Nephrektomie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Nephrektomie wird die chirurgische Entfernung einer Niere bezeichnet. Mögliche Indikationen für eine operative Entfernung der Niere sind ein Niereninfarkt oder eine Organfehlbildung. Am häufigsten wird eine Nephrektomie heute bei bösartigen Nierentumoren durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nephrektomie?

Nephrektomie
Als Nephrektomie wird die chirurgische Entfernung einer Niere bezeichnet.

Bei der Nephrektomie wird eine Niere operativ entfernt. Die Nieren sind als paarige Organe angelegt. Sie sind bohnenförmig, 10 bis 12 Zentimeter lang und 4 bis 6 Zentimeter breit. Ihr Gewicht variiert zwischen 120 und 200 Gramm. Hauptaufgabe der Nieren ist die Harnbildung. Dafür ist eine Filtration, Reabsorption und Konzentration des Urins nötig.

Zudem ist die Niere an der Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts sowie an der Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts beteiligt. Die erste Nephrektomie wurde am 2. August 1869 von dem Chirurgen Gustav Simon in Heidelberg durchgeführt. Vor dem Eingriff am Menschen hatte Simon die Nephrektomie an Tieren mehrfach trainiert. Mit der ersten Nephrektomie bewies Gustav Simon, dass eine gesunde Niere ausreicht, um die Urinausscheidung zu übernehmen. Vorher wurde angenommen, dass der Mensch mit nur einer Niere nicht lebensfähig ist.

Der Begriff Nephrektomie steht heute für eine ganze Gruppe von Eingriffen, die sich im Umfang deutlich unterscheiden. Bei der radikalen Nephrektomie wird die Niere mit ihrer Fettkapsel entfernt, bei der Nierenteilresektion nur ein Teil des Organs. Wird die Niere gemeinsam mit dem Harnleiter und einer Manschette der Harnblase entfernt, spricht man von einer Nephroureterektomie; sie kommt bei Tumoren des Nierenbeckens und des Harnleiters in Betracht, weil deren Zellen sich über den gesamten Harntrakt ausbreiten können. Einen Sonderfall bildet die Entnahme einer gesunden Niere bei einer Lebendspende: Hier wird nicht ein krankes Organ beseitigt, sondern ein gesundes gewonnen, und entsprechend anders sind Abwägung und Vorbereitung.

Von der Nephrektomie klar zu trennen ist die Nierenersatztherapie. Diese ersetzt eine ausgefallene Nierenfunktion, sei es durch ein maschinelles Verfahren oder durch ein Spenderorgan; die Nephrektomie dagegen entfernt ein Organ und ersetzt nichts. Ebenso wenig ist sie ein Schritt der Nierentransplantation: Ein Spenderorgan wird in aller Regel nicht an die Stelle der entfernten Niere gesetzt, sondern in die Beckengrube eingepflanzt, und die eigenen Nieren des Empfängers verbleiben dabei üblicherweise im Körper.

Nicht jede erkrankte Niere muss entfernt werden. Bei vielen Erkrankungen steht die Behandlung des Grundleidens im Vordergrund, und selbst bei einem Tumor wird zunächst geprüft, ob sich das Organ erhalten lässt. Die Entfernung ist die weitreichendste, nicht die naheliegendste Möglichkeit – sie ist endgültig, und die verbliebene Niere muss anschließend allein für die Ausscheidung aufkommen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Indikation für eine operative Entfernung der Niere ist der Niereninfarkt. Als Niereninfarkt wird eine Nekrose von Nierengewebe bezeichnet, die aufgrund von Durchblutungsstörungen und Sauerstoffunterversorgung (Ischämie) entstanden ist. Häufig wird der Niereninfarkt durch eine Thrombose hervorgerufen. Meist stammt das Blutgerinnsel dabei aus dem Herzen und wird mit dem Blutstrom in die Nierenarterie verschleppt (Embolie).

Diese kann aufgrund von Vorhofflimmern, Aneurysmen der Herzwand, Herzklappenersatz oder Entzündungen der Herzinnenhaut entstehen. Auch venöse Thrombosen können einen Niereninfarkt bedingen. Hier liegt meist eine Rechtsherzinsuffizienz zugrunde. Eine mögliche Ursache ist aber auch die Kompression der Nierenvenen durch einen Nierentumor.

Eine weitere Indikation für eine Nephrektomie sind rezidivierende Nierenentzündungen (Nephritiden). Bei der Nephritis sind in der Regel das Nierenfunktionsgewebe und das Nierenbecken entzündet. Meistens entstehen Nephritiden durch aufsteigende Infektionen aus den Harnwegen. Begünstigend wirken Nieren- und Harnsteine, Diabetes mellitus, Fehlbildungen und Schmerzmittelmissbrauch. Auch schwere Fälle von Nierensteinen (Nephrolithiasis) können eine Entfernung der Niere erforderlich machen.

Ferner kann eine Nephrektomie bei einer Hydronephrose indiziert sein. Eine Hydronephrose ist eine krankhafte Erweiterung des Nierenbeckens. Durch diese Erweiterung kommt es zu einer Harnabflussstörung. Das Nierenbecken ist aufgebläht, das Nierenparenchym hingegen verschmälert. Dieses Phänomen wird auch als Wassersackniere bezeichnet. Hydronephrosen können angeboren oder erworben sein. Ursachen der sekundären, also der erworbenen, Hydronephrose sind Verschlüsse der Harnwege durch Steine, Karzinome des Harnleiters, Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane oder Erkrankungen der Harnblase.

Schwere Organfehlbildungen erfordern ebenfalls eine Nephrektomie. Dasselbe gilt für bösartige Nierenerkrankungen. Nierentumore sind häufig Zufallsbefunde. Rund 90 Prozent aller bösartigen Nierentumore sind Nierenzellkarzinome. Seltener finden sich gutartige Tumore wie sogenannte Onkozytome.

Vor dem Eingriff steht eine Abklärung, die zwei Fragen beantworten muss: was in der betroffenen Niere vorliegt und was die andere Niere leisten kann. Den Anfang macht meist die Ultraschalluntersuchung, gefolgt von einer Computertomografie mit Kontrastmittel, die Größe, Lage und Ausdehnung eines Tumors, den Bezug zu den Gefäßen und einen möglichen Einbruch in die Nierenvene zeigt. Wo Kontrastmittel nicht in Frage kommt oder die Weichteile genauer beurteilt werden sollen, tritt die Magnetresonanztomografie an ihre Stelle. Hinzu kommen die Bildgebung des Brustkorbs und Laboruntersuchungen.

Die Funktion der Gegenseite lässt sich am Blutwert allein nicht ablesen, weil die gesunde Niere die kranke lange verdeckt. Wo diese Frage entscheidend ist, wird die Leistung beider Nieren getrennt bestimmt, unter anderem mit der Nierenszintigraphie. Erst danach lässt sich beurteilen, was der Verlust eines ganzen Organs für den betreffenden Menschen bedeutet – und ob nicht doch organerhaltend operiert werden sollte.

Ein Organerhalt wird besonders dann angestrebt, wenn nur eine Niere vorhanden ist, wenn beide Nieren betroffen sind oder wenn die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist. Bei kleinen Tumoren kommen daneben Verfahren in Betracht, die den Herd durch Hitze oder Kälte zerstören, sowie bei älteren Menschen mit Begleiterkrankungen die bloße Beobachtung mit regelmäßigen Kontrollen. Welcher Weg gewählt wird, hängt von Größe und Lage des Herdes, vom Alter, von der Nierenfunktion und von den Begleiterkrankungen ab.

Steht die Entscheidung für die Operation fest, folgt die Vorbereitung. Dazu gehören das Aufklärungsgespräch über Zugangsweg, Umfang und mögliche Erweiterungen des Eingriffs, die Vorstellung in der Narkoseabteilung, die Bestimmung der Blutgruppe und die Bereitstellung von Blutkonserven. Gerinnungshemmende Medikamente werden nach ärztlicher Vorgabe angepasst oder vorübergehend umgestellt; wie und ab wann, legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest, denn das Blutungsrisiko der Operation muss gegen das Risiko abgewogen werden, das ein Absetzen mit sich bringt. Am Operationstag bleibt der Patient nüchtern. Vor dem Eingriff werden zudem die Seite und der Ort der Operation nochmals überprüft und markiert – bei einem paarigen Organ ist das keine bloße Formsache.

Größere oder zentral gelegene Tumore werden im Rahmen einer radikalen Nephrektomie entfernt. Bei kleinen, auf die Niere begrenzten Tumoren wird dagegen nach Möglichkeit organerhaltend operiert und nur der Tumor mit einem Saum gesunden Gewebes herausgeschnitten (Nierenteilresektion). Bei der radikalen Nephrektomie wird die komplette Niere entfernt. Der Eingriff kann offen operativ oder laparoskopisch erfolgen. Bis vor wenigen Jahren war die offene radikale Nephrektomie noch das Therapieverfahren der Wahl bei Nierentumoren. Heute wird die laparoskopische Nephrektomie bevorzugt. Eine offene Operation wird dann durchgeführt, wenn eine laparoskopische Entfernung aufgrund der Größe des Tumors oder aufgrund von vorherigen Operationen nicht möglich ist.

Die Operation kann in überstreckter Seitenlage (retroperitoneal) oder in Rückenlage über einen Bauchschnitt (transperitoneal) durchgeführt werden. Die Nierengefäße werden abgeklemmt, sodass die Blutzufuhr unterbrochen ist. Anschließend wird die Niere mitsamt der Fettkapsel entfernt. Eventuell werden zusätzlich die Lymphknoten und die Nebenniere entfernt. Die Nebenniere sitzt der Niere auf. Im Gegensatz zur Niere ist sie nicht für die Harn-, sondern für die Hormonproduktion zuständig. In der Regel können die Patienten nach einer Nephrektomie nach 8 bis 10 Tagen wieder entlassen werden.

Die laparoskopische Schlüssellochtechnik wird heute vielfach roboterassistiert ausgeführt: Die Instrumente werden dabei nicht mehr unmittelbar von Hand geführt, sondern über eine Konsole gesteuert. Der Vorteil der minimal-invasiven Zugänge liegt in kleineren Wunden, geringerem Schmerzmittelbedarf und einer rascheren Erholung; die Entscheidung darüber fällt jedoch immer im Einzelfall und kann während der Operation revidiert werden, wenn sich die Übersicht als unzureichend erweist.

Ob die Nebenniere mitentfernt wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie bleibt heute in der Regel erhalten, wenn Bildgebung und Befund während der Operation keinen Hinweis auf eine Beteiligung ergeben. Ähnlich wird bei den Lymphknoten verfahren: Sie werden nicht routinemäßig, sondern bei begründetem Verdacht ausgeräumt.

Nach dem Eingriff steht zunächst die Überwachung von Kreislauf, Urinausscheidung und Wunde im Vordergrund. Eingelegte Drainagen und ein Blasenkatheter werden entfernt, sobald sie entbehrlich sind. Frühes Aufstehen und Atemübungen gehören von Anfang an dazu, weil sie Thrombosen und einer Lungenentzündung vorbeugen; die Schmerztherapie wird so bemessen, dass beides möglich ist. Nach einem Zugang durch die Bauchhöhle kommt der Darm mitunter erst verzögert wieder in Gang, weshalb der Kostaufbau schrittweise erfolgt.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Eine Operation und damit auch die Nephrektomie ist immer mit Risiken verbunden. Im Verlauf der Operation kann es zu Störungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen.

Da die Narkose die Schutzreflexe des Körpers ausschaltet, kann unter ungünstigen Bedingungen Mageninhalt in den Rachen, in die Luftröhre oder in die Lunge gelangen. Dadurch kann sich eine sogenannte Aspirationspneumonie entwickeln. Bei der Intubation zu Beginn oder bei der Extubation zum Ende der Narkose kann in seltenen Fällen ein Krampf der Stimmritze entstehen. Durch den Endotrachealtubus oder die Kehlkopfmaske werden der Hals und die Stimmbänder gereizt. Deshalb kann es nach der Operation zu Heiserkeit und Husten kommen. In seltenen Fällen können Stimmbandschäden zurückbleiben.

Gelegentlich werden beim Einführen des Laryngoskops die Frontzähne des Oberkiefers beschädigt. 20 bis 30 Prozent aller Patienten leiden nach der Narkose zudem unter Übelkeit und Erbrechen.

Auch wenn nach dem Eingriff möglicherweise nur eine kleine Narbe zurückbleibt, ist eine Schon- und Erholungsphase von 4 bis 6 Wochen nach der Operation nötig. Während der ersten 4 bis 6 Wochen nach der Operation ist das Thromboserisiko erhöht. Schmerzen in der Hüfte, im Bein oder im Sprunggelenk sowie Schwellungen der Beine sind immer als Warnzeichen zu werten. Infolge der Beinvenenthrombose kann sich eine lebensbedrohliche Lungenembolie entwickeln.

Hinzu kommen Risiken, die unmittelbar mit dem Zugang zur Niere zusammenhängen. Die Niere liegt hinter dem Bauchfell in unmittelbarer Nachbarschaft anderer Organe: Auf der linken Seite grenzen Milz und Bauchspeicheldrüsenschwanz an, auf der rechten Leber und Zwölffingerdarm. Alle können bei der Präparation verletzt werden. Nach oben reicht das Operationsgebiet bis an das Zwerchfell und die Umschlagfalte des Brustfells; wird diese eröffnet, kann Luft in den Brustraum gelangen und einen Pneumothorax verursachen, der eine Drainage erforderlich macht.

Die Nierengefäße sind kurz und kräftig, und die Nierenvene mündet unmittelbar in die untere Hohlvene. Eine Blutung an dieser Stelle ist die gefürchtetste Komplikation des Eingriffs und kann eine Bluttransfusion sowie die Umstellung auf ein offenes Vorgehen nötig machen. Auch eine Nachblutung in den Stunden und Tagen danach ist möglich und zeigt sich an Kreislaufveränderungen und an der Fördermenge der Drainage.

An der Bauchwand hinterlässt der Eingriff eigene Folgen. Wundheilungsstörungen und Infektionen der Wunde treten vor allem bei starkem Übergewicht, bei Zuckerkrankheit und bei Rauchenden häufiger auf. Später kann sich im Bereich der Narbe ein Narbenbruch bilden. Nach einem seitlichen Flankenschnitt bleibt mitunter eine Vorwölbung der Flanke zurück, die auf einer Schwäche der Bauchwandmuskulatur beruht und keine echte Bruchpforte ist; sie lässt sich operativ nur schwer beheben.

Nach der Nephrektomie muss die verbliebene Niere den Nierenfunktionsverlust ausgleichen. Deshalb vergrößert sie sich meist. In der Regel verläuft dieser Vorgang problemlos. Trotzdem sollten regelmäßig die Laborwerte durch den Arzt kontrolliert werden. Insbesondere die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR), die Kreatinin-Clearance und der Kreatinin-Wert sollten überwacht werden. Eine Überwachung durch den Internisten ist ebenfalls empfehlenswert. Dieser kann bei einer Funktionseinschränkung der Einzelniere gegebenenfalls rechtzeitig die Dialyse einleiten.

Langfristig ist vor allem die Belastung der verbliebenen Niere im Blick zu behalten. Sie übernimmt einen Teil, nicht aber die gesamte Leistung des entfernten Organs, sodass die Filtrationsleistung insgesamt niedriger bleibt als zuvor. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich daraus im Lauf der Jahre eine chronische Nierenkrankheit; Hinweise darauf sind ein steigender Blutdruck und Eiweiß im Urin (Proteinurie). Zur Dialyse führt das nach einer einseitigen Nephrektomie nur selten. Gerade weil der Verlauf schleichend ist und sich lange nicht bemerkbar macht, sind die regelmäßigen Kontrollen jedoch der einzige Weg, eine solche Entwicklung früh zu erkennen.

Was sich beeinflussen lässt, gewinnt damit an Gewicht. Eine gute Einstellung von Blutdruck und Blutzucker, ein normales Körpergewicht und der Verzicht auf das Rauchen schonen die verbliebene Niere. Schmerzmittel aus der Gruppe der entzündungshemmenden Präparate, die ohne Rezept erhältlich sind, sollten nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden, weil sie die Nierendurchblutung beeinträchtigen können. Auch vor Untersuchungen mit Kontrastmittel und vor der Verordnung neuer Medikamente sollte die eingeschränkte Nierensituation bekannt sein.

Wurde die Niere wegen eines Tumors entfernt, tritt eine strukturierte Tumornachsorge hinzu. Ihr Umfang richtet sich nach dem feingeweblichen Befund und dem Stadium der Erkrankung; sie verbindet die Kontrolle der Nierenfunktion mit der Suche nach einem Rückfall und läuft über mehrere Jahre.

Quellen

  • Hautmann, R., Gschwend, J. E.: Urologie.
    ISBN: 9783642343186
  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al.: Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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