Duktoskopie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Duktoskopie ist ein modernes Untersuchungsverfahren, bei dem die Milchgänge in der Brust von Frauen von innen gespiegelt werden können. Hauptindikation für diese Form der Diagnostik ist die Absonderung unklarer, vor allem rötlicher Flüssigkeiten aus der Brustwarze. Durch die Beurteilung des jeweiligen Milchgangs ist es möglich, mithilfe der Duktoskopie selbst kleine Veränderungen zu erkennen und somit sowohl gutartige Knoten als auch bösartige Neubildungen frühzeitig zu erfassen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Duktoskopie?

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Die Duktoskopie ist ein modernes Untersuchungsverfahren, bei dem die Milchgänge in der Brust von Frauen von innen gespiegelt werden können.

Die Duktoskopie wird auch als Milchgangspiegelung oder Galaktoskopie bezeichnet. Sie gehört zu den endoskopischen Untersuchungsmethoden, da die Diagnostik durch Bilder erfolgt, die mithilfe eines sehr dünnen Endoskops aus dem Inneren des Körpers, in diesem Fall direkt aus den Milchgängen der weiblichen Brust, gewonnen werden.

Durch die Möglichkeit, mit einer winzigen Kamera aussagekräftiges Bildmaterial aus dem Milchgangsystem zu liefern, kann die Duktoskopie als minimal-invasive Diagnosemethode in vielen Fällen die mit einer Vollnarkose verbundene offene Biopsie ersetzen. Die Bilder aus dem Milchgang können vom Arzt zeitgleich auf dem Monitor verfolgt werden.

Zum einen ergibt sich so die Möglichkeit, eventuell suspekte Stellen noch einmal ganz genau zu betrachten, zum anderen wird durch die ständige Sichtkontrolle die Gefahr von Komplikationen beziehungsweise Verletzungen wirkungsvoll minimiert. Wichtig: Die Galaktoskopie als Spiegelung der Milchgänge darf nicht mit der Galaktografie verwechselt werden, bei der die weiblichen Milchgänge ergänzend zu einer Mammographie mithilfe von Kontrastmittel im Röntgenbild dargestellt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das Hauptanwendungsgebiet für die Duktoskopie ist das Austreten eines blutigen Sekrets aus der weiblichen Brustwarze, für das es keine schlüssige Erklärung gibt. Dies kann aus beiden Brüsten oder einseitig erfolgen. Manche Absonderungen treten ganz spontan auf, andere werden erst durch Druck ausgelöst.

Wichtig für die Indikation zur Milchgangspiegelung ist das Fehlen einer offensichtlichen Ursache, die – häufig vor allem bei klaren oder milchigen Flüssigkeiten – zum Beispiel hormonell (beispielsweise in der Schwangerschaft) oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente bestimmt sein kann. Das minimal-invasive Verfahren wird meist erst dann angewandt, wenn die klassischen bildgebenden Verfahren wie die Sonographie oder die Mammographie entweder nichts ergeben haben oder aber einen ersten Bildbefund, der weiter abklärungsbedürftig ist.

Auch ein Mamillenabstrich zur Erkennung von eventuellen Erregern wird im Vorfeld oft durchgeführt. Am Anfang jeder Galaktoskopie steht die schonende Betäubung, die bei dieser Untersuchung auch als Lokalanästhesie erfolgen kann. Mithilfe von Druck wird versucht, das Austreten der Flüssigkeit zu provozieren, um den betroffenen Milchgang besser aufspüren zu können. In diesen wird nun das sehr feine Endoskop mit seiner Kamera eingeführt.

Für die bessere Sicht dehnt der Untersucher den Milchgang leicht auf und spült ihn mit einer physiologischen und damit gut verträglichen Kochsalzlösung. Somit sind auch kleinste Läsionen im Milchgang gut zu erkennen und der Arzt kann mithilfe der Bildschirmkontrolle durch das verzweigte System der Milchgänge dorthin navigieren, wo sich die auslösende Ursache befindet. Bei optisch unklaren Befunden kann im gleichen Arbeitsschritt ein Abstrich oder eine Punktion vorgenommen werden, um das gewonnene Material anschließend pathologisch zu untersuchen.

Stellt sich während der Untersuchung heraus, dass die Patientin aufgrund des vorliegenden Befunds eine Operation benötigt, kann der betroffene Milchgang während der Galaktoskopie auch sofort markiert werden. Dies geschieht in aller Regel mit einem kleinen Draht, der nicht nur während des operativen Eingriffs leicht zu finden ist, sondern der auch in anderen bildgebenden Verfahren zu erkennen ist und damit das erkrankte Areal markiert.

Ein häufiger Befund, der zur Anwendung der Duktoskopie führt, ist das Papillom der Milchgänge. Bereits eine Krebsvorstufe und somit behandlungsbedürftig ist das DCIS (duktales Carcinoma in situ), bei dem sich bereits pathologische Zellveränderungen zeigen, die sich aber noch nicht invasiv in das Gewebe außerhalb der Milchgänge ausgebreitet haben. Auch mithilfe der Duktoskopie kann das DCIS frühzeitig erkannt werden; bei zeitnaher Behandlung hat es eine gute Prognose.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Besonders im Vergleich zur operativen Alternative – der offenen Biopsie – ist die Duktoskopie ein sehr risikoarmes Verfahren. Wie bei jeder endoskopischen Untersuchung besteht auch im Bereich der Milchgänge die geringe Gefahr, Gewebe zu verletzen und eine Blutung auszulösen.

Diesem geringen Risiko steht der Nutzen gegenüber, den die Untersuchung vor allem im Hinblick auf die frühzeitige Entdeckung einer Krebsvorstufe bieten kann. Durch die ständige Sichtkontrolle der Lage des Endoskops über den Monitor, die gute Sicht durch das Spülen mit der Kochsalzlösung sowie die Manövrierbarkeit des halbflexiblen Geräts können Komplikationen in den meisten Fällen vermieden werden.

Im Gegensatz zu Mammografie und der manchmal damit verbundenen Galaktografie werden bei der Milchgangsspiegelung lediglich Kameraaufnahmen gemacht. Eine Röntgenstrahlung wird nicht verwendet. Zudem muss im Vergleich zur Galaktografie auch kein Kontrastmittel in den Milchgang gespritzt werden, sodass die Duktoskopie auch für Patientinnen geeignet ist, die auf solche Mittel manchmal allergisch reagieren.

Die gewählte Anästhesie – Vollnarkose oder Lokalanästhesie – ist mit den allgemeinen, für jeden Eingriff geltenden Risiken verbunden, die jedoch selten auftreten und in der Regel gut beherrschbar sind. Eine ebenfalls sehr schonende Variante zur Spiegelung ist die Duktosonografie, bei der direkt aus dem Inneren des betreffenden Milchgangs Ultraschallbilder auf den Monitor des Arztes gebracht werden und aufgespürte Engstellen bereits eingehender untersucht werden können.

Das Milchgangsystem als Untersuchungsgebiet

Um zu verstehen, was bei einer Duktoskopie betrachtet wird, hilft ein Blick auf den Aufbau der weiblichen Brust. Das Drüsengewebe ist in Lappen gegliedert, die jeweils über ein verzweigtes Gangsystem entwässert werden. Diese Gänge laufen zur Brustwarze hin zusammen und münden dort mit feinen Öffnungen an der Oberfläche. In anatomischen Lehrbüchern wird ihre Zahl meist mit etwa fünfzehn bis zwanzig angegeben, wobei nicht alle Öffnungen tatsächlich durchgängig sind und die Anlage von Frau zu Frau erheblich schwankt.

Diese Gänge sind ausgesprochen eng und im Inneren mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Genau dort, in der Auskleidung der Gänge, entsteht ein großer Teil der Veränderungen der Brust — von harmlosen Wucherungen bis hin zu bösartigen Formen. Das erklärt, warum ein Blick in das Gangsystem überhaupt interessant ist: Er führt unmittelbar an den Ort, an dem sich viele Erkrankungen der Brust abspielen, ohne dass Gewebe von außen durchtrennt werden müsste.

Zugleich erklärt der Aufbau die Grenzen des Verfahrens. Weil sich die Gänge nach innen hin immer feiner verzweigen, lässt sich mit einem Endoskop nur ein Teil der Strecke einsehen. Die zentralen Abschnitte hinter der Brustwarze sind gut erreichbar, weiter außen gelegene Verzweigungen dagegen häufig nicht mehr. Eine unauffällige Duktoskopie schließt eine Veränderung im Randbereich der Brust daher nicht sicher aus, und das Verfahren kann eine flächige Untersuchung der gesamten Brust nicht ersetzen.

Wann eine Sekretion abgeklärt wird

Nicht jede Absonderung aus der Brustwarze ist ein Warnzeichen. Ärztlich unterschieden wird vor allem danach, ob die Flüssigkeit aus einer oder aus beiden Brüsten austritt, ob sie aus einer einzelnen Öffnung oder aus mehreren stammt, welche Farbe sie hat und ob sie von selbst austritt oder erst auf Druck erscheint.

Eine beidseitige, milchige Absonderung aus mehreren Öffnungen weist meist auf eine hormonelle Ursache hin. Sie wird als Galaktorrhoe bezeichnet und kann in und nach einer Schwangerschaft auftreten, aber auch durch einen erhöhten Spiegel des Hormons Prolaktin oder durch bestimmte Medikamentengruppen ausgelöst werden, darunter einige Mittel gegen seelische Erkrankungen sowie manche Mittel gegen Übelkeit. Solche Fälle werden hormonell und internistisch abgeklärt, nicht endoskopisch.

Ein anderes Bild ergibt eine einseitige Absonderung aus einer einzelnen Gangöffnung, die spontan austritt und blutig, bräunlich oder klar-wässrig aussieht. Diese Konstellation gilt als abklärungsbedürftig, weil ihr eine umschriebene Veränderung in genau diesem Gang zugrunde liegen kann. Häufigste Ursache ist eine gutartige Wucherung der Gangschleimhaut. Ebenfalls infrage kommen eine Erweiterung und Entzündung der Gänge, wie sie besonders um die Wechseljahre herum vorkommt, sowie in einem Teil der Fälle eine Krebsvorstufe oder ein Brustkrebs. Der überwiegende Teil der abgeklärten Sekretionen erweist sich als gutartig — was die Abklärung nicht überflüssig macht, sondern ihren Zweck beschreibt: die wenigen bedeutsamen Fälle zu finden.

Grüne, zähe Absonderungen aus mehreren Öffnungen sind dagegen häufig Ausdruck gutartiger Umbauvorgänge im Sinne einer Mastopathie. Eitrige Absonderungen sprechen für eine Brustentzündung und werden zunächst entzündungsgerecht behandelt.

Einordnung in die Abklärungskette

Am Anfang steht das ärztliche Gespräch: Seit wann besteht die Absonderung, betrifft sie eine oder beide Seiten, welche Medikamente werden eingenommen, gibt es Brusterkrankungen in der Familie? Es folgt die Tastuntersuchung der Brust und der Lymphknoten in der Achselhöhle. Häufig wird das Sekret aufgefangen und im Labor auf Zellen untersucht; ein unauffälliges Ergebnis schließt eine Veränderung allerdings nicht aus, weil verdächtige Zellen nicht zwangsläufig mit dem Sekret nach außen gelangen.

Als bildgebende Verfahren kommen zunächst die Sonographie und die Mammographie zum Einsatz. Beide beurteilen das Drüsengewebe insgesamt und finden Knoten oder Verkalkungen, stellen die feinen Gänge aber nur begrenzt dar. Reicht das nicht aus, stehen mehrere weiterführende Wege offen: die Darstellung der Gänge mit Kontrastmittel im Röntgenbild, eine Magnetresonanztomographie der Brust oder eben die Duktoskopie.

Die Duktoskopie wird dabei nicht flächendeckend angeboten. Sie erfordert besondere Geräte und geübte Untersucherinnen und Untersucher und findet sich vor allem an spezialisierten Brustzentren. In vielen Häusern wird die Abklärung einer unklaren Sekretion daher weiterhin ohne Milchgangspiegelung geführt, und es kann auch der Weg gewählt werden, den betroffenen Gang gleich operativ zu entfernen und feingeweblich untersuchen zu lassen. Ob die Milchgangspiegelung dieses Vorgehen zuverlässig ersetzen kann, wird fachlich unterschiedlich beurteilt.

Ablauf, Nachsorge und Grenzen

Vor dem Termin wird darum gebeten, die Brust nicht auszudrücken. Der Grund ist naheliegend: Für die Untersuchung muss der betroffene Gang gefunden werden, und das gelingt am ehesten über einen Sekrettropfen, der sich an der zugehörigen Öffnung zeigt. Ist die Brust kurz zuvor entleert worden, kann die Zuordnung misslingen und der Termin muss verschoben werden.

Das verwendete Endoskop ist außerordentlich fein; sein Durchmesser liegt deutlich unter zwei Millimetern, damit es die enge Gangöffnung passieren kann. Vor dem Einführen wird die Öffnung behutsam aufgeweitet. Während der Spiegelung wird mit Kochsalzlösung gespült, weil der Gang sonst kollabiert und keine Sicht entsteht. Die betroffene Frau spürt dabei meist einen Druck oder ein Spannungsgefühl in der Brust. Verwendet werden je nach Einrichtung eine örtliche Betäubung oder eine kurze Narkose; welcher Weg gewählt wird, hängt unter anderem davon ab, ob im selben Eingriff eine Gewebeentnahme oder eine Operation vorgesehen ist.

Nach der Untersuchung kann die Brust für kurze Zeit gespannt oder empfindlich sein, gelegentlich tritt noch etwas Spülflüssigkeit aus. Rötung, Überwärmung, zunehmende Schmerzen oder Fieber sind dagegen keine üblichen Folgen und sollten ärztlich abgeklärt werden, da sie auf eine Entzündung hinweisen können. Für Frauen mit einer akuten Brustentzündung oder einem Abszess kommt die Untersuchung nicht infrage; auch in der Schwangerschaft und Stillzeit wird sie in der Regel nicht durchgeführt. Lässt sich keine Sekretion auslösen oder ist die Gangöffnung nicht zu sondieren, ist die Untersuchung technisch nicht möglich.

Zeigt sich in der Spiegelung eine Veränderung, folgt daraus meist die operative Entfernung des betroffenen Gangabschnitts. Erst die feingewebliche Untersuchung dieses Gewebes durch die Pathologie entscheidet endgültig darüber, ob es sich um eine gutartige Wucherung, eine Vorstufe oder eine bösartige Veränderung handelt. Das Endoskopbild allein liefert diese Sicherheit nicht: Es zeigt Form und Farbe einer Veränderung, nicht ihre Zellbeschaffenheit. Der Nutzen der Duktoskopie liegt vor allem darin, den auffälligen Gang gezielt zu finden, sodass sparsamer und genauer operiert werden kann als bei einer Entfernung nach ungefährer Lageschätzung.

Bleibt die Spiegelung unauffällig, endet die Abklärung damit nicht zwangsläufig. Üblich sind dann Kontrollen in vereinbarten Abständen, damit eine anhaltende oder erneut auftretende Sekretion nicht aus dem Blick gerät. Die Kosten trägt bei medizinischer Begründung in der Regel die Krankenkasse; da das Verfahren jedoch nur an wenigen Einrichtungen angeboten wird, empfiehlt sich vorab eine Rücksprache mit der behandelnden Praxis und der Kasse.

Entwicklung und verwandte Verfahren

Möglich wurde die Spiegelung der Milchgänge erst, als Endoskope mit ausreichend kleinem Durchmesser und brauchbarer Bildqualität zur Verfügung standen. Erste Anwendungen gehen auf die 1980er Jahre zurück; wesentliche Entwicklungsarbeit wurde in Japan geleistet, bevor das Verfahren auch in Europa und Nordamerika erprobt wurde. Die Weiterentwicklung betraf vor allem die Beweglichkeit der Geräte und die Möglichkeit, über einen zusätzlichen Kanal Spülflüssigkeit einzubringen und Material zu gewinnen.

Aus derselben Überlegung heraus — nämlich Zellen unmittelbar aus dem Gangsystem zu gewinnen — entstand die duktale Lavage, bei der ein Gang gespült und die zurückgewonnene Flüssigkeit auf Zellen untersucht wird. Sie kam zeitweise als mögliches Verfahren zur Früherkennung bei Frauen mit erhöhtem Risiko in Betracht, hat sich in dieser Rolle jedoch nicht durchgesetzt.

Zu unterscheiden ist die Milchgangspiegelung ferner von der Gewebeentnahme durch die Haut, wie sie unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle bei tastbaren oder bildgebend auffälligen Befunden erfolgt. Diese zielt auf einen umschriebenen Herd im Drüsengewebe, während die Duktoskopie den Weg durch den Gang selbst nimmt und daher gerade dann in Betracht kommt, wenn kein tastbarer Knoten vorliegt.

Quellen

  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Debus, J., Delorme, S., Jenderka, K.-V.: Duale Reihe Sonografie.
    ISBN: 9783131519139
  • Aust, G., Engele, J., Kirsch, J., et al.: Anatomie.
    ISBN: 9783132452572
  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J. (Hrsg.): Das Rote Buch.
    ISBN: 9783609512242

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