Noroviren (Norovirus-Infektion)


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 28. September 2018
Kategorie: Krankheiten

Im Zusammenhang mit einer starken und teilweise lebensgefährlichen, gleichnamigen Infektion des Magens und des Darmtraktes sind in der Gegenwart insbesondere die Noroviren bzw. die daraus resultierende Norovirus-Infektion ins Gespräch gekommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Norovirus-Infektion?

Die Noroviren stehen bei der sogenannten Norovirus Gastroenteritis im Mittelpunkt in Bezug auf hartnäckige Durchfälle. Aufgrund dieser Tatsache kann der Norovirus bei älteren Personen und Kindern zu bedenklichen Komplikationen führen.

Die Noroviren gelten als sehr infektiös, was bedeutet, dass die Noroviren-Infektion zu den übertragbaren und ansteckenden Erkrankungen gehört. Der Novovirus ist ein überaus lebensstarker Virus, der insgesamt aus drei Arten besteht. Innerhalb dieser einzelnen Typen existieren wiederum etwa 20 Unterarten des Norovirus.

Die Norovirus-Infektion kann sich auch deshalb so extrem schnell ausbreiten, weil das menschliche Immunsystem keine natürliche Abwehr aufbauen kann. Norovieren gelten als enorm widerstandsfähig. Die Voraussetzung dafür stellt deren erstaunliche und beinahe beängstigende Wandlungsfähigkeit dar.

Ursachen

Die Norivoren, als Ursache für die Norovirus-Infektion, überleben auf Übertragungsweg, der unter der Bezeichnung fäkal-oral bekannt ist. Dies bedeutet, dass ein Mensch, der den Norovirus bereits in sich trägt, in seinem Kot die Überträger abgibt.

Der orale Kontakt findet durch die Aufnahme der Noroviren über den Mund statt. Dieser Übertragungsweg der Noroviren für die Noroviren-Infektion basiert auf dem direkten Kontakt vom Infizierten zum Gesunden. Darüber hinaus können sich Menschen über verschiedene Nahrungsmittel anstecken, in denen die Noroviren enthalten sind, die durch Mund beim Essen aufgenommen werden.

Wie gefährlich die Noroviren sind, zeigt sich darin, dass bereits eine Menge von 10 Noroviren ausreichend ist, um an einer Noroviren-Infektion zu erkranken.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die ersten Anzeichen einer Norovirus-Infektion sind plötzlich einsetzende Bauchschmerzen und Übelkeit, gefolgt von schwallartigem Erbrechen und Durchfall. Es zeigen sich alle typischen Symptome einer Magen-Darm-Grippe. Der Patient fühlt sich äußerst krank, ist müde und schwach und ist kaum in der Lage, das Bett zu verlassen oder aufrecht zu stehen. Dazu kommen Kopf- und Gliederschmerzen und jede Bewegung tut weh.

Die Körpertemperatur kann leicht erhöht sein, richtiges Fieber tritt nur selten auf. Je nachdem wie der allgemeine Gesundheitszustand des Körpers ist, können die Symptome stärker oder schwächer ausgeprägt sein. Bei Babys, Kindern und älteren Erwachsenen, deren Organismus anfälliger ist, kann die Akutphase der Erkrankung sehr heftig ausfallen und eventuell sogar lebensbedrohlich werden.

Durch den von Durchfall und Erbrechen verursachten starken Flüssigkeitsverlust können sich Zeichen der Austrocknung (Dehydrierung) zeigen, wie beispielsweise trockene Haut und Schleimhäute, Herzrasen oder verminderte Harnausscheidung. Auch Krampfanfälle, Kreislaufprobleme oder Nierenversagen können als Folge der Dehydrierung auftreten.

In schweren Fällen kann es durch die extrem starken Darmbewegungen sogar zu einer Einstülpung des Darmes kommen, was kolikartige Bauchschmerzen verursacht und medizinische Überwachung erfordert. Bei einem normalen Verlauf klingen die Beschwerden nach etwa 12 bis 48 Stunden wieder ab. Bei manchen Menschen läuft die Norovirus-Infektion völlig ohne oder nur mit sehr abgeschwächten Symptomen ab.

Krankheitsverlauf

Nach dem Eindringen der Noroviren in den Organismus tritt zunächst die Inkubationsphase auf, in der sich die Noroviren vermehren. Nach dieser Inkubationszeit, die in der Regel nicht länger als 2 Tage dauert, kommt es bei der Noroviren-Infektion zu den ersten Symptomen.

Neben akut auftretendem heftigem Durchfall und Erbrechen ohne vorherige Beeinträchtigung des Wohlbefindens ist die Noroviren-Infektion durch einen extrem Verlust an Körperflüssigkeit gekennzeichnet. Dies geht gleichsam einher mit einer Verschiebung des Elektrolythaushaltes einher, was ein Kreislaufversagen und einen teilweise oder kompletten Funktionsverlust verschiedener Organe durch die Noroviren bedingt.

Ein klassisches Anzeichen, die während des gesamten Krankheitsverlaufs bei der Norovirus-Infektion erhalten bleiben, ist der hartnäckige Brechdurchfall. Insbesondere bei Säuglingen, Kindern und durch Alter oder Krankheit geschwächten Personen kann die Norovirus-Infektion schnell zum Tode führen.

Komplikationen

Eine Infektion mit Noroviren fühlt selten zu Komplikationen. Sollten sie auftreten, sind vor allem kleine Kinder und ältere Menschen betroffen, die dann entsprechend medizinisch versorgt werden müssen. Noroviren entwässern den Körper aufgrund ihrer Eigenheit, Durchfall und Erbrechen auszulösen sehr stark.

Entsprechend muss auf einer erhöhte Zufuhr von Flüssigkeit und Nährstoffen geachtet werden. Erfolgt dies nicht, kann der Körper durch den Wasser- und Elektrolytverlust stark geschwächt werden. Dadurch können Krampfanfälle, Thrombosen und Schockzustände erfolgen.

Die Austrocknung kann dabei zu einem Herz-Kreislaufversagen führen, welches unter Umständen tödlich verläuft. Auch Schädigungen der inneren Organe sind durch Dehydration und ein Stoffwechselungleichgewicht in den Zellen möglich. Besonders sind hier Organe betroffen, die an Stoffwechselkreisläufen teilnehmen. Darunter fallen beispielsweise die Nieren und die Leber.

Hält der Körper den kurz andauernden, aber heftigen, Krankheitserscheinungen nicht mehr stand, droht der Tod. Dies ist allerdings in weniger als 0,1 Prozent der Erkrankungen der Fall und lässt sich durch eine ausreichende Gabe von Wasser und Nahrung gut verhindern. Die meisten Personen, die letzten Endes an den Komplikationen durch Noroviren sterben, sind über 80 Jahre alt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Auch wenn die Infektion mit Noroviren starke wässrige Durchfälle und Erbrechen als Folge hat, heilt sie prinzipiell auch ohne Arztbesuch nach wenigen Tagen komplikationslos aus. Es gibt jedoch Fälle, in denen der Gang zum Arzt ratsam ist. Das ist zum einen bei schwerer Symptomatik der Fall, zum anderen dann, wenn der Patient zu bestimmten Risikogruppen gehört.

Wer eine Infektion mit Noroviren hat, verliert durch Durchfall und Erbrechen oft viel Flüssigkeit und damit auch Elektrolyte, was zum Krämpfen und Kreislaufschwäche führen kann. Wenn der Flüssigkeits- beziehungsweise Elektrolytmangel nicht durch eine genügende Trinkmenge ausgeglichen werden kann, ist der Besuch beim Arzt sinnoll: Er kann beides über eine Infusion in ausreichender Menge ausgleichen. Die Symptomatik bessert sich dann oft rasch.

Risikopatienten sollten bei der Infektion mit Noroviren einen Arzt konsultieren und dessen professionelle Überwachung und Behandlung in Anspruch nehmen. Ein erhöhtes Risiko besteht für ältere Menschen, für Neugeborene und Kleinstkinder, für Schwangere sowie für Menschen mit Begleiterkrankungen wie Herzschwäche oder Diabetes. Auch Krebspatienten gehören, vor allem bei aktuell geschwächtem Immunsystem durch eine Chemotherapie, bei der Infektion mit Noroviren umgehend in ärztliche Obhut.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung der Noroviren-Infektion eignen sich alltagstaugliche Maßnahmen wie eine reichliche Aufnahme von mineral- und elektrolythaltigen Flüssigkeiten. Ist dies nicht durch den Mund möglich, wenn die Patienten stark geschwächt sind, dann sind Infusionen eine geeignete Alternative, um den Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen.

Eine günstige Wirkung haben die aufgenommenen Flüssigkeiten bei der Norovirus-Infektion ebenfalls, um die Noroviren aus dem Darm auzuschwemmen. Weitere therapeutische Maßnahmen bei der Norovirus-Infektion sind Ruhe und keine körperliche Belastung. Diätkost soll den Körper bei einer Norovirus-Infektion bei Kräften halten. Außerdem können kochsalzhaltige, mit Kaliumchlorid und Traubenzucker oder Glukose versetzte Spezialflüssigkeiten oder Infusionen stark gefährdete Personengruppen vor einem Kreislaufversagen durch eine Norovirus-Infektion zu schützen.

Um gleichzeitig sowohl das Erbrechen als auch den Durchfall zu bekämpfen, wird die Norovirus-Infektion durch eine Verabreichen von Medikamenten gegen das Erbrechen und die Übelkeit, den sogenannten Antiemetika bekämpft. Antibiotika wirken gegen Noroviren nicht.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Im Rahmen der vorbeugenden Maßnahmen gegen eine Norovirus-Infektion sind sowohl die Menschen in ihrem privaten Umfeld selbst als auch öffentliche Einrichtungen gefordert. Grundsätzlich gibt es keine Schutzimpfung gegen den Norovirus.

Die Verbreitung der Noroviren kann nur dann eingedämmt werden, wenn die Hygiene an oberster Stelle steht. Das Reinigen, besser das Desinfizieren der Hände nach dem Toilettengang und das intensive Garen von Lebensmitelln, in denen Noroviren enthalten sein können, stellen äußerst wirksame Prophylaxen dar, um die Noroviren-Infektion zu vermeiden.

Vorrangig roher Fisch und verschiedene Meeresfrüchte tragen häufig den Norovirus in sich. Schutzkleidung und die Einhaltung der Hygienevorschriften sind in gemeinschaftlichen Einrichtungen unerlässlich, um sich nicht mit dem Norovirus anzustecken.

Das können Sie selbst tun

Um bei einer Norovirus-Infektion die durch Erbrechen und Durchfall verlorengegangene Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen, muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Dafür eignen sich insbesondere stilles Mineralwasser, ungesüßte Kräutertees oder eine leicht gesalzene Brühe, auf süße Getränke wie das oft als Hausmittel empfohlene Cola sollten Erkrankte besser verzichten.

Bei stärkeren Beschwerden sind zur Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution in der Apotheke spezielle Lösungen erhältlich. Kinder und ältere Menschen dehydrieren besonders leicht – gelingt es nicht, ihnen ausreichend Flüssigkeit zuzuführen, muss unter Umständen eine Infusionsbehandlung im Krankenhaus erfolgen.

Während der akuten Phase der Erkrankung sollten Magen und Darm möglichst wenig belastet werden: Als Krankenkost sind Zwieback und Haferschleim gut geeignet. Auch nach dem Abklingen der Beschwerden reagiert das Verdauungssystem meist noch recht sensibel auf fettreiche oder stark gewürzte Speisen: Es empfiehlt sich daher, in den ersten Tagen leicht verdauliche Schonkost zu sich zu nehmen. Bettruhe und körperliche Schonung helfen dem Körper, die Noroviren zu bekämpfen.

Hält die Symptomatik nach zwei bis drei Tagen unvermindert an oder verschlechtert sich sogar, ist ein Arztbesuch dringend anzuraten. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr sollte der Kontakt zu anderen Menschen möglichst gemieden werden, verstärkte Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen und Desinfektion der Toilette reduzieren ebenfalls das Übertragungsrisiko.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Noroviren (Norovirus-Infektion)?

Name oder Pseudonym:

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Mit dem Abschicken Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten (Datenschutzerklärung) durch diese Website einverstanden.

Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

voitek kommentierte am 13.06.2017

Alter: 67 Jahre, männlich. Norovirusinfektion Dezember 2016. Seitdem immer wieder starke Magenschmerzen und Sodbrennen. Magenspiegelung Juni 2017 ohne Befund. Interessant: keine Literatur dazu gefunden, obwohl der mydoc Newsletter Stand 20.02.2013 auf Untersuchung in USA hinweist, also das Problem bekannt ist. Mir konnte hier bisher nicht geholfen werden. Was kann ich machen?