Hypophysentumor

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein Hypophysentumor ist eine überwiegend gutartige Geschwulst der Hirnanhangdrüse, die etwa 10 bis 15 Prozent der Hirntumoren ausmacht. Hypophysentumoren sind aufgrund moderner mikrochirurgischer Verfahrenstechniken in der Regel gut therapierbar. Der Begriff ist ein Oberbegriff: Mit Abstand häufigste Form ist das gutartige Hypophysenadenom des Vorderlappens, dem ein eigener Artikel gewidmet ist; deutlich seltener sind Tumoren des Hypophysenhinterlappens.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hypophysentumor?

Gehirntumor
Schematische Darstellung zur Lage eines Gehirntumores im Gehirn. Klicken, um zu vergrößern.

Als Hypophysentumor wird eine krankhafte, in der Regel benigne (gutartige) Neubildung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) bezeichnet. Hierbei wird zwischen den häufiger diagnostizierten Hypophysenadenomen, die insgesamt 15 Prozent der Hirntumoren ausmachen und aus Zellgewebe des Vorderlappens der Hirnanhangdrüse (Adenohypophyse) entstehen, sowie den äußerst seltenen Tumoren des Hypophysenhinterlappens (bspw. Granularzelltumoren der Neurohypophyse) unterschieden.

Die Hypophyse ist eine etwa bohnengroße Hormondrüse, die als Schnittstelle zwischen Gehirn und endokrinem System fungiert und maßgeblich am hormonellen Regulierungssystem beteiligt ist. Da ein Hypophysentumor aus Gewebezellen der Hirnanhangdrüse entsteht, kann dieser deren hormonproduzierenden Eigenschaften übernehmen.

Daher wird zusätzlich zwischen hormoninaktiven und hormonaktiven Hypophysentumoren differenziert. Die vorwiegend auftretenden hormonaktiven Hypophysentumoren produzieren Hormone und beeinträchtigen infolge eines Hormonüberschusses das hormonelle Regulierungssystem der Hypophyse. Der häufigste Hypophysentumor ist das Prolaktinom (etwa 40 Prozent der Hypophysentumoren), das als hormonaktiver Tumor Prolaktin produziert. Daneben kommen wachstumshormonbildende Tumoren vor, die eine Akromegalie verursachen, sowie ACTH-bildende Tumoren, die einen Morbus Cushing auslösen. Hormoninaktive Hypophysentumoren fallen dagegen erst dann auf, wenn sie durch ihre Größe das umliegende Gewebe verdrängen.

Ursachen

Die Ursachen eines Hypophysentumors sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird, dass ein Hypophysentumor aus einer einzelnen abnormen Gewebezelle der Hypophyse entsteht, die sich teilt, vermehrt und einen Tumor bildet, wobei keine spezifischen Zellen in besonderem Maße entartungsgefährdet sind.

Die Auslöser für diesen Entartungsprozess sind ebenfalls unbekannt und eine Korrelation zwischen auf das Erbgut einwirkenden Umweltfaktoren und der Entstehung eines Tumors konnte bisher nicht nachgewiesen werden. In einzelnen spezifischen Fällen liegen einem Hypophysentumor genetische Faktoren zugrunde. So besteht bei einer multiplen endokrinen Neoplasie (MEN-1-Syndrom) ein erhöhtes Risiko für Hypophysentumoren.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Für die Diagnose eines Hypophysentumors kommen vor allem bildgebende Diagnoseverfahren wie MRT, CT und Röntgen zum Einsatz. Anhand eines MRTs (Magnetresonanztomografie) des Kopfes kann beispielsweise ein Hypophysentumor lokalisiert und seine Größe bestimmt werden.

Eine Hormonbestimmung des Blutes gibt im Rahmen einer Differentialdiagnostik Aufschluss über die Hormonaktivität und die Art des Hypophysentumors. So ist bei einem Prolaktinom der Prolaktinwert erhöht. Ein erhöhter Wert von Wachstumshormonen (über 5 ng/ml) deutet auf einen wachstumshormonproduzierenden Hypophysentumor hin. Lange Zeit stützte man sich dabei auf einen einzelnen Blutwert. Heute gelten stattdessen der IGF-1-Spiegel und der fehlende Abfall des Wachstumshormons im oralen Glukosetoleranztest als maßgeblich, da der Wachstumshormonspiegel im Tagesverlauf stark schwankt.

Daneben kann durch einen Dexamethason-Test ein ACTH-produzierender (adrenocorticotropes Hormon) Hypophysentumor nachgewiesen werden. Da bei einem Hypophysentumor in etwa 30 Prozent der Fälle eine Sehbeeinträchtigung vorliegt, ist eine genaue Augenuntersuchung angezeigt.

Generell weist ein Hypophysentumor keinen letalen oder lebensbedrohlichen Verlauf auf und die Prognose ist günstig, wenngleich ein Rezidivrisiko (Wiederauftreten) besteht. Unbehandelt kann ein Hypophysentumor mit zunehmender Größe angrenzende Organe (Sehnerven, Blutgefäße) beeinträchtigen und dadurch bleibende Schäden bis hin zur Erblindung verursachen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kann ein Hypophysentumor relativ gut behandelt und entfernt werden, sodass es für den Patienten zu keinen besonderen Komplikationen und Beschwerden kommt. Ohne Behandlung kann der Tumor allerdings in benachbarte Strukturen des Schädelinneren hineinwachsen, diese verdrängen und dort zu Beschwerden führen. Durch den Hypophysentumor kommt es in den meisten Fällen zu Sehstörungen.

Dabei kann sich die Sehkraft verringern und der Patient leidet an Doppelbildern oder am sogenannten Schleiersehen. Weiterhin kann es zu Ausfällen in verschiedenen Bereichen des Gesichtsfeldes und zu Lähmungen der Augenmuskeln kommen, sodass der Betroffene die Augen nicht mehr frei bewegen kann. Durch diese Ausfälle wird der Alltag des Patienten stark eingeschränkt und es kommt zu einem erheblichen Verlust der Lebensqualität.

Die Behandlung des Hypophysentumors erfolgt in der Regel durch einen mikrochirurgischen Eingriff; das Prolaktinom wird dagegen medikamentös behandelt, und eine Strahlentherapie kommt nur bei nicht oder nur teilweise operierbaren Tumoren hinzu. Dabei kommt es zu keinen besonderen Komplikationen und der Tumor kann in der Regel relativ gut entfernt werden. Weiterhin werden Medikamente eingesetzt und der Betroffene muss sich in den folgenden Jahren immer wieder nochmals untersuchen lassen. Bei einer erfolgreichen Entfernung wird die Lebenserwartung nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Abhängig von Größe und Lage kann ein Hypophysentumor sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen. Ein Arztbesuch ist ratsam, sobald Anzeichen für eine Hormonstörung wie etwa zunehmende Fetteinlagerungen am Bauch bei gleichzeitigem Schwund der Muskelmasse oder eine unerklärliche Vergrößerung von Händen und Füßen (Akromegalie) auftreten. Kinder sollten dem Kinderarzt vorgestellt werden, wenn die normalen Wachstumsschübe ausbleiben und ihre Körpergröße deutlich hinter der ihrer Altersgenossen zurückbleibt.

Zyklusstörungen und der Verlust des sexuellen Verlangens können bei Frauen auf einen tumorbedingten Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen hindeuten. In diesem Fall empfiehlt sich ein Besuch beim Frauenarzt, der gynäkologische Ursachen ausschließen und gegebenenfalls eine weitere fachärztliche Abklärung veranlassen kann. Bei Männern löst ein Hypophysentumor gelegentlich Potenzstörungen und einen Verlust der Libido aus, hier eignet sich der Urologe als erster Ansprechpartner.

Weitere Warnzeichen, die an einen Tumor der Hirnanhangsdrüse denken lassen, können verstärktes Kälteempfinden, ein langsamer Pulsschlag, niedriger Blutdruck, Müdigkeit, Leistungsabfall, auffallende Hautblässe, Kopfschmerzen, Sehstörungen und eine Neigung zur Unterzuckerung sein. Jedes dieser Anzeichen kann auch durch andere, weit harmlosere Erkrankungen hervorgerufen werden – ein Besuch beim Hausarzt ist anzuraten, wenn einige Symptome zugleich auftreten, die Beschwerden über längere Zeit anhalten oder sich zunehmend verstärken. Erhärtet sich der Verdacht, sind weiterführende Untersuchungen bei einem Endokrinologen oder durch bildgebende Verfahren sinnvoll.

Keinen Aufschub duldet dagegen ein schlagartig einsetzender heftigster Kopfschmerz mit rasch zunehmender Sehverschlechterung, Doppelbildern und Kreislaufschwäche: Dahinter kann eine plötzliche Einblutung in den Tumor (Hypophysenapoplex) stecken. In diesem Fall muss über die Notrufnummer 112 sofort der Rettungsdienst alarmiert werden, da innerhalb von Stunden eine Erblindung droht.

Behandlung & Therapie

Die Standardtherapie besteht bei einem Hypophysentumor in einem mikrochirurgischen Eingriff, wobei ein Prolaktinom hier eine Ausnahme darstellt und medikamentös behandelt wird. Aufgrund der Lage der Hypophyse erfolgt der Zugang zum Tumor in den meisten Fällen über die Nasenöffnung und eine Öffnung des Schädels ist nur bei besonders großen Hypophysentumoren erforderlich. Dieser transsphenoidale Zugang über Nasen- und Keilbeinhöhle gilt heute als risikoarmes Standardverfahren.

Erweist sich der Hypophysentumor als nicht operierbar oder lediglich partiell entfernbar, kommt zusätzlich eine Strahlentherapie zum Einsatz. In manchen Fällen ist jedoch aufgrund der problematischen Lage der Hypophyse eine radikale Entfernung des Resttumors nicht möglich, so dass dessen Entwicklung anhand bildgebender Verfahren (MRT) beobachtet und gegebenenfalls ein erneuter operativer Eingriff erforderlich wird.

Das Prolaktinom wird als hormonaktiver Hypophysentumor medikamentös mit Dopaminagonisten wie Cabergolin oder Bromocriptin behandelt, die die vermehrte Prolaktinausschüttung hemmen und sukzessiv zu einer Verkleinerung des Hypophysentumors führen. Eine mikrochirurgische Tumorentfernung kommt lediglich bei Betroffenen, die die medikamentöse Langzeittherapie nicht vertragen, und bei einem Nichtansprechen des Tumors auf das Medikament in Frage.

Folge einer mikrochirurgischen und radikalen Entfernung des Hypophysentumors ist in nicht seltenen Fällen eine Hypophysenunterfunktion, die einen Hormonmangel nach sich zieht. Dieser wird im Rahmen einer Substitutionstherapie medikamentös kompensiert.


Vorbeugung

Da weder die genauen Ursachen noch die Auslöser für die angenommene Zellentartung bekannt sind, kann man einem Hypophysentumor nicht vorbeugen. Allgemein wird empfohlen, karzinogene Substanzen wie Chemikalien, nicht erforderliche Bestrahlungen sowie Alkohol und Nikotin zu meiden. Eine gesunde Ernährung und sportliche Aktivität unterstützen das Immunsystem und minimieren das allgemeine Erkrankungsrisiko. Ein gezielter Schutz vor einem Hypophysentumor lässt sich damit nach heutigem Kenntnisstand jedoch nicht erreichen.

Nachsorge

Im Anschluss an einen Hypophysentumor kommt es häufig zu einem Hormonmangel, ausgelöst durch die Unterfunktion der Hypophyse. Hierfür verschreibt der Arzt die entsprechenden Medikamente. Die Patienten sollten sich genau an die Anordnungen bei dieser Substitutionstherapie halten, um eventuelle Probleme auszuschließen. Wird dabei Cortisol ersetzt, gehört ein Notfallausweis in die Brieftasche: Bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall muss die Dosis nach ärztlicher Anweisung erhöht werden, und bei Kreislaufversagen ist umgehend über die 112 der Rettungsdienst zu rufen. In der Phase nach der Behandlung ist es wichtig, auf schädigende Genussmittel wie Alkohol und Nikotin zu verzichten.

Gesunde Nahrungsmittel und ausreichend Bewegung helfen den Betroffenen, das Erkrankungsrisiko zu senken und das Immunsystem zu stärken. Mit dieser Besserung des Gesundheitszustands fühlen sich die Patienten gegen Erkrankungen und einen Rückfall gewappnet. Ergänzend zu der gesunden Ernährung können sie den Koffeinkonsum einschränken und bei Übergewicht eine Diät halten.

Patienten mit Normalgewicht fühlen sich deutlich wohler, da ihr Herz-Kreislauf-System nicht überlastet wird. Ein ärztlich empfohlener Gewichtsverlust wirkt sich auch positiv auf die Blutwerte aus und sorgt für mehr Fitness. Darum lohnt es sich, Sport- und Bewegungsübungen in das Nachsorgeprogramm aufzunehmen.

Durch die Aktivitäten und die anschließenden Entspannungsphasen reduziert sich außerdem der Alltagsstress. Das ist ein weiterer wichtiger Punkt für die Gesundheit. Mit autogenem Training und/oder Yoga trainieren die Betroffenen zudem ihre Achtsamkeit und steigern auf diese Weise die Lebensqualität.

Das können Sie selbst tun

Der Hypophysentumor ist eine schwerwiegende Erkrankung, die der Patient keinesfalls selbstständig therapieren oder ignorieren sollte. Es ist sehr wichtig, dass die Therapie in Absprache mit dem behandelnden Arzt festgelegt und konsequent durchgeführt wird. Hierbei ist eine aktive Beteiligung durch den Patienten möglich. Der Betroffene kann dem Therapieplan konsequent folgen, Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, und dem Arzt aktiv von Veränderungen, Auffälligkeiten oder womöglich neu auftretenden Beschwerden berichten.

Parallel zur Tumortherapie kann der Patient versuchen, ein möglichst stabiles Immunsystem und einen guten körperlichen Allgemeinzustand zu erreichen. Ein erster Schritt dahin ist der Verzicht auf schädliche Substanzen wie Nikotin und Alkohol. Auch der Koffeinkonsum kann auf ein bis zwei Tassen am Tag reduziert werden.

Bei Übergewicht sollte der Patient versuchen, ein Normalgewicht zu erreichen. Damit entlastet er sein Herz-Kreislaufsystem und bringt sich in einen fitteren, gesünderen Zustand. Über eine Ernährungsumstellung lässt sich meist schnell ein Gewichtsverlust erzielen, zudem bessern sich die Blutwerte und der gesamte körperliche Zustand. Ein angemessenes Sport- oder Bewegungsprogramm unterstützt diese Maßnahmen. So kann der Patient selbst dafür sorgen, mit einem gesünderen Körper die anstrengenden Belastungen der Therapien besser zu verarbeiten.

Stress und Druck im Alltag kann in vielen Fällen vermieden oder verringert werden. Autogenes Training oder Yoga können zur Entspannung beitragen.

Quellen

  • Lehnert, H. (Hrsg.): Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783131295545
  • Moskopp, D., Wassmann, H. (Hrsg.): Neurochirurgie.
    ISBN: 9783132435797
  • van de Loo, I., Harbeck, B.: Facharztwissen Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783662716830
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M.: Checkliste Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783132454132

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