Empty-Sella-Syndrom

Letzte Aktualisierung am 10. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Beim Empty-Sella-Syndrom (leeres Stella-Syndrom) ist die Hirnanhangsdrüse, die in der Stella turcica sitzt, nicht sichtbar. Die Gründe sind unterschiedlicher Natur. Im Regelfall haben die Betroffenen keine Beschwerden. Ob und welche Behandlung erforderlich ist, richtet sich nach der Ursache, warum es zu einem Empty-Sella-Syndrom gekommen ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Empty-Sella-Syndrom?

Ist die Hirnanhangsdrüse in Magnetresonanztomographien oder in Computertomographien nicht in der Stelle turcica, dem sogenannten Türkensattel, sichtbar, spricht der Mediziner vom Empty-Sella-Syndrom. Vorwiegend ist eine Ausstülpung der Hirnhaut verantwortlich; jene Ausstülpung sorgt dafür, dass die Hirnanhangsdrüse nicht erkannt werden kann.

Das bedeutet aber nicht, dass die Hirnanhangsdrüse nicht vorhanden ist; sie ist einfach nur nicht sichtbar. Im Regelfall treten keine Beschwerden auf; klagt der Patient jedoch über Kopfschmerzen, Sehstörungen oder einer immer wieder laufenden Nase, ist eine Behandlung erforderlich.

Ursachen

Das sogenannte Empty-Sella-Syndrom tritt vorwiegend bei Frauen auf, die sich in den mittleren Jahren befinden, an Bluthochdruck leiden und übergewichtig sind. Derartige Umstände werden daher immer wieder als Risikofaktoren bezeichnet. Nur selten tritt das Empty-Sella-Syndrom nach Bestrahlungen, Infarkten oder Operationen auf.

Mediziner gehen davon aus, dass mitunter ein Hormonfehlbetrag, der bereits in der frühen Pubertät entstanden ist, für das Empty-Sella-Syndrom verantwortlich ist. Bislang gibt es jedoch keine 100-prozentige Erklärung, warum es tatsächlich zu einem Empty-Sella-Syndrom kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Häufig haben Betroffene gar keine Beschwerden. Wird das Empty-Sella-Syndrom diagnostiziert, obwohl keine Beschwerden vorliegen, handelt es sich im Regelfall um eine zufällige Diagnose. Dieser Umstand tritt ein, wenn der Patient - aufgrund anderer Beschwerden - mittels Magnetresonanztomographie oder Computertomographie untersucht.

Nur selten leiden Patienten an Kopfschmerzen, einem ständigen Laufen der Nase (Austritt von Hirnflüssigkeit) und Sehstörungen. Kommt es zu Beschwerden, die auf das Empty-Sella-Syndrom schließen lassen, empfiehlt der Mediziner - auf Basis der Ursache - eine Behandlung des Syndroms. Ist der Patient jedoch beschwerdefrei, werden keine Behandlungen durchgeführt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Regelfall wird das Empty-Sella-Syndrom nur zufällig festgestellt. Besteht jedoch der Verdacht - da der Patient mehrere Beschwerden hat - die auf ein Empty-Sella-Syndrom schließen lassen, wird eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie durchgeführt.

Entdeckt der Mediziner dabei keine Hirnanhangsdrüse, kann er davon ausgehen, dass es sich um das sogenannte Empty-Sella-Syndrom handelt. Bestehen keine Beschwerden, kann er auf andere Untersuchungen verzichten. Wichtig ist, dass sich die Betroffenen jedoch - in regelmäßigen Zeitabständen - untersuchen lassen, sodass etwaige Veränderungen, sofern diese auftreten, rechtzeitig erkannt werden.

Der Krankheitsverlauf hängt vom Umstand der Ursache ab. Liegt eine Ausstülpung der Hirnhäute vor, wobei die Hirnanhangsdrüse nicht in ihrer Funktion beeinträchtigt wird, bleibt die Lebenserwartung des Patienten unverändert. Liegt jedoch ein Prolaktinüberschuss vor oder mitunter auch eine Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse, bleibt die Lebenserwartung nur dann unverändert.

Dies geht jedoch mit einer Medikamenteneinnahme einher, die den Prolaktinüberschuss reguliert. Kommt es zu keiner Behandlung, beträgt die Lebenserwartung zehn, maximal 15 Jahre. Im Regelfall verläuft das Empty-Sella-Syndrom jedoch beschwerde- und komplikationslos.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In den meisten Fällen bedarf das Empty-Sella-Syndrom keiner Behandlung. Sollten sich allerdings Beschwerden einstellen, wird am besten mit dem Hausarzt gesprochen. Ein häufiges Laufen der Nase, Sehstörungen und Kopfschmerzen sind typische Symptome, die einer medizinischen Abklärung bedürfen. Stellt der Neurologe einen Prolaktinüberschuss oder eine Unterfunktion der Hirnanhangdrüse fest, ist eine Behandlung erforderlich. Da die typischerweise verordneten Medikamente mit Neben- und Wechselwirkungen verbunden sind, sollte während der Therapie enge Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.

Nachdem die Behandlung abgeschlossen ist, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen angezeigt, denn andernfalls können die ursprünglichen Beschwerden erneut auftreten und mitunter schwere Komplikationen hervorrufen. Das Empty-Sella-Syndrom betrifft vorwiegend Frauen, die an Übergewicht oder Bluthochdruck leiden oder sich kurz vor den Wechseljahren befinden. Außerdem tritt es gehäuft nach Bestrahlungen, Infarkten oder Operationen auf. Risikopatienten sollten bei genannten Symptomen mit dem zuständigen Arzt sprechen. Bei starken Beschwerden kann es sinnvoll sein, den ärztlichen Notdienst einzuschalten oder direkt das nächste Krankenhaus aufzusuchen.

Behandlung & Therapie

Bevor sich der Mediziner für eine Behandlung entscheidet, muss er im Vorfeld die Ursache feststellen, warum es überhaupt zu einem Empty-Sella-Syndrom gekommen ist. Bestehen keine Beschwerden, ist auch keine Behandlung erforderlich. Wichtig ist, dass die Patienten dennoch - in regelmäßigen Zeitabständen - den Arzt aufsuchen, um etwaige Kontrolluntersuchungen durchführen zu lassen.

Kommt es zu Veränderungen, kann der Arzt dahingehend schnell reagieren. Besteht eine Erkrankung, die in weiterer Folge für das Empty-Sella-Syndrom verantwortlich ist, sollte nicht das daraus resultierende Symptom - also das Empty-Sella-Syndrom - behandelt werden, sondern die Grunderkrankung. In diesem Fall stehen, je nach Grunderkrankung, verschiedene Therapien und Behandlungen zur Verfügung.

Klagt der Patient unter Kopfschmerzen, einer permanent laufenden Nase oder Sehstörungen, können die Symptome durch kleinere Eingriffe gelindert werden. Dabei kümmert sich der Mediziner um die ausgestülpten Hirnhäute, wobei er die Sella mit sehr kleinen Knochenstückchen auffüllt. So können sich die Hirnhäute nicht mehr ausstülpen, sodass die Hirnanhangsdrüse ausreichend Platz hat und die Beschwerden daher gelindert werden.

Besteht ein Prolaktinüberschuss, der in weiterer Folge für das Empty-Sella-Syndrom verantwortlich ist, kann die Hirnanhangsdrüse mit verschiedenen Medikamenten unterstützt werden.

Dabei sind jene in die Kategorie der Dopaminagonisten einzuordnen. Es kommt zu einer automatisch Reduktion der Prolaktionproduktion. Zu beachten ist, dass Dopaminagonisten Medikamente sind, die eine ähnliche Wirkung wie Dopamin haben. Dabei handelt es sich um einen Botenstoff, der das Nervensystem und den Hypothalamus anregt, die Produktion von Prolaktin zu hemmen.

So kann in weiterer Folge ein Prolaktinüberschuss verhindert werden. Liegt eine Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse vor, ist es wichtig, dass die fehlenden Hormone in weiterer Folge durch Medikamente ersetzt werden. Diagnostiziert der Mediziner einen Mangel an Wachstumshormonen, muss er daher die entsprechenden Wachstumshormone - per Injektion - verabreichen.

Bei einem ACHTH-Mangel werden Glukokortikoide, jedoch in Form von Kortison, verabreicht. Liegt ein Mangel des Schilddrüsenhormons vor, werden Tabletten verabreicht. Im Regelfall werden die Hormone lebenslang verabreicht. Die einzige Ausnahme bilden Wachstumshormone; jene werden nur bis zum jugendlichen Alter verabreicht.

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Aussicht & Prognose

In vielen Fällen ist bei dieser erworbenen endokrinologischen Erkrankung eine Hormonsubstitution ausreichend. Damit können die eventuell auftretenden Beschwerden gut behandelt werden. Die Diagnose des Syndroms erfolgt allerdings meist zufällig. Das kann ein Problem darstellen.

Viele der Betroffenen haben durch das Empty-Sella-Syndrom keine Beschwerden zu beklagen. Für diese Patienten ist die Prognose gut. Obwohl die Hirnanhangdrüse bei bildgebenden Verfahren nicht sichtbar ist, scheint es bei vielen Betroffenen keine Funktionsausfälle oder Störungen zu geben.

Etwas schlechter sind die Aussichten, wenn infolge des Empty-Sella Syndroms typische Beschwerden entstehen. Dabei kann es sich um Kopfschmerzen, eine laufende Nase durch das Austreten von Liquor aus dem Gehirn oder Sehstörungen handeln. Wird zusätzlich ein Prolaktin-Überschuss diagnostiziert, sollte dieser ausgeglichen werden. Geschieht das nicht, weil das erworbene Syndrom nicht entdeckt wird, ist die Überlebenserwartung auf etwa 15 Jahre nach dem Auftreten des Empty-Sella-Syndroms reduziert.

Gelegentlich wird zusätzlich zum Empty-Sella-Syndrom eine Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse festgestellt. Diese Störung kann mittels Tabletten reguliert werden. Die Lebenserwartung der Betroffenen ist mit einer fachgerechten Behandlung nicht eingeschränkt. Ob die Unterfunktion der Hirnanhangdrüse Ursache oder Auswirkung des Empty-Sella-Syndroms ist, ist derzeit nicht bekannt. Die Prognose ist positiv, vorausgesetzt, der Patient wird medizinisch engmaschig überwacht. Der Grund dafür sind die möglichen Nebenwirkungen der Therapie.

Vorbeugung

Das Empty-Sella-Syndrom kann nicht vorgebeugt werden. Risikofaktoren, wie etwa Übergewicht oder Bluthochdruck, begünstigen zwar das Empty-Sella-Syndrom, wobei sich Mediziner unsicher sind, ob - wenn die Risikofaktoren behoben werden - das Syndrom tatsächlich vorgebeugt werden kann.

Nachsorge

Beim Empty-Sella-Syndrom stehen dem Patienten nur sehr wenige Möglichkeiten der Nachsorge zur Verfügung. Hierbei muss in erster Linie die Erkrankung behandelt werden, falls es im Alltag zu Beschwerden kommt. Weiterhin ist in der Regel auch die Erkennung der Grunderkrankung sehr wichtig, damit es nicht zum erneuten Auftreten des Empty-Sella-Syndroms kommt.

Sollte das Syndrom zu keinen weiteren Beschwerden oder Komplikationen im Alltag des Betroffenen führen, muss auch keine Behandlung durchgeführt werden, wobei auch die Möglichkeiten zur Nachsorge dabei entfallen. In einigen Fällen sind die Betroffenen auf einen operativen Eingriff angewiesen, um die Beschwerden des Syndroms zu lindern. Nach diesem Eingriff muss sich der Betroffene immer ausruhen und den Körper schonen.

Von Anstrengungen oder von stressigen Tätigkeiten sollte daher immer abgesehen werden, um die Heilung zu beschleunigen. Ebenfalls wirkt sich dabei die Pflege durch die eigene Familie oder durch Freunde und Angehörige positiv auf den Verlauf dieser Krankheit aus. Weiterhin sind die Patienten in einigen Fällen auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Dabei ist auf eine regelmäßige und richtige Einnahme zu achten, wobei in Zweifelsfällen immer ein Arzt aufgesucht werden sollte. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch das Empty-Sella-Syndrom nicht verringert.

Das können Sie selbst tun

Die Patienten können viel für die Vorsorge des Empty-Sella-Syndroms sowie die Verbesserung ihres Wohlbefindens beitragen.

Insbesondere sollten sie auf die Einhaltung ihres Normalgewichts achten. Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sowie ausreichender Bewegung kann einer Zunahme des Eigengewichts vorgebeugt werden. Ohne weitere Hilfe oder Inanspruchnahme von Untersuchungen kann der Ernährungsplan umgestellt und optimiert werden. Vorbeugend sollten Maßnahmen zur Regulierung des Blutdrucks ergriffen werden. Entspannungstechniken helfen dabei. Sie können jederzeit eigenverantwortlich und nach dem individuellem Bedarf durchgeführt werden. Neben Yoga und Meditation sind Methoden wie Qi Gong oder autogenem Training sehr beliebt, um von den Herausforderungen des Alltags Abstand zu gewinnen. Der Stressabbau hilft dabei, den Blutdruck im Normalbereich zu halten. Spaziergänge und das regelmäßige Treiben von Sport wirken sich ebenfalls positiv auf die Gesundheit aus.

Zur Stärkung der Psyche und emotionalen Stabilität ist es hilfreich, wenn sich der Patient auf Freizeitbeschäftigungen konzentriert, bei denen er Ablenkung erfährt und Lebensfreude verspürt. Erfolgserlebnisse sollten über verschiedene Aktivitäten aufgebaut werden, damit das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen gefördert wird. Ein kommunikativer Austausch mit anderen Erkrankten kann ebenfalls empfohlen werden. Dort können offene Fragen geklärt werden und Tipps für den Umgang mit der Erkrankung gegeben werden.

Quellen

  • Bob, A., Bob, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Zilles, K. et al.: Anatomie. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2010

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