Meatotomie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Meatotomie ist ein operatives Verfahren, das zur Behandlung von Verengungen der äußeren Harnröhrenmündung zum Einsatz kommt. Der Operateur schlitzt die äußere Harnröhrenmündung ein und näht sie in erweiterter Anatomie wieder zusammen. Die Meatotomie verursacht in der ersten Woche nach der Operation Beschwerden beim Wasserlassen.
Was ist die Meatotomie?
Als Meatusstenose wird eine Verengung der Harnröhrenmündung bezeichnet. Derartige Verengungen sind in vielen Fällen angeboren, können allerdings auch erworben sein und stehen dann mit Verletzungen oder Entzündungen in diesem Bereich in Verbindung.
Eine Meatusstenose ist eine schmerzhafte Angelegenheit und führt vor allem beim Wasserlassen zu Schmerz. Außerdem kann die Verengung die Ansiedelung von Bakterien und damit Infektionen der Harnwege begünstigen. Darüber hinaus kann eine Verengung im Bereich der äußeren Harnröhrenmündung eine Harnstrahlabschwächung oder eine unvollständige Blasenentleerung zur Folge haben. Gerade die unvollständige Entleerung der Blase ist mit wiederholt auftretenden Blasenentzündungen assoziiert. Um derartigen Erscheinungen vorzubeugen, ist eine alsbaldige Behandlung der primären Ursache angezeigt.
Zur Behandlung einer Meatusstenose stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Eines davon ist die Meatotomie. Dabei handelt es sich um die operative Erweiterung im Bereich der äußeren Harnröhrenmündung, wie sie vor allem bei kurzstreckigen Verengungen zum Einsatz kommt. Meatotomien sind operative Eingriffe und zählen damit zu den invasiven Behandlungsverfahren.
Funktion, Wirkung & Ziele
Im Rahmen der Operation schlitzt der Arzt die Verengung im Bereich der äußeren Harnröhrenmündung auf. Nach der Schlitzung vernäht der Arzt den geschlitzten Bereich. Dabei geht er so vor, dass die Harnröhre möglichst weit bleibt. Am Ende des operativen Eingriffs wird dem Patienten meist ein Katheter in die Harnröhrenmündung eingelegt. Dieser Katheter soll zum einen die Erweiterung stabilisieren und zum anderen dafür sorgen, dass der Urin trotz der wunden Harnröhrenmündung schmerzfrei abfließen kann und an der Wunde vorbeigeleitet wird. Darüber hinaus verhindert der Katheter, dass die erweiterte Öffnung verklebt und die Harnröhre in verklebter Position zusammenwächst. In den meisten Fällen bleibt der Katheter nur für die ersten 24 Stunden in der Mündung.
Nach ungefähr einer Woche ist die Wunde abgeheilt. Einen Tag nach der Operation erfolgt die Entfernung des Katheters. Die Schlitzung der äußeren Harnröhre ist nicht für alle Meatusstenosen geeignet. In einigen Fällen liegen den Erscheinungen zum Beispiel Tumore zugrunde, die eine gänzlich andere Behandlung erfordern. Auch bei höhergradigen oder komplizierten Harnmündungsverengungen ist eine Meatotomie nicht indiziert. In diesen Fällen erfolgt eher eine Rekonstruktion der Harnröhrenmündung, die auch als Meatusplastik bezeichnet wird. Bei der hier beschriebenen Meatotomie handelt es sich um die plastische Meatotomie.
Die plastische Schlitzung der äußeren Harnröhrenmündung ist dabei von der Otis-Meatotomie zu unterscheiden. Bei diesem Verfahren werden an der Harnröhrenöffnung zwei verschiedene Stellen mit einem speziellen Instrument eingeschlitzt. Verglichen mit der plastischen Meatotomie bereitet die Otis-Meatotomie mehr Schmerzen und zeigt ein etwas höheres Risiko für Rezidive. Obwohl auch bei einer plastischen Meatotomie Rezidive nicht ausgeschlossen sind, wird sie zuweilen als das Verfahren mit den größten Erfolgsaussichten bei Meatusstenosen beurteilt. Welches Verfahren gewählt wird, richtet sich nach Ursache und Ausmaß der Enge.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Die heutige Medizin kann gerade das Risiko der Infektion aufgrund der modernen Standards allerdings auf ein Minimum beschränken. Falls eine Vollnarkose erfolgt, ist die operationsbedingt hohe Belastung des Herz-Kreislauf-Systems zu bedenken. In aller Regel steckt ein gesunder Mensch diese Belastung weg. Allerdings kann die Belastung im Extremfall zu einem Kreislaufkollaps oder sogar einem Herzstillstand führen. Häufiger stellen sich Reaktionen auf das Anästhetikum ein. Zu diesen Reaktionen zählen zum Beispiel Übelkeit, Kopfschmerzen oder Erbrechen. Die Meatotomie ist neben den generellen Operationsrisiken mit einigen operationsspezifischen Risiken und Beschwerden assoziiert.
Einige Patienten fürchten zum Beispiel das Risiko der Inkontinenz. Der Schließmuskel, der den Harn zurückhält, liegt allerdings weit von der Harnröhrenmündung entfernt und wird bei dem Eingriff nicht berührt. Falls kein Katheter eingelegt wird, kann allerdings eine Verklebung der Wunde die Folge sein. Das Operationsgebiet muss in diesem Fall teilweise neu eröffnet werden, um ein fehlerhaftes Zusammenwachsen der Harnröhrenmündung auszuschließen. In der ersten Woche nach der Operation spüren Patienten der Meatotomie außerdem häufig ein Druckgefühl im operierten Bereich. Hinzu kommen unangenehme Empfindungen beim Wasserlassen. So berichten viele Betroffene beispielsweise von einem Brennen, solange die Wunde nicht vollständig abgeheilt ist. Auch mit der Abheilung können Risiken verbunden sein.
In der Regel hält sich die Narbenbildung bei einer professionell durchgeführten Meatotomie in Grenzen. In Einzelfällen wurde allerdings eine überschießende Bildung von Narbengewebe beobachtet. Dieses Phänomen kann zu einer abermaligen Stenose der äußeren Harnröhrenmündung führen und erfordert einen weiteren Eingriff. In der Regel wird nach einem solchen Vorfall nicht abermals eine Meatotomie durchgeführt. Eher fällt die Entscheidung nach einem Rezidiv auf eine Rekonstruktion der äußeren Harnröhrenmündung.
Ursachen einer Meatusstenose
Die Verengung der äußeren Harnröhrenmündung entsteht auf unterschiedlichen Wegen, und die Ursache bestimmt mit, wie dauerhaft eine Schlitzung hilft.
Bei Jungen tritt eine Verengung häufig nach einer Zirkumzision auf. Die Eichel liegt nach der Entfernung der Vorhaut ungeschützt an Windel oder Wäsche an; die dadurch ausgelöste Reizung der Schleimhaut kann an der Mündung eine Entzündung und in deren Folge eine Vernarbung nach sich ziehen. Auch eine ausgeprägte Windeldermatitis wird in diesem Zusammenhang genannt. Daneben gibt es eine angeborene Enge der Mündung, und nach der operativen Korrektur einer Hypospadie kann die neu angelegte Mündung im Heilungsverlauf schrumpfen.
Bei Erwachsenen stehen erworbene Ursachen im Vordergrund. Eine davon ist der Lichen sclerosus, eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die im Genitalbereich zu weißlicher, derber Vernarbung führt und die Mündung von außen einengen kann; am Penis wird sie auch als Balanitis xerotica obliterans bezeichnet. Weiter kommen Vernarbungen nach Eingriffen durch die Harnröhre in Betracht, nach längerer Ableitung des Urins über einen Katheter sowie nach Entzündungen im Bereich der Mündung. Auch Verletzungen der Eichel können eine narbige Enge hinterlassen.
Die Unterscheidung ist keine akademische Frage. Bei einem Lichen sclerosus ist die Meatusstenose oft nur der sichtbare Teil der Erkrankung: Die Vernarbung kann sich auf tiefer gelegene Abschnitte der Harnröhre erstrecken. Nach einer reinen Schlitzung ist die Neigung zum Rückfall dann größer, und die Behandlung richtet sich zusätzlich gegen die zugrunde liegende Hauterkrankung.
Untersuchungen vor dem Eingriff
Vor der Entscheidung für eine Operation steht die Frage, ob die Enge die Beschwerden tatsächlich erklärt und wie weit sie reicht. Den Anfang macht die Betrachtung der Mündung. Schon dabei lässt sich erkennen, ob eine narbige Verengung vorliegt und ob die umgebende Haut verändert ist, was auf einen Lichen sclerosus hindeuten kann.
Ergänzend wird der Harnstrahl beurteilt. Bei der Uroflowmetrie uriniert der Patient in ein Messgerät, das die abfließende Menge je Zeiteinheit aufzeichnet. Eine Enge unmittelbar an der Mündung zeigt sich dabei typischerweise in einer über die Zeit flach verlaufenden Kurve, weil die Engstelle den Fluss gleichmäßig begrenzt. Mit dem Ultraschall wird anschließend geprüft, ob nach dem Wasserlassen Urin in der Blase zurückbleibt. Eine Urinuntersuchung klärt, ob zusätzlich eine Harnwegsinfektion vorliegt, die vor dem Eingriff behandelt werden sollte.
Bleibt unklar, ob die Verengung auf die Mündung beschränkt ist, folgen weitergehende Untersuchungen der Harnröhre. Das ist deshalb wichtig, weil eine Harnröhrenstriktur weiter innen andere Verfahren erfordert und durch eine Schlitzung der Mündung nicht behoben wird. Beschwerden allein sind kein ausreichender Grund für die Operation: Ein weiter, aber unauffällig aussehender Meatus spricht dafür, die Ursache anderswo zu suchen.
Wie der Eingriff abläuft
Der Eingriff findet meist in der urologischen Praxis oder ambulant in der Klinik statt. Nach der Aufklärung über Nutzen, Alternativen und Risiken wird das Operationsgebiet gereinigt und desinfiziert und steril abgedeckt.
Bei der örtlichen Betäubung wird ein Betäubungsmittel in die Umgebung der Mündung eingespritzt oder als Gel in die Harnröhre eingebracht; bei Kindern und bei Menschen, die den Eingriff im Wachzustand nicht tolerieren, wird stattdessen eine Vollnarkose gewählt.
Der Operateur durchtrennt die narbige Enge an der Unterseite der Mündung mit einem feinen Schnitt, bis der Kanal wieder ausreichend weit ist. Die Weite prüft er, indem er ein stumpfes Instrument passender Stärke einführt. Entscheidend ist der zweite Schritt: Die Schleimhaut der Harnröhre wird mit feinen, sich später auflösenden Fäden an den Rand der Wunde genäht. Erst diese Naht macht aus einem Schnitt eine dauerhafte Öffnung, denn zwei nebeneinanderliegende Wundflächen ohne Schleimhautüberzug verkleben im Heilungsverlauf leicht wieder miteinander. Genau darin unterscheidet sich die plastische Meatotomie von einer bloßen Schlitzung.
Blutungen aus der gut durchbluteten Eichel werden während des Eingriffs gestillt. Zum Abschluss wird die Mündung noch einmal auf ihre Weite geprüft.
Nachsorge und Heilungsverlauf
Nach einem ambulanten Eingriff darf der Patient in aller Regel am selben Tag nach Hause. Weil eine örtliche Betäubung nachlässt und eine Narkose nachwirkt, wird eine Begleitperson für den Heimweg empfohlen; nach einer Narkose ist das Führen eines Fahrzeugs für den Rest des Tages ausgeschlossen.
In den ersten Tagen brennt es beim Wasserlassen, und die Mündung ist geschwollen und berührungsempfindlich. Reichliches Trinken wird häufig empfohlen, weil verdünnter Urin die frische Wunde weniger reizt. Ob und wie die Mündung in der Heilungsphase nachbehandelt wird – etwa mit einer Salbe –, ordnet der behandelnde Arzt an; eigenmächtiges Hantieren an der frischen Wunde gehört nicht dazu.
Ein Kontrolltermin dient dazu, die Weite der Mündung und den Heilungsverlauf zu beurteilen. Da ein Rückfall nicht sofort, sondern erst über Wochen entsteht, ist die spätere Beobachtung des Harnstrahls aussagekräftiger als der Befund am Tag nach der Operation. Ärztlich abgeklärt gehören Fieber, eine Blutung, die nicht von selbst aufhört, zunehmende Schmerzen und Rötung als Hinweise auf eine Wundinfektion sowie die Unfähigkeit, Wasser zu lassen. Letzteres ist ein Notfall und kein Grund abzuwarten.
Besonderheiten bei Kindern
Ein erheblicher Teil der Meatotomien wird bei Jungen durchgeführt. Kinder äußern Beschwerden beim Wasserlassen oft nicht in Worten; auffällig werden vielmehr ein dünner, aufgefächerter oder nach oben abgelenkter Harnstrahl, ein auffällig langes Wasserlassen oder ein Kind, das die Toilette meidet.
Der Eingriff erfolgt bei Kindern in der Regel in Vollnarkose, weil eine ruhige Lage über die Dauer der Naht anders nicht zu erreichen ist. Die Eltern werden darauf vorbereitet, dass das Wasserlassen in den ersten Tagen schmerzt und das Kind es deshalb hinauszögern kann. Auch hier gilt: Was zur Pflege der Mündung nötig ist, legt der behandelnde Arzt fest.
Abgrenzung zu anderen Verfahren
Nicht jede Enge der Harnröhre wird geschlitzt. Bei der Bougierung wird die Mündung mit Instrumenten zunehmender Stärke gedehnt. Das ist weniger belastend, dehnt das Narbengewebe aber nur und beseitigt es nicht, weshalb die Enge wiederkehren kann und die Dehnung wiederholt werden muss.
Reicht die plastische Schlitzung nicht aus, etwa bei langstreckiger oder mehrfach zurückgekehrter Vernarbung, kommt eine Rekonstruktion der Mündung in Betracht. Dabei wird die Öffnung mit Gewebe neu aufgebaut; verwendet wird unter anderem Mundschleimhaut, die sich für die Auskleidung der Harnröhre eignet, weil sie an feuchte Verhältnisse angepasst und gut verpflanzbar ist. Solche Eingriffe sind aufwendiger und werden an entsprechend erfahrenen Abteilungen durchgeführt.
Von alledem zu unterscheiden sind Verengungen, die weiter im Verlauf der Harnröhre liegen. Sie werden von der Harnröhre aus behandelt oder chirurgisch rekonstruiert. Eine Meatotomie hilft ihnen nicht, und ein anhaltend schwacher Harnstrahl nach dem Eingriff ist ein Anlass, in diese Richtung weiterzusuchen.
Die Kosten eines medizinisch begründeten Eingriffs an der Harnröhrenmündung tragen in Deutschland üblicherweise die Krankenkassen. Ob im Einzelfall eine Indikation vorliegt, entscheidet der behandelnde Arzt; für die Abrechnung ist die Dokumentation des Befunds maßgeblich.
Warum eine enge Mündung Folgen hat
Dass ausgerechnet die letzten Millimeter der Harnröhre so viel ausmachen, überrascht viele Betroffene. Der Grund liegt in der Strömungsmechanik: Der Widerstand, den eine Röhre dem Durchfluss entgegensetzt, wächst mit abnehmendem Durchmesser sehr stark an. Eine geringfügig engere Mündung erzwingt deshalb einen deutlich höheren Druck, wenn dieselbe Menge Urin in derselben Zeit abfließen soll.
Diesen Druck muss die Blasenmuskulatur aufbringen. Arbeitet sie über längere Zeit gegen einen erhöhten Widerstand, verändert sie sich – ähnlich wie ein dauerhaft belasteter Muskel wird ihre Wand dicker und zugleich unnachgiebiger. Die Blase entleert sich dann unvollständig, und der zurückbleibende Urin bietet Bakterien einen Ort, an dem sie sich vermehren können. So erklärt sich der im Artikel bereits genannte Zusammenhang zwischen unvollständiger Entleerung und wiederkehrenden Blasenentzündungen.
Diese Veränderungen sind der eigentliche Grund, eine Meatusstenose nicht auf Dauer zu ertragen. Sie bilden sich nach Beseitigung der Enge nicht in jedem Fall vollständig zurück, weshalb eine frühzeitige Abklärung eines dauerhaft schwachen Harnstrahls sinnvoll ist.
Quellen
- Hautmann, R., Gschwend, J. E. (Hrsg.): Urologie.
ISBN: 9783642343193
- Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Taschenlehrbuch Urologie.
ISBN: 9783133006149
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F. C. (Hrsg.): Pädiatrie.
ISBN: 9783131253347
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
