Kolik


Medizinische Qualitätssicherung am 9. September 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Von einer Kolik kann im Prinzip jeder betroffen sein, vom Baby bis zum Erwachsenen. Es ist nicht immer nötig, einen Arzt zu konsultieren, jedoch kann der Allgemeinzustand dadurch deutlich verbessert werden. Da die Ursachen von Schmerzen sehr unterschiedlich sein können, ist eine ärztliche Abklärung durchaus sinnvoll. Diese Abhandlung zeigt, welche Ursachen einer Kolik zugrunde liegen, wie sich der Verlauf der Krankheit gestaltet, wann unbedingt ein Arzt aufgesucht werden sollte, was jeder zur Vorbeugung selbst tun kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kolik?

Übelkeit und Erbrechen gehören zu einem deutlichen Anzeichen einer Kolik. Sie wird weiterhin von heftigen und plötzlich auftretenden Bauchschmerzen begleitet. Je nachdem, welche Art einer Kolik vorliegt, zeigen sich Symptome wie Durchfall und Blut im Stuhl oder Blut im Urin.
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Gemäß dem Duden ist eine Kolik ein "Anfall von krampfartigen Leibschmerzen". Diese Schmerzen werden nicht erst durch Bewegung verursacht, sondern können bereits im Ruhezustand des Körpers bestehen. Eine Kolik kann vorliegen, wenn starke, wehen- und krampfartige Schmerzen im Bauchraum auftreten. Betroffene Personen erklären außerdem, dass sich beinahe schmerzfreie Phasen mit akuten Schmerzphasen abwechseln. Daher ergibt sich eine weitere Definition der "wellenartig auftretenden Schmerzen".

Durch krampfartige Muskelkontraktionen eines Hohlorgans werden diese Koliken ausgelöst. Gallenblase, Darm und Nieren zählen zu den typisch betroffenen Hohlorganen. Daher wird die jeweilige Kolik durch das betroffene Organ bestimmt, wie z. B. Gallenkolik, Darmkolik oder Nierenkolik. In seltenen Fällen können auch die Gebärmutter oder der Magen von einer Kolik betroffen sein.

Wie bereits angeführt, können auch Säuglinge unter Koliken leiden. Am häufigsten tritt bei ihnen die so genannte "Dreimonatskolik" auf. Die Bezeichnung leitet sich hierbei aus der Lebensphase und nicht aus dem vom Schmerz ausgehenden Organ ab. Säuglinge können besonders bis zum Erreichen des dritten Lebensmonats dafür anfällig sein.

Ursachen

Die Ursache einer Kolik hängt davon ab, welches Hohlorgan betroffen ist. Bei einer Gallenkolik sind Gallensteine die Ursache der Beschwerden. Diese "Steine" verhindern die normale Funktion der Galle, Gallenflüssigkeit zu produzieren und abzugeben. Zu fetthaltiges Essen ist die häufigste Ursache einer Gallenkolik. Um fette Nahrung verdauen zu können, braucht der Körper viel Gallenflüssigkeit. Geht die Galle sozusagen in Produktion, werden vorliegende Gallensteine nun ganz leicht in die einzelnen Gallengänge hineingespült. Es kommt somit zu einer Verstopfung der Gallengänge und daraus resultierend zu schmerzhaften Beschwerden.

Eine Darmkolik kann unterschiedliche Ursachen haben. Einerseits können Blähungen, Tumore oder Fremdkörper den Darmdurchgang verengen. Andererseits kann eine bestehende Erkrankung des Darms ursächlich sein und somit heftige Schmerzen hervorrufen.

Eine Nierenkolik liegt vor, wenn Nierensteine in die Harnleiter gespült werden und diese dadurch verstopfen. Das betroffene Organ möchte die Störung (Gallen- oder Nierensteine) beseitigen, indem es sich zusammenzieht. Daraus entstehen die starken, krampfartigen Schmerzen.

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Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Übelkeit und Erbrechen gehören zu einem deutlichen Anzeichen einer Kolik. Sie wird weiterhin von heftigen und plötzlich auftretenden Bauchschmerzen begleitet. Je nachdem, welche Art einer Kolik vorliegt, zeigen sich Symptome wie Durchfall und Blut im Stuhl oder Blut im Urin. Die Dauer einer Kolik ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Sie kann sich auf einige Minuten beschränken, jedoch auch bis zu Stunden andauern.

Liegt beispielsweise eine Gallenkolik vor, leidet die betroffene Person an Schmerzwehen im Oberbauch. Ist die Kolik sehr heftig, strahlen die starken Schmerzen bis zum Rücken aus und Erbrechen sowie Durchfall sind die Folge. Eine dunklere Farbe des Urins bzw. Stuhls als sonst üblich, sind eine weitere Folge dessen.

Liegt eine Nierenkolik vor, klagen Betroffene über starke Schmerzen im Unterbauch bis hin zur Blase. Auch bei dieser Kolik ist Blut im Urin ein typisches Merkmal, da die Nierensteine den Harnleiter innerlich verletzen. Weitere Symptome sind Übelkeit und Erbrechen.

Eine Darmkolik bereitet oft die heftigsten Beschwerden. Schmerzen erstrecken sich oft über den ganzen Bauchraum. Zu den Beschwerden gehören neben Übelkeit und Erbrechen auch Herzrasen oder Schweißausbrüche. Aufgrund dessen wird empfohlen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine schnelle Linderung zu erreichen.

Komplikationen

Werden Koliken schnell als diese erkannt, kann eine effektive Behandlung erfolgen. Daher treten in solchen Fällen nur sehr selten weitere Komplikationen auf. Wird eine Kolik jedoch nicht behandelt, kann die zu Grunde liegende Erkrankung fortschreiten. Das bedeutet mehr Beschwerden für die betroffene Person.

Bleiben z. B. Gallensteine unbehandelt, kann die normale Funktion der Galle gestört und beschädigt werden. Ist der Grund der Beschwerden ein Karzinom, sind weitere Komplikationen nur selten unumgänglich. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Gelbsucht und sogar eine verminderte Lebenserwartung sind die Folge, wenn eine Behandlung ausbleibt.

Die umgangssprachlichen "Nierensteine" können ebenfalls zu Komplikationen führen, bleiben sie unbehandelt. Zum einen kann der Harnleiter innerlich verletzt werden. Zum anderen kann ein Harnstau auftreten. Dieser kann eine Nierenstörung oder im schlimmsten Fall, einen Niereninfarkt hervorrufen.

Auch eine Darmkolik kann lebensbedrohlich sein, wenn es zu einem Darmverschluss kommt. Weitere Komplikationen können durch Bluthochdruck oder Herzrasen entstehen.

Werden Antibiotika und Schmerzmittel eingesetzt, um die Kolik zu behandeln, können diese Arzneimittel ebenfalls zu Funktionsstörungen im gesamten Organismus führen. Ist eine Operation unumgänglich, bestehen andere Risiken, wie z. B. Wundheilungsstörungen, Unverträglichkeit der Narkose, Entzündungen usw.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten heftige Schmerzen im Mittel- und Oberbauch der rechten Seite auf, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Wenn Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, sollten diese ebenfalls ärztlich untersucht werden. Nehmen Beschwerden schnell zu und werden von weiteren für eine Kolik typischen Anzeichen begleitet, sollte der Notarzt gerufen werden.

Zeichnen sich Symptome einer Blutvergiftung oder eines Darmverschlusses ab, muss schnell gehandelt und der Notarzt gerufen werden. Sonst kann die Situation lebensbedrohlich enden. Stellt sich bei Betroffenen noch Schüttelfrost, Fieber oder Bluthochdruck ein, muss die Ursache dafür ebenfalls von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Schnelles Handeln kann in solchen Fällen tatsächlich Leben retten!

Diagnose

Der behandelnde Arzt wird eine Anamnese durchführen, um eine Kolik zu bestätigen bzw. andere Erkrankungen der inneren Organe auszuschließen. Dazu wird zuerst der Bauch abgetastet.

Anschließend wird der Bauchraum sonographisch oder umgangssprachlich per Ultraschall untersucht. Mit dieser Untersuchung können Nieren- oder Gallensteine deutlich erkannt werden. Ist eine eindeutige Diagnose noch nicht möglich, kann eine Magnetresonanztomographie oder eine Computertomographie angewandt werden.

Um eine Nierenkolik zu diagnostizieren, wird ebenfalls der Urin untersucht. Ist es nötig die Harnleiter einer Untersuchung zu unterziehen, ist eine Röntgenuntersuchung samt Kontrastmittel unumgänglich.

Besteht der Verdacht einer Darmkolik, werden Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen vorgenommen, um der Ursache auf den Grund gehen zu können. In seltenen Fällen wird eine Endoskopie (Darmspiegelung) vorgenommen.

Behandlung & Therapie

Um bestehende Krämpfe zu lindern, ist Wärme hilfreich. Außerdem kann leichte Bewegung helfen, die Schmerzen erträglich zu machen. Wer unter einer Nierenkolik leidet, sollte möglichst viel lauwarme Tees trinken. Hierfür bieten sich Kamillen- oder Fencheltee an. Diese wirken ebenfalls krampflindernd und spülen die Harngänge gut durch. Bei akuten und heftigen Schmerzen ist der Einsatz von schmerzstillenden Medikamenten unumgänglich. Danach kann sich der Beschwerdeursache angenommen werden.

Die Behandlung von Gallen- oder Nierensteinen besteht darin, dass diese zertrümmert werden. Ist dies geschehen, werden sie über die Harnwege ausgeschieden. Kommt es immer wieder zu einer Neubildung von Gallensteinen, kann die Entfernung der Gallenblase nötig werden.

Zur Therapie von Darmkoliken gehört der Einsatz von blähungsvermindernden Medikamenten ebenso wie Gabe von entkrampfenden Schmerzmitteln. Antibiotika werden bei bestimmten Fällen ebenfalls verschrieben.

Eine Ernährungsumstellung wird Personen, die zu Darmkoliken neigen, sehr empfohlen. In leichten Fällen, wird dies eine Linderung erreichen. Ebenso können Hausmittel, wie warme Bäder oder Fencheltee bei leichten Erkrankungen bereits zur Besserung der Beschwerden führen.

Ist jedoch eine Darmblockade die Ursache für Koliken, ist ein operativer Eingriff nötig.

Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen kann eine Kolik medizinisch behandelt und ausgeheilt werden. Bereits nach kurzer Zeit lassen Schmerzen sowie Krämpfe nach und der Allgemeinzustand verbessert sich. Verläuft die Behandlung gut, steht einer günstigen Prognose nichts im Weg. Bereits nach einigen Wochen sind die meisten Betroffenen beschwerdefrei.

Liegt die Ursache direkt organisch begründet, ist ebenfalls eine günstige Aussicht zu bescheinigen. Viele Therapieverfahren sind erfolgreich und können daher ebenfalls eine vollständige Heilung prognostizieren.

Ist eine Erkrankung chronischen Urspruchs das Grundproblem, ist eine vollständige Heilung meist nicht gegeben. Es wird immer wieder zu Koliken kommen, was eine vollständige Genesung nicht ermöglicht. Dennoch können in solchen Fällen Maßnahmen ergriffen werden, um eine Beschwerdelinderung zu erreichen.

Darüber hinaus können psychotherapeutische Behandlungen helfen, die Erkrankung zu akzeptieren und diese nicht als "Feind" zu deklarieren. Eine ausgeglichene Psyche wird den gesamten Gesundheitszustand erheblich verbessern. Werden keinerlei Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen, können lebensbedrohliche Folgen auftreten ohne Aussicht auf Heilung.

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Vorbeugung

Um Koliken vorzubeugen, sollte die Bauch- und Nierenregion warmgehalten werden. Außerdem werden durch ausreichende Flüssigkeitsaufnahme die anfälligsten Organe gut durchgespült. Es ist bei wiederholten Beschwerden zum Beispiel mit der Gallenblase zu überlegen, diese entfernen zu lassen. Dies stellt natürlich einen operativen Eingriff dar, beugt jedoch weiteren Gallenkoliken vor. Weiterhin ist eine gesunde Lebensweise und vielseitige Ernährung empfehlenswert, um Koliken jeder Art vorzubeugen. Wer evtl. aufgrund erblich bedingter Faktoren zu Risikogruppen gehört, sollte sich an die vorgeschlagenen Therapiemaßnahmen halten.

Nachsorge

Ob und in welcher Form eine Nachsorge bei einer Kolik notwendig ist, hängt ganz von den Ursachen ab. Waren Hindernisse – wie etwa eine Verstopfung des Darms oder Nierensteine – ursächlich, entfällt die Nachsorge. Treten weitere Schmerzen nach dem Entfernen des Hindernisses auf, müssen die betroffenen Organe eventuell mittels bildgebender Verfahren untersucht werden. Zuweilen kann es zu Schäden, im schlimmsten Fall zu Perforationen, kommen.

Waren etwa entzündliche Prozesse der Grund für die Kolik, besteht die Nachsorge im nachträglichen Versorgen des Patienten nach einer Behandlung. Bei chronisch verlaufenden Leiden, die mit Koliken assoziiert sind, besteht die Nachsorge in gelegentlichen Untersuchungen. Veränderungen des Krankheitsbildes, die eventuell auch zu Schmerzschüben führen, können so gefunden werden.

Allerdings ist es in vielen Fällen so, dass eine ursächliche Therapie nicht vorhanden ist und die Koliken daher auch weiterhin auftreten. Eine Nachsorge besteht bestenfalls in einer angepassten Ernährung (bei Darmnleiden) und im Untersuchen der Organe bei besonders schlimmen Schmerzschüben. Teilweise sind Koliken auch so stark, dass als Nachsorge Ruhe empfohlen wird. Betroffene sollten körperliche Anstrengung für einige Zeit meiden und ihren Körper warm halten. Allerdings wird durch diese Form der Nachsorge nicht zwingend erreicht, dass sich der Zustand bessert.

Das können Sie selbst tun

Jeder ist für seinen Lebensstil selbst verantwortlich. Egal, ob jemand zu einer betroffenen Risikogruppe gehört oder nicht, sollte auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden. Dazu gehört qualitativ gute Nahrung, die Vermeidung von Stress sowie ausreichend Bewegung und Ruhezeiten einzuplanen.

Außerdem sollten regelmäßig Termine beim Hausarzt wahrgenommen bzw. dieser bei Beschwerden zu Rate gezogen werden. Facharzttermine beim Gastroenterologen o. a. können ebenfalls in Erwägung gezogen werden.

Sollten Beschwerden heftig und anhaltend sein, muss sofort ärztlicher Rat hinzugezogen werden, um lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden.

Natürlich sind diese Tipps keine Garantie dafür, niemals an einer Kolik zu erkranken. Jedoch helfen sie, das Risiko einer Erkrankung minimal zu halten.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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