Papillenstenose
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Unter einer Papillenstenose ist im Bereich der Medizin eine Verengung der Papilla duodeni major, auch Papilla duodeni Vateri, zu verstehen. Die Papilla ist eine Schleimhautfalte innerhalb des Zwölffingerdarms, in die die beiden Ausführungsgänge der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase gemeinsam münden. Eine Verengung der Papille kann verschiedenste Ursachen haben und behindert den Abfluss der Gallenflüssigkeit und der Verdauungsenzyme, die von der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse beigestellt werden.
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Was ist eine Papillenstenose?
Etwa in der Mitte des circa 25 Zentimeter langen Zwölffingerdarms, der direkt an den Magen anschließt, befindet sich eine charakteristische Schleimhautauffaltung. In die Schleimhautfalte münden gemeinsam der große Gallengang (Ductus choledochus) und der Bauchspeichelgang (Ductus pancreaticus).
Aus der Papilla duodeni Vateri tröpfeln die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit und die von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungsenzyme in den vorbeistreichenden Speisebrei. Die Galle enthält selbst keine Verdauungsenzyme; ihre Gallensäuren sind dafür zuständig, das Nahrungsfett so aufzubereiten, dass die Enzyme der Bauchspeicheldrüse es abbauen können. Wenn die gemeinsame Einmündung teilweise verlegt oder verengt ist, liegt eine Papillenstenose vor.
Bei einer gravierenden Verengung oder totalen Blockade entsteht ein Rückstau von Galle und Enzymen in den Gallenwegen und der Bauchspeicheldrüse und der Speisebrei im Darm wird nicht oder unzureichend mit Gallensäuren und den notwendigen Enzymen versorgt, die unter anderem dem Fett- und Proteinabbau sowie der Aufspaltung der Kohlenhydrate dienen.
Ursachen
Die pathogenen Bakterien stammen entweder aus dem Blutkreislauf oder sie werden beispielsweise bei einer ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie) aus dem Darm in einen der beiden Zuführungsgänge verfrachtet. Die ERCP bietet die Möglichkeit, auf endoskopischem Wege die Papille und die beiden Zuführungsgänge zu inspizieren und Veränderungen oder sogar die Entfernung von Gallensteinen vorzunehmen.
Eine Entzündung kann auch durch Gallensteine und den Rückstau von Galle und Enzymen begünstigt werden. In seltenen Fällen treten nicht-bakterielle Entzündungen als Verursacher in Erscheinung, die meist mit einer Autoimmunkrankheit assoziiert sind. Auch nach Operationen oder nach einer ERCP können sich narbige Verwachsungen ausbilden, die zur Papillenstenose führen. Eine Abflussstörung kann außerdem durch Tumoren entstehen, die sich im Bereich der Papille oder der beiden Zuführungsgänge entwickeln und diese von außen verdrängen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Eine Papillenstenose kündigt sich je nach Schweregrad mit Schmerzen im Oberbauch an. Die zunächst relativ unspezifischen Bauchschmerzen werden konkreter und stärker, wenn die Papillenstenose bestehen bleibt und sich aufgrund des Rückstaus von Galle und Verdauungsenzymen eine Cholestase oder eine Pankreatitis oder beides ausbildet.
Bei der von der Papillenstenose verursachten Cholestase handelt es sich um eine extrahepatische Cholestase, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet wird und wegen einer beginnenden Hyperbilirubinämie Anzeichen einer Gelbsucht (Ikterus) zeigt. Als erstes fällt die Gelbfärbung der Augen auf und eine bräunliche Verfärbung des Urins.
Eine Pankreatitis macht sich ebenfalls mit Schmerzen im Oberbauch bemerkbar, die häufig in den Bereich der unteren Brustwirbelsäule ausstrahlen und ein wenig mit einem Hexenschuss vergleichbar sind. In schweren Fällen können ebenfalls Symptome eines Ikterus auftreten und sich schwerwiegende Probleme einstellen.
Falls die Papillenstenose auf „mechanische“ Gründe wie schmerzlose Verwachsungen oder schmerzlose benigne Tumoren beruht, stellen sich mit zunehmendem Schweregrad der Stenose die gleichen Symptome ein.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Bei Verdacht auf Vorliegen einer Papillenstenose kann anhand eingehender Anamnese vorgeklärt werden, ob jemals Gallensteine vorhanden waren oder ob es Probleme mit der Bauchspeicheldrüse oder der Gallenblase gab. Vielfach lässt eine hochauflösende Sonographie Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Papille und auf eine eventuell vorhandene Stenose zu.
Falls weiterhin Unklarheit besteht, kann eine Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) Klarheit schaffen. Die ERCP schafft auf endoskopischem Weg direkten Einblick in die Papille und die beiden zuführenden Gänge, den Ductus choledochus und den Ductus pancreaticus. Zu rein diagnostischen Zwecken ist die ERCP inzwischen weitgehend von der MRCP, der Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie, abgelöst worden, weil es sich um ein nichtinvasives Verfahren handelt, das ohne Verletzungs- oder Infektionsrisiko auskommt. Der Grund für diesen Wandel liegt in den Risiken der ERCP selbst, die weiter unten beschrieben werden.
Allerdings handelt es sich natürlicherweise um ein rein bildgebendes, diagnostisches Verfahren, das für keinerlei notwendige Eingriffe geeignet ist. Der Verlauf der durch die Papillenstenose verursachten Krankheitsbeschwerden hängt vom Verlauf der Stenose ab. Falls die Stenose persistiert, wird die Entwicklung einer Pankreatitis und einer Cholestase mit allen damit verbundenen Problemen provoziert.
Komplikationen
Die Augen des Betroffenen färben sich dabei auch gelb. Die Schmerzen im Bauch können sich auch in die anderen Regionen des Betroffenen ausbreiten und damit vor allem in der Nacht zu Schlafbeschwerden führen. Die Patienten wirken aufgrund der Papillenstenose gereizt und leiden nicht selten an Depressionen. Durch die dauerhaften Bauchschmerzen kommt es nicht selten auch zu einem Appetitverlust, sodass die Betroffenen dabei auch an Gewicht verlieren.
Die Behandlung der Papillenstenose erfolgt mit Medikamenten und in vielen Fällen mit einem endoskopischen Eingriff. Beruht die Verengung nur auf einer Schwellung durch eine Entzündung, kann sie sich auch von selbst zurückbilden. Der endoskopische Eingriff ist allerdings nicht frei von Risiken: Am häufigsten tritt danach eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Post-ERCP-Pankreatitis) auf, seltener kommt es zu Blutungen, zu einer Infektion der Gallenwege oder zu einer Verletzung der Darmwand. Unbehandelt können ein Gallenwegsinfekt oder eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung lebensbedrohlich werden; bei rechtzeitiger Behandlung wird die Lebenserwartung des Patienten in der Regel nicht beeinflusst.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen im Bereich des Magens sind einem Arzt vorzustellen. Kommt es zu einer inneren Schwäche, einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie einer geringeren Belastbarkeit des Betroffenen, wird ein Arzt benötigt. Übelkeit, Erbrechen oder eine Gelbfärbung von Haut sowie Augen sind Anzeichen einer gesundheitlichen Störung und müssen abgeklärt werden. Führen vorhandene Schmerzen zu Problemen bei der Fortbewegung oder der Alltagsbewältigung, wird ein Arzt benötigt.
Bis zur Rücksprache mit dem Mediziner ist auf die Einnahme von Schmerzmedikamenten aufgrund möglicher Komplikationen zu verzichten. Ein kontinuierliches Stresserleben, eine verminderte Lebensfreude sowie eine reduzierte Lebensqualität sind mit einem Arzt zu besprechen. Kommt es zu Störungen des Verdauungstraktes, einer Geräuschentwicklung im Magen-Darm-Bereich, einem Appetitverlust sowie einer Abnahme des Körpergewichts, ist ein Arzt zu konsultieren.
Breiten sich Unregelmäßigkeiten im Oberkörper weiter aus oder stellen sich Rückenprobleme ein, sind dies Warnhinweise des Organismus. Es liegt womöglich eine behandlungsbedürftige Erkrankung vor. Störungen beim Wasserlassen, Verfärbungen oder eine ungewöhnliche Geruchsentwicklung des Urins sind weitere Hinweise, die mit einem Arzt besprechen werden sollten. Liegen depressive Verstimmungen vor oder zeigt sich ein Rückzugsverhalten, wird ein Arzt benötigt. Viele Patienten einer Papillenstenose klagen über ein Krankheitsgefühl, ein Unwohlsein oder eine allgemeine Unzufriedenheit über ihr Leben.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung der Papillenstenose hängt von der Verursachung ab. Erstes Ziel einer Therapie besteht darin, den Grund für die Verursachung der Stenose zu identifizieren und zu beheben. In vielen Fällen kann das die Bekämpfung einer Entzündung sein, um entstandene Schwellungen im Bereich der Papille oder der zuführenden Gänge zurückzuführen, so dass sich die Stenose quasi von selbst auflöst.
In den meisten Fällen kommt die Durchführung einer ERCP in Frage, in deren Verlauf nicht nur die genaue Diagnose getroffen wird, sondern unmittelbar Eingriffe vorgenommen werden können wie die Entfernung von Gallensteinen oder die Weitung der Papille oder des Gallen- oder Pankreasganges. Darüber hinaus können Stents oder Drainagen angelegt werden und auch mittels eines Papillotoms und eines Schneidedrahts erforderliche Schnitte ausgeführt werden. Diese Durchtrennung der Papille wird als Papillotomie bezeichnet. Sie ist der wirksamste Eingriff bei einer Papillenstenose, hat aber ihren Preis: Bei einem Teil der Behandelten entzündet sich anschließend die Bauchspeicheldrüse (Post-ERCP-Pankreatitis), außerdem können Blutungen aus dem Schnitt, eine Infektion der Gallenwege oder – selten – eine Verletzung der Darmwand auftreten. Über diese Risiken wird vor dem Eingriff aufgeklärt; sie sind der Grund dafür, dass eine Papillotomie nur bei entsprechenden Beschwerden und nicht allein wegen eines auffälligen Befundes durchgeführt wird.
Aussicht & Prognose
Die Prognose einer Papillenstenose ist grundsätzlich als günstig zu dokumentieren. Sobald eine ärztliche Versorgung in Anspruch genommen wird, werden Arzneien verabreicht, die innerhalb kurzer Zeit bereits eine Linderung der Beschwerden erwirken. Eine Genesung kann nach einigen Tagen oder Wochen erreicht werden. Ohne die Zusammenarbeit mit Medizinern ist mit einer Zunahme von Beschwerden zu rechnen. Kommt eine Infektion der gestauten Gallenwege hinzu, können sich die Krankheitserreger im Organismus weiter ausbreiten und an anderen Stellen zu Schmerzen oder Funktionsstörungen führen. Zudem ist das Risiko von Folgeerkrankungen erhöht.
Je nach Intensität der vorhandenen gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten können endoskopische oder operative Eingriffe in Erwägung gezogen werden. Komplikationsfrei sind sie nicht: Vor allem eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse nach einer ERCP kommt regelmäßig vor und kann einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen. Im Normalfall kann der Patient auch bei dieser Behandlungsmethode nach wenigen Wochen als beschwerdefrei entlassen werden. Im weiteren Verlauf sollten in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen stattfinden, um bei möglichen Veränderungen oder Auffälligkeiten unverzüglich reagieren zu können. Langfristige Beeinträchtigungen oder dauerhafte gesundheitliche Beschwerden können bei einer guten medizinischen Betreuung sowie einem gesunden Lebenswandel vermieden werden.
Kommt es im Verlauf des Lebens zu einer erneuten Ausbildung einer Papillenstenose, bleibt die Prognoseaussicht unverändert. Bei einem frühzeitigen Therapiebeginn werden die besten Erfolge erzielt. Insbesondere bei Risikopatienten wie Kindern oder älteren Menschen sollte jedoch bei einer erneuten Entwicklung der Unregelmäßigkeiten schnellstmöglich reagiert werden.
Vorbeugung
Direkt vorbeugende Maßnahmen, die eine Papillenstenose verhindern könnten, sind nicht existent. Als generell vorbeugend kann eine Lebensweise gelten, die neben Stresssituationen auch für Entspannungsphasen sorgt. Ebenso ist eine Ernährungsweise, die zum Teil aus natürlich belassenen Lebensmitteln besteht, von Vorteil. Da Gallensteine der häufigste Auslöser sind, tragen Personen, in deren Familien Gallensteinleiden gehäuft vorkommen, ein etwas erhöhtes Risiko. Auftretende diffuse Schmerzen im Oberbauch sollten dann besonders sorgfältig abgeklärt werden.
Nachsorge
Bei einer Papillenstenose sind die Maßnahmen einer Nachsorge in den meisten Fällen deutlich eingeschränkt oder stehen dem Betroffenen gar nicht zur Verfügung. Daher sollte der Patient schon bei den ersten Anzeichen der Erkrankung einen Arzt aufsuchen, um das Auftreten von weiteren Komplikationen zu verhindern. Eine narbig bedingte oder durch einen Tumor verursachte Verengung bildet sich nicht von selbst zurück.
Unbehandelt kann der Betroffene jedoch an einer Papillenstenose versterben. Die Betroffenen sind dabei in den meisten Fällen auf einen endoskopischen Eingriff angewiesen, welcher die Beschwerden dauerhaft lindern kann. Dieser sollte idealerweise schon direkt nach der Diagnose geschehen. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Betroffene ausruhen und seinen Körper schonen.
Dabei ist von stressigen Tätigkeiten oder von Anstrengungen abzusehen, um den Körper nicht unnötig zu belasten. Ebenso muss die Ernährung in den meisten Fällen stark angepasst werden, sodass auf fettige Mahlzeiten zu verzichten ist. Die Lebenserwartung des Betroffenen hängt bei dieser Krankheit sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose und auch von der Ausprägung der Papillenstenose ab, sodass eine allgemeine Voraussage nicht getroffen werden kann. Sie ist unter Umständen allerdings auch verringert.
Das können Sie selbst tun
Bei einer Papillenstenose ist in jedem Fall eine ärztliche Behandlung vonnöten. Begleitend dazu können eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden, um die typischen Magen-Darm-Beschwerden zu lindern.
Zunächst sollten die Betroffenen ihre Ernährung umstellen. Eine Schonkost bietet sich ebenso an wie eine individuell an die Symptome angepasste Diät. Die Patienten sollten sich hierfür mit einem Ernährungsberater absprechen. Daneben muss der Magen-Darm-Trakt geschont werden. Kaffee und Alkohol gilt es zu meiden. Da eine Papillenstenose auch den Abfluss aus der Gallenblase betrifft, kann es zu schweren Gallensteinleiden kommen; diese lassen sich nicht durch Hausmittel beheben, sondern erfordern eine endoskopische oder operative Behandlung. Die Patienten sollten in erster Linie die Vorgaben des Arztes einhalten.
Die Papillenstenose bedarf immer einer medizinischen Therapie, diese kann aber durch einige Selbsthilfe-Maßnahmen unterstützt werden. Da die Verengung unterschiedliche Ausprägungen annehmen kann, müssen die Maßnahmen zunächst mit dem Arzt besprochen werden. Der Mediziner kann oftmals weitere Tipps für eine Therapie geben und den Patienten auch bei der Suche nach einer geeigneten Selbsthilfegruppe unterstützen. Dadurch lässt sich die Papillenstenose in vielen Fällen gut beherrschen. Beschwerdefreiheit auf Dauer ist damit aber nicht garantiert: Die Verengung kann erneut auftreten, und auch nach einem endoskopischen Eingriff sind Komplikationen und Spätfolgen möglich. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bleiben deshalb wichtig.
Quellen
- Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Referenz Gastroenterologie.
ISBN: 9783132405264
- Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
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- Layer, P., Rosien, U. (Hrsg.): Praktische Gastroenterologie.
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- Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Checkliste Gastroenterologie und Hepatologie.
ISBN: 9783132454217
- von Weizsäcker, F., Jonas, S., Lammert, F. (Hrsg.): Viszeralmedizin.
ISBN: 9783662634264

