Lungenszintigraphie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eines der wichtigsten bildgebenden Verfahren zur Lungenuntersuchung ist die Lungenszintigraphie. Lange Zeit galt sie bei der Diagnose einer Lungenembolie als Standardverfahren. Nach heutigem Kenntnisstand ist dort die Computertomographie der Lungengefäße das Verfahren der ersten Wahl; die Lungenszintigraphie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn diese nicht infrage kommt.
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Was ist die Lungenszintigraphie?
Die Lungenszintigraphie zählt zu den nicht-invasiven Verfahren und ist eine nuklearmedizinische, bildgebende Untersuchungsmethode, um die Durchblutung und Belüftung der Lunge einschätzen zu können. Selbst kleinste Durchblutungsstörungen können über eine Gammakamera sichtbar gemacht werden, was sie für die Beurteilung der Lungendurchblutung wertvoll macht.
Die Lungenszintigraphie findet neben der Diagnostik einer Lungenembolie Anwendung bei verschiedenen Lungenerkrankungen und -missbildungen. Sie bietet darüber hinaus den Vorteil, dass mit dieser Methode auch die Durchblutung zwischen den Lungenflügeln berechnet werden kann, um Operationsrisiken einschätzen und Prognosen nach der Entfernung von Lungengewebe bei Lungenkrebs geben zu können.
Funktion, Wirkung & Ziele
- Ventilationsszintigraphie
- Inhalationsszintigraphie
- Perfusionsszintigraphie
Bei der Ventilationsszintigraphie muss ein radioaktives Edelgas, in der Regel 133Xenon, vom Patienten ein- und ausgeatmet werden. Der Körper nimmt Edelgase nicht auf. Während des Ein- und Ausatmens zeichnet die Gammakamera 3 Bilder auf (Dreiphasenszintigraphie): Bild 1 wird beim Einatmen aufgenommen, Bild 2 während der Verteilung des Gases in der Lunge und Bild 3 beim Ausatmen des Gases. Die Gasverteilung zeigt die Belüftung im jeweiligen Bereich an. Mit dieser Technik soll festgestellt werden, ob die Luftströmung behindert ist oder die Dehnbarkeit der Lunge eingeschränkt ist. Sie ist aber technisch aufwändig und der Patient muss im richtigen Moment ein- und ausatmen.
Bei der Inhalationsszintigraphie werden kleinste, radioaktiv markierte Teilchen einer Trägersubstanz fein verdampft oder vernebelt der Atemluft des Patienten zugeführt. Sie kommt meistens vor einer Perfusionsszintigraphie zum Einsatz, weil dadurch die Belüftung und Durchblutung der Lunge verglichen werden kann. Der Arzt kann so auch die ursprünglichen Beschwerden erkennen und mit diesen Erkenntnissen die richtige Therapie einleiten.
Bei der Perfusionsszintigraphie werden dem Patienten radioaktiv markierte Eiweißbausteine intravenös gespritzt, die über die Adern in die Lunge wandern. Wo die Durchblutung gestört ist, sind weniger radioaktive Teilchen sichtbar. Bei der Verteilung der radioaktiven Teilchen ist die Körperhaltung des Patienten während der Injektion von Bedeutung. Beim gesunden Menschen werden aufgrund der Gravitation tiefer liegende Lungenbereiche stärker abgebildet, während beim pulmonalen Hochdruck (erhöhter Blutdruck in der Lunge) alle Bereiche gleichmäßig abgebildet werden.
Wenn der Verdacht auf eine lebensbedrohliche Embolie durch ein Blutgerinnsel besteht, ist heute die Computertomographie der Lungengefäße die erste Wahl; die Perfusionsszintigraphie wird vor allem dann eingesetzt, wenn diese nicht möglich ist, und dabei mit einem Röntgen-Thorax kombiniert.
Sie kann auch Rechts-Links-Shunts im Lungenkreislauf nachweisen, bei denen über eine Verbindung zwischen Lungen- und Körperkreislauf Blut ohne Zufuhr von Sauerstoff aus der Lunge in den Körper gepumpt wird. Im Normalfall bleiben die radioaktiven Teilchen in der Lunge und werden über die Lunge auch wieder abgebaut. Bei einem Shunt wandern sie hingegen in den Körperkreislauf und werden über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Über das Blutvolumen, das pro Minute durch die Nieren fließt, kann der Computer das Volumen und Ausmaß des Shunts berechnen.
Beim Lungenkrebs wird vor und nach der Operation die Inhalationsszintigraphie mit der Perfusionsszintigraphie kombiniert, um die Funktion der Lunge bzw. des verbliebenen Lungenanteils vor und nach der Operation einschätzen zu können und eine Prognose nach der Operation geben zu können.
Eine Lungenszintigraphie mit Gallium-Citrat ermöglicht die Einschätzung von entzündlichen Prozessen in der Lunge und findet besonders Anwendung in der Untersuchung einer Staublunge oder Tuberkulose. Ein Lungeninfarkt als Folge einer Lungenembolie kann sich in der Perfusionsszintigraphie ebenfalls abzeichnen; für die Diagnose einer Lungenentzündung sind dagegen Röntgen- oder Computertomographie-Aufnahmen des Brustkorbs maßgeblich.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Nuklearmedizinische Untersuchungen wie eine Lungenszintigraphie können mit Einschränkungen auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden, aber hier zählt in erster Linie eine gesunde Entwicklung des Kindes. Mögliche Nebenwirkungen und Risiken sollten sorgfältig abgewogen und mit der schwangeren Frau besprochen werden. Ggf. kann die Dosis verringert werden. Wie lange stillende Frauen nach einer nuklearmedizinischen Untersuchung pausieren müssen, hängt vom eingesetzten radioaktiven Arzneimittel ab; die Dauer legt die nuklearmedizinische Abteilung im Einzelfall fest.
Für die Lungenszintigraphie ist keine besondere Vorbereitung notwendig und Patienten müssen nicht nüchtern erscheinen. Patienten, die unter Asthma leiden, benötigen vor der Untersuchung mitunter bronchienerweiternde Medikamente; das wird vorab mit dem behandelnden Arzt abgestimmt. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Da eine Lungenszintigraphie mit wenig Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist, ist sie eine gut geeignete Methode zur Untersuchung der Durchblutung und Belüftung der Lunge und bei der Diagnostik einer Lungenembolie die wichtigste Alternative, wenn eine Computertomographie nicht infrage kommt. Geringe Einschränkungen in der Aussagekraft gibt es allenfalls bei den chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD).
Ablauf der Untersuchung
Die Lungenszintigraphie wird in einer Abteilung für Nuklearmedizin durchgeführt, an einer Klinik ebenso wie in einer nuklearmedizinischen Facharztpraxis. Vor Beginn erhebt der Arzt die Krankengeschichte, klärt über den Ablauf auf und fragt nach früheren Lungenerkrankungen, nach Allergien und bei Frauen im gebärfähigen Alter nach einer möglichen Schwangerschaft sowie nach dem Stillen.
Für den Perfusionsanteil der Untersuchung wird eine Kanüle in eine Armvene gelegt und das radioaktive Arzneimittel langsam gespritzt. Die Körperhaltung während der Injektion ist dabei nicht beliebig, weil sich die Teilchen der Schwerkraft folgend in der Lunge verteilen; üblicherweise liegt der Patient dafür flach. Für den Ventilationsanteil atmet er über ein Mundstück oder eine Maske ein radioaktives Gas oder ein feines Aerosol ein, während die Nase durch eine Klammer verschlossen wird.
Die Aufnahmen selbst entstehen an einer Gammakamera. Der Patient liegt dabei ruhig auf einer Liege, die Kameraköpfe stehen dicht über und unter dem Brustkorb. Aufgenommen wird aus mehreren Blickrichtungen – von vorn, von hinten und schräg –, damit sich überlagernde Lungenabschnitte voneinander trennen lassen. Viele Abteilungen setzen heute zusätzlich die Schichtaufnahmetechnik SPECT ein, bei der die Kamera um den Brustkorb rotiert und daraus ein räumliches Bild der Verteilung berechnet wird; kombiniert mit einer niedrig dosierten Computertomographie lässt sich die Verteilung anatomisch genauer zuordnen. Während der Aufnahmen soll der Patient ruhig weiteratmen und sich möglichst nicht bewegen, weil Bewegungen das Bild verwischen.
Der Eingriff ist schmerzfrei; spürbar ist allenfalls der Nadelstich für den Zugang. Wer unter Klaustrophobie leidet, empfindet die dicht über dem Körper stehenden Kameraköpfe mitunter als beengend – es hilft, das vorher anzusprechen. Nach der Untersuchung kann der Patient in der Regel unmittelbar nach Hause gehen. Reichliches Trinken und häufiges Wasserlassen beschleunigen die Ausscheidung des Arzneimittels. Für den Rest des Tages wird üblicherweise geraten, engen und längeren Körperkontakt zu Schwangeren und zu Säuglingen zu meiden; genaue Verhaltenshinweise gibt die nuklearmedizinische Abteilung.
Die eingesetzten radioaktiven Arzneimittel
Für die Perfusionsdarstellung werden Eiweißteilchen verwendet, die mit dem kurzlebigen Radionuklid Technetium-99m markiert sind – sogenannte makroaggregierte Albuminpartikel. Sie sind so bemessen, dass sie nach der Injektion in den feinsten Blutgefäßen der Lunge kurzzeitig hängen bleiben und dadurch genau dort ein Signal erzeugen, wo Blut hinfließt. Bezirke ohne Durchblutung bleiben im Bild ausgespart. Die Teilchen werden anschließend im Körper abgebaut, und die Radioaktivität des Technetiums klingt aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit rasch ab.
Für die Belüftungsdarstellung stehen zwei Wege offen. Entweder atmet der Patient ein radioaktives Edelgas ein, etwa Xenon-133 oder Krypton-81m; Edelgase werden vom Körper nicht aufgenommen und wieder ausgeatmet. Oder es wird ein sehr fein vernebeltes, ebenfalls mit Technetium-99m markiertes Aerosol verwendet. Das Aerosol dringt nicht ganz so tief in die feinen Verästelungen der Atemwege vor wie ein Gas, liefert aber vergleichbare Aussagen bei deutlich geringerem technischem Aufwand und ist deshalb im Alltag weit verbreitet.
Alle diese Arzneimittel werden in sehr kleinen Stoffmengen eingesetzt. Eine pharmakologische Wirkung im eigentlichen Sinn entfalten sie nicht – sie dienen ausschließlich als Signalgeber. Das erklärt, warum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten praktisch keine Rolle spielen und warum die Verträglichkeit im Allgemeinen gut ist. Die eingesetzte Aktivitätsmenge legt die nuklearmedizinische Abteilung nach Körpergewicht, Fragestellung und Alter fest und hält sie so niedrig wie für eine auswertbare Aufnahme nötig.
Was der Befund bedeutet
Aussagekräftig wird die Untersuchung vor allem dort, wo Belüftung und Durchblutung miteinander verglichen werden. Ist ein Lungenabschnitt normal belüftet, aber nicht durchblutet, spricht der Nuklearmediziner von einem Missverhältnis oder Mismatch. Genau dieses Muster erwartet man bei einer Lungenembolie: Ein Gerinnsel verschließt ein Gefäß, die Luft erreicht den dahinterliegenden Bezirk aber weiterhin.
Sind dagegen Belüftung und Durchblutung im selben Bezirk gleichermaßen vermindert, passen die Befunde zueinander. Dieses Muster spricht eher für eine Erkrankung des Lungengewebes selbst – etwa eine Lungenentzündung, einen Pleuraerguss oder eine chronische Atemwegserkrankung –, bei der die schlechte Belüftung eines Bezirks reflektorisch auch dessen Durchblutung drosselt.
Für den Patienten ebenso wichtig ist die umgekehrte Aussage: Zeigt die Perfusionsdarstellung eine gleichmäßige, seitengleiche Verteilung ohne Aussparungen, ist eine Lungenembolie sehr unwahrscheinlich. Ein unauffälliger Befund hat damit einen hohen Wert für den Ausschluss. Wie sicher dieser Ausschluss ist, hängt allerdings davon ab, wie wahrscheinlich die Erkrankung nach den Beschwerden und den Voruntersuchungen ohnehin war – die Szintigraphie wird deshalb nie für sich allein bewertet, sondern immer zusammen mit dem klinischen Bild und den Laborwerten.
Damit unterschiedliche Untersucher zu vergleichbaren Aussagen kommen, wird der Befund nicht frei beschrieben, sondern nach festgelegten Kriterien eingeordnet. Beurteilt werden dabei Zahl, Größe und Form der Aussparungen sowie die Frage, ob sie einem Versorgungsgebiet eines Lungengefäßes entsprechen und ob die Belüftung im selben Bezirk erhalten ist. Aus dieser Einordnung ergibt sich, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Lungenembolie vorliegt. Für die Beurteilung ist es hilfreich, wenn eine aktuelle Röntgenaufnahme des Brustkorbs vorliegt, weil sich damit Verschattungen anderer Ursache von einer Durchblutungsstörung unterscheiden lassen. Vorbefunde früherer Untersuchungen sollten deshalb zum Termin mitgebracht werden; sie erlauben zusätzlich den Vergleich im Verlauf.
Grenzen hat die Methode dort, wo die Lunge bereits flächig vorgeschädigt ist. Bei ausgeprägtem Lungenemphysem oder fortgeschrittener COPD finden sich so viele unregelmäßige Aussparungen, dass ein zusätzlicher Gefäßverschluss darin schwer zu erkennen ist. In solchen Fällen fällt das Ergebnis häufiger unklar aus, und es sind weitere Untersuchungen nötig.
Einsatz vor Operationen an der Lunge
Ein zweiter, ganz anders gelagerter Einsatzbereich ist die Planung von Eingriffen. Wird erwogen, einen Lungenlappen oder einen ganzen Lungenflügel zu entfernen, muss vorher abgeschätzt werden, wie viel Atemleistung dem Patienten danach bleibt. Die Perfusionsszintigraphie liefert dafür eine Größe, die keine andere Untersuchung so einfach bereitstellt: den Anteil, den jeder einzelne Lungenabschnitt an der Gesamtdurchblutung hat.
Kombiniert man diesen Anteil mit den Messwerten aus dem Lungenfunktionstest, lässt sich rechnerisch abschätzen, wie leistungsfähig die Lunge nach dem geplanten Eingriff voraussichtlich sein wird. Fällt diese Vorhersage zu niedrig aus, wird der Eingriff kleiner geplant oder ganz verworfen. Umgekehrt zeigt sich manchmal, dass ein erkrankter Abschnitt ohnehin kaum noch durchblutet wird und seine Entfernung die Gesamtleistung daher weniger beeinträchtigt als befürchtet. Auch vor einer Lungentransplantation und vor Eingriffen zur Verkleinerung überblähter Lungenabschnitte wird die seitengetrennte Durchblutung auf diesem Weg erfasst.
Abgrenzung zu anderen Verfahren
Bei Verdacht auf eine Lungenembolie ist heute die Computertomographie der Lungengefäße das Verfahren, mit dem die meisten Patienten untersucht werden. Sie stellt die Gefäße direkt dar, zeigt das Gerinnsel selbst und liefert zugleich Bilder des übrigen Brustkorbs, sodass auch andere Ursachen der Beschwerden sichtbar werden. Sie setzt allerdings jodhaltiges Kontrastmittel voraus. Damit ergeben sich genau die Situationen, in denen die Lungenszintigraphie ihren Platz behält: bei bekannter Unverträglichkeit gegen Kontrastmittel, bei eingeschränkter Nierenfunktion bis hin zur Niereninsuffizienz, bei bestimmten Erkrankungen der Schilddrüse und in der Schwangerschaft, in der die Wahl des Verfahrens besonders sorgfältig abgewogen wird.
Von anderen Untersuchungen unterscheidet sich die Szintigraphie grundsätzlich dadurch, dass sie eine Funktion abbildet und nicht eine Form. Röntgen, Computertomographie und Magnetresonanztomographie zeigen die Struktur der Lunge, die Sonographie der Beinvenen sucht nach der Quelle eines Gerinnsels, die Echokardiographie beurteilt die Belastung des rechten Herzens. Die Szintigraphie dagegen macht sichtbar, wohin Blut und Luft tatsächlich gelangen. Innerhalb der Nuklearmedizin ist sie von der Positronen-Emissions-Tomographie abzugrenzen, die Bezirke mit gesteigertem Stoffwechsel darstellt und vor allem in der Tumordiagnostik eingesetzt wird.
Quellen
- Dietlein, M., Kopka, K., Schmidt, M., et al.: Nuklearmedizin.
ISBN: 9783132439269
- Dietlein, M., Schicha, H., Kopka, K., Schmidt, M.: Nuklearmedizin.
ISBN: 9783794531097
- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J.: Radiologie.
ISBN: 9783131253248
- Bösch, D.: Pneumologie.
ISBN: 9783662714430
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
