Parametritis

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Parametritis ist eine relativ seltene entzündliche Erkrankung. Eine frühzeitige medizinische Behandlung erhöht häufig Therapieerfolge und kann Komplikationen vorbeugen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Parametritis?

Zu diagnostizieren ist eine Parametritis häufig im Rahmen einer sogenannten Palpation (eine ärztliche Untersuchung mithilfe des Ertastens von Körperstrukturen).
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Bei der Parametritis handelt es sich um eine Entzündung des Beckenzellgewebes (auch als Parametrum bezeichnet) der Frau. In den meisten Fällen tritt eine Parametritis lediglich einseitig auf.

Die Parametritis ist eine Erkrankung, die vergleichsweise wenig verbreitet ist. Zu den Beschwerden, die mit einer Parametritis einhergehen, zählen vor allem starke, anhaltende Schmerzen im Beckenbereich. Diese Schmerzen betreffen meist nur eine einzelne Seite des Beckens. Je nach betroffener Patientin können die Beckenschmerzen, die von einer Parametritis ausgehen, in Gesäß und Oberschenkel ausstrahlen.

Begleitet werden die typischen Schmerzen im Rahmen einer Parametritis häufig durch akutes Fieber und Schüttelfrost. Darüber hinaus kann die Parametritis zu Schmerzen beim Entleeren des Darms führen. Eine weitere mögliche Folge der Parametritis sind schließlich Blasenkrämpfe, die mit einem gesteigerten Harndrang einhergehen.

Ursachen

In den meisten Fällen wird die Parametritis durch Bakterien verursacht, die in das Beckengewebe eindringen und hier zu entzündlichen Prozessen führen. Vor allem sogenannte Staphylokokken oder Streptokokken (rundliche Bakterien) sind häufig für eine entstehende Parametritis verantwortlich.

Begünstigt werden kann das Einwandern von Bakterien in das Gewebe durch verschiedene Faktoren. Hierzu zählen etwa Verletzungen in der Beckenregion infolge eines Geburtsvorganges. Auch operative Eingriffe am Gebärmutterhals, bei denen es zu einer versehentlichen Durchstoßung von Gewebe kommt, können eine Parametritis nach sich ziehen.

Des Weiteren ist die Parametritis eine mögliche Folge von Strahlentherapien (eine Therapieform zur Bekämpfung von Krebserkrankungen) oder eines vorliegenden Zervixkarzinoms (eine bösartige Veränderung am Gebärmutterhals).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Parametritis äußert sich zunächst durch die charakteristischen Schmerzen im Bereich des Beckens. Bei einigen Patienten strahlen diese Schmerzen bis in den Unterleib oder in das Gesäß aus. Der Schmerz lässt sich aus diesem Grund nur schwer lokalisieren und einer bestimmten Erkrankung zuordnen. Die Entzündung führt außerdem zu typischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit und Unwohlsein.

Äußerlich lässt sich die Entzündung an unspezifischen Anzeichen wie Blässe, Augenrändern und geröteten Wangen erkennen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es auch beim Urinieren und beim Stuhlgang zu Beschwerden. Die Patienten verspüren meist starke Schmerzen, wodurch es zu Harnverhalt und in der Folge zu weiteren Komplikationen kommen kann. Im weiteren Verlauf der Parametritis bilden sich Abszesse im Beckenbereich.

Diese sind von außen ertastbar und schmerzen bei Berührung. Erfolgt keine Behandlung, kann es zur Entstehung weiterer Abszesse kommen. Diese können sich entzünden und im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung führen, die für den Patienten tödliche Folgen haben kann. Wird die Parametritis frühzeitig erkannt und behandelt, können ernste Komplikationen vermieden werden. Eine Behandlung mittels Antibiotika trägt dazu bei, dass der Patient nach ein bis zwei Wochen wieder vollkommen symptomfrei ist.

Diagnose & Verlauf

Zu diagnostizieren ist eine Parametritis häufig im Rahmen einer sogenannten Palpation (eine ärztliche Untersuchung mithilfe des Ertastens von Körperstrukturen).

Liegt eine Parametritis vor, so kann diese in Form einer Verdickung ertastet werden, die sich bis zur Beckenwand erstreckt. Ein weiterer Hinweis auf eine vorliegende Parametritis ist beispielsweise eine leichte Verdrängung der Gebärmutter zur Körperseite hin, die nicht von der Entzündung betroffen ist.

Häufig ist bei einer betroffenen Frau außerdem eine eingeschränkte Beweglichkeit im Bereich des Beckens festzustellen. Typischerweise geht eine Parametritis schließlich auch mit einer erhöhten Anzahl weißer Blutkörperchen einher.

Im Verlauf einer Parametritis kann die zu tastende schmerzhafte Verdickung in Beckenhöhe zunehmend verhärten. Ohne therapeutische Behandlung zieht eine Parametritis häufig die Bildung von Abszessen (abgekapselten Eiteransammlungen) nach sich. Behandlungserfolge der entzündlichen Erkrankung steigen in der Regel mit Frühzeitigkeit eines Therapiebeginns.

Komplikationen

In den meisten Fällen können die Komplikationen bei der Parametritis relativ gut vermieden werden, wenn die Krankheit schon früh behandelt wird. Dabei kommt es meistens zu einem positiven Krankheitsverlauf ohne besondere Beschwerden. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an starken Schmerzen im Becken und im Unterleib.

Auch Schmerzen am Gesäß können dabei auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken. Weiterhin führt die Parametritis zu Beschwerden und Symptomen einer Grippe, sodass es zu Schüttelfrost, Fieber und zu einer Abgeschlagenheit kommt. Auch Schmerzen beim Stuhlgang und beim Wasserlassen können dabei auftreten. Diese Schmerzen führen häufig zu psychischen Beschwerden oder zu starken Depressionen und können auch eine dauerhafte Gereiztheit des Patienten auslösen.

Aufgrund der Schmerzen im Becken kann die Parametritis Bewegungseinschränkungen begünstigen. Die Behandlung der Parametritis erfolgt dabei ohne Komplikationen. Mit Hilfe von Antibiotika können die meisten Beschwerden schnell eingeschränkt werden. Nur in schwerwiegenden Fällen sind dabei operative Eingriffe notwendig, um Verletzungen am Gewebe wieder zu beseitigen. Die Lebenserwartung des Patienten wird dabei durch die Parametritis in der Regel nicht verringert oder anderweitig beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Stellen sich über mehrere Tage Beschwerden wie Harndrang oder Krämpfe im Unterleib ein, besteht Anlass zu Besorgnis. Sobald das Bedürfnis des Urinierens unmittelbar nach einem Toilettengang eintritt, weist dies auf eine Erkrankung hin, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Schmerzen im Unterleib oder bei der Darmentleerung gelten als ungewöhnlich. Leidet der Betroffene unter grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost oder Abgeschlagenheit, ist ein Arzt zu konsultieren. Müdigkeit, ein Krankheitsgefühl sowie innere Schwäche sind Anzeichen einer Erkrankung und sollten behandelt werden. Kommt es zu einer Zunahme der Beschwerden oder halten die Unregelmäßigkeiten über eine längere Zeit an, ist ein Arztbesuch notwendig. Entwickeln sich Abszesse, sollte besondere Vorsicht gelten.

Es besteht das Risiko einer Blutvergiftung und damit ohne eine Behandlung die Gefahr eines vorzeitigen Ablebens des Betroffenen. Eine Abnahme der Leistungsfähigkeit, ein blasses Erscheinungsbild sowie Augenränder weisen auf eine gesundheitliche Störung hin. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite, Schlafstörungen sowie Teilnahmslosigkeit sind Anzeichen einer Erkrankung.

Ein Arztbesuch ist notwendig, damit eine Ursachenforschung eingeleitet werden kann. Zusätzlich muss ein Behandlungsplan erstellt werden, um möglichst schnell eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erreichen. Treten aufgrund der körperlichen Beschwerden emotionale oder seelische Belastungen ein, wird ebenfalls ein Arzt benötigt. Bei Verhaltensauffälligkeiten benötigt der Betroffene einen Arzt.

Behandlung & Therapie

Die fachgerechte Behandlung einer Parametritis erfolgt in der Regel über die Gabe von Antibiotika (Arzneimittel zur gezielten Bekämpfung von Bakterien).

Auch sogenannte Antiphlogistika können im Rahmen der Behandlung einer Parametritis zum Einsatz kommen; hierbei handelt es sich um Medikamente, die eine Hemmung von Entzündungsprozessen bewirken. Haben sich infolge einer Parametritis Abszesse gebildet, so kann diesen beispielsweise durch Drainagen begegnet werden. Drainagen dienen in diesem Zusammenhang einem Ableiten des angesammelten Eiters. In der Regel erfolgt eine entsprechende Drainagebehandlung von Abszessen infolge einer Parametritis durch die Vagina einer betroffenen Patientin.

Je nach individueller Ursache einer Parametritis müssen genannte Behandlungsschritte gelegentlich durch weitere Therapiemaßnahmen zur Behebung begünstigender Faktoren ergänzt werden; haben beispielsweise Verletzungen im Beckenbereich ein Einwandern von Bakterien in den Organismus einer Betroffenen begünstigt und damit eine Parametritis hervorgerufen, so kann auch die entsprechende Verletzung eine medizinische Versorgung erfordern.

Haben Unfälle während einer Operation zu einer starken Gewebsverletzung geführt (die außerdem eine Parametritis begünstigte), so kann in schweren Fällen beispielsweise ein korrigierender chirurgischer Eingriff notwendig werden.


Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Parametritis ist im Normalfall günstig. Wird frühzeitig eine medizinische Begleitung in Anspruch genommen, kann durch die Gabe von Arzneien innerhalb kurzer Zeit eine erhebliche Linderung der Beschwerden beobachtet werden. Eine Beschwerdefreiheit und damit eine Genesung wird bei den Patienten im Durchschnitt nach wenigen Wochen dokumentiert.

In einigen Fällen kann es zu Unverträglichkeiten der verabreichten Medikamente kommen. Damit ist kurzzeitig eine Verschlechterung der Gesundheit gegeben. Notwendig ist eine Umstellung des erarbeiteten Behandlungsplans, damit sich die aufgetretenen Nebenwirkungen zurückbilden und gleichzeitig durch alternative Wirkstoffe eine Heilung der Grunderkrankung stattfinden kann.

Wird eine ärztliche Behandlung durch den Betroffenen abgewiesen oder vermieden, kann es innerhalb kurzer Zeit zu einer deutlichen Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes kommen. Die Krankheitserreger können sich im Organismus weiter ausbreiten und zu einer Zunahme der vorhandenen Beschwerden führen. Insbesondere bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem löst dies starke Beeinträchtigungen aus.

Zusätzlich können Folgeerkrankungen und Komplikationen auftreten. Neben Veränderungen der mentalen Kraft oder irreparablen Schäden des Gewebes, sind bei einem äußerst ungünstigen Krankheitsverlauf letztlich operative Eingriffe nicht mehr zu vermeiden. Andernfalls kann es zu Unregelmäßigkeiten der Körperfunktionen oder organischen Störungen kommen. Bei Risikopatienten stellt dies eine Bedrohung für die durchschnittliche Lebenserwartung dar.

Vorbeugung

Einer Parametritis aufgrund von Verletzungen während der Geburt oder während Operationen kann kaum vorgebeugt werden. Eine Parametritis infolge bösartiger Erkrankungen wie dem Zervixkarzinom kann eingeschränkt verhindert werden, indem eine frühzeitige Therapie der Krebserkrankung erfolgt. Hat sich bereits eine Parametritis eingestellt, so empfehlen Mediziner auch hier einen möglichst frühzeitigen Behandlungsbeginn. Auf diese Weise kann das Risiko auftretender Komplikationen reduziert werden.

Nachsorge

Der Betroffene sollte bei einer Parametritis in aller erster Linie schon sehr früh einen Arzt aufsuchen, da die Maßnahmen und die Möglichkeiten einer Nachsorge bei dieser Krankheit in den meisten Fällen deutlich eingeschränkt sind. Daher sollte der Betroffene schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen der Krankheit einen Arzt aufsuchen, um das weitere Auftreten von Beschwerden zu verhindern.

Es kann dabei in der Regel auch nicht zu einer Selbstheilung kommen. Die meisten Patienten sind auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen. Hierbei sollten immer die Anweisungen des Arztes beachtet werden. Bei Unklarheiten oder bei starken Nebenwirkungen ist dabei immer zuerst der Arzt aufzusuchen. Ebenso sollte der Betroffene bei der Einnahme von Antibiotika keinen Alkohol trinken, um die Wirkung der Antibiotika nicht zu verringern.

Ebenso sollte die jeweilige Verletzung gut geschützt und desinfiziert werden. Dabei ist auch ein hoher Standard an Hygiene zu beachten. Ebenso sind regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt sehr sinnvoll, um den aktuellen Zustand der Parametritis zu überwachen. Die Krankheit verringert in der Regel nicht die Lebenserwartung des Betroffenen, falls sie richtig und vor allem rechtzeitig behandelt wird. Weitere Maßnahmen einer Nachsorge sind dabei in der Regel nicht notwendig.

Das können Sie selbst tun

Der wichtigste Schritt zur Selbsthilfe ist das Einhalten der üblicherweise bei Parametritis verordneten Antibiotikakur ohne vorzeitiges Abbrechen oder eigenmächtiges Dosieren. Unterstützend kann die Einnahme von Probiotika erfolgen. Sie verhindern eine durch das Antibiotikum verursachte Schädigung des Darms und sorgen gleichzeitig für eine leichtere Darmentleerung bei hiermit verbundenen Schmerzen. Die Ernährung sollte leicht und fettarm sein, sodass Körper und Darm nicht zusätzlich belastet werden. Zudem ist von entzündungsfördernden Nahrungsmitteln, wie Zucker oder rotem Fleisch, vorübergehend abzusehen.

Während der Fieberschübe helfen kalte Wadenwickel, luftige Kleidung und ein leichtes Absenken der Zimmertemperatur. Darüber hinaus können heiße Tees aus Holunder- oder Lindenblüten zum Senken des Fiebers beisteuern. Fiebersenkende Mittel aus der Apotheke sollten nur nach ärztlicher Absprache und umsichtig eingenommen werden. Bei zusätzlichem Schüttelfrost ist auch ein warmes Bad ratsam.

Grundsätzlich gilt es, deutlich mehr zu trinken. Ideal sind hierfür heißer Ingwer- sowie Kamillentee. Sie wirken schmerzlindernd beziehungsweise entzündungshemmend und entkrampfend. Betroffene sollten überdies starke körperliche Belastungen vermeiden und vor allem den Unterleib entspannen. Auftretende Schmerzen können alternativ mittels Ablenkung verringert werden. Dabei wird durch intensives Konzentrieren auf eine andere Tätigkeit oder einen Sinneseindruck bewusst vom Schmerz abgelenkt und dieser in den Hintergrund gedrängt. Ein ähnlicher Effekt ist ebenfalls durch Meditation möglich.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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