Nebennierentumore

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Nebennierentumore

Nebennierentumore sind weit verbreitet. Studien gehen davon aus, dass um die 3 % aller Erwachsenen einen Tumor in der Nebenniere aufweisen. Je älter man ist, desto häufiger können Nebennierentumore auftreten. Viele Menschen wissen nicht, dass sie einen Nebennierentumor haben. Der größte Teil von Nebennierentumoren ist unkritisch, weil gutartig. Weist ein Tumor aber eine Größe von mehr als 4 cm Durchmesser auf oder entstehen Beschwerden beispielsweise durch eine Hormonüberproduktion, sollten Betroffene schnellstens mit einem Endokrinologen sprechen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nebennierentumore?

Nebenniere
Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Nebenniere. Klicken, um zu vergrößern.

Nebennierentumore sind Tumore, die sich in der Nebenniere bilden. Der größte Teil der Nebennierentumore ist gutartig und entsteht direkt in der Nebennierenrinde. Werden Tumore in der Nebenniere festgestellt, müssen zwei Fragen beantwortet werden:

  • Produziert der Tumor Hormone oder nicht?
  • Ist der Tumor gutartig oder bösartig?

Ist ein Nebennierentumor nicht hormonproduzierend, treten meistens auch keine Symptome auf. Deshalb bleiben diese Tumore über einen langen Zeitraum oft unbemerkt. Hormonaktive Nebennierentumore produzieren Hormone und lassen entsprechend auf ihr Vorhandensein schließen. In Abhängigkeit davon, welches Hormon übermäßig stark ausgeschüttet wird, schlagen sich die Symptome in unterschiedlicher Form nieder.

Bösartige Tumore sind im Vergleich zu gutartigen Tumoren in der Nebenniere selten. Bösartige Tumore können Metastasen sein, also von Tumoren aus einem anderen Organ stammen. Außerdem kann es sich um Tumore handeln, die aus der Nebenniere stammen. Diese sind dann meist dem Krankheitsbild des Karzinoms zuzuordnen. Ein Karzinom ist sehr selten.

Am häufigsten fällt ein Nebennierentumor heute als sogenanntes Inzidentalom auf, also als Zufallsbefund: als ein Tumor, der zufällig bei einer Computertomografie oder einem Ultraschall entdeckt wird, die aus einem ganz anderen Grund gemacht wurden. Die allermeisten dieser Zufallsbefunde sind gutartig, hormoninaktiv und harmlos. Trotzdem wird jeder Zufallsbefund einmal vollständig abgeklärt: Der Arzt prüft mit Blut- und Urinuntersuchungen, ob der Tumor Hormone bildet, und beurteilt anhand von Größe und Bildgebung, ob er gutartig ist. Bleibt beides unauffällig, genügen in der Regel Kontrolluntersuchungen.

Ursachen

Bösartige Tumore in der Nebenniere können vererbt werden. Bei gutartigen Tumoren handelt es sich in der Regel um eine Wucherung von Nebennierengewebe.

Die meisten Nebennierentumore entstehen ohne erkennbaren Auslöser. Bei einem Teil der Betroffenen liegt jedoch eine erbliche Veranlagung zugrunde. Das gilt besonders für das Phäochromozytom: Etwa ein Drittel dieser Tumore geht auf eine Genveränderung zurück, etwa im Rahmen der multiplen endokrinen Neoplasie, des Von-Hippel-Lindau-Syndroms oder der Neurofibromatose. Wird ein Phäochromozytom festgestellt, wird deshalb heute eine genetische Beratung angeboten, weil auch Angehörige betroffen sein können.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Abhängig von der Art des Nebennierentumors unterscheiden sich die Symptome. Bei hormoninaktiven Tumoren sind Patienten frei von Beschwerden und Symptomen. Erst ab einer gewissen Größe lösen die Tumore zum Beispiel ein Völlegefühl oder Übelkeit aus. Hormonaktive Tumore hingegen haben unterschiedliche Krankheitsbilder. Welche das sind, wird maßgeblich davon beeinflusst, ob der Tumor aus den Zellen der Nebennierenrinde oder aus dem Nebennierenmark entstanden ist und welches Hormon im Übermaß produziert wird.

Cushing-Syndrom

Cushing Syndrom (Hyperkortisolismus)
Die Ursache für das Cushing Syndrom ist immer ein Überangebot des Hormons Kortisol.
© bilderzwerg – stock.adobe.com

Beim Cushing-Syndrom wird zu viel Cortisol gebildet. Die Folge daraus sind Knochenschmerzen, Muskelschwund, Osteoporose, Diabetes, Bluthochdruck, Akne, häufige Infektionen, starkes Schwitzen, Psychosen oder Wachstumsstörungen. Ein weiteres Symptom stellt eine unkontrollierte Gewichtszunahme dar.

Patienten leiden unter einem starken Zuwachs des Bauches („Bierbauch“), im Gegensatz dazu sind Arme und Beine sehr schlank. Auch ist ein sehr rundes Gesicht, welches umgangssprachlich als Mondgesicht oder Vollmondgesicht bezeichnet wird, typisches Symptom für das Cushing-Syndrom. Die Fetteinlagerung im Gesicht, die für die optisch runde Form verantwortlich ist, führt zusätzlich zu einer starken Rötung der Gesichtshaut.

Conn-Syndrom

Beim Conn-Syndrom wird das Hormon Aldosteron im Übermaß produziert. Dieses beeinflusst den Wasserhaushalt in der Niere. Es sorgt dafür, dass Kalium vermehrt ausgeschieden wird, senkt die Menge der Wasserausscheidung insgesamt und wirkt sich erhöhend auf den Blutdruck aus. Symptome sind ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Muskelschwäche. Auch übermäßig starker Durst gehört zu den Symptomen.

Früher galt das Conn-Syndrom als große Seltenheit. Nach heutigem Kenntnisstand steckt es hinter etwa 5 bis 10 Prozent aller Fälle von Bluthochdruck und ist damit dessen häufigste hormonelle Ursache. Deshalb wird bei schwer einstellbarem Bluthochdruck, bei Bluthochdruck in jungen Jahren und bei gleichzeitig niedrigem Kaliumwert im Blut heute gezielt danach gesucht.

Phäochromozytom

Phaeochromozytom
Durch das vermehrte Ausschütten von Adrenalin und Noradrenalin kommt es zu den Symptomen des Phäochromozytoms. Individuell fallen die Beschwerden jedoch unterschiedlich aus.
© SciePro – stock.adobe.com

Das Phäochromozytom ist meist gutartig. Der Tumor sorgt für eine Überproduktion von Adrenalin und Noradrenalin. Die damit im Zusammenhang stehenden Symptome sind entweder dauerhafter oder vorübergehender Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Schwindel, starkes Schwitzen/Schweißausbrüche, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen, Zittern, Diabetes mellitus, Gewichtsabnahme, Nervosität, Angstzustände und Angina pectoris.

Insbesondere die Kombination aus Kopfschmerzen, Herzklopfen und Schweißausbrüchen sowie der medikamentös nicht einstellbare Bluthochdruck stellen starke Symptome dar, die eine Untersuchung auf einen Nebennierentumor nach sich ziehen sollten.

Unter den gutartigen Nebennierentumoren ist das Phäochromozytom der gefährlichste. Es kann schubweise große Mengen Adrenalin und Noradrenalin ausschütten und dadurch eine Blutdruckkrise auslösen, bei der der Blutdruck innerhalb von Minuten auf lebensbedrohliche Werte steigt. Solche Krisen können durch körperliche Anstrengung, Druck auf den Bauch, bestimmte Medikamente oder eine Narkose ausgelöst werden und zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenödem führen. Treten plötzlich stärkste Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Atemnot oder Bewusstseinsstörungen auf, muss der Notruf 112 gewählt werden.

Aus demselben Grund darf ein Phäochromozytom niemals ohne Vorbereitung operiert werden. Über etwa zwei Wochen vor dem Eingriff erhalten Patienten sogenannte Alphablocker, die die Wirkung der Stresshormone am Gefäß blockieren; zusätzlich werden reichlich Flüssigkeit und Salz zugeführt. Ohne diese Vorbereitung kann die Manipulation am Tumor während der Operation eine tödliche Blutdruckentgleisung auslösen.

Nebennierenkarzinom

Das Nebennierenkarzinom kann sämtliche Symptome auslösen, die eine Hormonüberproduktion nach sich zieht. Patienten können unter sämtlichen Symptomen des Cushing-Syndroms oder unter einem Sexualhormonüberschuss leiden. Starke Körperbehaarung oder Glatzenbildung, tiefe Stimme bei Frauen oder Brustwachstum bei Männern sowie Völlegefühl und Schmerzen im Bereich der Niere kommen ebenfalls vor.

Diagnose

Erkrankte Nebennieren ziehen typische körperliche Beeinträchtigungen und krankhafte Veränderungen nach sich. Im Rahmen der Funktionsdiagnostik wird der Hormonspiegel der Nebenniere bestimmt. Zu diesem Zweck wird Blut entnommen. Dabei wird die Konzentration der Blutsalze gemessen. Gleiches wird bei einer Urinprobe untersucht. Die Untersuchungen geben Aufschluss darüber, ob eine Hormonüberproduktion stattfindet. Zum genauen Abklären kommen zwei Tests in Betracht: der CRH-Test und der Dexamethasonhemmtest. Bei Verdacht auf ein Phäochromozytom werden heute die Abbauprodukte der Stresshormone, die sogenannten Metanephrine, im Blutplasma oder im Sammelurin bestimmt; die früher übliche alleinige Messung von Adrenalin und Noradrenalin ist dafür zu unzuverlässig. Beim Verdacht auf ein Conn-Syndrom wird das Verhältnis von Aldosteron zu Renin im Blut berechnet.

Die weitere Diagnostik erfolgt mit einer Computertomografie, die Nebennierentumore bereits ab einem Durchmesser von 5 mm aufspürt. Bei einem Durchmesser von 2 cm ist sie hocheffektiv. Ultraschalluntersuchungen spüren Tumore auf, die größer als 2 cm sind. Die Untersuchungsmethode der Kernspintomografie ist bei der Diagnostik der Phäochromozytome angezeigt, ebenso die Szintigraphie. Mit einer selektiven Blutentnahme aus der Nebennierenvene wird untersucht, ob eine Überproduktion von Hormonen vorliegt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Nebennierentumor
Ist ein Nebennierentumor nicht hormonproduzierend, treten meistens auch keine Symptome auf. Deshalb bleiben diese Tumore über einen langen Zeitraum oft unbemerkt. © SciePro - stock.adobe.com

Nebennierentumore werden meist eher durch Zufall entdeckt, zum Beispiel beim Ultraschall oder bei anderen bildgebenden Verfahren. Auch Symptome können auf diese Tumore weisen: Falls über einen längeren Zeitraum Kopfschmerzen, Herzklopfen und Schweißausbrüche sowie ein nicht einstellbarer Blutdruck vorliegen, sollten Betroffene zunächst zum niedergelassenen Hausarzt gehen.

Andere Symptome eines Nebennierentumors können sein: Ständiges Völlegefühl, Nierenschmerzen, sprunghaft ansteigendes Gewicht, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen sowie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel oder Angstzustände. Ein Allgemeinmediziner kann hier die ersten Untersuchungen durchführen und den Patienten im nächsten Schritt zum Endokrinologen überweisen. Nicht abgewartet werden darf dagegen ein anfallsartiger Blutdruckanstieg mit stärksten Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen oder Bewusstseinsstörungen: Dahinter kann eine Blutdruckkrise durch ein Phäochromozytom stecken, die sofort über den Notruf 112 versorgt werden muss. Die Diagnose der Tumorart und die weitere Behandlung muss durch einen Facharzt erfolgen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie hängt vom festgestellten Tumor ab. Die Therapiekonzepte sind oft breit gefächert und lassen sich nicht auf einen oder zwei Therapieansätze reduzieren.

Die wichtigste Behandlung ist bei den meisten Nebennierentumoren die operative Entfernung. Sie ist angezeigt, wenn der Tumor Hormone bildet, wenn er größer als etwa 4 cm ist oder wenn in der Bildgebung der Verdacht auf Bösartigkeit besteht. Der Eingriff erfolgt heute meist minimalinvasiv über kleine Schnitte in der Bauchdecke oder von der Rückenseite her; bei Verdacht auf ein Karzinom wird dagegen offen operiert. Wird eine Nebenniere entfernt, kann die verbliebene die Aufgabe in der Regel vollständig übernehmen. Ein hormoninaktiver, unauffälliger Zufallsbefund muss dagegen nicht operiert, sondern nur in festgelegten Abständen kontrolliert werden.

Bei einem Phäochromozytom geht der Operation zwingend die oben beschriebene medikamentöse Vorbereitung mit Alphablockern voraus. Beim Cushing-Adenom muss nach der Operation über Monate Kortison in Tablettenform eingenommen werden, weil die Gegenseite in der Zwischenzeit ihre Tätigkeit eingestellt hat; hier droht sonst eine Nebennierenrindeninsuffizienz. Beim Conn-Syndrom kommt als Alternative zur Operation eine dauerhafte Behandlung mit Aldosteronblockern wie Spironolacton in Betracht.

Für das seltene Nebennierenrindenkarzinom gelten eigene Regeln:

  • Patienten mit einem Tumor in fortgeschrittenem Stadium werden mit einer Chemotherapie behandelt oder lokal bestrahlt.
  • Bei Hormonexzess-Syndromen kann ein operativer Eingriff vorgenommen werden, um die Tumormasse zu reduzieren. Auf dieser Basis werden die Chancen für eine eventuell nachfolgende Chemotherapie verbessert.
  • Eine Bestrahlung von Metastasen ist ebenfalls ein möglicher Therapieansatz.
  • Als Medikament gegen den Tumor selbst wird vor allem Mitotane eingesetzt, das gezielt Zellen der Nebennierenrinde zerstört. Im Rahmen der Therapie wird ein endokrinologisches Schutzmonitoring angesetzt. Dabei werden die Werte von ACTH, Cortisol und DHEAS geprüft.
  • Weil Mitotane und die Entfernung von Nebennierengewebe die eigene Hormonbildung ausschalten, ist begleitend eine dauerhafte Ersatztherapie mit Glukokortikoiden nötig. Diese bekämpft den Tumor nicht, sondern ersetzt das fehlende Cortisol und ist lebenswichtig.

Aussicht und Prognosen

Die Aussichten hängen entscheidend davon ab, um welchen Tumor es sich handelt. Für die große Mehrheit der Betroffenen ist die Prognose ausgezeichnet: Gutartige, hormoninaktive Nebennierentumore beeinträchtigen die Lebenserwartung nicht. Auch hormonaktive gutartige Tumore wie das Conn-Adenom, das Cushing-Adenom oder das Phäochromozytom lassen sich durch eine Operation in der Regel dauerhaft beseitigen, wobei sich Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen häufig zurückbilden. Die folgenden Zahlen beziehen sich ausschließlich auf das seltene bösartige Nebennierenrindenkarzinom.

Sind Nebennierentumoren ausschließlich in der Nebenniere zu finden, liegt die Fünfjahresüberlebensrate über 70 %. Je kleiner ein Tumor ist, desto höher sind die Heilungsaussichten. Die Überlebensrate liegt im frühen Stadium bei 90 %. Je weiter ein Tumor fortgeschritten ist, desto geringer sind die Heilungsaussichten und die Lebenserwartung. Ab Stadium IV (Endstadium) besteht in aller Regel keine Heilungschance mehr. Die Lebenserwartung beträgt zu diesem Zeitpunkt unbehandelt etwa ein Jahr, mit Chemotherapie zwei Jahre.

Nachsorge

Die Nachsorge wird zwischen Hausarzt/Internist, Klinik und Endokrinologe abgestimmt. Bei einem operativen Eingriff werden die Hautfäden nach 10 Tagen gezogen. Danach erfolgt eine bedarfsgerechte Anschlusstherapie wie zum Beispiel die Bestrahlung. Sind Patienten tumorfrei, werden regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen fällig, die das weitere Vorgehen individuell festlegen.

Auch nach der Entfernung eines gutartigen Tumors gehört die Kontrolle der Hormonwerte dazu. Wurde ein Cushing-Adenom operiert, muss die Kortisonersatztherapie langsam und ärztlich begleitet ausgeschlichen werden; eigenmächtiges Absetzen kann eine lebensbedrohliche Krise auslösen. Nach der Operation eines Phäochromozytoms sind lebenslange Kontrollen üblich, weil der Tumor auch nach Jahren erneut auftreten kann. Bei einem belassenen Zufallsbefund werden Größe und Hormonproduktion zunächst in Abständen von einigen Monaten bis Jahren überprüft.

Quellen

  • Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M.: Checkliste Endokrinologie und Diabetologie.
    ISBN: 9783132454132
  • Allolio, B., Schulte, H. M. (Hrsg.): Praktische Endokrinologie.
    ISBN: 9783437593253
  • Stalla, G.K. (Hrsg.): Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin - Endokrinologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783437211843
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

Das könnte Sie auch interessieren