Streptokokken
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Streptokokken besiedeln die Schleimhäute des gesunden Menschen und gelten dort als harmlos. Sie sind jedoch auch für eine Reihe teils schwerer Infektionen und Erkrankungen verantwortlich.
Was sind Streptokokken?
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Als Streptokokken werden Bakterien bezeichnet, die ein kugelartiges Aussehen besitzen. Ihre Form wird durch den aus dem Altgriechischen abgeleiteten Begriff „Kokken“ umschrieben. Es gibt bei den Streptokokken eine Vielzahl an Arten, wie etwa Streptococcus pneumoniae oder Streptococcus salivarius.
Beim gesunden Menschen kommen sie im Rachenraum und im Mund sowie im Darm und der Scheide der Frau vor und verursachen dort normalerweise keinerlei Probleme. Sobald das Immunsystem jedoch geschwächt ist, können Streptokokken teilweise schwere Erkrankungen auslösen.
Dazu zählen Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen, Blinddarmentzündungen sowie Halsentzündungen und Scharlach. Streptokokken sind weiterhin verantwortlich für das Auftreten von Blutvergiftungen und Infekten der Harnwege.
Bedeutung & Funktion
Streptokokken siedeln beim gesunden Menschen auf den Schleimhäuten. Sie werden dort durch die normale Immunabwehr in ihrer Zahl so begrenzt, dass keine Krankheiten auftreten können. Jedoch sind sie mit Hilfe von Labortests nachweisbar. Bereits 1924 konnte Streptococcus mutans im Mund isoliert werden.
Diese Bakterienart gilt als Hauptverursacher von Karies und ist zudem an der Bildung von bakteriellem Zahnbelag beteiligt. Nimmt die Zahl dieser Bakterien zu, etwa durch häufigen Zuckerkonsum und mangelnde Zahnpflege, wird das Kariesrisiko entsprechend höher. Gleiches gilt für Streptococcus pyogenes, der im Rachenraum jedes fünften Menschen nachgewiesen werden kann, ohne dass Beschwerden einer Halsentzündung auftreten. Ob aus einer solchen Besiedelung eine Erkrankung wird, hängt weniger von der Zahl der Keime ab als vom Zustand der körpereigenen Abwehr.
Daher ist es wichtig, sich während einer akuten Krankheit zu schonen, denn unbehandelte Infektionen oder eine zu frühe Belastung können zu ernsthaften Folgeerkrankungen am Herzmuskel sowie den Herzklappen und den Nieren führen. Auch das rheumatische Fieber tritt nach einer Infektion mit Streptokokken auf. Meist sprechen die Bakterien gut auf eine Behandlung mit Antibiotika an. Es kann jedoch auch vorkommen, dass sich bereits Resistenzen ausgebildet haben. Diese Gefahr besteht vor allem bei Patienten, die wiederholt mit Antibiotika behandelt werden mussten.
Auch deshalb ist es wichtig, diese Medikamente immer genau nach Vorschrift einzunehmen und den Arzt erneut zu konsultieren, wenn keine Besserung eintritt. Er kann dann gegebenenfalls den genauen Erreger innerhalb der Gattung der Streptokokken bestimmen, um ein wirksames Medikament zu finden.
Biologische Eigenschaften
Streptokokken sind grampositive, kugelförmige Bakterien, die in Ketten oder Paaren angeordnet sind. Sie gehören zur Familie der Streptococcaceae und sind aufgrund ihrer vielfältigen pathogenen Eigenschaften von medizinischer Bedeutung. Die Klassifikation erfolgt nach verschiedenen Kriterien, darunter Hämolyseverhalten auf Blutagar (α-, β-, γ-Hämolyse) und Lancefield-Gruppierung, die auf der Zusammensetzung spezifischer Kohlenhydratantigene basiert. Beide Einteilungen bestehen nebeneinander und decken sich nicht: Die vergrünenden Streptokokken der Mundhöhle etwa zeigen eine α-Hämolyse, lassen sich aber keiner Lancefield-Gruppe zuordnen.
Morphologisch sind Streptokokken unbeweglich und haben keinen endogenen Bewegungsmechanismus wie Flagellen. Sie besitzen eine dicke Zellwand, die aus Peptidoglykan besteht, und können eine Kapsel aus Polysacchariden bilden, was ihnen hilft, sich gegen das Immunsystem zu schützen. Streptokokken sind fakultativ anaerob und wachsen optimal bei Temperaturen zwischen 35-37°C.
Das Genom von Streptokokken besteht typischerweise aus einem zirkulären Chromosom mit einer Größe von etwa 1,8 bis 2,3 Millionen Basenpaaren. Sie zeigen eine hohe genetische Vielfalt, was auf horizontalen Gentransfer durch Transformation, Transduktion und Konjugation zurückzuführen ist. Diese genetischen Besonderheiten ermöglichen es ihnen, Antibiotikaresistenzen und Virulenzfaktoren zu erwerben und somit in unterschiedlichen Umgebungen zu überleben und Krankheiten auszulösen. Besonders bekannt ist das Gen für das M-Protein, das eine wichtige Rolle in der Pathogenese spielt.
Vorkommen & Verbreitung
Streptokokken sind weit verbreitete Bakterien, die sowohl in der Umwelt als auch als Teil der normalen Mikrobiota von Menschen und Tieren vorkommen. Natürlich findet man sie in der Mundhöhle, dem Rachen, dem Darm und der Haut von Menschen, wo sie oft als Kommensalen leben, ohne Krankheiten zu verursachen. Bestimmte Streptokokkenarten, wie Streptococcus mutans, sind an der Entstehung von Zahnkaries beteiligt, während andere, wie Streptococcus pneumoniae, potenzielle Krankheitserreger sind.
Außerhalb ihrer Wirte sind Streptokokken nur kurze Zeit lebensfähig; die früher zur Gattung gerechneten Milchsäure- und Enterokokken finden sich dagegen regelmäßig in Wasser, Boden und auf Pflanzen und überleben dort in einer Vielzahl von Umgebungen. Übertragungswege von pathogenen Streptokokken erfolgen in der Regel über Tröpfcheninfektion, direkten Kontakt oder kontaminierte Oberflächen. Ein typisches Beispiel ist die Übertragung von Streptococcus pyogenes, dem Erreger von Rachenentzündungen und Scharlach, über Tröpfchen beim Husten oder Niesen.
In verschiedenen Ökosystemen spielen Streptokokken eine wichtige Rolle als Teil der mikrobiellen Gemeinschaften. Diese abgetrennten Gattungen beteiligen sich an der Zersetzung organischer Stoffe und tragen zu den Nährstoffkreisläufen bei. In der Landwirtschaft können sie sowohl nützlich sein als auch Krankheiten in Nutztieren verursachen. Ihre Präsenz in unterschiedlichen Habitaten unterstreicht ihre ökologische Bedeutung und Anpassungsfähigkeit.
Krankheiten
Streptokokken können auch Harnwegsinfekte auslösen. Dazu zählen vor allem Blasenentzündungen, die jedoch auch rasch die Nieren befallen können und dort eine Nierenbeckenentzündung auslösen können. Die häufigsten Erreger von Harnwegsinfekten sind allerdings Darmbakterien der Art Escherichia coli; die Enterokokken, die früher zu den Streptokokken gezählt wurden, werden heute als eigene Gattung geführt. Werden die typischen Schmerzen beim Wasserlassen nicht besser und kommen einseitige Schmerzen in der Nierengegend hinzu, muss zügig ein Arzt aufgesucht werden.
Mittelohrentzündungen sind zunächst eine Folge von Erkältungskrankheiten, die sich über die Ohrtrompete auf das Mittelohr ausbreiten. Sie sind durch starke Ohrenschmerzen und häufig auch Fieber gekennzeichnet. Auch in diesem Fall muss ein Arzt aufgesucht werden, um einer weiteren Verschlimmerung der Entzündung vorzubeugen. Diese kann in der Folge zur Perforation des Trommelfells führen.
Bakterielle Lungenentzündungen verlaufen ebenfalls mit Fieber und Schüttelfrost sowie einem quälenden Husten. Die verminderte Sauerstoffsättigung ist an den bläulichen Lippen des Patienten zu erkennen. Besonders bei Belastung kann auch das Gebiet unter den Fingernägeln bläulich verfärbt sein. Am bekanntesten sind wohl die Halsentzündung (Angina) und auch der Scharlach. Beide Erkrankungen beginnen mit Fieber und Halsschmerzen.
Beim Scharlach tritt nach wenigen Tagen ein typischer roter Ausschlag in den Leisten auf, der sich über den ganzen Körper ausbreitet. Hier ist eine Behandlung mit Antibiotika vor allem wegen eventuell auftretender Spätfolgen wie dem rheumatischen Fieber und Nierenschäden sinnvoll. Eine Hirnhautentzündung kann sich ebenfalls aus einer nicht behandelten Infektion im Bereich der Nase oder des Rachens entwickeln.
Bei Kopfschmerzen mit Fieber und einer Steife im Nackenbereich ist eine sofortige Behandlung notwendig. Nach Verletzungen und Operationen kann durch eine Infektion mit Streptokokken auch eine Blutvergiftung (Sepsis) entstehen. Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Entzündungsreaktion mit sofortigem Behandlungsbedarf.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Streptokokkeninfektionen erfolgt in der Regel mit Antibiotika, wobei Penicillin und Amoxicillin die Standardtherapien darstellen. Diese Medikamente sind besonders wirksam gegen Streptococcus pyogenes, den Erreger von Erkrankungen wie Scharlach und Streptokokken-Angina. Bei Patienten mit Penicillinallergie werden alternative Antibiotika wie Cephalosporine oder Makrolide, z. B. Erythromycin, eingesetzt.
Die Herausforderung bei der Behandlung von Streptokokkeninfektionen liegt in der zunehmenden Antibiotikaresistenz, insbesondere bei Streptococcus pneumoniae. Resistenz gegen Makrolide und in einigen Fällen auch gegen Beta-Laktam-Antibiotika erschwert die Therapie. Dies erfordert oft den Einsatz von Reserveantibiotika wie Vancomycin oder Linezolid, die jedoch teurer sind und mehr Nebenwirkungen haben können.
Neue und experimentelle Therapieansätze umfassen die Entwicklung von Impfstoffen, insbesondere gegen Streptococcus pneumoniae und Streptococcus pyogenes, um Infektionen vorzubeugen. Zudem werden Bakteriophagen-Therapien erforscht, die gezielt gegen resistente Bakterienstämme eingesetzt werden könnten. Ein weiteres innovatives Konzept ist der Einsatz von antimikrobiellen Peptiden, die eine breite Wirksamkeit gegen Bakterien haben und weniger wahrscheinlich Resistenzentwicklungen verursachen. Diese Ansätze sind vielversprechend, befinden sich jedoch noch in der experimentellen Phase und müssen weiter untersucht werden.
Streptokokken und ihre Rolle bei Autoimmunerkrankungen
Streptokokken, insbesondere Streptococcus pyogenes, sind nicht nur für akute Infektionen wie Scharlach und Halsentzündungen bekannt, sondern spielen auch eine bedeutende Rolle bei der Auslösung von Autoimmunerkrankungen. Eine der bekanntesten Autoimmunerkrankungen, die mit einer Streptokokkeninfektion in Verbindung gebracht wird, ist das rheumatische Fieber, das nach einer unbehandelten oder unzureichend behandelten Streptokokken-Angina auftreten kann.
Beim rheumatischen Fieber greift das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe an, da es bestimmte Oberflächenmoleküle der Streptokokken mit ähnlichen Strukturen im menschlichen Gewebe verwechselt, ein Phänomen, das als molekulare Mimikry bezeichnet wird. Diese Kreuzreaktion führt zu einer Entzündung, die vor allem das Herz, die Gelenke, das Nervensystem und die Haut betrifft. Die Folge können chronische Herzerkrankungen wie rheumatische Herzkrankheit sein, die langfristig zu Herzklappenfehlern führen können.
Eine weitere schwerwiegende Autoimmunerkrankung, die mit Streptokokken in Verbindung gebracht wird, ist die akute poststreptokokkale Glomerulonephritis. Diese Erkrankung tritt nach einer Infektion mit bestimmten Streptokokkenstämmen auf und führt zu einer Entzündung der Nieren. Dabei lagern sich Immunkomplexe in den Glomeruli der Nieren ab, was zu einer verminderten Nierenfunktion und in schweren Fällen zu Nierenversagen führen kann. Besonders besorgniserregend ist, dass diese Erkrankung selbst nach der Behandlung der ursprünglichen Infektion auftreten kann.
Eine weitere interessante Verbindung zwischen Streptokokken und Autoimmunität stellt die PANDAS (Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections) dar. Diese Störung betrifft vor allem Kinder und äußert sich in einer plötzlichen Verschlimmerung von Zwangsstörungen oder Tics nach einer Streptokokkeninfektion. Der Mechanismus wird ebenfalls durch molekulare Mimikry erklärt, bei der Antikörper, die gegen Streptokokken gerichtet sind, auf Strukturen im Gehirn reagieren und neuropsychiatrische Symptome auslösen.
Die Rolle von Streptokokken bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen zeigt, wie komplex die Interaktion zwischen pathogenen Mikroorganismen und dem menschlichen Immunsystem ist. Trotz jahrzehntelanger Forschung ist das Verständnis dieser Mechanismen noch nicht vollständig. Die Prävention und frühzeitige Behandlung von Streptokokkeninfektionen bleiben daher von entscheidender Bedeutung, um das Risiko für die Entwicklung solcher Autoimmunerkrankungen zu minimieren. Darüber hinaus ist die Entwicklung von Impfstoffen gegen die relevantesten Streptokokkenstämme ein wichtiges Forschungsziel, um die Inzidenz dieser assoziierten Autoimmunerkrankungen zu reduzieren.
Einteilung nach Hämolyse und Lancefield-Gruppen
Die Gattung umfasst Arten, die für den Menschen sehr unterschiedliche Bedeutung haben – von den harmlosen Dauerbewohnern der Mundhöhle bis zu Erregern lebensbedrohlicher Erkrankungen. Um diese Vielfalt zu ordnen, benutzt die Medizin bis heute zwei Einteilungen nebeneinander, die aus verschiedenen Fragestellungen entstanden sind.
Die ältere richtet sich danach, wie sich die Bakterien auf einem Nährboden verhalten, dem Blut zugesetzt wurde. Bauen sie den roten Blutfarbstoff nur unvollständig ab, entsteht um die Kolonie herum ein grünlicher Hof; das ist die α-Hämolyse, und die betreffenden Arten heißen deshalb vergrünende Streptokokken. Wird der Blutfarbstoff vollständig zerstört, klart der Nährboden um die Kolonie auf – die β-Hämolyse. Bleibt der Nährboden unverändert, spricht man der Vollständigkeit halber von γ-Hämolyse, obwohl in diesem Fall gar keine Auflösung roter Blutkörperchen stattfindet. Diese Einteilung beschreibt allein das Aussehen einer Kultur; über die Verwandtschaft der Arten sagt sie nichts aus.
Die zweite Einteilung geht auf die amerikanische Bakteriologin Rebecca Lancefield zurück, die sie in den 1930er Jahren entwickelte. Sie beruht auf einem Zuckerbaustein der Zellwand, der von Gruppe zu Gruppe verschieden aufgebaut ist und sich mit Antikörpern nachweisen lässt. Die so unterschiedenen Gruppen werden mit Großbuchstaben bezeichnet. Medizinisch am wichtigsten ist die Gruppe A mit der Art Streptococcus pyogenes, dem Erreger von Scharlach, Halsentzündung, Wundrose (Erysipel) und des früher gefürchteten Kindbettfiebers. Die Gruppe B besteht aus Streptococcus agalactiae, einer Art, die bei einem Teil der Frauen die Scheide besiedelt und unter der Geburt auf das Kind übergehen kann. Das Gruppenantigen D tragen unter anderem die Enterokokken, die deshalb lange zu den Streptokokken gerechnet wurden.
Für die Bewohner der Mundhöhle und für die Pneumokokken hilft die Lancefield-Einteilung nicht weiter, weil ihnen ein solches Gruppenantigen fehlt. Sie werden über andere Eigenschaften bestimmt.
Nachweis im Labor
Am Anfang steht auch heute noch die Gram-Färbung. Unter dem Mikroskop erscheinen Streptokokken darin als blau bis violett gefärbte Kugeln, die zu Ketten oder Paaren aneinandergereiht sind. Von den ähnlich gefärbten Staphylokokken, die in traubenförmigen Haufen liegen, lassen sie sich durch einen einfachen Test unterscheiden: Gibt man einen Tropfen Wasserstoffperoxid auf das Material, schäumt es bei Staphylokokken auf, weil diese das Enzym Katalase besitzen. Streptokokken bilden es nicht, es bleibt also ruhig.
Angezüchtet werden die Bakterien auf bluthaltigen Nährböden, wobei viele Arten besser wachsen, wenn die Luft mit Kohlendioxid angereichert ist. Das Hämolyseverhalten der gewachsenen Kolonien liefert den ersten Anhaltspunkt. Ob ein Gruppenantigen nach Lancefield vorliegt, prüft man mit kleinen Kunststoffkügelchen, die mit den passenden Antikörpern beschichtet sind: Trifft das Antigen auf den zugehörigen Antikörper, verklumpen die Kügelchen sichtbar.
Für die Streptokokken der Gruppe A gibt es daneben Schnelltests, die das Gruppenantigen unmittelbar aus einem Abstrich des Rachens nachweisen und innerhalb von Minuten ein Ergebnis liefern. Fällt ein solcher Test negativ aus, obwohl der Verdacht bestehen bleibt, wird zusätzlich eine Kultur angelegt. In modernen Laboratorien wird die Art einer gewachsenen Kolonie zunehmend über ihr Eiweißmuster bestimmt, das massenspektrometrisch gemessen und mit einer Datenbank verglichen wird; daneben stehen Verfahren zur Verfügung, die Erbsubstanz des Erregers nachweisen, etwa die Polymerase-Kettenreaktion.
Eine Sonderstellung nehmen die Folgeerkrankungen ein. Sie treten erst auf, wenn die Bakterien häufig schon nicht mehr nachweisbar sind. Hier hilft die Suche nach Antikörpern im Blut, die sich gegen Stoffwechselprodukte der Streptokokken der Gruppe A richten – vor allem gegen das Streptolysin. Ein erhöhter Wert belegt eine durchgemachte Infektion, sagt für sich allein aber nichts darüber aus, ob eine Folgeerkrankung vorliegt.
Streptokokken außerhalb der Krankheitslehre
Die Gattung gehört zur Ordnung der Milchsäurebakterien, und dieser Name benennt ihre wichtigste Stoffwechselleistung: Streptokokken vergären Zucker zu Milchsäure. Was im Mund den Zahnschmelz angreift, ist in der Milchwirtschaft erwünscht, denn die Säure dickt die Milch ein, gibt ihr den frischen Geschmack und hemmt Verderbniserreger.
Genutzt wird dafür vor allem Streptococcus thermophilus, eine Art, die im Unterschied zu ihren Verwandten hohe Temperaturen verträgt und den Menschen nicht dauerhaft besiedelt. Sie ist neben Milchsäurebakterien der Gattung Lactobacillus an der Herstellung von Joghurt beteiligt, wobei sich beide Arten gegenseitig fördern, und dient außerdem als Starterkultur für verschiedene Käsesorten. Sie gilt als für den Menschen unbedenklich und zählt zu den am häufigsten eingesetzten Bakterien der Lebensmittelherstellung überhaupt.
Weitere ehemalige Mitglieder der Gattung sind inzwischen ausgegliedert worden, ohne dass sich an ihrer Verwendung etwas geändert hätte: Die für die Käserei wichtigen Milchsäurebakterien, die früher als Streptococcus lactis geführt wurden, bilden heute die eigene Gattung Lactococcus. Auch die Enterokokken werden getrennt geführt; da sie mit dem Darminhalt in die Umwelt gelangen und sich in Wasserproben gut nachweisen lassen, dienen sie in der Hygiene als Anzeiger für eine Verunreinigung von Bade- und Trinkwasser mit Fäkalien.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132447936
- Hof, H., Dörries, R. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132423558
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132443174
- Neumeister, B., Geiss, H. K., Braun, R. W., Kimmig, P. (Hrsg.): Mikrobiologische Diagnostik.
ISBN: 9783137436027
