Muttermundmassage
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Muttermundmassage kann ein sinnvoller und zugleich sanfter Eingriff sein, wenn der vom Arzt errechnete Geburtstermin geringfügig überschritten wurde und die Geburt sich noch nicht angekündigt hat. Die Massage wird in der Regel von einer Hebamme durchgeführt und soll den Muttermund auf eine solche Weise stimulieren, dass vermehrt ein Wehenhormon vom Körper ausgeschüttet wird. So soll die Einleitung der Geburt auf natürliche Weise angeregt werden.
Was ist die Muttermundmassage?
Die Muttermundmassage ist ein natürlicher, sanfter Eingriff zur Unterstützung der Geburtseinleitung. Sie wird in der Regel durch eine Hebamme oder auch einen Frauenarzt durchgeführt. Die behandelnde Person massiert mit einem Finger den Muttermund der werdenden Mutter. Dadurch soll der Muttermund stimuliert werden.
Ziel ist es, den Muttermund weicher und beweglicher zu machen sowie die Wehentätigkeit anzuregen, wozu die Ausschüttung des Wehenhormons Oxytocin als Folge der Muttermundmassage beitragen soll. Nach den Erfahrungen aus der Hebammenarbeit setzt die Geburt bei einem Teil der Frauen bereits wenige Stunden nach der Durchführung einer Muttermundmassage ein. Wie zuverlässig sich eine Geburt auf diesem Weg in Gang bringen lässt, ist allerdings nur begrenzt untersucht; die Angaben dazu stützen sich überwiegend auf Erfahrungswerte aus der Hebammenarbeit. Meist kommt die Muttermundmassage zum Einsatz, wenn der errechnete Geburtstermin überschritten wurde und die Wehentätigkeit noch nicht begonnen hat, gleichzeitig aber auch kein Grund vorliegt, aus dem das Ungeborene möglichst schnell auf die Welt gebracht werden müsste.
Während andere Maßnahmen, welche den Beginn einer Geburt anregen oder unterstützen sollen, sich großer Bekanntheit und Beliebtheit erfreuen, ist die Muttermundmassage für die meisten Menschen ein Fremdwort. Hebammen lösen nicht selten Erstaunen aus, wenn sie der werdenden Mutter diesen Eingriff vorschlagen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Die Muttermundmassage sollte stets von einer Hebamme oder alternativ von einem Frauenarzt durchgeführt werden und mit dieser oder diesem im Voraus gründlich besprochen werden, damit die Schwangere über den Ablauf der Massage, die Wirkung sowie mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt ist.
Ziel der Muttermundmassage ist es, den Muttermund zu stimulieren, sodass dieser sich öffnet. Dadurch wird die Wehentätigkeit angeregt und die Geburt auf eine natürliche Weise eingeleitet. Angestrebt wird ein Einsetzen der Geburt in den Tagen nach der Muttermundmassage. Viele Frauen reagieren bereits im Verlauf der ersten Stunden nach der Muttermundmassage mit der erwünschten Wehentätigkeit, bei anderen Frauen hingegen bleibt der Eingriff ohne Wirkung.
Die Muttermundmassage ist ein sehr natürliches Vorgehen zur Geburtseinleitung. Durch die Stimulation des Muttermundes soll der Körper dazu angeregt werden, vermehrt das Wehenhormon Oxytocin auszuschütten. Zudem wird mechanisch versucht, den sogenannten Eipol zu lösen. Dabei handelt es sich um das untere Ende der Fruchtblase, das direkt hinter dem Muttermund liegt.
Während des Eingriffs liegt die werdende Mutter in einer möglichst bequemen Position, in der sie möglichst gut entspannen kann, auf dem Rücken. Die Hebamme oder der Frauenarzt dringt mit einem Finger in die Frau ein und legt diesen direkt auf den Muttermund. Dort wird der Finger sanft hin und her bewegt. Durch ein Gespräch sollte dabei geklärt werden, mit welcher Intensität es für die schwangere Frau am angenehmsten ist.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Sollte die Schwangere während der Massage unter Schmerzen leiden, sollte sie dies der behandelnden Hebamme oder dem behandelnden Arzt sofort mitteilen, damit diese oder dieser seine Technik dementsprechend anpassen kann. Schmerzen können ebenfalls entstehen, wenn der Muttermund nicht gut erreichbar ist. Das Durchführen einer Muttermundmassage ist für einige Frauen sehr unangenehm, da das Gefühl während des Eingriffs sehr ungewohnt ist. Des Weiteren wird das Massieren des Muttermunds von vielen Frauen als sehr intim empfunden.
Schwangere mit einem ausgeprägten Schamgefühl können sich demnach nicht genügend entspannen, woraus wiederum Schmerzen resultieren können. Abhilfe kann hier der Einsatz von Atemtechniken zur Entspannung schaffen, die in den Kursen für die Schwangerschaftsvorbereitung erlernt wurden. In diesem Rahmen ist die Muttermundmassage eine gute Übungsmöglichkeit für die Umsetzung besagter Atemtechniken.
Nicht immer führt die Muttermundmassage zu dem gewünschten Ergebnis. In einigen Fällen kommt es im Anschluss lediglich zu Schmierblutungen oder zu unregelmäßigen Wehen. In manchen Fällen tritt auch gar keine Wirkung ein. Die beste Wirkung der Muttermundmassage wird in der Regel dann erzielt, wenn der Muttermund bereits weich ist. Viele werdende Mütter haben Angst vor einer möglichen Infektion durch die Muttermundmassage. Sorgfältige Hygiene und die vorherige Prüfung der Voraussetzungen sollen dieses Risiko verringern; ganz ausschließen lässt es sich nicht, weshalb der Handgriff bei bereits geöffneter Fruchtblase oder bestehender Scheideninfektion unterbleibt.
Alternativ zur Muttermundmassage können auch noch andere, meist durch eine Hebamme durchgeführte Maßnahmen die Einleitung einer Geburt unterstützen. Dazu zählen ausgedehnte Spaziergänge, heiße Bäder mit ätherischen Ölen, eine Fußreflexzonenmassage, Geschlechtsverkehr oder auch eine vermehrte Einnahme von Zimt. Zudem haben viele Hebammen ihr individuelles Rezept für einen sogenannten Wehencocktail, der die Gebärmutter ebenfalls zur Wehentätigkeit anregen soll. Für die genannten Hausmittel ist eine wehenfördernde Wirkung nicht gesichert. Unbedenklich sind sie zudem nicht durchweg: Von sehr heißen Vollbädern, von ätherischen Ölen und von größeren Mengen Zimt wird in der Schwangerschaft üblicherweise abgeraten. Ein Wehencocktail enthält in der Regel Rizinusöl und sollte nur nach Rücksprache mit der Hebamme oder dem Frauenarzt und unter entsprechender Beobachtung eingenommen werden.
Einordnung: Massage und Eipollösung
In der geburtshilflichen Fachsprache werden zwei Handgriffe unterschieden, die im Alltag oft unter dem Begriff Muttermundmassage zusammenfallen. Der eine ist die reine Massage des äußeren Muttermundes, bei der der Finger auf dem Gewebe kreist, ohne in den Kanal einzudringen. Der andere ist die Eipollösung, bei der der Finger in den Gebärmutterhalskanal eingeführt und die Fruchtblase mit einer kreisenden Bewegung ein Stück weit von der Innenwand der Gebärmutter abgelöst wird. Die Eipollösung setzt voraus, dass der Muttermund bereits für einen Finger durchgängig ist.
Der gedachte Wirkweg unterscheidet sich: Der Massage wird zugeschrieben, über die Reizung des Gewebes die Ausschüttung des Wehenhormons anzuregen; bei der Eipollösung kommt der Gedanke hinzu, dass durch das Lösen der Eihäute örtlich wehenfördernde Botenstoffe frei werden. Die Eipollösung ist in der Geburtshilfe der besser beschriebene und in der Fachliteratur eigenständig geführte Handgriff, während sich Angaben zur reinen Massage überwiegend auf Erfahrungswerte aus der Hebammenarbeit stützen. Für beide gilt, dass sich der Eintritt der Geburt im Einzelfall nicht vorhersagen lässt.
Wann eine Terminüberschreitung überwacht wird
Der errechnete Geburtstermin ist ein Rechenwert und kein Stichtag; nur eine Minderheit der Kinder kommt genau an diesem Tag zur Welt. Von einer Terminüberschreitung spricht man ab dem Tag nach dem errechneten Termin, von einer Übertragung erst dann, wenn zwei volle Wochen darüber hinaus vergangen sind. Zwischen diesen beiden Punkten liegt der Zeitraum, in dem sanfte Maßnahmen wie die Muttermundmassage erwogen werden.
Mit zunehmender Terminüberschreitung werden die Kontrollen dichter. Üblich sind die Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und der Wehentätigkeit mit der Kardiotokographie sowie eine Ultraschalluntersuchung, bei der vor allem die Fruchtwassermenge beurteilt wird. Ergänzend werden die kindlichen Bewegungen erfragt. Zeigt eine dieser Kontrollen Auffälligkeiten, ist nicht mehr die Frage nach einem sanften Anstoß maßgeblich, sondern die nach der raschen und sicheren Entbindung – dann wird in der Klinik entschieden.
Wie reif der Muttermund ist, lässt sich bei der Tastuntersuchung anhand mehrerer Merkmale beurteilen: der Festigkeit des Gewebes, seiner Verkürzung, der Öffnung, der Lage im Becken und dem Höhenstand des kindlichen Kopfes. Diese Merkmale werden zu einem Punktwert zusammengefasst, dem Bishop-Score. Er ist deshalb wichtig, weil eine Maßnahme am unreifen, festen und geschlossenen Muttermund wenig aussichtsreich ist und stärker schmerzt.
Voraussetzungen und Gegenanzeigen
Vor einer Muttermundmassage steht immer eine Untersuchung, die klärt, ob überhaupt die Voraussetzungen dafür vorliegen. Dazu gehören eine ungestörte Schwangerschaft, eine sichere Schädellage des Kindes, ein unauffälliger Befund der kindlichen Herztöne und eine intakte Fruchtblase.
Nicht angewandt wird der Handgriff unter anderem, wenn die Fruchtblase bereits geöffnet ist, weil dann Keime leichter aufsteigen können; wenn eine Blutung unklarer Ursache besteht; wenn der Mutterkuchen ungünstig vor dem Muttermund liegt, wie es bei einer Plazenta praevia der Fall ist; oder wenn das Kind quer liegt oder sich in Beckenendlage befindet. Auch eine bestehende Infektion im Scheidenbereich spricht dagegen. Ein Nachweis von B-Streptokokken wird vorher berücksichtigt, ebenso eine vorausgegangene Operation an der Gebärmutter, insbesondere ein Kaiserschnitt in einer früheren Schwangerschaft: In diesen Fällen wird das weitere Vorgehen ärztlich festgelegt.
Weil diese Voraussetzungen nur durch eine Untersuchung zu klären sind, ist die Muttermundmassage nichts, was sich die Schwangere oder ihr Partner selbst zutrauen sollte. Sie gehört in die Hände einer Hebamme oder eines Frauenarztes, die den Schwangerschaftsverlauf kennen.
Was nach der Anwendung geschieht
Nach dem Handgriff wird in der Regel eine Zeit lang beobachtet, ob Wehen einsetzen und wie das Kind darauf reagiert; dazu dient wiederum die Aufzeichnung der Herztöne. Häufig treten zunächst unregelmäßige, ziehende Wehen auf, die wieder abklingen. Eine leichte Schmierblutung ist möglich, weil die Schleimhaut des Muttermundes gut durchblutet und in dieser Phase der Schwangerschaft besonders empfindlich ist.
Bleibt die gewünschte Wirkung aus, kann der Handgriff nach Rücksprache an einem weiteren Termin wiederholt werden. Kommt die Geburt auch dann nicht in Gang und schreitet die Terminüberschreitung fort, wird über eine Einleitung in der Klinik gesprochen. Anlass zur sofortigen Rücksprache besteht dagegen, wenn nach der Anwendung stärkere Blutungen auftreten, Fruchtwasser abgeht, Fieber hinzukommt oder die Kindsbewegungen deutlich nachlassen.
Wer die Maßnahme durchführt und in welchem Rahmen
Die Muttermundmassage findet ambulant statt: in der Hebammenpraxis, in der Frauenarztpraxis oder bei einem Hausbesuch der Hebamme. Ein Klinikaufenthalt ist dafür nicht vorgesehen. Voraussetzung ist, dass die durchführende Person den bisherigen Verlauf der Schwangerschaft kennt und die kindlichen Herztöne beurteilen kann; wo diese Möglichkeit fehlt, wird der Handgriff nicht angeboten.
Die Betreuung durch eine Hebamme in der Schwangerschaft gehört zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, sodass für die Frau in der Regel keine zusätzlichen Kosten entstehen. Frauen, die eine Hebamme in Anspruch nehmen möchten, melden sich üblicherweise früh in der Schwangerschaft, weil die Nachfrage vielerorts das Angebot übersteigt.
Der Befund der Tastuntersuchung, der Zustand des Muttermundes und die durchgeführte Maßnahme werden im Mutterpass beziehungsweise in der Dokumentation der Hebamme festgehalten. Diese Aufzeichnung ist mehr als Formsache: Kommt es später doch zu einer Einleitung in der Klinik, ist der dortige Ausgangsbefund ein wichtiger Anhaltspunkt für das weitere Vorgehen.
Vor der Anwendung steht ein Gespräch, in dem geklärt wird, was zu erwarten ist und was nicht. Dazu gehört auch der ausdrückliche Hinweis, dass die Frau den Handgriff jederzeit ablehnen oder abbrechen lassen kann. Da die Untersuchung als sehr intim empfunden wird, ist diese Einwilligung nicht nur rechtlich, sondern auch für das Gelingen der Anwendung von Bedeutung.
Abgrenzung zur medikamentösen Geburtseinleitung
Von der Muttermundmassage zu unterscheiden ist die eigentliche Geburtseinleitung, die in der Klinik erfolgt und ärztlich überwacht wird. Zu ihren Verfahren zählen Prostaglandine, die als Gel, Tablette oder Einlage in die Scheide eingebracht werden und den Muttermund reifen lassen; die Gabe von Oxytocin über eine Infusion, mit der sich die Wehentätigkeit steuern lässt; mechanische Verfahren mit einem Ballonkatheter, der den Muttermund von innen dehnt; und die Eröffnung der Fruchtblase, wenn der Muttermund bereits ausreichend geöffnet ist.
Der Unterschied liegt weniger im Ziel als im Aufwand und in der Steuerbarkeit. Die medikamentöse Einleitung wirkt zuverlässiger, erfordert dafür aber eine dauerhafte Überwachung von Mutter und Kind, weil zu starke oder zu dichte Wehen auftreten können. Die Muttermundmassage kommt ohne Medikament und ohne stationäre Aufnahme aus, ist dafür in ihrer Wirkung unsicher. Sie wird deshalb typischerweise vor einer Einleitung erwogen, nicht an ihrer Stelle.
Ebenfalls abzugrenzen ist die routinemäßige Tastuntersuchung des Muttermundes bei den Vorsorgeterminen: Sie dient allein der Beurteilung und verfolgt keine wehenfördernde Absicht, auch wenn sie sich für die Schwangere ähnlich anfühlen kann.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Muttermundmassage gehört zu den Maßnahmen, deren Wirkung überwiegend aus der Erfahrung heraus beschrieben wird. Dass Frauen kurz nach der Anwendung Wehen bekommen, ist für sich genommen noch kein Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang: Die Maßnahme wird gerade dann eingesetzt, wenn die Geburt ohnehin bevorsteht, sodass sich der natürliche Verlauf und die Wirkung des Handgriffs schwer trennen lassen.
Das eigentliche Risiko der Muttermundmassage liegt daher weniger in einer körperlichen Gefährdung als in falschen Erwartungen. Wer davon ausgeht, dass die Geburt danach sicher beginnt, erlebt das Ausbleiben der Wirkung als Rückschlag. Fachleute weisen deshalb darauf hin, dass die Massage ein Angebot ist und keine Behandlung, die man ablehnen oder annehmen muss – und dass eine Terminüberschreitung für sich genommen kein Notfall ist, solange die Kontrollen unauffällig bleiben.
Quellen
- Stiefel, A., Brendel, K., Bauer, N. H. (Hrsg.): Hebammenkunde.
ISBN: 9783132404502
- Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.-T. M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662450635
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
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- Gutenbrunner, C., Glaesener, J.-J.: Rehabilitation, physikalische Medizin und Naturheilverfahren.
ISBN: 9783540334118
- Kolster, B. C.: Massage.
ISBN: 9783662715291
