Pityriasis lichenoides


Aktualisiert am 21. März 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Die Pityriasis lichenoides gehört zu den erythemato-squamösen Hauterkrankungen, die in akuter oder chronischer Form vorliegen kann. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung mit unbekannter Ursache. Die symptomatische Behandlung der Hautpapeln erfolgt mittels anti-entzündlicher Lokalbehandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pityriasis lichenoides?

Die Fachliteratur bezeichnet Hauterkrankungen auch als Dermatosen. Diese Erkrankungen manifestieren sich meist nicht nur auf der Haut, sondern auch in ihren Anhangsorganen. Dazu zählen die Haare, die Nägel, die Talgdrüsen und die Schweißdrüsen. Unter die Dermatosen werden unterschiedliche Unterkategorien gefasst. Eine davon ist die der erythemato-squamösen Hauterkrankungen.

Die Pityriasis lichenoides ist eine erythemato-squamöse Hauterkrankung, die 1899 erstmals beschrieben wurde. Als Erstbeschreiber gilt Juliusberg. Brocq beschrieb die Krankheit drei Jahre nach der Erstbeschreibung als eine von mehreren Parapsoriasis-Erkrankungen. Die Spekulation auf mehrere Psoriasis-ähnliche Erkrankungen lässt sich aufgrund von neueren Forschungsergebnissen nicht aufrecht erhalten.

Mittlerweile geht die Medizin von klinisch verschiedenen Erscheinungsformen der Pityriasis lichenoides aus, die als Varianten ein- und derselben Krankheit zu verstehen sind. Klinisch werden bisher vier Formen voneinander unterschieden, die von unterschiedlicher Akuität gekennzeichnet sind. Die akute Form der Krankheit ist auch als Mucha-Habermann-Krankheit bekannt.

Ursachen

Bei der Pityriasis lichenoides handelt es sich um eine eher seltene Erkrankung. In den meisten Fällen sind männliche Jugendliche oder erwachsene Männer von der Dermatose betroffen. Die Ursache der Hauterkrankung ist bisher nicht geklärt. Auch Spekulationen über ursächliche Faktoren sind bislang eher dünn gesät, was vermutlich mit dem seltenen Auftreten der Dermatose zu tun hat.

Vermutlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. T-Zellen des Immunsystems rufen im Verlauf der Erkrankung Entzündungen im Bereich der Haut hervor. Die immunologischen Zellen erkennen damit körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als körperfremden Stoff oder Krankheitserreger, den es zu bekämpfen gilt. Die primäre Ursache für eine derartige Fehlprogrammierung des Immunsystems könnte ein Virus sein.

Außerdem werden Impfstoffe und Umweltfaktoren wie Stressphasen als primäre Ursachen der Pityriasis lichenoides diskutiert. Wieso männliche Personen häufiger an der Krankheit leiden, bleibt bislang unklar. Für den ursächlichen Zusammenhang scheint das Geschlecht zumindest kaum eine Rolle zu spielen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine akute wird von einer chronischen Form der Pityriasis lichenoides unterschieden. Prinzipiell können am selben Patienten auch beide Formen nebeneinander auftreten. Die akute Form (Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta oder PLEVA) ist die seltenere Variante und manifestiert sich durch einzelne oder multiple Papeln, die hämorrhagisch zu nekrotisieren beginnen.

Schmerzen oder ein unangenehmes Spannungsgefühl begleiten die gewebezerstörenden Nekrosen. Für die chronische Form der Erkrankung (Pityriasis lichenoides chronica oder PLC) sind Exantheme charakteristisch. Dabei handelt es sich um großflächig gleichförmigen Hautausschlag. Im Rahmen der chronischen Pityriasis lichenoides bleibend diese Ausschläge in der Regel über mehrere Monate bestehen und gehen mit der Bildung von rund oder oval scharf begrenzten Papeln einher.

Die meisten Patienten leiden nur geringfügig an Juckreiz. Dafür ist ihre Haut in vielen Fällen von einem parakeratotischen Deckel aus Schuppen bedeckt. Die Parakeratose ist eine Verhornungsstörung des Plattenepithels, die Zellkerne der Epithelzellen in der obersten Zellschicht zurücklässt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Pityriasis lichenoides wird anhand der klinischen Symptome gestellt. Zur Feindiagnose und Bestimmung der Krankheitsform ist neben einer Histopathologie eine Verlaufsüberwachung angezeigt. Differenzialdiagnostisch muss besonders die chronische Form der Pityriasis lichenoides von der Psoriasis guttata und Lues II abgegrenzt werden.

Bei der akuten Form besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu Windpocken sowie Arzneimittelexanthemen und allergischer Vaskulitis. Da die Erkrankung oft erstmals in der frühen Kindheit auftritt, werden die Patienten bei ihrem ersten Akutanfall fälschlicherweise am häufigsten mit Windpocken diagnostiziert. Für die Betroffenen besteht eine eher günstige Prognose. Die akute Form zeigt klinisch zwar ein schwerwiegenderes Bild, geht aber meist von selbst in Remission und bildet sich vollständig zurück.

Komplikationen

Bei der Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta leiden die Betroffenen an unterschiedlichen Beschwerden an der Haut. Diese Beschwerden wirken sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und können diese erheblich einschränken. In den meisten Fällen kommt es dabei auch zu starken psychischen Beschwerden und zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu einem verringerten Selbstwertgefühl.

Auch bei Kindern kann es dabei eventuell zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen. Die Haut selbst ist dabei von Papeln und Pusteln bedeckt und kann in einigen Fällen auch jucken. Vor allem Kinder kratzen sich dabei sehr oft an der Haut, was zu Narben oder sogar zu Blutungen führen kann. Die meisten Patienten leiden bei der Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta auch an einem allgemeinen Krankheitsgefühl und weiterhin auch an einer Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Die Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta wird mit Hilfe von Medikamenten und verschiedenen Cremes oder Salben behandelt. Dabei treten keine Komplikationen auf. Ob die Beschwerden durch die Behandlung allerdings vollständig verschwinden, kann nicht universell vorausgesagt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta allerdings nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn ungewöhnliche Hautveränderungen auftreten, die sich nicht innerhalb weniger Tage von selbst zurückbilden, ist ärztliche Hilfe gefragt. Spätestens, wenn Symptome wie Juckreiz oder Entzündungen hinzukommen, muss mit der Pityriasis lichenoides zum Arzt gegangen werden. Die Diagnose ermöglicht eine sofortige Behandlung durch Medikamente, wodurch sich die Kleienpilzflechte innerhalb weniger Tage bis Wochen zurückbilden sollten. Personen, die an chronischen Hautkrankheiten oder an einer Autoimmunstörung leiden, sind besonders gefährdet. Ebenso gehören Patienten von Hautpilzen wie dem Malassezia furfur zu den Risikogruppen und sollten die erwähnten Symptome zeitnah abklären lassen.

Auch wer sich in feucht-warmem Klima aufhält, stark schwitzt oder Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus hat, muss den Hausarzt informieren. Weitere Anlaufstellen sind der Dermatologe oder ein Facharzt für innere Medizin. Die Behandlung findet meist ambulant statt. Bei einer stark ausgeprägten Pityriasis lichenoides kann eine stationäre Therapie in einer Fachklinik vonnöten sein. Der Patient braucht unter Umständen auch therapeutische Unterstützung, da die Krankheit eine große seelische Belastung darstellen kann.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Behandlungsmöglichkeit existiert für Patienten mit Pityriasis lichenoides bislang nicht. Da die primäre Ursache der Erkrankung bisher nicht geklärt ist, können ursächliche Behandlungsansätze nicht entwickelt werden. Vor allem die chronische Form der Dermatose gilt aus diesem Grund als unheilbare Erkrankung. Symptomatische Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung.

Die bislang angewandten Behandlungsansätze reichen von der Exposition gegenüber UV-Strahlen bis hin zu konservativ medikamentösen Therapien. Die PUVA-Methode greift zum Beispiel auf UV zurück. Es handelt sich hierbei um die Kombination von Psoralenen mit langwelliger UV-Bestrahlung, die in der Dermatologie bei verschiedenen Indikationen als Therapie verwendet wird.

Unter den medikamentösen Therapiewegen hat sich für Patienten mit Pityriasis lichenoides die Einnahme von Antibiotika als wirksam erwiesen. Dasselbe gilt für die Versorgung mit Steroiden. Systemische Glukokortikoide sind die verbreiteteste Therapiemethode. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bietet sich mit der anti-entzündlichen Lokaltherapie einzelner Papeln.

Bei der akuten Form der Erkrankung verschwinden die Läsionen in den meisten Fällen von selbst. Abhängig vom individuellen Verlauf kann diese Rückbildung einige Zeit in Anspruch nehmen. Bei der chronischen Form sind Remissionen ebenfalls verbreitet. Bei dieser Variante verschwinden die Symptome allerdings nur für bestimmte Zeit und treten danach erneut auf.

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Aussicht & Prognose

In der Regel ist der weitere Verlauf bei einer Pityriasis lichenoides sehr stark von ihrer genauen Ursache und auch von der Ausprägung der Krankheit abhängig, sodass eine allgemeine Voraussage dabei meist nicht erfolgen kann. Allerdings wirkt sich hierbei eine frühe Diagnose durch einen Arzt sehr positiv auf den weiteren Verlauf dieser Erkrankung aus und kann dabei auch das Auftreten von weiteren Komplikationen oder Beschwerden verhindern.

Wird die Pityriasis lichenoides gar nicht behandelt, so verschwinden die Beschwerden dabei nicht von alleine und können sich in vielen Fällen weiterhin auch verstärken. Daher sollte bei dieser Erkrankung immer eine Behandlung angestrebt werden. In der Regel kommen dabei verschiedene Cremes oder Salben zum Einsatz, durch welche die Beschwerden gelindert werden können. Das regelmäßige Auftragen dieser Medikamente kann dabei die Beschwerden dauerhaft und auch nachhaltig einschränken, sodass diese nicht wieder auftreten.

Die Dauer der Heilung kann dabei allerdings sehr unterschiedlich sein und ist auch stark davon abhängig, wie gut das Medikament beim jeweiligen Patienten wirkt. Der Betroffene sollte dabei das Kratzen der betroffenen Stellen auf jeden Fall vermeiden, damit es nicht zu Blutungen oder zu Narben kommt. Ebenso kann ein hoher Standard an Hygiene die Beschwerden lindern und auch das erneute Auftreten der Krankheit verhindern.

Vorbeugung

Präventive Schritte existieren zur Pityriasis lichenoides kaum. Solange die primäre Ursache der Erkrankung nicht geklärt ist, können auch keine erfolgsversprechenden Vorbeugemaßnahmen entwickelt werden. Da extreme Stresssituationen offenbar einen ursächlichen Faktor darstellen, kann die Anwendung von Strategien zur Stressbewältigung bei der Prävention eine Rolle spielen. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei nicht um eine sichere Vermeidungsstrategie.

Nachsorge

Betroffenen stehen bei der Pityriasis lichenoides in den meisten Fällen nur sehr wenige und nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. In der Regel sollte schon früh ein Arzt kontaktiert werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen und auch nicht zu anderen Beschwerden kommt. Eine frühe Diagnose wirkt sich in der Regel sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus und kann eine Verschlechterung der Symptome verhindern.

Der Patient sollte daher schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen der Krankheit einen Arzt aufsuchen. Die meisten Betroffenen sind bei der Pityriasis lichenoides daher auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen. Hierbei ist immer auf eine richtige Dosierung mit der regelmäßigen Einnahme zu achten, um die Beschwerden richtig zu lindern.

Werden Antibiotika eingenommen, sollten diese nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden. Weiterhin sollten Betroffene bei Pityriasis lichenoides ihre Haut besonders gut gegen Licht schützen und sich auch nicht in der Sonne ungeschützt aufhalten. Regelmäßige Kontrollen von einem Arzt helfen, Schäden schon früh zu erkennen und zu behandeln.

Das können Sie selbst tun

Diese eher seltene Erkrankung trifft häufig Männer. Da bislang noch keine Erkrankungsursache festgelegt wurde, kann die Krankheit bislang nur symptomatisch behandelt werden. Hier wird der behandelnde Dermatologe geeignete Therapien vorschlagen.

Möglicherweise ist die Pityriasis lichenoides jedoch eine Autoimmunerkrankung, deren Verlauf sich je nach Stress und Umwelteinflüssen verschlimmert. Daher ist ein gesunder Lebensstil anzuraten, der mehrere Komponenten umfasst. Zum einen sollten sich die Patienten keine zusätzlichen Gifte zuführen, da auch sie über die Haut abtransportiert werden, was die Erkrankung verschlimmern kann. Sie sollten also nicht rauchen, nur mäßig bis keinen Alkohol konsumieren und Stress vermeiden.

Wichtig ist Sport, denn zum einen regt er den Stoffwechsel an und zum anderen unterstützt er das Immunsystem beim Kampf gegen die Pityriasis lichenoides. Zudem sorgt er für ein besseres Körperbewusstsein, was vor allem den Patienten entgegenkommt, die unter den optisch entstellenden Bläschen leiden. Auch eine sorgsame Ernährung mit vitaminreichen, frischen Lebensmitteln sowie wenig Fett und Zucker gehört zu einem gesunden Lebensstil. Den Patienten ist anzuraten, viel Wasser zu trinken, um eventuelle Giftstoffe ausschwemmen zu können.

Auch ausleitende und entgiftende Maßnahmen können das Immunsystem stärken. Hierzu werden Saunabesuche mit naturheilkundlichen oder homöopathischen Mitteln kombiniert. Naturheilkundlich arbeitende Ärzte sowie Heilpraktiker beraten hier gerne.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014


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