Bei den übrigen Betroffenen kommt es zu den typischen Symptomen eines Gallensteinleidens. Hierzu zählen Völlegefühl, Übelkeit und Schmerzen im rechten Oberbauch. Diese Beschwerden treten insbesondere nach fettreichen Mahlzeiten auf. Ausgesprochen unangenehm wird es, wenn es zu den sogenannten Gallenkoliken kommt.
Als Kolik wird dabei das rhythmische Zusammenziehen der Muskulatur der Gallenblase bezeichnet. Häufig befindet sich dann ein Stein im Gallengang. Der Körper versucht den Stein auf diese Weise weiter zu transportieren, um ihn aus dem Gang zu entfernen. Die dabei entstehenden Schmerzen verlaufen klassischerweise wellenförmig, das heißt, sie nehmen im Verlauf immer wieder zu und ab. Zusätzlich können sie in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen.
Als weiteres Symptom bei einem Stein im Gallengang kann es zu einer Gelbsucht, dem sogenannten Ikterus, kommen. Da die Gallenflüssigkeit durch den Stein nicht mehr aus der Leber in den Darm ablaufen kann, staut sie sich zurück und es entsteht die typische Gelbfärbung der Augen und der Haut. Dieser Rückstau kann im Verlauf auch zu einer Entzündung der Gallenblase führen. Hierbei kommt es zu Fieber, Schüttelfrost und starken Schmerzen im rechten Oberbauch.
Verlauf
Der Verlauf bei der Krankheit Gallensteine ist von Patient zu Patient verschieden. Viele bemerken überhaupt nicht, dass sie an dieser Krankheit leiden, andere wiederum können vor Schmerzen weder gehen noch liegen. Nach dem sich ein oder mehrere Gallensteine gebildet haben, kann es zu Blähungen, Völlegefühl, Erbrechen und Schweißausbrüche kommen. Gleichzeitig können sehr starke Schmerzen im Oberbauch und ein Druckschmerz auftreten.
Des Weiteren sind bei einem Aufstau der Galle die Leberwerte erhöht und eine Verfärbung des Urins und des Stuhls ist zu beobachten. Viele Beschwerden treten dann überwiegend abends und auch nachts auf, vor allem nach reichlichem Genuss von fetthaltigen Gerichten. Sollte dies geschehen, sollte jeder sich so schnell es geht auf Gallensteine untersuchen lassen.
Komplikationen
Komplikationen durch Gallensteine drohen besonders dann, wenn der Gallengang durch einen Stein blockiert wird. Dadurch ist die Gallenflüssigkeit nicht mehr in der Lage, ungehindert in den Darm abzufließen, was wiederum einen Rückstau in Richtung Gallenblase und Leber hervorruft. In manchen Fällen liegt außerdem eine Beteiligung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) vor.
Durch das angestaute Sekret drohen mitunter schmerzhafte Entzündungen. Als typische Symptome einer Gallenblasenentzündung (Cholecystitis) gelten Schwächegefühle, Abgeschlagenheit und Fieber. Hinzu kommt ein anhaltender Schmerz im rechten Oberbauch, der im Unterschied zur Kolik über mehrere Stunden nicht mehr nachlässt. Im Extremfall führt die Entzündung der Gallenblase zur Brüchigkeit des Organs, das schließlich einreißt. Gelangt die Gallenflüssigkeit deswegen in den Bauchraum, besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (gallige Peritonitis).
Zudem droht das Risiko von Entzündungen an der Leber und der Bauchspeicheldrüse. Vor der Einmündung des Gallengangs in den Darm erfolgt ein Zufluss aus der Bauchspeicheldrüse. Sitzt der Stein an diesem Zufluss in der Nähe der Einmündung in den Darm, kommt es zu einem Anstau des Gallensekrets sowohl in Leber und Gallenblase als auch in der Bauchspeicheldrüse.
Eine weitere Komplikation von Gallensteinen ist Gelbsucht (Ikterus). Diese gelbliche Verfärbung der Haut entsteht, wenn der gestörte Abfluss der Gallenflüssigkeit einen längeren Zeitraum anhält. Dabei wird auch das Augenweiß gelb eingefärbt. Der Urin weist eine dunkle Verfärbung auf, während der Stuhl heller wird. In seltenen Fällen kann die Gallenblasenwand von den Gallensteinen durchbohrt werden. Bricht ein großer Stein dabei in den angrenzenden Darm durch, kann er dort einen Darmverschluss verursachen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Es gilt: treten schmerzhafte Symptome oder eine Verfärbung der Haut, Schüttelfrost und Fieber auf, ist umgehend ein Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Da diese Symptome immer wieder auftreten können, ist eine Klärung der Ursache unabdingbar.
Durch Gallensteine verursachte Schmerzen werden von Schmerzmitteln nur vorübergehend betäubt und verschaffen lediglich eine Linderung der Symptome - dies ersetzt nicht das Vorstellen bei einem Arzt. Gallenkoliken treten plötzlich auf und stellen durch reflexartiges Zusammenzucken und Krümmen, zum Beispiel beim Führen von Maschinen oder Kraftfahrzeugen, auch eine Gefahr für andere dar.
Die Klärung von sonstigen unspezifischen Beschwerden (ständiges Völlegefühl, etc.), bedarf keiner sofortigen Diagnose. Wenn die Beschwerden immer wieder auftreten, sollte dennoch ein Arzt aufgesucht werden.
Wurden Gallensteine bereits diagnostiziert, die allerdings keine Beschwerden verursachen, muss auf das Auftreten von Symptomen geachtet und der Verbleib der Steine (wandern die Gallensteine? Wird der Gallengang teils blockiert? ) in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Dadurch kann gegebenenfalls frühzeitig eine schonende Behandlung begonnen werden. Bleiben die Gallensteine beschwerdefrei, ist keine Behandlung notwendig.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung und Therapie ist für jeden Patienten mit Gallensteinen anders. Es kommt auf die Schwere der Erkrankung an. Gallensteine, die keine Schmerzen verursachen, bedürfen auch keiner Behandlung. Alle anderen Patienten werden im Vorfeld mit Schmerzmitteln und einer angepassten Ernährung behandelt; Antibiotika sind dabei nur nötig, wenn eine Entzündung der Gallenblase oder der Gallenwege hinzugekommen ist.
Erst wenn die anhaltenden Schmerzen verschwunden sind, kann darüber nachgedacht werden die Gallensteine zu entfernen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Da ist zum Beispiel die Auflösung der Steine mittels Medikamenten. Hierbei muss allerdings bedacht werden, dass die Medikamente bis zu zwei Jahren eingenommen werden müssen. Eine weitere Alternative ist die Zertrümmerung der Steine durch Stoßwellen. Hier besteht die Gefahr, dass sich durch die zerstörten Gallensteine neue Steine bilden können. Beide Verfahren – die medikamentöse Auflösung und die Stoßwellenzertrümmerung – galten lange als gleichrangige Alternativen zur Operation. Heute werden sie kaum noch angewendet, weil nur wenige Patienten dafür geeignet sind und sich bei mehr als der Hälfte der Behandelten innerhalb von fünf Jahren erneut Steine bilden.
Die letzte Variante ist eine radikale Therapie. Hier werden die Gallensteine zusammen mit der Gallenblase entfernt. Diese Therapie ist eine der sichersten Methoden, die Schmerzen zu entfernen und eine Neubildung zu vermeiden. Sie wird heute in aller Regel minimal-invasiv über wenige kleine Schnitte durchgeführt und ist bei Gallensteinen, die Beschwerden machen, das Standardverfahren.
Aussicht & Prognose
In den meisten Fällen bereiten Gallensteine den Betroffenen keinerlei Probleme. Sollte es dennoch zu Beschwerden kommen, verläuft eine operative Entfernung in der Regel komplikationslos. Wird dabei die Gallenblase entfernt, übernimmt der Gallengang ihre Aufgabe als Speicherort der Galle. Die Galle fließt danach allerdings nicht mehr in Schüben, sondern kontinuierlich in den Darm. Die Betroffenen haben üblicherweise nur wenige Tage lang Beschwerden durch die Operation. Danach sind sie im Regelfall völlig beschwerdefrei.
Auch eine medikamentöse Auflösung der Gallensteine verläuft normalerweise komplikationslos. Die Wiedererkrankungsrate ist nach einer medikamentösen Auflösung jedoch hoch: In 30 bis 50 % der Fälle bilden sich innerhalb von fünf Jahren wieder neue Gallensteine. Nach der Entfernung der Gallenblase ist ein erneutes Steinleiden dagegen selten.
Gallensteine bleiben oftmals sogar unbemerkt, weil sie keinerlei Beschwerden verursachen. Wenn sie jedoch symptomatisch werden, sollten sie entfernt werden. Sie erhöhen nämlich das Risiko, an seltenen Krebserkrankungen wie Gallenblasen- oder Gallengangkrebs zu erkranken.
In wenigen Fällen können sie eine Lage einnehmen, durch die sie den Hauptgallengang verschließen. Die Gallenflüssigkeit kann somit nicht abfließen, sodass sich ein lebensgefährlicher Rückstau bildet. Außerdem können Gallensteine sich in seltenen Fällen durch die Gallenblasenwand bohren. Gallenflüssigkeit könnte somit in den Bauchraum wandern und eine Bauchfellentzündung verursachen. Um derartige Komplikationen zu vermeiden, ist dringend eine Behandlung anzuraten.
Nachsorge
Sollten die Gallensteine sich durch Medikamente oder sogar von selbst gelöst haben, ist keine weitere Nachsorge notwendig. Da sich nach einer medikamentösen Auflösung allerdings häufig erneut Steine bilden, bleiben Kontrolluntersuchungen sinnvoll. Falls dies nicht der Fall ist, müssen mögliche Ursachen diagnostiziert und behandelt werden. Der Patient muss sich in erster Linie schonen und ansonsten die Vorgaben des Arztes bezüglich Ernährung und körperlicher Bewegung einhalten.
Nach der Gallenstein-Operation können zunächst Schmerzen und Müdigkeit bestehen bleiben. Im Rahmen der Nachsorge wird der Arzt die Operationswunde prüfen und gegebenenfalls auch Gallengang und Gallenblasen-Arterie kontrollieren. In den ersten Stunden nach dem Eingriff erhält der Patient Schmerzmittel, zunächst per Tropf und später als Tabletten.
Sollten keine Komplikationen festgestellt werden, darf das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen werden. Zuhause müssen weiterhin Schmerzmittel eingenommen werden, welche nach den Vorgaben des Arztes allmählich zu reduzieren sind. Die bei Blähungen verordneten Präparate müssen unter Umständen noch einige Tage länger eingenommen werden. Die Nachsorgeuntersuchung wird vom Hausarzt durchgeführt.
Hierbei wird der Arzt den Befund erfragen und anschließend eine körperliche Untersuchung sowie ein kurzes Patientengespräch durchführen. Eventuell müssen verbliebene Fäden gezogen werden. Je nachdem, wie fit der Patient ist, benötigt er zudem eine Krankschreibung. Bei einem positiven Verlauf genügt eine kurze Kontrolle. Weitere Verlaufskontrollen sind nach einer erfolgreichen Gallenstein-Operation nicht notwendig.
Das können Sie selbst tun
Gallensteine werden nur in etwa einem Viertel aller Fälle auffällig. Der Rest der Steine bleibt symptomlos. Sie werden deshalb meist nur durch einen Zufallsbefund entdeckt. Das bedeutet auch, dass eine Anpassung des Verhaltens im Alltag entfällt und eine Selbsthilfe hauptsächlich in Vorsorgemaßnahmen besteht, vor allem, wenn Fälle von Gallensteinen in der Familie bekannt sind, denn genetische Faktoren spielen bei der Bildung von Gallensteinen in der Gallenblase oder in den Gallengängen durchaus eine Rolle.
Die wichtigste Vorbeugemaßnahme besteht in einer gesunden Ernährung, die auch naturbelassene Nahrungskomponenten wie Gemüse und Obst mit einer ausgewogenen Menge an unverdaulichen Ballaststoffen enthalten sollte. Extremes Übergewicht, aber auch eine schnelle Gewichtsabnahme und Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes sind Risikofaktoren für die Entstehung von Gallensteinen, die dann überwiegend der Kategorie der Cholesterinsteine entsprechen.
Sobald Gallensteine Symptome zeigen, die häufig zunächst unspezifisch sind, wird vor allem eine Gallenkolik gefürchtet. Sie entsteht durch krampfartiges Zusammenziehen der Muskeln in den Wänden der Gallenblase, um den Gallenstein weiter in den Gallengang und in den Dünndarm zu befördern.
Falls es zu Gallenkoliken oder anderen schmerzhaften Symptomen kommt, sollte über eine Auflösung der Steine durch Medikamente oder über eine mechanische Entfernung der Steine durch eine OP oder durch eine Spiegelung der Gallenwege entschieden werden. Weitere Selbsthilfemaßnahmen entfallen, da beispielsweise Gallenkoliken anfallsweise und ohne vorherige Ankündigung auftreten.
Quellen
- Messmann, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
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- Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Checkliste Gastroenterologie und Hepatologie.
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- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
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