Neuralgische Schulteramyotrophie

Die Neuralgische Schulteramyotrophie (Neuritis brachialis oder Parsonage-Turner-Syndrom) ist eine seltene neurologische Erkrankung. Erstmals wurde sie in den 1940er Jahren erwähnt. Der Erkrankung liegt eine akute Entzündung des Plexus brachialis (Armgeflecht) zugrunde. Eine Ursache für die Entstehung jener Entzündung konnte bislang nicht gefunden werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Neuralgische Schulteramyotrophie?

Impfungen, Virus-Infektionen, Operationen, Verletzungen oder starke körperliche Anstrengung gehen der Erkrankung meist voraus. Bei den meisten Patienten kann allerdings keine greifbare Ursache gefunden werden. Kennzeichen einer Neuralgischen Schulteramyotrophie sind starke Schmerzen im Bereich der Schulter- und Armmuskulatur, die in Lähmungen gipfeln können.

Diese Symptome weisen Ähnlichkeiten zu denen des zervikalen Bandscheibenvorfalls auf. Durch geeignete Untersuchungen kann eine Differenzialdiagnose ausgeschlossen werden. Die Neuralgische Schulteramyotrophie betrifft überwiegend Männer und tritt zumeist zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr auf.

Sie ist selten erblich bedingt und beginnt in diesem Fall gewöhnlich im ersten oder zweiten Lebensjahrzehnt. Die Inzidenz beträgt schätzungsweise 1,64 pro 100.000 Personen jährlich. Mehrheitlich ist der rechte Arm betroffen, wobei sie gleichermaßen beidseitig auftreten kann.

Ursachen

Die Ursache für die Entstehung der neuralgischen Schulteramyotrophie ist unbekannt. Allerdings konnte ein Zusammenhang mit dem Coxsackie-Virus und dem Zytomegalie-Virus gefunden werden. Weiterhin stehen Impfungen, körperliche Anstrengung und Heroinabhängigkeit im Verdacht die Entstehung der Erkrankung zu begünstigen.

In der Folge der genannten Faktoren kommt es zu einer Entzündung der Hüllscheiden des Plexus brachialis. Diese führt zu einer fehlerhaften Impulsübertragung, die wiederum starke Schmerzen und Lähmungen verursacht. Der Nerv ist geschädigt. Muskelfasern können daher nicht mehr ordnungsgemäß gesteuert werden und verschmälern sich. Klingt die Entzündung ab, kommt es zur erneuten Bildung der Hüllscheiden. Ihre Regeneration ist ein langwieriger Prozess, der sich bis zu einem Jahr ausdehnen kann.

Ursächlich dafür sind die sich langsam erneuernden beschädigten Nervenbestandteile. Andere Wissenschaftler sehen zirkulierende Immunkomplexe als Ursache der Plexusschädigung an. Bei diesen handelt es sich um Eiweißverbindungen, die im Blut zu finden sind. Genetisch bedingte Varianten sind selten, wobei sie bei Untersuchung in Betracht gezogen werden sollten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Neuralgische Schulteramyotrophie beginnt mit einem starken Schmerz im Bereich von Oberarm und Schulter. Dieser ist für viele Betroffene schwer erträglich und hält mehrere Tage bis Wochen an. Es handelt sich um einen Schmerz, der gleichermaßen bei Bewegung wie in Ruhephasen vorhanden ist. Lässt er nach, kommt es zur Schwäche des betroffenen Armes. Leichte Lähmungen der Schulter- und Oberarmmuskulatur sind die Folge. Diese können jedoch zu einer vollständigen Armplexusparese (Lähmung) führen.

Aufgrund der Entzündung wird dem Patienten das Anheben des entzündeten Armes erschwert oder unmöglich. Betroffene Muskeln sind Musculus deltoideus (Deltamuskel), Musculus supraspinatus (Obergrätenmuskel), Musculus infraspinatus (Untergrätenmuskel), Musculus serratus anterior (vorderer Sägemuskel) und Musculus trapezius (Trapezmuskel). Der Plexus cervicalis ist meist nicht von der Entzündung betroffen. Es kommt selten zu einer Entzündung von Zwerchfell, Musculus biceps brachii (Bizeps), einzelner Nerven und Nervenäste.

Auch Empfindungsstörungen im Bereich von Arm und Hand sind bei wenigen Patienten zu beobachten. In den meisten Fällen kann eine Atrophie (Gewebsschwund) der denervierten Muskeln beobachtet werden. Ein bei Bewegungen hervorstehendes Schulterblatt (Scapula alata) ist typisch für eine Neuralgische Schulteramyotrophie.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt wird zunächst eine Anamnese und neurologische Untersuchungen durchführen. Blutuntersuchungen sind bei diesem Krankheitsbild untypisch. Allerdings können erhöhte Antikörper gegen das Coxsackie-Virus im Blut nachgewiesen werden. Ein positiver Befund kann auf eine Neuralgische Schulteramyotrophie hindeuten.

Untersuchungen des Nervenwassers werden eingesetzt, um eine mögliche Erhöhung des Gesamteiweißes feststellen zu können. Ist eine Nervenwasseruntersuchung positiv, kann dies Ausdruck einer Zellschädigung oder eines Anstiegs der Entzündungszellen sein. Da die Symptome der Neuralgischen Schulteramyotrophie denen der Reizung von Hals-Nervenwurzeln (bedingt durch Bandscheibenvorfall oder Verschleiß) ähneln, kommt es gelegentlich zu einer Fehldiagnose.

In diesem Fall kann eine elektromyographische Untersuchung zu einem eindeutigen Befund führen. Bei dieser Methode wird die Muskelaktivität mittels konzentrischer Nadelelektroden gemessen. Sollte dennoch Zweifel bestehen, ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) zum Nachweis von zervikalem Bandscheibenvorfall und Verschleiß der Halswirbelsäule sinnvoll.

Komplikationen

In cica 25 Prozent aller Fälle heilt die neuralgische Schulteramyotrophie nicht vollständig ab. Dann bleibt das Schultergelenk dauerhaft gelähmt. Der Heilungsprozess ist von der Entwicklung der Erkrankung in den ersten beiden Monaten abhängig. Aber auch wenn der Heilungsprozess ideal verläuft, dauert es in der Regel zwei Jahren bis zur Beschwerdefreiheit.

Bei der neuralgischen Schulteramyotrophie kommt es zur Kapselschrumpfung im Schultergelenk. Aufgrund dessen können Komplikationen auftreten, die sich zunächst in Lähmungserscheinungen äußern. Bei Lähmung der Rotorenmanschette besteht dann ständig die Gefahr einer Luxation oder Subluxation. Eine Luxation bedeutet die vollständige Auskugelung des Schultergelenks, während bei einer Subluxation eine unvollständige Auskugelung vorliegt.

Um das Risiko einer Auskugelung zu verringern, sollte um das Schultergelenk ein Verband angelegt werden. Eine Kapselschrumpfung kann mit passivem Bewegen der Schulter reduziert werden. Allerdings besteht auch dann keine Garantie für eine komplikationslose Heilung. Bisher gibt es noch kein richtiges Behandlungskonzept für diese Erkrankung, daher benötigt der Patient viel Geduld. Neben Schmerzmitteln wird oftmals auch Kortison eingesetzt.

Allerdings ist diese Therapie umstritten, weil eine dauerhafte Kortisonbehandlung meist zu schweren Nebenwirkungen führt. Dabei kann sich das Vollbild eines Cushingsyndroms entwickeln. Neben Stammfettsucht mit Vollmondgesicht und Wassereinlagerung im Körper kommt es dann auch zu psychischen Veränderungen. Aber auch ohne medikamentöse Behandlung können psychische Probleme auftreten, weil sich der Heilungsprozess so lange hinzieht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schmerzen im Bereich der Schulter oder des Oberarms sind die ersten charakteristischen Merkmale der neuralgischen Schulteramyotrophie. Entstehen sie nicht durch eine aktuelle Überbeanspruchung des Körpers, müssen sie weiter beobachtet werden. Nehmen die Schmerzen an Intensität zu oder halten sie über mehrere Tage unvermindert an, ist ein Arztbesuch notwendig. Die Einnahme eines schmerzstillenden Medikamentes sollte nur in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Andernfalls können weitere Unstimmigkeiten auftreten.

Kommt es zu Schlafstörungen, einer inneren Unruhe oder sinkt die allgemeine Belastbarkeit, wird ein Arzt benötigt. Können die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden oder können die gewohnten sportlichen Aktivitäten nicht mehr wahrgenommen werden, ist die Konsultation eines Arztes anzuraten. Bei Lähmungserscheinungen, Einschränkungen des Bewegungsapparates sowie einer Fehlhaltung des Oberkörpers benötigt der Betroffene ärztliche Unterstützung. Beschwerden bei Drehbewegungen oder dem Heben des Armes sind ungewöhnlich und müssen einem Arzt vorgestellt werden.

Eine Ursachenklärung ist notwendig, damit es zu keinen weiteren Beeinträchtigungen oder dauerhaften Schäden des Organismus kommt. Sensibilitätsstörungen, Taubheitsgefühle auf der Haut oder eine Überempfindlichkeit bei Druck sowie Berührung der betroffenen Stellen am Körper, sind von einem Arzt untersuchen zu lassen. Sinkt die allgemeine Lebensqualität, kommt es aufgrund der Beschwerden zu Verhaltensauffälligkeiten oder Stimmungsschwankungen, sollte der Betroffene eine medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung beginnt meist mit dem Einsatz von sogenannten Opioiden. Dabei handelt es sich um zentral wirksame Mittel, die den Schmerz verringern. Nach Erhalt der Diagnose fördert die Abduktionsstellung den Genesungsprozess. Bei dieser Stellung wird der Arm vom Körper weg gehoben. Auf diese Weise kann einer eintretenden Versteifung der Schultergelenkkapsel (genauer der Rotatorenmanschette) entgegenwirkt werden.

Ansonsten führt diese zur Luxation (Verrenkung) oder Subluxation (Ausrenkung) des Schultergelenks. Ein Verband wird unumgänglich. Bei den meisten Patienten (75 %) kommt es innerhalb von zwei Jahren nach Entstehung der Erkrankung zu einer vollständigen Heilung. Geduld ist unabdingbar. Um Beweglichkeit und Kraft von Arm und Schultergelenk zu erhalten, ist Krankengymnastik erforderlich.

Sie erzielt gute Ergebnisse bei Patienten mit Neuralgischer Schulteramyotrophie. Da die Entzündung der betroffenen Muskeln zum Stillstand gebracht werden muss, wird häufig Cortison eingesetzt. Die Verwendung dieses Medikaments ist bei dieser und zahlreichen anderen Erkrankungen umstritten. Bei regelmäßiger Einnahme kann Cortison psychische Veränderungen bewirken.

Weiterhin kann es zu Magenblutungen, Muskelschwund und zu anderen Symptomen und Erkrankungen kommen. Ruhe und die Bestrahlung mit Rotlicht haben hingegen keine Nebenwirkungen. Diese Maßnahmen werden von Ärzten und Physiotherapeuten empfohlen.

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Vorbeugung

Derzeit sind keine Maßnahmen zur Prophylaxe bekannt.

Das können Sie selbst tun

Erkrankte einer neuralgischen Schulteramyotrophie sollten gut auf die Signale ihres Körpers achten. Belastungssituationen oder Überanstrengungen sind zu vermeiden. Bei einer vorliegenden Entzündungserkrankung ist diese stets auszukurieren. Der Betroffene schadet sich selbst, wenn er seinen Körper vor einer vollständigen Genesung einer zu hohen Belastung aussetzt.

Damit Entzündungen im Organismus besser abheilen, wird ein stabiles Immunsystem benötigt. Dies kann durch eine gesunde Lebensform sowie eine ausgewogene Ernährung unterstützt werden. Der Konsum von Schadstoffen wie Nikotin und Alkohol ist zu unterlassen. Die Nahrungsmittel sollten vitaminreich sein. Der tägliche Kalorienbedarf ist nach dem vorhandenen Gewicht zu ermitteln. Ein vorhandenes Übergewicht ist nach Möglichkeit abzubauen, da dieses die Muskeln, Knochen sowie Sehnen zusätzlich beansprucht. Die Erkrankung geht mit starken Schmerzen im Bereich der Schultern oder das Armes einher. Dennoch sollte keine eigenverantwortliche Einnahme von Schmerzpräparaten erfolgen. Vielmehr helfen Entspannungstechniken oder Mentaltrainings, um den Geist zu unterstützen. Auf diesem Wege kann das Schmerzempfinden beeinflusst werden.

Zusätzlich sind Fehlhaltungen oder einseitige Belastungen des Körpers zu vermeiden. Diese lösen neue Beschwerden aus und führen insgesamt zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens. Kommt es zu einer dauerhaften Lähmung der Schulter, sollte der Betroffene eine emotionale Unterstützung in Anspruch nehmen. Andernfalls steigt das Risiko für psychische Folgeerkrankungen.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 28. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

stößlein kommentierte am 27.09.2015

Diese Erkrankung hatte ich vor 16 Jahren. Ich hatte allerdings nie Schmerzen in Schulter oder Oberarm. Die Paresen mit nachfolgender Atrophie der betroffenen Muskeln sind leider unverändert. Jetzt habe ich die gleichen Symptome im linken Arm, aber nach umfangreicher Diagnostik im Bergmannsheil Klinikum Bochum wurde eine erneute neuralgische Schulteramyotrophie ausgeschlossen. Der MRT-Befund dokumentierte eine Stenose im HWS-Bereich. Nach der OP sind leider bisher keinerlei Verbesserungen der ausgeprägten Paresen eigetreten. Hat jemand einen Rat?

Friedrich kommentierte am 26.01.2017

Anfang 2015 hatte ich auf einmal heftigste Schmerzen von einem Unterarm, über die Schultern, bis zum anderen Unterarm. Gleichzeitig habe ich unter heftigster Atemnot bei bestimmten Bewegungen und im Liegen gelitten. Die Schulterschmerzen verschwanden nach ca. zwölf Tagen, die Atemnot und die geschwächte Schulter blieben. Nach zwölf Tagen Krankenhaus, verschiedenen Untersuchungen, aber ohne wirkliche Diagnose, wurde ich entlassen. Nach zwei Monaten landete ich bei einer Neurologin, die nach einer halbstündigen Untersuchung folgendes diagnostizierte: Neuralgische Schulteramyotrophie mit teilweiser Zwerchfelllähmung. Die Probleme haben sich durch intensive Physio und Gerätetrainung unter Aufsicht gut zurückgebildet, die Atemnot ist trotz Atemtherapie nicht wirklich besser geworden, sie ist sehr ermüdend und zermürbend, so dass ich stark in meiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt bin. Schlafen kann ich mit einem atemunterstützenden Gerät. Hinweise zu Therapieansätzen zur Atemproblematik sind erwünscht.

Philipp kommentierte am 21.09.2017

Schreibe das, um Hoffnung für Leidensgenossen/innen zu geben. Ich hatte schon mittlerweile zwei solcher Erkrankungen, wobei die erste recht milde angefangen hat und ich nur nach einem halben Jahr eine nachträgliche Diagnose vom Neurologen bekam. 2004 bin ich nachts aufgewacht, weil ich kaum auf der rechten Seite liegen konnte. Nach nächtlicher Gymnastik wurde es nicht besser. Also ging ich ins nächste KH. Dort und in einem anderen KH wurde ich abgewiesen. Zuhause mit Ibuprofen zugedröhnt und nicht mehr ins Bett gegangen, weil im Liegen alles schlimmer wurde. Am nächsten Tag schickte mich der Hausarzt zum Chirurgen. In der Zwischenzeit sind die Schmerzen verschwunden und der rechte Arm war schlapp, inkl. abstehenden Schulterblatts. Vom Chirurgen bekam ich sechsmal Physiotherapie verschrieben. Diagnose nannte er nicht. Nach 18mal keine Besserung. Dann ging ich zum Orthopäden. Er wollte ein MRT vom Schultergelenk. War nichts festzustellen. Darauf verwies er mich zum Neurologen. Nach 30 Minuten und einem Stecher zwischen die Rippen war seine nachträgliche Diagnose, dass der Thorazikus Longus vor einem halben Jahr entzündet gewesen sein soll. Nach knapp zwei Jahren war der Arm wieder so stark wie davor. Schmerzen waren auch keine mehr. November 2016 bin ich wieder mit starken Schmerzen nachts aufgewacht. Gymnastik und heiße Dusche halfen nicht. Bin dann ins KH gegangen. Habe dort auf ähnliche Erkrankung und Diagnose des Neurologen verwiesen. Diesmal durfte ich gleich dort bleiben. Nach dritter Schmerzmittelinfusion gaben die mir irgendwann Tramal, was die Schmerzen endlich linderte. Am nächsten Tag waren die heftigen Schmerzen weg (wohl nur durch Opiate), aber dafür entwickelte sich eine Lähmung im Arm. Nach neun Tagen KH und zahlreichen Untersuchungen, war die Diagnose "neuralgische Schulteramyotrophie". Wahrscheinlich durch einen Infekt. Test auf mehrere infrage kommende Viren war negativ. Drei Wochen Schonung zuhause. Die Lähmung blieb noch weitere Monate vorhanden, ging aber schubweise weg. Am schlimmsten waren die ersten Monate, da man teilweise über Wochen keine Besserung spürte, nur manchmal gab es ein leichtes Kribbeln im Nacken und Schulter. Irgendwann habe ich schon aus Verzweiflung mein EMS/TENS-Gerät auf die betroffenen Muskelpartien aufgelegt. Zu meiner Verwunderung hat es am nächsten Tag sehr gut gegen Schmerzen geholfen. Vermute, dass die Nervenstimulation etwas bewirkt hat. Habe das Gerät danach noch monatelang jeden Tag benutzt. Als die Schmerzen dann erträglich waren, konnte ich im Fitnessstudio die schlappe Muskulatur stärken. Positiver Kreislauf: je mehr ich trainierte, desto weniger Schmerzen und mehr Kraft hatte ich. Nun sind schon zehn Monate vergangen und ich kann wieder alles tun, was ich davor gemacht habe. Was mich bis zu neun Monate noch begleitet hat, war die zusätzliche, halbseitige Zwerchfelllähmung. Ich hatte so gut wie keine Bauchatmung mehr. Einatmen ging nur bis zur Hälfte des Lungenvolumens. Brustkorb ging raus, Bauch ging rein. Beim Schwimmen hatte ich das Gefühl, als ob ich ein Korsett tragen würde. Sollte mich ein frisch Betroffener fragen, was er machen soll, würde ich empfehlen ein EMS/TENS-Gerät zu besorgen (gibt welche für >200€, aber meins hat knapp 35€ gekostet und hat vier Elektroden) und versuchen auf dem Plexus Brachialis Schulterblattgegend zu platzieren. Vom ersten Tag an, den Arm (Schultergelenk) mit Hilfe des gesunden Armes in jeder freien Minuten bewegen. Wenn die Schmerzen es zulassen mit etwas Gewicht belasten. Ich bin an Rudergeräte mit minimalem Gewicht im Fitnessstudio gegangen. Wenn die Schmerzen größer werden oder es anfängt zu brennen, sofort aufhören und lieber einen Tag Pause machen. Diese Übung hat bei mir das Schulterblatt gut trainiert/stabilisiert. Wichtig ist das Wissen, dass man in den ersten Monaten nur wenig Fortschritt sehen könnte, erst dann (wie in meinem Fall) deutlich eine Besserung fühlen kann. Die meisten Physiotherapeuten haben nur wenig bis gar keine Erfahrung damit. In meinem Fall waren es vier.

DaBertl kommentierte am 30.10.2018

Meine neuralgische Schulteramyotrophie wurde durch die Gabe von Lidocain ausgelöst. Vier Stunden nach der Injektion brach die Hölle los. Leider, und das ist sehr traurig, diagnostizieren Hausärzte, Orthopäden und Neurochirurgen auch heute noch falsch und schießen mit MRT, CT und Röntgen ins Nirvana. Bedenkt man hierbei, wie lange es dauert, diese Termine, mit unserem auf Privatpatienten ausgelegtem System, zu bekommen, kann man davon ausgehen, dass bei den Patienten wichtige Wochen der Genesung sinnlos ins Land ziehen. Wochen mit Schmerzen! Echten Schmerzen!
Schade ist auch, dass selbst Neurologen nur sagen, was man hätte alles machen können, aber die Heilung muss anscheinend von selbst kommen. Offen ist noch die auf einigen Seiten empfohlene Gabe von Kortikosteroiden zur Genesung. Warum dies von Vorteil sei, bzw. warum wird dieser Hinweis nicht generell auf allen Infoseiten mit erwähnt?