Reflexzonenmassage
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Reflexzonenmassage ist eine alternative Behandlungsmethode. Sie ist auch unter dem Begriff Reflexzonentherapie bekannt. Wesentliche Grundlage ist die Vorstellung, dass der Druck auf bestimmte Stellen der Haut weiter entfernte Bereiche des Körpers beeinflusst.
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Was ist eine Reflexzonenmassage?
Die heute praktizierte Variante der Reflexzonenmassage geht zurück auf den Arzt William Fitzgerald. Nach Studien über die Heilkräfte fernöstlicher Verfahren und Methoden der Ureinwohner Amerikas teilte er den menschlichen Körper in zehn Zonen ein.
Seine Theorie geht davon aus, dass diese Zonen sich in den Füßen widerspiegeln. Die Reflexzonen des Fußes stehen in Verbindung mit Organen oder anderen Bereichen des Körpers. Durch das Ausüben von Druck auf die entsprechenden Stellen lassen sich Leiden behandeln oder entdecken. Die Masseurin Eunice Ingham erweiterte diese Massagetechnik und machte sie in den USA unter dem Namen Reflexology populär. Von dort aus gelangte das Verfahren nach Europa. Mittlerweile gibt es unterschiedliche Varianten der Reflexzonenmassage.
Allen gemeinsam ist die Vorstellung, dass verschiedene Reflexzonen auf der Haut in Verbindung mit Körperbereichen stehen. Diese Ansicht hat Parallelen zu den ayurvedischen Massagetraditionen aus Indien und zur Akupressur. Die Parallele betrifft das Vorgehen – Druck auf umschriebene Punkte, um entfernte Körperbereiche zu beeinflussen –, nicht das zugrunde liegende Modell: Die Akupressur beruft sich auf Meridiane, die den Körper durchziehen, die Reflexzonenarbeit auf eine Abbildung des Körpers im Fuß. Des Weiteren gibt es Ähnlichkeiten zu den Head’schen Zonen. Das sind Bereiche der Haut, die auf bestimmte Erkrankungen mit teilweise schmerzhaften Veränderungen reagieren. Im Vergleich zu den Reflexzonen sind die Head’schen Zonen medizinisch belegt.
Die zeitliche Einordnung der Anfänge lässt sich an drei Veröffentlichungen festmachen. William Fitzgerald war Hals-Nasen-Ohren-Arzt und stellte seine Zoneneinteilung 1917 gemeinsam mit dem Journalisten Edwin Bowers unter dem Titel „Zone Therapy“ vor. Eunice Ingham richtete die Arbeit ganz auf die Füße aus und beschrieb 1938 in „Stories the Feet Can Tell“ erstmals ausführlich ein Fußreflexzonenbild. Die deutschsprachige Ausformung geht wesentlich auf Hanne Marquardt zurück, die die Arbeit unmittelbar bei Ingham gelernt und daraus einen eigenen Ausbildungsgang entwickelt hat.
Wie die Karte aufgebaut ist, lässt sich in ihren Grundzügen leicht beschreiben. Nach der Lehre bildet der Fuß den aufrecht stehenden Menschen im Kleinen ab: Die Zehen entsprechen dem Kopf und dem Halsbereich, der Fußballen dem Brustraum, das Fußgewölbe dem Bauchraum und die Ferse dem Becken. Der innere Fußrand wird der Wirbelsäule zugeordnet, der äußere Rand den Gliedmaßen. Weil einige Organe nur einmal vorhanden sind, erscheinen die zugehörigen Zonen nur auf einem der beiden Füße. Die einzelnen Schulen zeichnen diese Karten allerdings nicht deckungsgleich, und für die Abweichungen gibt es keinen Schiedsspruch, weil sich die Zuordnungen nicht messen lassen.
Die Vorstellung, dass sich der gesamte Körper in einem einzelnen Körperteil abbildet, findet sich in mehreren Verfahren wieder. Neben dem Fuß und der Hand wird sie auch für die Ohrmuschel vertreten: Der französische Arzt Paul Nogier stellte in den 1950er Jahren ein Punktesystem des Ohrs vor, auf das sich die heutige Ohrreflexzonenarbeit beruft. Solche Abbildungssysteme werden in der Fachsprache als Somatotopien bezeichnet. Gemeinsam ist ihnen, dass die zugeordneten Karten nicht aus anatomischen Befunden abgeleitet, sondern aus Beobachtungen am Behandelten erschlossen wurden.
Warum die Head’schen Zonen eine andere Stellung haben, lässt sich an ihrer Entstehung ablesen. Der britische Neurologe Henry Head beschrieb sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie beruhen darauf, dass ein Hautbezirk und ein inneres Organ ihre Nervenversorgung aus demselben Segment des Rückenmarks beziehen; reizt das Organ die zugehörigen Nervenbahnen, kann der Schmerz in das Hautgebiet verlagert wahrgenommen werden. Dieser Weg ist über das Nervensystem beschreibbar und anatomisch nachvollziehbar. Für die Zuordnung einzelner Punkte am Fuß zu einzelnen Organen gibt es eine vergleichbare Erklärung nicht.
Von der Reflexzonenmassage zu unterscheiden sind Verfahren, die zwar ebenfalls am Fuß ansetzen, aber ein anderes Ziel verfolgen. Die klassische Fußmassage behandelt Muskeln, Sehnen und Gelenke des Fußes selbst und beansprucht keine Fernwirkung. Die manuelle Lymphdrainage arbeitet mit sehr geringem Druck und richtet sich auf den Abfluss der Gewebsflüssigkeit. Die Akupunktur schließlich setzt Nadeln an Punkten des Meridiansystems, während die Reflexzonenmassage ohne Nadeln auskommt und überwiegend mit den Händen und mit flächigem Druck arbeitet.
Funktion, Wirkung & Ziele
Zusätzlich gibt es Abwandlungen der Reflexzonenmassagen, die verschiedene Heilverfahren wie Farb- oder Edelsteintherapien kombinieren. Am bekanntesten ist die Fußreflexzonenmassage. Sie findet sich im therapeutischen und im Wellnessbereich. Als Naturheilverfahren dient die Massage dazu, durch Druck und eventuelle Reaktion Funktionsstörungen im Körper aufzudecken oder Blockaden zu lösen. Anwender gehen davon aus, dass Druckschmerzen an bestimmten Zonen des Fußes auf Probleme bei den dazugehörigen Organen hinweisen. Dabei stellen die Füße die rechte und linke Körperhälfte dar und einige Reflexzonen finden sich nur auf einem Fuß.
Medizinisch ist die Wirkungsweise nicht geklärt. An den Füßen befinden sich viele Nervenrezeptoren, die unter anderem auch die Stellung des Körpers an das Gehirn melden. Andere Wissenschaftler vermuten, dass eine Fernwirkung über die Faszien möglich ist. Sie sind Bestandteil des Bindegewebes und durchdringen den gesamten Körper. Unbestritten ist, dass die Fußreflexzonenmassage wie andere Massageformen zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen und die örtliche Durchblutung fördern kann. Sie kann beruhigend und schmerzlindernd wirken. Für Heilpraktiker und Alternativmediziner ist die gesunde Wirkung weitaus größer: Anhand der Zonen lassen sich Leiden feststellen, schulmedizinische Verfahren ergänzen und Selbstheilungskräfte aktivieren. Sie eigne sich zur Behandlung von Schmerzen, Durchblutungsstörungen, Immunsystemschwächen, Herz- und Kreislaufproblemen, Verdauungsstörungen und Erschöpfung.
Dieselbe Wirkung wird den Reflexzonenmassagen der Hand zugeschrieben. Der Unterschied besteht darin, dass sich die Reflexzonen tiefer im Gewebe befinden als bei den Füßen und der ausgeübte Druck stärker ist. Der Vorteil ist, dass die Hände jederzeit erreichbar sind und sich so für eine Selbstbehandlung besonders eignen. Bei der Ohrreflexzonenmassage unterstützen Massagestäbchen und Wärme die Anwendung. Eine Kombination mit fernöstlichen Methoden ist die Reflexzonengesichtsmassage, die zugleich das Gesicht straffen soll. Auch die Kopfreflexzonenmassage ist eine Mischform aus fernöstlicher Heilkunst und Reflexzonentherapie. Sie bezieht Akupunktur mit ein.
Die Bindegewebsmassage konzentriert sich auf die Reflexzonen im Rumpf. Ihr Ziel ist es, durch die Massage Verspannungen in den Muskeln und im Bindegewebe zu lösen. Die Periostmassage soll gegen Kopfschmerzen, Arthrose, Rückenleiden und Schulterbeschwerden helfen. Im Gegensatz zu den entspannenden Fuß- oder Handmassagen ist sie schmerzhaft. Ein starker Druck auf bestimmte Punkte des Periosts, der Knochenhaut, soll die Durchblutung und die Zellregeneration anregen. Für viele Therapeuten zählt auch die Kolonmassage zu den Reflexzonenmassagen. Sie kommt bei bestimmten Problemen zum Einsatz: Durch kreisende Massagen auf dem Bauch soll sie die Darmfunktion unterstützen und den Lymphfluss fördern.
Die als Reflexzonentherapie geführten Rumpfverfahren haben eine eigene Entstehungsgeschichte. Die Bindegewebsmassage geht auf die Physiotherapeutin Elisabeth Dicke zurück, die sie ab 1929 zunächst an sich selbst entwickelte, während sie an einer schweren Durchblutungsstörung eines Beins litt. Die Periost- und die Kolonbehandlung wurden von dem Arzt Paul Vogler ausgearbeitet. Beide Linien sind älter als die westliche Fußreflexzonenarbeit und im deutschsprachigen Raum unabhängig von ihr entstanden; erst später wurden sie unter dem Sammelbegriff Reflexzonentherapie zusammengefasst.
Der Ablauf einer Sitzung folgt in den meisten Schulen einem ähnlichen Muster. Am Anfang steht ein Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen und Erwartungen. Der Behandelte bleibt bekleidet und liegt oder sitzt zurückgelehnt; nur der zu behandelnde Bereich wird frei gemacht. Der Therapeut sieht und tastet den Fuß zunächst ab, bevor er mit der eigentlichen Arbeit beginnt. Gearbeitet wird überwiegend mit dem Daumen, der in kleinen, aneinandergereihten Schritten über die Haut geführt wird, ergänzt durch streichende und kreisende Griffe. Die Behandlung beginnt meist an den Zehen und wird über Fußrücken und Fußsohle fortgesetzt, wobei beide Füße nacheinander an die Reihe kommen. Zum Abschluss ist eine kurze Nachruhe üblich; eine einzelne Sitzung bleibt in der Regel deutlich unter einer Stunde.
Was der Behandelte dabei wahrnimmt, wird sehr unterschiedlich geschildert. Häufig genannt werden Wärme, ein Ziehen oder ein deutlich empfundener Druck an einzelnen Stellen, bei vielen auch tiefe Müdigkeit. Ein kurzzeitig verstärktes Ruhebedürfnis nach der Behandlung gilt unter Anwendern als übliche Reaktion. Angeboten wird die Fußreflexzonenmassage längst nicht nur in Praxen: Sie findet sich in Kurhäusern und Hotels, in der Pflege, in der Sterbebegleitung und in der Geburtsvorbereitung, dort meist ausdrücklich als zuwendungsorientierte Begleitmaßnahme. In diesem Rahmen steht nicht die Behandlung einer Erkrankung im Vordergrund, sondern die Beruhigung und der Körperkontakt; entsprechend zurückhaltend fallen dort die Aussagen über eine Heilwirkung aus.
Wer die Massage anbietet, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Bezeichnungen wie „Reflexzonentherapeut“ oder „Fußreflexzonenmasseur“ sind nicht geschützt; die Ausbildungen werden von Verbänden, privaten Schulen und Fortbildungseinrichtungen gestaltet und unterscheiden sich in Umfang und Anspruch erheblich. Wer mit der Massage Krankheiten behandeln will, braucht dagegen eine ärztliche Approbation oder eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Masseure, medizinische Bademeister und Angehörige der Physiotherapie dürfen die verordnungsfähigen Varianten auf ärztliche Verordnung hin ausführen. Im Wellnessbereich wird die Fußreflexzonenmassage dagegen ausdrücklich als Entspannungsangebot und nicht als Heilbehandlung angeboten.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Dennoch entsprachen diese Studien aufgrund begrenzter Teilnehmerzahlen nicht den üblichen wissenschaftlichen Standards. Kritiker bemängeln, dass es viele unterschiedliche und nicht einheitliche Darstellungen der Reflexzonen gibt. Viele Krankenkassen bezahlen diese Therapiemethode nicht. Bei bestimmten Massagen wie der Periostmassage erstatten sie hingegen Teilbeträge der Kosten. Viele Wissenschaftler beurteilen die Reflexzonenmassage als eine entspannende und beruhigende alternative Behandlung. Die mitunter auftretende heilende Wirkung schreiben sie einem Placeboeffekt zu.
Nicht zu empfehlen sind Reflexzonenmassagen bei offenen Wunden, Fußpilz, Krampfadern, Bluthochdruck, Venenentzündungen, Fieber, Infektionen und Depressionen. Die Periostmassage ist nicht ratsam bei Tumoren und Osteoporose. Auch Schwangere sollten Reflexzonenmassagen nur in Absprache mit dem Arzt und Therapeuten vornehmen lassen. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass ein ausgebildeter Therapeut die Massagen ausführt, denn bei unsachgemäß durchgeführten Behandlungen kann es zu Verletzungen kommen. Als Nebenwirkungen der Massagen gelten vermehrter Harndrang, Durchfall oder Nervosität.
Die genannten Gegenanzeigen lassen sich auf wenige Grundgedanken zurückführen. Bei Krampfadern, Venenentzündungen und einer bekannten Thrombose soll vermieden werden, dass Druck auf ein bereits geschädigtes Gefäßgebiet ausgeübt wird. Bei offenen Wunden, Fußpilz und Infektionen geht es um die Wundheilung und um die Verschleppung von Erregern. Besondere Zurückhaltung ist bei Menschen mit Diabetes mellitus angebracht, wenn bereits Nervenschäden am Fuß bestehen: Sie spüren einen zu starken Druck unter Umständen nicht rechtzeitig, und kleine Verletzungen heilen schlecht. Bei Osteoporose gilt Ähnliches für die knochennah arbeitende Periostmassage. In allen unklaren Fällen ist die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt der sichere Weg.
Auch die Kostenfrage lässt sich formal beantworten. In der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses ist die Massagetherapie als verordnungsfähiges Heilmittel aufgeführt, und zu ihr zählen neben der klassischen Massage auch die Bindegewebs-, die Segment-, die Periost- und die Kolonmassage. Die Fußreflexzonenmassage steht dort nicht; sie ist damit keine Leistung, die ein Vertragsarzt zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen könnte. Wer sie in Anspruch nimmt, zahlt sie in der Regel selbst. Einzelne Kassen bezuschussen sie im Rahmen freiwilliger Satzungsleistungen, private Versicherungen entscheiden nach den jeweiligen Vertragsbedingungen.
Wie belastbar die vorliegenden Untersuchungen sind, hängt weniger an ihrer Zahl als an ihrer Anlage. Damit die Massage getrennt von der Zuwendung beurteilt werden kann, müsste eine Vergleichsgruppe eine gleich lange und gleich aufmerksame Behandlung erhalten, bei der die Griffe bewusst an anderen Stellen des Fußes ansetzen. Solche Vergleiche sind aufwendig, und wo sie unternommen wurden, blieben die Gruppen klein. Systematische Übersichtsarbeiten kommen deshalb zu dem Schluss, dass sich für die angenommene Fernwirkung bisher kein Nachweis führen lässt, während Entspannung und ein besseres Allgemeinbefinden als Begleiteffekt einer sorgfältigen Massage unstrittig sind.
Ein Punkt, der von der Frage der Wirksamkeit unabhängig ist, betrifft die Deutung des Tastbefunds. Ein Druckschmerz an einer bestimmten Stelle des Fußes ist kein Befund, aus dem sich eine Erkrankung eines Organs ableiten ließe, und er ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Die eigentliche Gefahr des Verfahrens liegt deshalb weniger in der Massage selbst als darin, dass eine notwendige Abklärung unterbleibt oder verschoben wird, weil die Beschwerden bereits zugeordnet scheinen. Wer anhaltende, neu auftretende oder sich verschlechternde Beschwerden hat, sollte sie unabhängig von einer laufenden Massagebehandlung ärztlich klären lassen. Als ergänzendes Entspannungsangebot neben einer ärztlichen Behandlung ist die Reflexzonenmassage dagegen unproblematisch, solange die Gegenanzeigen beachtet werden. Wer sie ausprobieren möchte, sollte den Therapeuten vorab nach seiner Ausbildung fragen und darauf achten, dass er keine Diagnosen stellt und keine Heilung in Aussicht stellt.
Quellen
- Kolster, B. C.: Massage.
ISBN: 9783662715291
- Storck, U., Junker, H. O., Rostalski, W.: Technik der Massage.
ISBN: 9783131396006
- Schiffter, R., Harms, E. (Hrsg.): Bindegewebsmassage.
ISBN: 9783132443907
- Kraft, K., Adler, M. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren.
ISBN: 9783830453338
- Schmiedel, V., Matejka, R. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilkunde.
ISBN: 9783437056390
