Atrophie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Atrophie ist eine Verkleinerung eines Gewebes oder Organes. Die Zellen der betroffenen Stelle verlieren an Volumen und Masse. Dies kann sowohl physiologische als auch pathologische Ursachen haben. Die Atrophie ist dabei keine eigenständige Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für einen Befund, der ganz unterschiedliche Ursachen haben kann.
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Was ist eine Atrophie?
Bei einer Atrophie handelt es sich um einen Gewebsschwund, der durch eine Verkleinerung oder Verminderung der Zellen in Geweben und Organen hervorgerufen wird. Dies führt zu einer teilweisen oder vollständigen Verkleinerung des betroffenen Gewebes oder Organs. Möglich ist dies durch die Apoptose, also den programmierten Zelltod.
Die eigentliche Form der betroffenen Stelle kann bei einer Atrophie erhalten bleiben oder aber verändert sein. Ursachen einer Atrophie können in etwa eine schlechte Ernährung, Mutationen, eine schlechte Durchblutung, eine stark verminderte Nervenversorgung, ein Nichtgebrauch der Muskulatur oder ein übermäßiges Absterben der Zellen sein. Eine Atrophie kann physiologisch und pathologisch sein sowie das gesamte System betreffen oder begrenzt auftreten.
Physiologisch kommt diese im menschlichen Wachstumsprozess vor und ermöglicht die notwendigen Veränderungen der Organismen. Anders als bei der pathologischen Atrophie ist dieser Gewebsschwund erforderlich und eine wichtige Funktion des Wachstums. Bis zu einem gewissen Grad ist die pathologische Gewebsverminderung reversibel, also zu der normalen Größe umkehrbar. Am besten gelingt das bei der Inaktivitätsatrophie der Muskulatur, etwa nach längerer Bettlägerigkeit oder nach dem Tragen eines Gipsverbandes.
Ursachen
Die Atrophie hat viele unterschiedliche Ursachen, die sowohl physiologischer als auch pathologischer Natur sein können. Die pathologische Form entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau der Struktur. Die Altersatrophie hat genetische Ursachen und der Moment des Eintretens hängt vom Alter des Patienten und der Organdisposition ab.
Einige Organe haben ihren Nutzen früh erfüllt und werden frühzeitig abgebaut. Diese Atrophie nennt sich Involution. Der Thymus atrophiert nach Erwerb der Geschlechtsreife und wird durch Fettgewebe ersetzt. Auch das Knochenmark verändert sich im Laufe des Lebens. Im Kindesalter befindet sich in der gesamten Markhöhle blutbildendes Parenchym, also rotes Mark. Mit zunehmendem Alter atrophiert das rote Mark an den meisten Stellen und wird ebenfalls durch Fettgewebe ersetzt.
Der Gewebsschwund in den Eierstöcken leitet die Menopause beim weiblichen Geschlecht ein. Die Produktion des Spermas beim Mann wird ebenfalls reduziert, bleibt aber teilweise erhalten. Die Hungeratrophie verursacht eine Verminderung des allgemeinen Fettgewebes, der Skelett- und Herzmuskulatur sowie der inneren Organe. In diesem Falle ermöglicht die Atrophie eine Energiezufuhr während einer stark verminderten Nahrungszufuhr. Ein ungenutzter Muskel atrophiert auch, was überwiegend der Fall bei bettlägerigen älteren Patienten ist.
Diese wird als Inaktivitätsatrophie bezeichnet. Sie lässt sich durch gezieltes Training weitgehend rückgängig machen. Eine starke Verminderung der Blutzufuhr kann nach geraumer Zeit ebenfalls zu einem Absterben der Zellen führen und heißt Energiemangelatrophie. Fällt dagegen die Nervenversorgung eines Muskels aus, etwa nach einer Nervenverletzung, spricht man von einer neurogenen Atrophie; diese bildet sich nicht mehr von selbst zurück, solange der Nerv geschädigt bleibt. Eine Druckatrophie ist bedingt durch einen chronischen Druck auf Organe oder Knochen. Im Gehirn können mit steigendem Alter gewisse Formen der Atrophie entstehen. Bei Krankheiten wie Parkinson, Demenz und Alzheimer ist der Gewebeschwund allerdings eine Folge der Erkrankung und nicht deren Ursache.
Symptome, Anzeichen & Beschwerden
Die Symptome und Beschwerden einer Atrophie hängen von dem betroffenen Organ ab. Eine Muskelatrophie ist durch eine Verkleinerung der betroffenen Muskulatur gekennzeichnet, etwa an einem Arm oder einem Bein. Diese verursacht Schwierigkeiten beim Gehen und bei der Erhaltung der Balance. Die betroffene Stelle ist taub, geschwollen und kribbelt. Ist die Gesichtsmuskulatur geschwächt, treten Schwierigkeiten beim Essen und Sprechen auf. Der Patient fühlt eine Ermüdung im gesamten Körper.
Im schlimmsten Fall ist die Muskelpartie paralysiert. Eine Atrophie der Ovarien leitet die Menopause ein. Erste Symptome dieser sind Schlafstörungen, Zyklusschwankungen und Stimmungsschwankungen. Die Östrogenhormone sinken und die Stresshormone steigen. Viele Frauen klagen über ein Spannungsgefühl und Ziehen in der Brust kurz vor der Regelblutung.
Schließlich bleibt die Monatsblutung komplett aus. Eine Organatrophie führt zu einem Verlust oder einer Verminderung der Funktion dieser. Bei einer Optikusatrophie ist der Sehnerv stark geschädigt. Dies verursacht eine Verminderung der Sehstärke oder sogar Blindheit.
Diagnose & Verlauf
Da eine Atrophie jedes Gewebe und Organ betreffen kann, fallen die Diagnose und der Krankheitsverlauf unterschiedlich aus. Eine Minderung der Zellzahl und -größe kann mikroskopisch festgestellt werden. In der Praxis ist dafür jedoch nur selten eine Gewebeprobe nötig: Ein Muskelschwund fällt bereits bei der körperlichen Untersuchung und im Ultraschall auf, ein Schwund innerer Organe oder des Gehirns wird in der Computer- oder Magnetresonanztomographie sichtbar. Bis zu einem gewissen Grad ist die Atrophie reversibel.
Komplikationen
Bei der pathologisch bedingten Atrophie tritt ein Ungleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau der Zellstrukturen auf, das zu verschiedenen Komplikationen und Gesundheitsstörungen führt. Diese Minderung der Zellanzahl und Zellgröße kann jedes Organ im Körper betreffen. Unkompliziert verläuft die Atrophie der Ovarien, die die Menopause mit Symptomen wie Schlafstörungen, Spannungsgefühlen in den Brüsten sowie Stimmungsschwankungen ankündigt, bis die Monatsblutung schließlich ganz ausbleibt.
Männer leiden mitunter unter einer Atrophie der Hoden. Die Hirnatrophie dagegen verläuft kompliziert und ist nicht heilbar, sondern kann durch individuelle Therapieansätze lediglich verlangsamt werden. Als Folge können Demenz, Alzheimer und Parkinson auftreten. Eine Muskelatrophie führt im schlimmsten Fall zu Bewegungs- und Koordinationsschwierigkeiten.
Die betroffenen Muskelbereiche weisen Lähmungserscheinungen und Sensibilitätsstörungen auf, die Nahrungsaufnahme und das Sprechen fallen schwer und der Patient fühlt Ermüdungserscheinungen. Je nach Schwere der auftretenden Komplikationen kann die Muskelatrophie durch Bewegungstherapie und durchblutungsfördernde Medikamente behandelt werden. Die Altersatrophie ist ein genetisch bedingter Gewebeabbau, der vom Alter und der Organdisposition der Patienten abhängt.
Bei sich im Wachstum befindlichen Menschen haben einige Organ- und Zellstrukturen ihren Nutzen vorzeitig erfüllt. Daher erfolgt eine frühzeitige Atrophie, die als Involution bezeichnet wird. Die abgebauten Strukturen werden durch Fettgewebe ersetzt. Auch das Knochenmark ist mit zunehmendem Alter von diesem genetisch bedingten Vorgang betroffen. Da es sich bei der Altersatrophie um einen natürlichen Vorgang handelt, ist eine Behandlung nicht notwendig.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei dem Verdacht auf eine Atrophie sollte zeitnah mit dem Hausarzt gesprochen werden. Je nach Art und Ausprägung der Atrophie deuten verschiedene Warnzeichen auf einen schweren Verlauf hin. Wenn Schwierigkeiten beim Gehen und bei der Erhaltung der Balance auftreten, liegt womöglich eine Muskelatrophie vor. Es muss sofort ein Arzt konsultiert werden. Der Mediziner kann die Atrophie anhand der körperlichen Untersuchung und bildgebender Verfahren feststellen und gegebenenfalls direkt eine Behandlung veranlassen.
Besonders dringend ist der Arztbesuch, wenn zu den genannten Symptomen Schwellungen und Schmerzen hinzukommen oder die betroffene Stelle plötzlich taub oder sehr berührungsempfindlich wird. Spätestens, wenn Schwierigkeiten beim Essen und Sprechen sowie generell Ermüdungserscheinungen hinzukommen, muss mit einer Muskelatrophie zum Arzt gegangen werden.
Beim Verdacht einer Ovarien-Atrophie ist ein Besuch beim Frauenarzt anzuraten. Typische Symptome wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Menstruationsbeschwerden sollten auch unabhängig von einer Atrophie abgeklärt werden. Eine Verminderung der Sehstärke oder sogar Blindheit deutet auf eine Optikusatrophie, die unverzüglich behandelt werden muss.
Behandlung & Therapie
Nicht jede Atrophie kann therapiert werden. In einigen Fällen kann diese lediglich verlangsamt werden wie im Falle einer Hirnatrophie. Je nach Form und Ursache der Atrophie muss ein weiterer Gewebsabbau verhindert und der Stoffwechsel angeregt werden. Um einen weiteren Muskel- und Gelenkverlust zu verhindern, muss die betroffene Stelle physiotherapeutisch behandelt werden. Eine Inaktivitätsatrophie der Muskulatur lässt sich durch gezieltes Bewegungs- und Krafttraining über Wochen bis Monate weitgehend rückgängig machen. Bei einer neurogenen Atrophie, bei der der versorgende Nerv geschädigt ist, gelingt das nicht; hier zielt die Behandlung darauf, die verbliebene Kraft zu erhalten.
Dabei helfen Bewegungstherapie, Lagerung und Kühlung. In der medikamentösen Therapie können Schmerzmittel eingesetzt werden oder durchblutungsfördernde Medikamente. Oft ist eine verminderte Durchblutung die Ursache einer Atrophie. Falls eine orthostatische Hypotonie der Grund einer Durchblutungsminderung ist, können Stützstrümpfe und eine erhöhte Wasser-Salzzufuhr wirksam sein.
Die Parkinson-Erkrankung kann mit Dopaminergika behandelt werden, die den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen. Damit werden vor allem die Beschwerden gelindert; das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich dadurch nicht aufhalten. Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Bei einer Hungeratrophie sind meist viele Teile des Körpers betroffen. In diesem Fall steht eine langwierige Therapie bevor. Die Nahrungszufuhr muss gesteigert und das Stoffwechselgleichgewicht wieder hergestellt werden.
Aussicht & Prognose
Die Prognoseaussichten einer Atrophie sind individuell und hängen von der vorliegenden Ursache ab. Eine Inaktivitätsatrophie bildet sich unter Training in der Regel weitgehend zurück. Bei einer neurogenen Atrophie und bei fortschreitenden Grunderkrankungen gelten die Aussichten dagegen als weniger günstig. Im schlimmsten Fall kann der Fortschritt des Gewebeschwunds mit den derzeitigen medizinischen Möglichkeiten nicht gestoppt werden.
Er schreitet unaufhaltsam voran, bis das Gewebe vollständig verschwunden ist. Dies ist abhängig von der betroffenen Region und dem beschädigten Gewebe. Folgeerscheinungen und weitere Beeinträchtigungen bei der Lebensführung treten ein.
Bei einigen Ausprägungen der Erkrankung ist das Behandlungsziel, den Fortschritt des Gewebeverfalls möglichst lange hinauszuzögern. Parallel werden Therapien mit gezielten Trainings zu Aufrechterhaltung bestimmter körperlicher Funktionsmöglichkeiten angeboten. In einer medikamentösen Behandlung werden gezielt Nebenwirkungen und zusätzliche Beschwerden der Krankheit gelindert, um die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern.
Bei diesen Formen ist mit einer Heilung oder vollständigen Genesung nicht zu rechnen. Derzeit gibt es nach dem wissenschaftlichen und medizinischen Stand keine ausreichenden Möglichkeiten, die zugrunde liegenden Nerven- und Hirnerkrankungen zu heilen. Wird eine Therapie grundsätzlich abgelehnt, verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand schrittweise.
Beschwerden nehmen zu und vermindern das allgemeine Wohlbefinden immens. Häufig ist keine Bewältigung des Alltags mehr ohne eine Hilfe möglich. Mit einer medizinischen Versorgung lässt sich das Leben des Patienten häufig verlängern, da der Abbauprozess des Gewebes beeinflusst wird.
Vorbeugung
Einer genetisch fixierten Atrophie kann nicht vorgebeugt werden. In der physiologischen Form ist dies auch nicht nötig. Der pathologischen Atrophie kann durch regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung und das Meiden von toxischen Substanzen sowie der unnötigen Einnahme von Hormonen vorgebeugt werden. Bei bettlägerigen Patienten sind physiotherapeutische Maßnahmen unumgänglich. Zudem ermöglicht eine ausgewogene Ernährung eine gerechte Energiezufuhr zu allen Organen.
Nachsorge
Eine Atrophie bringt die Verkleinerung eines Gewebes oder Organs mit sich. Diese Erkrankung kann man oft nicht heilen. Gerade bei genetischen Ursachen ergibt sich eine ungünstige Prognose. Die Nachsorge kann daher nicht darauf zielen, eine erneute Erkrankung zu verhindern. Vielmehr geht es darum, den Patienten im Alltag zu unterstützen und Komplikationen abzustellen.
Es ist wichtig, das Fortschreiten zu verlangsamen. Ärzte verschreiben dazu meist Physiotherapien. Sie regen den Stoffwechsel an und hemmen durch geeignete Übungen den Abbau in bestimmten Körperregionen. Aber auch Medikamente können, je nach Ursache, den Fortgang der Erkrankung aufhalten. Oberstes Ziel besteht darin, den Gewebeverfall zu stoppen.
Im fortgeschrittenen Stadium benötigen Erkrankte oft Hilfe im Alltag. Eine Berufsausübung ist kaum noch gegeben. Komplikationen treten vor allem auf, wenn Therapien nicht in Anspruch genommen werden. Eine Atrophie bringt eine regelmäßige Vorstellung beim Arzt mit sich. Patienten können selbst aktiv werden, um eine nicht genetisch bedingte Atrophie aufzuhalten.
Wichtig sind Vorbeugemaßnahmen wie eine regelmäßige Bewegung und abwechslungsreiche Ernährung. Alkohol und Nikotin sind zu meiden. Eine Atrophie ist an unterschiedlichen Körperstellen möglich.
Das können Sie selbst tun
Da eine Atrophie viele Ursachen haben kann, die den Lebensstil des Betroffenen oder auch pathologische Ursachen umfassen, sind die Maßnahmen zur Selbsthilfe nur bedingt wirksam. So gibt es keine nennenswerten Möglichkeiten, die Betroffene einer genetisch bedingten Atrophie ergreifen können. Auch im Falle einer sehr weit vorangeschrittenen Atrophie, bei welcher schon viel Gewebe verloren ging, sind die Maßnahmen auf das Verlangsamen des Abbaus des restlichen Gewebes beschränkt.
Eine Atrophie ist aber häufig noch zu verlangsamen oder auch umzukehren, wenn Betroffene ihre Ernährung anpassen. Die Nährstoffversorgung muss deutlich erhöht werden, wobei der Stoffwechsel derart aktiviert werden muss, dass er effizient arbeitet. Es muss also eine ausgewogene Ernährung zusammengestellt werden, die gleichzeitig mehr Nährstoffe (und Kalorien) mit sich bringt als benötigt werden.
Auch eine mangelnde Durchblutung kann eine Atrophie begünstigen. Hier helfen Massagen, Bewegung und das Meiden von Substanzen, die die Gefäße schädigen. Dazu zählen unter anderem Alkohol und Trans-Fette. Leichter Sport sollte forciert werden, wobei auf eine Schonung der Gelenke und Muskeln zu achten ist. Wenig genutzte Muskeln und Gelenke, die besonders von der Atrophie betroffen sind, sollten dennoch bewegt und massiert werden, was ein Weiterführen physiotherapeutischer Maßnahmen durch die Betroffenen selbst bedeutet.
Quellen
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
ISBN: 9783132443099
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
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- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
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- Kochen, M. M. (Hrsg.): Allgemeinmedizin und Familienmedizin.
ISBN: 9783131413857

