Kahnbeinbruch
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Kahnbeinbruch
Als Kahnbeinbruch wird eine Fraktur eines Handwurzelknochens bezeichnet. Das Kahnbein ist der anfälligste Knochen im Bereich der Handwurzelknochen und wird auch als Os scaphoideum bezeichnet. Ein Kahnbeinbruch kann in seltenen Fällen auch im Fuß auftreten, da sich in den dortigen Fußwurzelknochen auch ein Kahnbein befindet.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist ein Kahnbeinbruch?
Der Kahnbeinbruch ist eine Fraktur im Bereich der Handwurzelknochen. Das Kahnbein befindet sich zwischen der Speiche und dem ersten Mittelhandknochen und verbindet das Handgelenk mit der Mittelhand. Es liegt auf der Daumenseite und befindet sich in der ersten Handwurzelreihe.
Bei den Handwurzelknochen tritt ein Kahnbeinbruch am häufigsten auf. Ein Kahnbeinbruch ist relativ schwierig zu diagnostizieren. Des Weiteren kommt es häufig zu sog. Pseudarthrosen, einer Fehlheilung des Knochens.
Sowohl das Handgelenk als auch das Fußgelenk haben in den Wurzelknochen ein Kahnbein. Aufgrund dessen kann mit einem Kahnbeinbruch auch die Fraktur der Fußwurzelknochen gemeint sein. Allerdings tritt diese Art der Fraktur äußerst selten auf. Die Heilung eines Kahnbeinbruchs dauert in der Regel bis zu 12 und mehr Wochen.
Ursachen
Dabei wird das Kahnbein zwischen die Speiche und den anderen Handwurzelknochen eingeklemmt. Bei großer Krafteinwirkung bricht das Kahnbein. Ein Kahnbeinbruch tritt häufig auch im Rahmen eines Autounfalls auf. Man stützt sich beim Zusammenprall mit den Händen am Lenkrad ab. Dabei zieht sich der Betroffene häufig einen Kahnbeinbruch zu.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Kommt es zu einem Kahnbeinbruch, stellen sich unmittelbar starke Schmerzen im Bereich des Handgelenks ein. Die Beschwerden treten vor allem in der Nähe des Daumens auf und nehmen beim Bewegen der Hand und der Finger zu. Die Fraktur ist mit einer Schwellung oder einem Bluterguss verbunden, bei äußerlichen Verletzungen treten Hautschäden und Blutungen auf.
Die genannten Kahnbeinbruch-Symptome sind meist unspezifisch und können auch anderweitige Ursachen haben. Ein eindeutiges Anzeichen ist der starke Schmerz, der beim Druck auf das Handgelenk auftritt. Wird das Gelenk an der Stelle der Fraktur berührt, tritt ein akutes Stechen auf, welches bis in die Hand und in den Unterarm ausstrahlen kann. Erfolgt keine Behandlung, können die Schmerzen so stark werden, dass es zu Übelkeit und Kreislaufbeschwerden kommen kann.
Auch die Bewegungseinschränkungen sind ein deutlicher Hinweis auf einen Bruch. Die Hand kann normalerweise nicht mehr oder nur noch eingeschränkt bewegt werden, woraus eine Schonhaltung resultiert. Vor allem die Griffbewegung der Hand ist erheblich eingeschränkt. In einigen Fällen stellen sich Störungen der Sensibilität sowie Lähmungserscheinungen ein. Wurden Nerven verletzt, kann daraus eine vollständige Lähmung der betroffenen Hand resultieren.
Diagnose & Verlauf
Diagnostiziert wird der Kahnbeinbruch durch einen Orthopäden. Allerdings kann sich die Diagnose oftmals als schwierig gestalten. Zu Beginn wird die verletzte Hand auf äußere Verletzungen hin untersucht. Danach erfolgt eine Prüfung der Beweglichkeit. Hierbei wird auch die Hand abgetastet, um festzustellen, ob Bewegung oder Druck Schmerzen verursachen. Zudem wird abgeklärt, ob eine Sensibilitätsstörung vorliegt.
Nach der Sicht- und Tastuntersuchung werden Röntgenaufnahmen in vier Ebenen angefertigt, wobei diese nicht immer zuverlässig einen Kahnbeinbruch darstellen. Aufgrund dessen wird meistens zusätzlich eine Computertomographie angefertigt. Diese gibt auch Ausschluss darüber, welche Behandlungsmethode (konservativ oder chirurgisch) am besten geeignet ist.
Wegweisend ist der Druckschmerz in der Tabatière, jener kleinen Grube an der Daumenseite des Handgelenks, die sich beim Abspreizen des Daumens abzeichnet. Besteht dieser Druckschmerz nach einem Sturz auf die ausgestreckte Hand, wird das Handgelenk auch bei unauffälligem Röntgenbild ruhiggestellt und nach zehn bis vierzehn Tagen erneut geröntgt – oder es wird gleich eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie durchgeführt. Denn im ersten Röntgenbild bleibt ein Kahnbeinbruch häufig unentdeckt.
Der Verlauf bei einem Kahnbeinbruch ist von mehreren Faktoren abhängig. Bei einem stabilen Bruch und einer adäquaten Behandlung heilt der Kahnbeinbruch i. d. R. folgenlos aus. Die Heilungsphase kann bis zu 12 und mehr Wochen in Anspruch nehmen. Oftmals treten Komplikationen - insbesondere bei nicht oder zu spät entdeckten Kahnbeinfrakturen - in Form von Pseudarthrosen auf.
Hierbei heilt der Knochen falsch oder nur mangelhaft zusammen. Aufgrund von Durchblutungsstörungen kann es zudem zu einer verzögerten Heilung kommen. Das Kahnbein wird nämlich überwiegend von seinem handnahen Ende her mit Blut versorgt; von dort verläuft die Versorgung rückwärts zum körpernahen Anteil. Ein körpernaher Bruch schneidet das abgetrennte Stück deshalb weitgehend von der Blutzufuhr ab, was die hohe Rate an Pseudarthrosen und die lange Ruhigstellung von oft sechs bis zwölf Wochen erklärt. Ein Kahnbeinbruch kann eine dauerhafte Bewegungseinschränkung sowie chronische Schmerzen zur Folge haben. Bleibt er unerkannt, entwickelt sich daraus langfristig häufig eine Arthrose des Handgelenks – das ist der Grund, warum ein vermeintlich nur verstauchtes Handgelenk nach einem Sturz auf die ausgestreckte Hand nicht einfach abgewartet werden darf.
Komplikationen
Sollte der Kahnbeinbruch an der Hand auftreten, ist das gewöhnliche Greifen und Nehmen für den Patienten dabei nicht mehr möglich. Auch die Sensibilität der Hand kann durch den Bruch gestört sein, sodass es zu Lähmungen oder zu einem Kribbeln kommt. Komplikationen können dann auftreten, wenn der Kahnbeinbruch nicht behandelt wird. Dabei kann es zu irreversiblen Bewegungseinschränkungen kommen.
Die Diagnose des Kahnbeinbruchs ist oft schwierig, weil der Bruch auf dem ersten Röntgenbild häufig nicht zu erkennen ist. Wird er dennoch früh erkannt, kann auch eine Behandlung frühzeitig eingeleitet werden. Bei der Behandlung selbst kann der Knochen unzureichend zusammenwachsen, sodass eine Pseudarthrose zurückbleibt und erneut operiert werden muss. Gegebenenfalls kann an der betroffenen Stelle auch eine Störung der Durchblutung auftreten.
Diese Störung muss ebenfalls behandelt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch diesen Bruch nicht verändert. Mit Hilfe eines Gipsverbandes verschwinden die Beschwerden nach einigen Wochen und der Patient kann die Hand oder den Fuß gewöhnlich wieder nutzen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Nach einem ernsten Unfall sollte ein Arzt aufgesucht werden. Sollte es bei einem Sturz oder Unfall zu einer Verletzung des Kahnbeins kommen, muss in jedem Fall der Arzt konsultiert werden. Warnzeichen wie eine Schwellung oder äußerlich sichtbare Blutergüsse sind in jedem Fall abzuklären. Auch Blutungen oder sogar ein offener Bruch bedürfen einer sofortigen Diagnose und Behandlung durch einen Facharzt. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Verletzung die Bewegung einschränkt oder anderweitige Komplikationen hervorruft.
Sollten sich in dem betroffenen Körperteil Lähmungserscheinungen oder Sensibilitätsstörungen bemerkbar machen, muss ein Arzt aufgesucht werden. Ein Kahnbeinbruch heilt meist ohne Komplikationen aus, wenn er frühzeitig behandelt wird. Dennoch sollte während der Genesung Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Sollten bei der Heilung Schmerzen auftreten oder das Gefühl bestehen, dass der Knochen nicht ordnungsgemäß zusammenwächst, muss ein Arzt aufgesucht werden. Der richtige Ansprechpartner ist der Hausarzt oder ein Orthopäde. Ernstlich Verletzte müssen in einem Krankenhaus behandelt werden.
Behandlung & Therapie
Bei der Behandlung eines Kahnbeinbruchs werden als Sofortmaßnahme das Hochlagern der Hand, eine Kühlung mit Coolpacks, sowie eine Schonung der Hand empfohlen. Coolpacks gehören dabei nie direkt auf die Haut, sondern immer in ein Tuch gewickelt, weil sonst Erfrierungen entstehen können.
Mithilfe einer Computertomographie kann man erkennen, wie und wo das Kahnbein gebrochen ist. Aufgrund dessen wird dann entschieden, ob eine konservative Behandlung erfolgt oder ob ein operativer Eingriff notwendig ist.
Bei einem stabilen Kahnbeinbruch wird nach dem Abschwellen ein Gips- oder Kunststoffverband angelegt, der bis zu 12 Wochen getragen werden muss. In der Regel sind die Hand, der Daumen und der Unterarm eingegipst. Sind bei einem Kahnbeinbruch die Knochenteile verschoben, ist i. d. R. eine Operation erforderlich. Hierbei wird das Kahnbein mithilfe mehrerer Schrauben fixiert.
Während der Heilungsphase müssen regelmäßig Röntgenaufnahmen zur Kontrolle angefertigt werden. Diese dienen zur Überwachung des Heilungsprozesses. Des Weiteren wird kontrolliert, ob eine Durchblutungsstörung vorliegt. Die Behandlung eines Kahnbeinbruchs kann sehr lange dauern und unter ungünstigen Umständen Folgeschäden nach sich ziehen. Nach der Entfernung des Gipsverbandes sind bei einem Kahnbeinbruch physiotherapeutische Maßnahmen zu empfehlen. Liegt ein Kahnbeinbruch im Fußwurzelbereich vor, so werden meist die gleichen Behandlungsmethoden ergriffen.
Aussicht & Prognose
Sofern sich der Kahnbeinbruch am Fußknochen befindet, ist über den gesamten Heilungsprozess absolute Schonung einzuhalten. Beim Kahnbeinbruch an der Hand mit Ruhigstellung durch einen Gips, kann bereits nach etwa einem Monat wieder mit leichten Tätigkeiten begonnen werden.
Da Muskeln während einer längeren Ruhigstellung verkümmern und sich Sehnen verkürzen, muss nach Freigabe durch den Arzt mit einer regelmäßigen Physiotherapie begonnen werden. Um schnell sichtbare Erfolge zu erzielen, muss diese auch zu Hause durch sanfte Übungen aus dem Bereich der Physio- und der Ergotherapie ergänzt werden. Hierbei ist jedoch immer auf die Maßgabe des Therapeuten zu achten, da eine zu starke Belastung zu einer erneuten Fraktur führen könnte. Als grobe Richtlinie gilt, dass intensive sportliche Betätigung erst nach etwa sechs Monaten erfolgen sollte. Aufschluss über die Belastbarkeit gibt eine regelmäßige Röntgenkontrolle.
Wurde der Bruch ohne Gipsruhigstellung, dafür jedoch mittels eines kleinen ambulanten Eingriffs durch das Einbringen einer Schraube gerichtet, kann dieser schneller ausheilen und ermöglicht dadurch auch eine schnellere Belastbarkeit.
Um die teils sehr starken Schmerzen zu lindern, können Betroffene neben den verordneten, rezeptpflichtigen Medikamenten auch zu Naturheilmitteln greifen. Manche Präparate sind sowohl innerlich als Tee, Tropfen oder Tablette anwendbar, aber auch als Creme um sie direkt auf das schmerzende Areal aufzutragen.
Vorbeugung
Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen, um einen Kahnbeinbruch zu verhindern. Man kann nur allgemeine Vorsichtsmaßnahmen ergreifen wie z. B. Achtsamkeit im Straßenverkehr, Laufen nur auf ebenem Untergrund, Vermeidung von Risikosportarten, bei denen Stürze vorprogrammiert sind.
Nachsorge
Die Nachsorge eines Kahnbeinbruchs besteht aus mehreren Schritten. Zunächst wird das Handgelenk ruhiggestellt. Die Dauer der Ruhigstellung kann je nach Art der Fraktur von sechs bis hin zu zwölf Wochen andauern. Bei schwerer zu verheilenden Brüchen kann die Ruhigstellung noch länger andauern. Dies wird im Einzelfall vom operierenden Arzt beurteilt und entschieden.
Die Fäden an der Narbe werden circa 12 bis 14 Tage nach dem Eingriff entfernt. Es handelt sich dabei typischerweise um drei bis sieben Fäden, die entfernt werden müssen. Die Ruhigstellung erfolgt mittels einer Unterarm-Gipsschiene. Bis auf das Daumenendgelenk werden durch die Gipsschiene das Handgelenk und die restlichen Daumengelenke stillgelegt.
Auch bei einer eingriffslosen Behandlung wird zu Beginn von der Gipsschiene Gebrauch gemacht. Zur Inspektion der Wunde kann der Gips in den ersten Wochen zwei bis drei Mal wöchentlich gewechselt werden. Sind die Fäden entfernt worden, wird das Handgelenk durch eine abnehmbare Handgelenksschiene ruhiggestellt. Sobald die Schiene abgenommen wird, sollte dennoch zunächst von einer Vollbelastung abgesehen werden.
Die operierte Hand muss kontinuierlich wieder an die normale Belastung gewöhnt werden. Der behandelnde Arzt kann durch Röntgenbilder am genauesten sagen, wann eine Vollbelastung wieder möglich ist. Von sportlichen Aktivitäten ist für weitere drei bis vier Monate abzusehen.
Das können Sie selbst tun
Da die Muskeln nach der langen Ruhigstellung atrophiert und die Sehnen meistens verkürzt sind, ist danach eine konsequente Krankengymnastik angezeigt. Auch ambulante Mobilisationsmaßnahmen wie Physio- bzw. Ergotherapie sind notwendig und können zuhause um sanfte Übungen ergänzt werden. Der Arzt wird den Patienten darüber informieren, welche Trainingsmethoden sinnvoll sind und die Heilung fördern. Anstrengende körperliche Tätigkeiten sollten in den ersten Wochen vermieden werden, da sich ansonsten relativ schnell eine neue Fraktur entwickeln kann und die Genesung verzögert wird.
Neben den verordneten Medikamenten kann der Patient auch verschiedene Mittel aus der Natur probieren. Die schmerzlindernde Teufelskralle etwa, kann als Tee eingenommen oder als Salbe aufgetragen werden. Nachdem der Gips entfernt wurde, dürfen nach Rücksprache mit dem Arzt Salben und Cremes auf die Verletzung aufgetragen werden. Sollte der Kahnbeinbruch nach einigen Wochen nicht ausgeheilt sein, muss der Arzt darüber informiert werden.
Quellen
- Towfigh, H., Hierner, R., Langer, M., Friedel, R. (Hrsg.): Handchirurgie.
ISBN: 9783642117589
- Sauerbier, M., Eisenschenk, A., Krimmer, H., Langer, M. F. (Hrsg.): Die Handchirurgie.
ISBN: 9783437236365
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443150
- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783131406439
- Spies, C. K., Quadlbauer, S., Unglaub, F., et al. (Hrsg.): Expertenwissen Handchirurgie.
ISBN: 9783662684122
