Osler-Knötchen

Letzte Aktualisierung am 24. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Osler-Knötchen sind Hautveränderungen an den Fingern und Zehen. Es sind kleine Knoten, die schmerzverursachend sind. Oftmals treten sie zu mehreren Hunderten nebeneinander auf.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Osler-Knötchen?

Die Osler-Knötchen wurden nach dem kanadischen Arzt Sir William Osler benannt. Dieser beschrieb als der Erstautor um 1900 erstmals die Auffälligkeiten der Hautveränderungen seiner Patienten. Die Knötchen werden auch als Osler spots bezeichnet, da sie optisch Hautflecken ähneln. Es handelt sich bei den Knötchen um schmerzhafte Hautveränderungen.

Der Schmerz entsteht, sobald Druck auf die betroffene Hautpartie ausgeübt wird. Die Osler-Knötchen sind ungefähr Stecknadelkopf- bis Erbsengroß. Eine Besonderheit der Knötchen ist, dass sie meist in einer Anzahl von mehreren Hundert gleichzeitig auftreten. Ihre Farbe ist bläulich-rot. Die Knötchen werden an den Fingern und Zehen diagnostiziert.

Darüber hinaus können sie in den Handinnenflächen im Daumen- oder Kleinfingerballen entstehen. Die Hautveränderungen entstehen durch Einblutungen der Dermis. Dies ist die Lederhaut, die sich unter der obersten Hautschicht, der Epidermis befindet. Die Osler-Knötchen sind eine häufige Begleiterscheinung einer bakteriellen Herzinnenhautentzündung.

Bei den Patienten werden oftmals an mehreren Fingern zeitgleich unterschiedlich große Hautpartien vorgefunden, die betroffen sind. Charakteristisch ist, dass sich in der Mitte der Knötchenflecken oft eine weiße Hautpartie befindet. Mit dem Beginn der Behandlung verschwinden die Knötchen meist nach einigen Tagen.

Ursachen

Die Osler-Knötchen entstehen durch eine Embolie oder durch eine Entzündung aufgrund Immunkomplexablagerung in kleinen Arterien. Aus beiden Gründen verstopfen kleinste Bluttropfen die Adern. Dies verursacht die Einblutungen in der zweiten Hautschicht.

Zu der häufigsten Ursache der Osler-Knötchen gehört eine bakterielle Endokarditis. Eine unbehandelte infektiöse Endokarditis kann tödlich enden. Es handelt sich hierbei um eine Herzinnenhautentzündung. Die Osler-Knötchen sind ein faktorielles und damit kein zwingendes Symptom bei der Endokarditis. Darüber hinaus treten die Kötchen bei einigen weiteren Krankheitsbildern auf.

Zu ihnen gehören der Systemische Lupus erythematodes, die Disseminierte Gonokokkeninfektion und eine Embolie bei septischem Katheter. Der Systemische Lupus erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung der Haut sowie des Gefäßbindegewebes der Organe. Der Lupus erythematodes wird dem entzündlichen Rheuma zugeordnet.

Die Disseminierte Gonokokkeninfektion gilt als eine besondere Form einer Gonorrhoe. In ein bis drei Prozent einer unbehandelten Gonorrhoe geht die Erkrankung in eine Disseminierte Gonokokkeninfektion über. Der Patient leidet an Fieberschüben, klagt über Gelenkbeschwerden und Hautveränderungen in Form von schmerzhaften Knötchen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Osler-Knötchen machen sich in erster Linie durch auffällige Hautveränderungen bemerkbar. Die charakteristischen Knötchen entstehen vorwiegend an Zehen und Fingern. Dort kommt es zu schmerzhaften Wucherungen, welche die Bewegungsfreiheit von Hand oder Fuß erheblich einschränken. Die Knötchen erreichen eine Größe von wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern, wobei sie während der Erkrankung an Größe zunehmen und sich zunehmend verhärten.

Während der Abheilung der Knötchen schuppt die Haut im betroffenen Bereich stark. Begleitend dazu treten meist Juckreiz und Rötungen auf. Je nach Ursache können bei Osler-Knötchen weitere Symptome auftreten. Liegt den Hautveränderungen eine infektiöse Endokarditis zugrunde, treten unter anderem Fieber, Schüttelfrost und Herzrasen auf.

Außerdem kann es zu Anämie und einem Gewichtsverlust kommen. Ist ein Herzfehler ursächlich, kann es zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzinfarkt kommen. Selbiges gilt, wenn den Osler-Knötchen eine Autoimmunerkrankung der Haut zugrunde liegt. Ist ein entzündliches Rheuma der Auslöser, treten weitere Bewegungsstörungen auf.

Parallel dazu kann es zu Gliederschmerzen, Lähmungserscheinungen und den typischen Entzündungsreaktionen kommen. Die Osler-Knötchen selbst klingen ab, sobald die ursächliche Erkrankung behandelt wurde. Bei fehlender Behandlung vermehren sich die Wucherungen, und die Begleitsymptome werden stärker.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Osler-Knötchen wird von einem Dermatologen getroffen. Die Osler-Knötchen sind abzugrenzen von Janeway-Läsionen. Diese sehen optisch den Knötchen sehr ähnlich, sind jedoch für den Patienten vollkommen schmerzfrei. Darüber hinaus unterscheiden sie sich von den Hautveränderungen des Morbus Osler.

Hier sind sie Veränderungen angeboren und genetisch bedingt. Die erkrankten Bereiche betreffen zusätzlich die Schleimhäute, den Magen-Darm-Trakt und Hautpartien im Gesicht. Die Osler-Knötchen betreffen Hautveränderungen an den Finger- und Zehenkuppen. Darüber hinaus können sie in den Handinnenflächen oder auch an Armen oder Beinen vorkommen.

Im Körperinneren sind sie jedoch nicht zu finden. Ihre hohe Anzahl und ihr gruppenförmiges Auftreten sind charakteristisch. Weitere Untersuchungen sind bei den Osler-Knötchen nicht notwendig und werden nicht empfohlen. Die Diagnose wird nach der Anamnese, der Sichtkontrolle und dem Drucktest gestellt. Letzterer sollte beim Patienten mit Schmerzen verbunden sein.

Ein typischer Krankheitsverlauf der Osler-Knötchen ist als remittierend einzustufen. Auch ohne einen Arztbesuch oder eine explizite Diagnose kann es nach einigen Tagen zu einer Verringerung der Beschwerden kommen. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Primärerkrankung erkannt und behandelt wird. Erfolgt das nicht, ist damit zu rechnen, dass die Osler-Knötchen wiederholend auftreten.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei den Osler-Knötchen zu verschiedenen Veränderungen und Beschwerden an der Haut. Die Knötchen selbst treten dabei vor allem an den Zehen oder an den Fingern auf und können damit zu erheblichen Einschränkungen und Beschwerden im Alltag des Betroffenen führen. Die Lebensqualität des Patienten wird aufgrund der Osler-Knötchen damit deutlich eingeschränkt und verringert.

Die Knötchen selbst sind mit Schmerzen verbunden, sodass die meisten Betroffenen viele Dinge mit ihren Fingern nicht mehr ohne Weiteres tun können. Dabei kann es auch zu psychischen Beschwerden oder sogar zu Depressionen kommen, falls die Krankheit nicht richtig behandelt wird. In vielen Fällen ist keine einfache Diagnose bei den Osler-Knötchen möglich. Die Behandlung selbst verläuft meistens ohne Komplikationen und wird mit Hilfe von Antibiotika unterstützt.

Dabei kommt es relativ schnell zum Erfolg. Allerdings schuppt die Haut während der Behandlung relativ stark. Viele Patienten leiden dabei auch an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl. In der Regel wirkt sich auch das Schonen der Hände und Füße sehr positiv auf die Osler-Knötchen aus. Die Lebenserwartung des Patienten wird bei dieser Erkrankung nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Rötliche Knoten an den Zehen und Fingern, Blutungen unter den Nägeln und andere Anzeichen von Osler-Knötchen sollten rasch abgeklärt werden. Sollten die Hautveränderungen und Schmerzen nicht von selbst zurückgehen, ist ärztlicher Rat gefragt. Die betroffenen Personen sollten den Hausarzt konsultieren, der die Osler-Knötchen oftmals schon blickdiagnostisch feststellen kann. Gegebenenfalls müssen weitere Diagnosemaßnahmen eingeleitet werden, zum Beispiel eine Biopsie sowie bildgebende Verfahren, um die Erkrankung zweifelsfrei feststellen zu können. Menschen, die bereits an einer Endokarditis leiden, müssen den zuständigen Arzt über die Knötchen informieren.

Wenn die Beschwerden nach einer Infektion der Haut oder einer anderen Hauterkrankung auftreten, ist ebenfalls ärztlicher Rat gefragt. Die Patienten können den Dermatologen oder einen Spezialisten für innere Medizin aufsuchen. Die Behandlung erfolgt meist medikamentös und kann von den Betroffenen zu Hause durchgeführt werden. Während der Therapie muss enger Kontakt mit dem Arzt gehalten werden. Sollten Nebenwirkungen oder anderweitige Komplikationen auftreten, muss der Arzt informiert werden. Die Osler-Knötchen sollten bei einer frühzeitigen Behandlung rasch abklingen. Weitere Arztbesuche sind im Normalfall nicht notwendig. Die geschwächte Haut ist allerdings anfällig für weitere Infektionen, weshalb zumindest in den ersten Wochen nach der Genesung regelmäßig der Hautarzt aufgesucht werden sollte.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Osler-Knötchen erfolgt in Abhängigkeit der Ursache. Solange diese nicht abschließend geklärt ist, kommt es zu einem rezidivierendem Auftreten der schmerzhaften Hautveränderungen. Bei einer Endokarditis empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Internisten. Der Systemische Lupus erythematodes wird je nach Stadium mit einer Salbe oder Kortison behandelt.

Die Salbe wird jedoch nicht unmittelbar auf die Hautpartien der Osler-Knötchen aufgetragen, da die Inhaltsstoffe auf die rheumatischen Beschwerden abgestimmt sind. Die Disseminierte Gonokokkeninfektion wird je nach dem Erreger mit Penicillin oder Antibiotika behandelt. Unter der Voraussetzung, dass die Ursache der Knötchen gefunden und hierfür erfolgreich Behandlungsmaßnahmen eingeleitet wurden, heilen die Osler-Knötchen meist ohne weitere medizinische Eingriffe aus.

Im weiteren Heilungsprozess stößt die Haut über eine Schuppung allmählich von selbst die oberste Hautschicht ab. Dieser Vorgang hält einige Tage an und ist in der Regel für den Patienten schmerzfrei. Innerhalb dieser Zeit sollten Kratzbewegungen oder absichtliches Abreiben der Hautoberfläche vermieden werden.

Hautreizende oder chemische Produkte beispielsweise aus dem Bereich der Haushaltsreinigung sollten nicht ungeschützt mit der Haut in Berührung kommen. Hautpflegeprodukte ohne den Zusatz von Alkohol können auf Wunsch zusätzlich unterstützend genutzt werden. Tätigkeiten, die Druck auf die betroffenen Hautpartien ausüben, sollten vermieden werden.

Es empfiehlt sich für einige Tage ein Schonungsverhalten der Hände, Arme und Beine. Das Tragen von Gummihandschuhen wird nur während der Verrichtung von anstrengenden Tätigkeiten empfohlen.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen werden bei den Osloer-Knötchen nicht empfohlen. Da es sich bei ihnen um Begleit- und Nebenerscheinungen einiger anderer Erkrankungen handelt, sind bei ihnen Interventionsmaßnahmen möglich. Beispielsweise ist auf Hygiene bei dem Verlegen eines Katheters zu achten. Ebenfalls sollte eine Gonorrhoe unverzüglich behandelt werden.

Das können Sie selbst tun

Je nachdem, welche Ursache den Osler-Knötchen zugrunde liegt und welche Behandlungsschritte bereits unternommen wurden, kann der Patient die Genesung durch verschiedene Selbsthilfe-Maßnahmen unterstützen.

Bewährt hat sich vor allem eine strikte Körperhygiene. Die betroffene Stelle muss mit geeigneten Präparaten behandelt werden, um die Entstehung von Schuppen und anderen Hautveränderungen zu vermeiden. Begleitend dazu sollte sich der Patient schonen. Vor allem nach einem Eingriff darf die betroffene Stelle keinen weiteren Reizen ausgesetzt werden, um ernste Komplikationen zu vermeiden. Hände, Arme und Beine müssen grundsätzlich geschont werden, am besten durch das Tragen von Spezialhandschuhen und ausreichend Bettruhe.

Im weiteren Genesungsprozess sollten die Osler-Knötchen nicht mit Stoff in Berührung kommen und auf keinen Fall aufgerieben werden. Hautreizende Produkte gilt es in den ersten Tagen bis Wochen zu vermeiden. Dies betrifft nicht nur die Körperpflege, sondern auch die Haushaltsreinigung und Tätigkeiten im Beruf. Welche Maßnahmen im Detail angezeigt sind, kann der zuständige Arzt beantworten. Da Osler-Knötchen in sehr unterschiedlicher Ausprägung und Anzahl auftreten können, sollten etwaige Selbsthilfe-Maßnahmen erst nach einer umfassenden Rücksprache mit einem Dermatologen angewendet werden.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

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