Nagelverformungen
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Gesunde, gepflegte Fingernägel sind eines der Aushängeschilder eines Menschen. Weist ein Nagel Verformungen und Verfärbungen auf, deutet das meist auf eine Erkrankung hin. Nagelverformungen sollten daher medizinisch untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis |
Was sind Nagelverformungen?
Finger- und Fußnägel sind – physiologisch betrachtet – aus Hornhautzellen bestehende Platten, die die Finger- und Fußenden vor Verletzungen schützen und Greif- und Laufbewegungen vereinfachen bzw. überhaupt erst ermöglichen. Die Nägel wachsen ununterbrochen und werden so ständig erneuert. Bei Fingernägeln dauert der Erneuerungsprozess etwa ein halbes, bei den wesentlich dickeren Fußnägeln etwa ein Jahr.
Der gesunde Nagel zeichnet sich durch eine relativ glatte Oberflächenstruktur aus, er ist halb rund und sieht leicht rosa gefärbt aus. Unter einer Nagelverformung versteht man alle Veränderungen des Finger- oder Fußnagels. Darunter fallen Veränderungen des Reliefs (Furchen- oder Grübchenbildungen) oder die Veränderung der Gestalt des Nagels (Ausbildung eines Löffel- oder Uhrglasnagels). Nagelverformungen sind dabei keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom: Sie zeigen an, dass der Nagel selbst geschädigt ist oder dass eine Erkrankung des übrigen Körpers auf das Nagelwachstum durchschlägt. Die Behandlung richtet sich deshalb immer nach der zugrunde liegenden Ursache.
Außerdem kann eine Anlagestörung der Nagelplatte auftreten, die bewirkt, dass der Nagel bereits falsch aus der Nageltasche heraus wächst. Als Folge kann ein Aufsplittern des Nagels auftreten (Onychoschisis), es kann zu Einrissen kommen (Onychorrhexis) oder es kann sich der Nagel komplett ablösen (Onycholyse).
Ursachen
Eine weitere häufige Ursache für Nagelverformungen sind Verletzungen der Nagelmatrix infolge von kleineren Unfällen. Bakterien können ebenfalls Nagelverformungen verursachen. Nagelverformungen können auch aufgrund einer dauerhaften, immer wieder zugefügten Verletzung des Nagels, etwa durch anhaltendes Nagelkauen, auftreten.
Personen, die häufig in Kontakt mit chemischen Lösungsmitteln kommen, neigen ebenfalls zur Ausprägung von Verformungen der Nägel. Als weitere Ursachen für Nagelverformungen kommen allgemeine Erkrankungen in Frage: Schuppenflechten, Warzen, Vitamin- und Eisenmangel, Herz-, Lungen- und Magen-Darmerkrankungen sowie eine HIV-Infektion oder eine beginnende Leberzirrhose. Auch eine Durchblutungsstörung der Finger oder Zehen kann den Nagel verformen, weil die Nagelwurzel dann nicht mehr ausreichend versorgt wird.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Nagelverformungen äußern sich in erster Linie durch die sichtbaren Verformungen der Finger- oder Zehennägel. Die betroffenen Nägel sind entweder deformiert, verfärbt, dicker oder dünner als zuvor oder durch Einrisse geschädigt. Auch eine teilweise oder vollständige Ablösung der Nagelplatte ist denkbar. Nagelverformungen können sich auf einen Finger- oder Zehennagel beschränken, gelegentlich sind jedoch alle Nägel betroffen.
Wenn den Verformungen ein Mangel zugrunde liegt, treten die Verformungen normalerweise an allen Fingern und Zehen auf. Häufig zu sehen sind weiße oder graue Flecken auf den Nägeln. Sie entstehen meist durch kleine, oft unbemerkte Verletzungen der Nagelwurzel und sind für sich genommen harmlos. Ein Eisenmangel macht sich am Nagel anders bemerkbar: Der Nagel wird dünn, brüchig und dellt sich in der Mitte löffelförmig ein (Löffelnagel, Koilonychie). Wenn den Nagelverformungen eine ernste Erkrankung zugrunde liegt, können sich im weiteren Verlauf ernste körperliche Beschwerden einstellen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen kolbig aufgetriebene Fingerendglieder mit stark nach allen Seiten gewölbten Nägeln (Trommelschlegelfinger und Uhrglasnägel). Sie entstehen, wenn der Körper über längere Zeit zu wenig Sauerstoff erhält, und können auf eine chronische Lungen- oder Herzerkrankung hinweisen; seltener stecken eine Lebererkrankung oder ein Tumor dahinter. Von allen Nagelveränderungen ist dies diejenige, die am ehesten auf ein ernstes Grundleiden deutet – sie sollte deshalb immer ärztlich abgeklärt werden.
So treten Nagelverformungen zum Beispiel als erstes Warnzeichen einer Leberzirrhose auf, die sich im weiteren Verlauf durch Gelbsucht bemerkbar macht. Falls eine Neurodermitis ursächlich ist, kommt es nach kurzer Zeit zu Hautveränderungen wie Rötungen und Juckreiz. Zudem schuppen die betroffenen Hautstellen stark. Da Nagelverformungen diverse Ursachen haben können, genügt das äußere Erscheinungsbild zur Klärung der Ursache nicht, und es muss in aller Regel eine weitergehende Diagnostik erfolgen – etwa die Untersuchung von Nagelmaterial auf Pilze oder eine Blutuntersuchung.
Diagnose & Verlauf
Tritt eine Nagelverformung auf, wird der Arzt zunächst die Ursache hierfür diagnostizieren. So wird er zunächst nach Grunderkrankungen fragen bzw. abklären, ob der Patient häufig Umgang mit chemischen Lösungsmitteln hat.
Um die Nagelverformung genau charakterisieren zu können, wird der Arzt mittels eines Dermatoskops den Nagel genau betrachten und so einen ersten Hinweis auf die Ursache der Verformung erhalten. Eine Blutuntersuchung oder ein Abstrich des Nagelbetts mit anschließender Untersuchung im Labor wird Aufschluss über eine Pilz- oder Bakterieninfektion geben.
Sind Wucherungen des Nagels aufgetreten, wird ebenfalls labortechnisch untersucht, ob die Wucherungen bösartig sind. Bösartige Wucherungen bzw. Nagelbetttumoren treten nur sehr selten auf.
Komplikationen
Das betrifft besonders Menschen, die bereits unter einem verminderten Selbstwertgefühl leiden und zusätzlich noch an den Fingernägeln kauen. Da durch das Kauen der Behandlungserfolg ausbleibt, kann ein Teufelskreis aus Scham und erneutem Kauen entstehen, der in Einzelfällen zu depressiven Beschwerden führt. In diesen Fällen ist eine psychologische Beratung und Therapie dringend angeraten. Wer unter Suizidgedanken leidet, findet rund um die Uhr Hilfe bei der Telefonseelsorge unter 0800 1110111 oder 0800 1110222; bei akuter Gefahr ist der Notruf 112 zu wählen.
Um organische Komplikationen auszuschließen, ist es jedoch zunächst erforderlich, die zugrunde liegende Erkrankung zu behandeln. Neben Pilzinfektionen können auch Leberzirrhose, Eisenmangel, Hautekzeme, Herzerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Tumoren und vieles mehr vorliegen. Wenn die Ursache der Nagelverformungen beseitigt ist, kann der Nagelaufbau erfolgen. Dabei werden Medikamente und bei Pilzinfektionen Antimykotika auf den Nagel aufgetragen. Antibiotika helfen hier nicht, denn sie wirken nur gegen Bakterien und nicht gegen Pilze.
Das führt meist zum Erfolg und wird von den meisten Betroffenen gut vertragen. Bis die Verformung verschwunden ist, dauert es allerdings Monate, denn der geschädigte Nagelanteil muss erst vollständig herauswachsen – bei Fingernägeln etwa ein halbes Jahr, bei Zehennägeln bis zu einem Jahr. Allerdings kann es vorkommen, dass der Nagel völlig zerstört ist. In diesen Fällen müssen gegebenenfalls Teile des Nagels chirurgisch entfernt werden. Auch danach wächst der Nagel in der Regel wieder nach, benötigt dafür aber ebenfalls Monate. Ist die Nagelwurzel dauerhaft geschädigt, kann der nachwachsende Nagel verformt bleiben.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da Nagelverformungen wichtige Anzeichen einer vorliegenden Grunderkrankung sind, sollten sie grundsätzlich einem Arzt zur Abklärung vorgestellt werden. Nagelverformungen sind für sich genommen oft nicht behandlungsbedürftig. Ob dahinter eine Erkrankung steckt, die versorgt werden muss, kann jedoch nur ärztlich beurteilt werden.
Treten die Nagelverformungen nach einem Unfall oder einer leichten Quetschung auf, ist ein Arztbesuch nötig, wenn sich Schmerzen einstellen oder es zu einer Fehlstellung des Fingers oder Zehs kommt. Leichte Verletzungen und Verformungen müssen nicht ärztlich untersucht werden, da sie meist in den kommenden Monaten durch den natürlichen Wachstumsprozess selbständig herauswachsen. Führen die Nagelverformungen zu emotionalen oder seelischen Belastungszuständen, wird ein Arzt benötigt. Durch den optischen Makel können sich psychische Störungen entwickeln, denen rechtzeitig vorgebeugt werden sollte.
Bei weiteren Beschwerden wie einer Veränderung des Hautbildes, einer verringerten Greiffunktion oder eine Abnahme der körperlichen Kräfte, sollte ein Arzt konsultiert werden. Verfärbungen oder ein leichtes Abbrechen der Nägel sind Hinweise auf eine Erkrankung oder einen Nährstoffmangel, die untersucht und behandelt werden sollten.
Zügig zum Arzt sollte man, wenn sich die Fingerendglieder verdicken und die Nägel sich uhrglasartig wölben, wenn zusätzlich Atemnot oder eine verminderte Belastbarkeit auftritt oder wenn ein einzelner brauner bis schwarzer Längsstreifen im Nagel neu entsteht, breiter wird oder auf die umgebende Haut übergreift. Hinter der letztgenannten Veränderung kann sich in seltenen Fällen ein bösartiger Hauttumor verbergen.
Behandlung & Therapie
Die Therapie der Nagelverformung richtet sich jeweils nach der Ursache. Bei harmlosen Verformungen reicht meist Nageltherapeutikum, welches auf den Nagel aufgetragen wird und das Wachstum anregt, aus, um die Verformung des Nagels zu korrigieren.
Infektionen werden mit Antiseptika behandelt. Mittels eines Einschnitts der betroffenen Nagelplatte wird das Antiseptikum direkt auf den Infektionsherd aufgebracht. Hilft das allein nicht, wird der Arzt im Falle einer bakteriellen Infektion ein Antibiotikum verschreiben, bei einer Infektion mit einem Pilz ein Antimykotikum.
Bei besonders gravierenden Nagelverformungen kann es ratsam sein, Teile des Nagels oder den ganzen Nagel zu entfernen, damit er im Anschluss normal nachwachsen kann. Hierzu wird der Arzt den Finger bzw. den Zeh örtlich betäuben und den Nagel lösen bzw. die erkrankten Stellen heraus schneiden. Anschließend wird die Wunde antiseptisch verbunden. Die Prozedur ist im Allgemeinen nicht schmerzhaft.
Aussicht & Prognose
Nagelverformungen können aus vielen verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden resultieren. Die Prognose orientiert sich an der ursächlichen Erkrankung. Grundsätzlich lassen sich die meisten Nagelverformungen symptomatisch behandeln. Durch Pflege, medikamentöse Behandlung oder einen operativen Eingriff lässt sich das Nagelbild in vielen Fällen wieder normalisieren; ist die Nagelwurzel dauerhaft geschädigt, kann der nachwachsende Nagel jedoch verformt bleiben. Oft hilft schon eine sorgfältige Nagelpflege und das Meiden äußerer Auslöser wie aggressiver Seifen und Lösungsmittel. Liegt eine hormonelle Störung oder ein auslösendes Medikament zugrunde, gehört dies in ärztliche Hand.
Die Betroffenen leiden normalerweise nicht körperlich an den Nagelverformungen. Allerdings kann der äußerliche Makel sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Liegt den Beschwerden eine ernste Erkrankung wie eine Leberzirrhose oder eine Schilddrüsenerkrankung zugrunde, ist die Prognose weniger positiv. Die Lebenserwartung orientiert sich an dem auslösenden Leiden, wobei die Nagelverformungen selbst relativ gut behandelt werden können.
Die genaue Prognose kann nur der zuständige Arzt stellen. Aufgrund der großen Anzahl möglicher Ursachen, die Risse, Verfärbungen oder Verwachsungen im Bereich der Nägel haben können, sollten Fachärzte konsultiert werden. Mithilfe eines Therapeuten können etwaige seelische Beschwerden, die infolge einer Nagelverformung aufgetreten sind, aufgearbeitet werden. Dadurch verbessert sich in der Regel auch das Wohlbefinden wieder.
Vorbeugung
Um Nagelverformungen zu vermeiden, sollte jeder, der häufig mit chemischen Lösungsmitteln in Kontakt kommt, Handschuhe tragen. Auch kann man Nagelverformungen, die aufgrund von Eisenmangel auftreten, mit der ergänzenden Einnahme eines Eisenpräparates vorbeugen. Ein solches Präparat sollte allerdings erst eingenommen werden, wenn der Eisenmangel durch eine Blutuntersuchung belegt ist, denn ohne Mangel bringt es keinen Nutzen und kann Magen und Darm belasten.
Einer Infektion mit einem Pilz oder einem Bakterium beugt man am besten vor, indem man bei kleineren Verletzungen des Nagels diesen vor den Eindringlingen schützt – etwa mit einem Pflaster. Anhaltendes Nägelkauen kann ebenfalls mit entsprechenden Medikamenten, die auf die Nägel aufgetragen werden und schlecht schmecken, behandelt bzw. unterbunden werden.
Nachsorge
Wenn Nagelverformungen abgeheilt sind oder sich der Therapieprozess erfolgreich einem Ende nähert, gewinnen Maßnahmen der Nachsorge an Bedeutung. Dabei ist stets die jeweilige Ursache der Nagelverformung beim Patienten relevant, sofern diese bekannt ist. Denn aus der Krankheitsursache ergeben sich die wichtigsten Maßnahmen, die nach einer Nagelverformung bedeutsam sind.
Falls die Verformungen durch Pilzinfektionen zustande gekommen sind, ist fortan auf gründliche Hygiene zu achten, etwa bei Besuchen in öffentlichen Badeanstalten. Verformungen in Folge von mechanischen Belastungen können nur dann dauerhaft geheilt werden, wenn die schädigenden Einflüsse nicht mehr auf den Nagel einwirken. Dies ist beispielsweise im Beruf, beim Sport oder Tätigkeiten im Haushalt zu berücksichtigen.
Einige Verformungen der Nägel entstehen mitunter durch schlecht sitzendes Schuhwerk, sodass die Nachsorge auch die Anschaffung optimal passender Schuhe beinhaltet. Auch Inhaltsstoffe von Nagellacken beziehungsweise -entfernern können den Nagel schädigen. Falls hier die Ursache für die Nagelverformungen liegt, ist dies künftig zu bedenken und die Benutzung entsprechender dekorativer Kosmetika einzuschränken.
Grundsätzlich sind höhere hygienische Standards und das Vermeiden mechanischer Belastungen nach einer Nagelverformung stets sinnvoll. Durch diese Maßnahmen kann neuen Verformungen der Finger- oder Zehennägel vorgebeugt werden. Kontrolltermine beim behandelnden Hautarzt oder Orthopäden können angebracht sein, um die Abheilung der Verformung kontinuierlich zu überprüfen.
Das können Sie selbst tun
Verformungen der Nägel stellen neben dem Krankheitswert auch einen optischen Makel dar. Dies führt bei vielen Betroffenen zu Unwohlsein, emotionalen Problemen oder Stress. Im Rahmen der Selbsthilfe können verschiedene Methoden genutzt werden, um eine Linderung der Beschwerden zu erreichen.
Wichtig ist im Alltag eine psychische Stärke. Bei Nagelverformungen ist ein gesundes Selbstbewusstsein notwendig, damit Emotionen wie Scham oder Ekel nicht aufkommen. Zusätzlich können bei einem offenen Umgang mit der Erkrankung unangenehme Blicke oder Kommentare der Mitmenschen umgangen oder gut beantwortet werden. Eine Aufklärung der Menschen aus der näheren Umgebung führt bei allen Beteiligten zu einer großen Erleichterung. Oftmals ist die Situation auch ihnen unangenehm und sie sind überfordert.
Das Tragen von Kleidungsstücken, bei denen Hände und Finger gut verborgen werden können, wird von vielen Betroffenen als hilfreich empfunden. Langärmelige Oberteile mit einem weiten Bündchen am Arm helfen dabei, Hände und Finger bei Bedarf schnell verbergen zu können. Kosmetische Instrumente wie Nagellack oder künstliche Nägel sind bei den meisten vorliegenden Erkrankungen nicht zu empfehlen. Dennoch sollte die Rücksprache mit dem Arzt gesucht werden, um dies abzuklären. Gibt es aus medizinischer Sicht keine Einwände, helfen Frauen wie Männern das Bemalen der Nägel oder die Nutzung von künstlichen Nägeln, um Korrekturen vorzunehmen.
Quellen
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
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- Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
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