Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Mastitis puerperalis ist eine Entzündung der milchproduzierenden (laktierenden) Brust, die durch eine bakterielle Infektion verursacht wird und neben dem Milchstau die häufigste Komplikation während der Stillzeit darstellt. Von einer Mastitis puerperalis ist in etwa eine von hundert Frauen nach der Entbindung betroffen, wobei die Erkrankung in der Regel gut therapierbar ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mastitis puerperalis?

Mastitis puerperalis
Da die Brust entzündet ist, wird sich diese heiß anfühlen. Damit im Zusammenhang kann Fieber, wie "aus dem Nichts" aufkommen.
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Als Mastitis puerperalis wird eine akute Brustdrüsenentzündung während der Stillzeit bezeichnet, die auf bakterielle Erreger (zu über 90% auf Staphylococcus aureus) zurückzuführen ist.

In Abhängigkeit von der Ausbreitungsart wird zwischen zwei Formen einer Mastitis puerperalis differenziert. In den meisten Fällen breitet sich eine Mastitis puerperalis diffus im Bindegewebe der Brust über das Lymphsystem oder das Blut aus (interstitielle Mastitis puerperalis).

Daneben kann eine Mastitis puerperalis über das Milchgangsystem der betroffenen Brust Verbreitung finden, wobei die Übertragung in erster Linie beim Stillen stattfindet.

Eine Brustentzündung in der Stillzeit ist äußerst schmerzhaft und sollte von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Eine erste Linderung kann durch kühlende Umschläge erreicht werden. Das Stillen darf und soll dabei in aller Regel fortgesetzt werden, denn die regelmäßige Entleerung der Brust ist selbst Teil der Behandlung.

Ursachen

Eine Mastitis puerperalis wird durch eine Kontamination mit einem bakteriellen Erreger ausgelöst, der in der Regel aus dem keimbesiedelten Nasen-Rachen-Raum des Kindes stammt. Das Kind kann hierbei von der Mutter oder vom Krankenhauspersonal (Nosokomialinfektion) infiziert worden sein.

Daneben ist eine Kontamination infolge eines Kontakts zwischen der Brusthaut und den als infektiös eingestuften Lochien (Wundsekretion nach der Geburt) möglich. Die Erreger dringen über Rhagaden (feine Risse) in der Brustwarze (Mamille), dem Warzenvorhof oder der Haut während des Stillens in die Brust ein, verbreiten sich und lösen eine Mastitis puerperalis aus.

Ferner kann eine Mastitis puerperalis durch einen Milchstau verursacht werden, bei welchem die Vermehrung der Erreger zusätzlich, ähnlich wie bei einem „stehenden Gewässer“, begünstigt werden kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Beschwerden bei der Brustentzündung während der Stillzeit können vielfältig sein. Zu Beginn wird sich die Entzündung durch ein vermehrtes Spannungsgefühl in der gesamten Brust bemerkbar machen. Diese Spannungen werden sich nach und nach zu stärkeren Schmerzen entwickeln. Die Brust wird anschwellen und härter sein als normal. Außerdem wird eine Rötung zu beobachten sein.

Da die Brust entzündet ist, wird sich diese heiß anfühlen. Damit im Zusammenhang kann Fieber, wie "aus dem Nichts" aufkommen. Weiterhin leiden betroffene Frauen häufig unter Schweißausbrüchen und Kreislaufbeschwerden. Viele fühlen sich krank und abgeschlagen. Die betroffene Brust wird ebenfalls deutlich an Größe zunehmen. Diese Symptome treten in der Regel während der Stillzeit nur einmal auf. Dennoch kann es in einigen Fällen zu einem Rückfall kommen.

In seltenen Fällen führt eine Mastitis zu der Entstehung von umkapselten Eiteransammlungen (Abszessen). Im schlimmsten Fall entstehen daraufhin Fisteln. Durch diese Fisteln kann Eiter in umliegendes Gewebe, unter die Haut oder sogar in Organe eindringen. Ein Berühren der erkrankten Brust ist in diesem Fall schier unerträglich.

Kühlende Umschläge wirken lindernd. Bessern sich die Beschwerden trotz häufigen Anlegens nicht innerhalb von 24 Stunden oder kommt Fieber hinzu, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose & Verlauf

Bei einer Mastitis puerperalis wird die Diagnose im Rahmen einer klinischen Untersuchung gestellt. So sind eine schmerzhafte Schwellung im Bereich der betroffenen Brustdrüse einhergehend mit Rötung, Überwärmung der Haut sowie plötzlich auftretendem Fieber, Gliederschmerzen und angeschwollenen Achsellymphknoten charakteristische Symptome einer Mastitis puerperalis.

Gesichert wird die Diagnose durch eine Blutanalyse, anhand derer das Blut auf Entzündungsmarker getestet wird. In einigen Fällen (4-12%) bildet sich bei Mastitis puerperalis innerhalb von 1 bis drei Tagen ein Abszess (Eiteransammlung). Bei Verdacht auf Abszessbildung wird eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) zur Bestimmung von Größe und Lage des Abszesses erforderlich.

Generell ist der Verlauf einer Mastitis puerperalis gut und die Entzündung bildet sich selbst oder durch die Behandlung schnell zurück. Lag jedoch bereits eine Mastitis puerperalis vor, kann die Erkrankung chronisch werden und das Risiko für eine rezidivierende Mastitis puerperalis ist erhöht.

Komplikationen

Eine Brustentzündung in der Stillzeit ist in der Regel sehr unangenehm und führt zu brennenden Schmerzen und weiteren Einschränkungen. Um Folgeschäden zu vermeiden, ist daher auf jeden Fall eine Behandlung von einem Arzt notwendig. Die Betroffenen leiden dabei vor allem an Fieber während der Stillzeit. Neben dem Fieber kommt es auch zu einer Müdigkeit und zu einer Abgeschlagenheit.

Die Brüste der Mutter entzünden sich, wodurch es zu Schmerzen und zu unangenehmen Gefühlen an der Brust kommt. Vor allem beim Stillen kommt es dabei zu starken Schmerzen. Die Brüste können sich durch die Brustentzündung in der Stillzeit auch vergrößern oder anschwellen. Weiterhin kommt es auch zu den gewöhnlichen Beschwerden einer Grippe, sodass die Patienten an Kopfschmerzen und an Gliederschmerzen leiden. Die Lebensqualität wird durch diese Krankheit deutlich verringert.

In vielen Fällen führt die Brustentzündung in der Stillzeit allerdings nicht zu weiteren Komplikationen und verschwindet dabei wieder von alleine. Nicht in jedem Fall ist dabei eine medikamentöse Behandlung notwendig. Diese wird allerdings mit Hilfe von Antibiotika durchgeführt und ist in der Regel gut verträglich. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen oder kommt hohes Fieber hinzu, ist eine ärztliche Behandlung erforderlich, weil sich sonst ein Abszess bilden kann, der operativ entlastet werden muss. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Brustentzündung in der Stillzeit nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Mastitis puerperalis tritt nur bei Frauen nach der Niederkunft und während der Stillzeit auf. Kommt es zu Schmerzen oder Veränderungen des Hautbildes der Brust, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Schmerzstillende Medikamente sind nur in Rücksprache mit einem Arzt einzunehmen, da sie zu Komplikationen bei der Mutter sowie dem Säugling führen können. Eine Schwellung der Brust oder der Brustwarze sind von einem Arzt begutachten zu lassen. Lehnt die Mutter aufgrund der vorhandenen Beschwerden das Stillen des Säuglings ab, sollte ein Arzt konsultiert werden. Es ist sicherzustellen, dass es zu keinen Beeinträchtigungen oder einem Mangel bei der Versorgung des neugeborenen Kindes kommt.

Bei Fieber, einem allgemeinen Unwohlsein oder Schweißausbrüchen der Mutter wird ein Arzt benötigt. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus oder einem Zusammenbruch des Kreislaufs, ist die Abklärung der Beschwerden durch einen Arzt anzuraten. Eine Eiterbildung, die Entstehung von Knoten oder Fisteln an der Brust müssen untersucht und behandelt werden. Leidet die Mutter unter Ängsten, lehnt sie ihr Kind ab oder treten andere emotionale Unregelmäßigkeiten auf, wird ein Arzt oder Therapeut benötigt. Ein vermindertes Wohlbefinden, Stimmungsschwankungen oder Verhaltensauffälligkeiten sind einem Arzt vorzustellen. Es handelt sich um Anzeichen einer gesundheitlichen Störung, die untersucht und behandelt werden muss.

Behandlung & Therapie

Bei einer Mastitis puerperalis werden zuerst physikalische Maßnahmen angewandt. Hierzu gehören Kühlung sowie konsequente Entleerung der Brust zur Vermeidung eines Milchstaus. Das Weiterstillen ist dabei ausdrücklich erwünscht: Häufiges Anlegen entleert die Brust und ist damit selbst der wichtigste Teil der Behandlung, während ein Abstillen den Stau verstärkt und den Verlauf verschlechtert. Bewährt hat sich, vor dem Stillen Wärme anzuwenden, weil sie den Milchfluss anregt, und die Brust erst nach dem Stillen zu kühlen. Zusätzlich kann die Milchbildung medikamentös durch Prolaktinhemmer verringert werden.

Ferner sollte die betroffene Brust nach Möglichkeit ruhig gestellt werden. Lange Zeit wurden dieses Ruhigstellen und das medikamentöse Abstellen der Milchbildung als Standard empfohlen. Heute wird davon im Regelfall abgeraten, weil gerade die vollständige Entleerung der Brust die Entzündung zum Abklingen bringt; Prolaktinhemmer bleiben Ausnahmefällen vorbehalten. Kann innerhalb von 24-48 Stunden keine Besserung festgestellt werden, wird eine Antibiotikatherapie empfohlen. Bestehen hohes Fieber und ein deutliches Krankheitsgefühl länger als 24 Stunden, wird damit nicht länger abgewartet. Da etwa 80 Prozent der Stämme von Staphylococcus aureus gegen Penicillin resistent sind, wird hierzu vom Arzt ein Abstrich genommen, um ein Antibiotikum zu bestimmen, auf das der Erreger nicht resistent ist. Gebräuchlich sind stillverträgliche Wirkstoffe wie Cefalexin oder Flucloxacillin; unter ihnen darf weitergestillt werden. Hat sich im weiteren Verlauf ein Abszess gebildet, kann der Arzt den Abszess durch eine Inzision (minimaler Hauteinschnitt) entleeren, indem er eine Lasche oder einen kleinen Schlauch zur Ableitung des Wundsekrets in die Abszesshöhle legt (Saug-Spüldrainage).

Bis zum vollständigen Abklingen der Mastitis puerperalis sind tägliche Wundspülungen erforderlich. Entwickeln sich im Rahmen einer Mastitis puerperalis lediglich kleinere subkutane Abszesse, können diese unter Umständen punktiert und das Wundsekret mit Hilfe einer Spritze abgesaugt werden. Während bei einer leichten Mastitis puerperalis von Anfang an weiter gestillt werden kann, wird bei einer abszedierenden Mastitis puerperalis das Stillen an der betroffenen Brust vorübergehend unterbrochen. Diese Brust muss dann durch Abpumpen oder Ausstreichen entleert werden, an der gesunden Brust wird normal weitergestillt.


Aussicht & Prognose

Die Prognose der Brustentzündung innerhalb der Stillzeit ist günstig. Bei vielen Betroffenen wird häufig eine Spontanheilung dokumentiert. Damit keine Folgestörungen oder langfristige Komplikationen auftreten, sollte eine medizinische Versorgung stattfinden. In Begleitung mit einem ausgebildeten Arzt werden unterschiedliche Ansätze zur Linderung der Beschwerden verfolgt.

In einer Vielzahl der Fälle genügt bereits die häufige und vollständige Entleerung der Brust, um eine Verbesserung der Gesamtsituation zu erreichen. Darüber hinaus sollte die Brust nach dem Stillen gekühlt und die Mutter selbst geschont werden. Tritt keine Verbesserung innerhalb weniger Tage auf, wird die Behandlung durch die Gabe eines stillverträglichen Antibiotikums ergänzt. Ein Abstillen ist dafür in aller Regel nicht nötig. Da die Erkrankung durch Bakterien ausgelöst wird, werden Wirkstoffe verabreicht, die auf einer Tötung der Krankheitserreger ausgerichtet sind. Im Anschluss werden sie aus dem Organismus abtransportiert und ausgeschieden.

Bei einem günstigen Krankheitsverlauf kommt es nach einigen Tagen der Schonung bereits zu einer Beschwerdefreiheit. Entwickelt sich ein ungünstiger Verlauf mit einem Abszess, ist mit einer Genesung zu rechnen, sobald dieser entlastet wurde. Wenige Tage oder Wochen im Anschluss ist auch die Entzündung vollständig abgeheilt. Kommt es nach einer erneuten Schwangerschaft wiederum zu einer Brustentzündung, ist die Prognose ebenfalls günstig.

Vorbeugung

Eine adäquate Hautpflege der Brust zur Vermeidung von Rhagaden (Salben, Cremes) kann während der Stillzeit einer Mastitis puerperalis vorbeugen. Auch eine regelmäßige und sorgfältige Entleerung der Brust kann über ein vermindertes Risiko für Milchstau zur Vorbeugung beitragen. Darüber hinaus sollte unbedingt ein direkter Kontakt der Brust mit Lochien zur Vermeidung einer Mastitis puerperalis unterbunden werden.

Nachsorge

Eine Mastitis puerperalis kann nach erfolgreicher Abheilung jederzeit neu auftreten, weshalb es wichtig ist, den Milchfluss unmittelbar danach gezielt zu kontrollieren. Dabei ist vor allem entscheidend, darauf zu achten, die Brust weitestgehend zu leeren. Sofern das Kind nicht alles getrunken hat, kann es helfen, den verbliebenen Milchrest auszustreichen, um eine erneute Anstauung abzuwenden. Die Nachsorge konzentriert sich daher eher auf die Prävention einer Brustentzündung.

Haben sich eindringende Keime erst einmal in der angestauten Muttermilch festgesetzt und eine Infektion hervorgerufen, können daraus weitere Komplikationen resultieren. Wichtig ist dabei, das veränderte Trinkverhalten des Kindes möglichst schnell wieder zu normalisieren. Im Fall, dass dies nicht umsetzbar erscheint, muss alternativ auf abgepumpte Muttermilch oder Flaschennahrung ausgewichen werden, damit das Kind nicht an Dehydration und Nährstoffmangel leidet.

Das können Sie selbst tun

Bei der Mastitis puerperalis oder der Brustentzündung in der Stillzeit kann die Betroffene selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die Symptome zu lindern und die Entzündung zu heilen.

Erste Ansprechpartnerin ist neben dem Arzt die Hebamme oder eine Stillberaterin. Sie kann prüfen, ob das Kind richtig angelegt wird, denn eine ungünstige Anlegetechnik gehört zu den häufigsten Ursachen für wunde Brustwarzen und Milchstau. Zunächst ist ein gutsitzender BH von Vorteil, sollte es zu einer Brustentzündung kommen. Des Weiteren kann vor jedem Stillen eine warme Kompresse auf die Brust gelegt werden. Diese regt aufgrund der Wärme den Milchfluss an. Während der Zeit zwischen dem Stillen kann das Kühlen der Brust mit Hilfe von Eisbeuteln oder Quarkwickeln zu einer Verbesserung der Entzündung führen. Auch Wickel mit essigsaurer Tonerde können zu einer Kühlung und damit zu einer Verbesserung führen. Die Brust sollte regelmäßig entleert werden, damit es zu keiner Anstauung von Milch in der Brust kommt. Außerdem sollte die Betroffene auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten. Ebenso ist auf Bettruhe zu achten.

Wenn die Mastitis puerperalis zu stark ausgeprägt ist, dann kann die Betroffene oft schmerzbedingt nicht stillen. Die Milch sollte dann ausgestrichen oder abgepumpt werden, damit sich kein weiterer Stau bildet. Ein Arzt sollte konsultiert werden, der Medikamente verschreibt, welche dem Säugling nicht schaden können. Kommt es zu keiner Verbesserung der Mastitis puerperalis nach Anwendung der genannten Selbsthilfemaßnahmen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der dann in der Regel eine Behandlung der Brustentzündung mit Antibiotika beginnt.

Quellen

  • Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
    ISBN: 9783662635056
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783132411012
  • Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
    ISBN: 9783437210976
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783437211348
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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