Psoriasis guttata
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Psoriasis guttata
Bei der Psoriasis guttata handelt es sich um eine Unterform der Schuppenflechte. Sie zeigt sich in erster Linie bei Kindern und jungen Erwachsenen.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Psoriasis guttata?
© rob3000 – stock.adobe.com
In der Medizin ist die Psoriasis guttata auch als exanthematische Psoriasis bekannt. Sie stellt eine von mehreren unterschiedlichen Subformen der Schuppenflechte (Psoriasis) dar. Rund zwei Prozent aller Patienten, die an der Schuppenflechte erkranken, sind von der Psoriasis guttata betroffen.
Dabei zeigt sich diese spezielle Variante der Psoriasis vorwiegend bei Kindern und jungen Erwachsenen. In Deutschland ist die Schuppenflechte verhältnismäßig weit verbreitet. So liegt bei rund zwei Prozent aller Bundesbürger eine bestimmte Psoriasis-Form vor. In den meisten Fällen ist die Psoriasis guttata die Folgeerscheinung von Racheninfektionen.
Im Anschluss an diesen Infekt treten kleine rote Punkte an unterschiedlichen Körperstellen auf. Im Unterschied zur gewöhnlichen Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), die mit circa 90 Prozent den größten Anteil an der Schuppenflechte hat, fallen die betroffenen Stellen jedoch eher klein aus und sind linsen- oder tropfenförmig. Außerdem zeigt sich die Psoriasis guttata vorwiegend am Rumpf des Körpers.
Ursachen
Ungefähr ein bis zwei Wochen nach dem Auftreten der bakteriellen Infektion zeigt sich schließlich die Psoriasis guttata. Als weiterer möglicher Auslöser für die Subform der Schuppenflechte gilt die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln wie Chloroquin, Hydroxychloroquin, Lithium und Betablockern.
Zeigen sich nach der Darreichung dieser Mittel Psoriasis-Symptome, wird empfohlen, einen Wechsel des Medikaments zu prüfen, was jedoch zuvor mit einem Arzt abzusprechen ist. Betablocker dürfen dabei nicht abrupt abgesetzt werden, weil Blutdruck und Herzschlag sonst stark ansteigen können. Allerdings ist es auch möglich, dass die Psoriasis guttata ohne diese speziellen Faktoren ausbricht oder einfach nur die Vorstufe einer anderen Psoriasis-Erkrankung darstellt.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Im Rahmen der Psoriasis guttata treten typische Symptome auf. So breiten sich über bestimmte Körperstellen oder sogar den gesamten Körper kleine rundliche Herde mit rötlicher Färbung aus. Farbe, Umfang und Form der Punkte können sich jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich präsentieren. So schwankt ihre Größe zwischen einer Linse, einem Stecknadelkopf oder einer Centmünze.
Bei den meisten Patienten beginnt die Psoriasis guttata sehr plötzlich und setzt am Rumpf, also auf Rücken und Brust, ein. Zwischen 60 und 80 Prozent aller betroffenen Personen leiden außerdem unter Juckreiz. Dieser kann in einigen Fällen auch stark ausgeprägt sein. Besonders die Kopfhaut des Patienten wird davon in Mitleidenschaft gezogen.
Trotz starken Juckens raten Ärzte vom Reiben und Kratzen der betroffenen Hautstellen ab. Es besteht sonst die Gefahr, dass sich Wunden an diesen Stellen bilden, die sich dann entzünden. Ein weiteres mögliches Symptom der Psoriasis guttata ist eine zeitweilige Abschwächung oder Zunahme der Hautpigmentierung. Nicht wenige Patienten leiden zudem unter psychischen Problemen, weil sie sich durch die Krankheit entstellt fühlen.
Im schlimmsten Fall kommt es deswegen zu längeren depressiven Verstimmungen. Tritt die Erkrankung an sichtbaren Körperstellen wie Gesicht oder Hals auf, neigen manche Menschen dazu, sich von ihren Mitmenschen immer mehr zurückzuziehen und schließlich zu isolieren. Als ungünstiger Faktor gilt zudem übermäßiger Stress. So kann sich dieser negativ auswirken und für frische Krankheitsschübe sorgen, wodurch sich die Psoriasis guttata nach stärkeren seelischen Belastungen rascher ausbreitet.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Eine Psoriasis guttata zu diagnostizieren ist nicht weiter schwer. Ein erfahrener Arzt erkennt die Erkrankung zumeist schon an ihren typischen Symptomen auf der Haut. Von der Psoriasis vulgaris unterscheiden lässt sich die Psoriasis guttata durch kleine punktförmige Stellen, während bei der gewöhnlichen Schuppenflechte dicke Plaques auftreten.
Welchen Verlauf diese Variante der Schuppenflechte nimmt, lässt sich nicht immer vorherbestimmen. So äußert sich die Erkrankung von Patient zu Patient unterschiedlich. Nicht selten dehnt sie sich weiter aus und geht in eine Psoriasis vulgaris über. Es wird versucht, dies durch eine Behandlung der Krankheitsauslöser zu verhindern.
Häufig kann die Psoriasis guttata auch von selbst wieder abheilen und verschwindet schließlich. Ärzte reden dann von einer Spontanheilung, die bei dieser Form der Schuppenflechte nicht selten innerhalb von Wochen bis Monaten eintritt.
Komplikationen
Auch Kinder können in einem jungen Alter an Mobbing oder an Hänseleien leiden. Die Haut der Betroffenen färbt sich krankheitsbedingt rötlich und es bilden sich kleine Punkte auf der Haut aus. Weiterhin ist die Haut von einem Juckreiz betroffen, welcher von Kratzen nur noch weiterhin verstärkt wird. Auch Narben können dabei bei einem übermäßigen Kratzen entstehen.
Weiterhin werden die Beschwerden der Psoriasis guttata von Stress und innerer Unruhe deutlich verstärkt. Die Behandlung der Psoriasis guttata richtet sich in der Regel nach der Grunderkrankung. Möglicherweise müssen einige Hautstellen mit Hilfe verschiedener Therapien behandelt werden. Schwerwiegende Komplikationen sind dabei selten. Die eingesetzten Mittel haben allerdings Nebenwirkungen, und bei einem Teil der Betroffenen geht die Psoriasis guttata in eine chronische Schuppenflechte über, zu der Gelenkbeschwerden und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören können. Die Psoriasis guttata selbst wirkt sich nicht negativ auf die Lebenserwartung des Patienten aus.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Krankheit Psoriasis guttata sollte immer von einem Arzt behandelt werden. Auch wenn die Hautveränderungen von selbst abklingen können, lässt sich die Krankheit in den meisten Fällen nicht durch Mittel der Selbsthilfe heilen. Um weitere Komplikationen zu vermeiden, sollte daher bei Psoriasis guttata immer ein Arzt aufgesucht werden. Der Arzt ist dann aufzusuchen, wenn es am gesamten Körper zu einer leichten Rötung kommt. Diese Rötung tritt ohne einen besonderen Grund auf und bleibt über Wochen bestehen. Nicht selten kann auch ein starker Juckreiz auf die Psoriasis guttata hindeuten und sollte von einem Arzt untersucht werden. In der Regel kann ein Hautarzt aufgesucht werden.
Da die Psoriasis guttata weiterhin auch zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führen kann, sollte neben der Behandlung der Haut auch ein Psychologe aufgesucht werden, um die psychischen Beschwerden zu lindern.
Breitet sich die Rötung über nahezu die gesamte Haut aus oder kommen Fieber, Schüttelfrost und eitrige Pusteln hinzu, ist das ein Notfall. Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, weil hinter solchen Verläufen eine Erythrodermie oder eine pustulöse Psoriasis stecken kann, die im Krankenhaus behandelt werden muss.
Behandlung & Therapie
Die Psoriasis guttata heilt häufig vollständig ab, wenn die auslösende Ursache behandelt wird. Dazu kann es nötig sein, gegen eine Mandel- oder Rachenentzündung vorzugehen. Ob eine Behandlung mit Antibiotika oder eine Entfernung der Mandeln den Verlauf der Psoriasis guttata tatsächlich günstig beeinflusst, ist nach heutigem Kenntnisstand allerdings nicht belegt. Ansonsten ähnelt die Therapie der Behandlung der Psoriasis vulgaris. Dabei lässt sich Abhilfe durch die Anwendung von Feuchtigkeitscremes oder Salben schaffen.
Allerdings ist es oft aufwendig, eine äußerliche Behandlung der vielen kleinen Hautstellen vorzunehmen. Aus diesem Grund werden oft eine Phototherapie (Lichttherapie) oder eine PUVA-Therapie eingesetzt, bei der es sich um eine Mischung aus Phototherapie und der Einnahme von Arzneimitteln handelt. Lange Zeit wurde dabei häufig die PUVA-Therapie gewählt. Heute wird stattdessen meist die Schmalband-UVB-Bestrahlung bevorzugt, weil sie einfacher anzuwenden ist und die PUVA-Therapie bei häufiger Wiederholung das Hautkrebsrisiko erhöht. Medikamente in Form von Spritzen oder Tabletten kommen in schweren Fällen zum Einsatz. Dabei verabreicht der Arzt zumeist Ciclosporin, Methotrexat oder Retinoide. Methotrexat wird dabei nur einmal wöchentlich eingenommen, nicht täglich. Bei schweren und anhaltenden Verläufen stehen heute zusätzlich Biologika zur Verfügung, die gezielt in das Immunsystem eingreifen.
Innerlich angewendete Kortikoide werden bei der Schuppenflechte dagegen gemieden, weil die Beschwerden nach dem Absetzen häufig verstärkt zurückkehren. Äußerlich auf die Haut aufgetragen sind kortisonhaltige Präparate hingegen ein übliches Mittel.
Vorbeugung
Eine direkte Vorbeugung der Psoriasis guttata ist nicht möglich. Liegt jedoch eine erbliche Veranlagung der Schuppenflechte vor, gilt es als sinnvoll, seinen Alkohol- und Nikotinkonsum herabzusetzen. Grundsätzlich ist der Ausbruch der Psoriasis guttata aber auch dann möglich, wenn sich der Mensch gesund ernährt oder sportlich betätigt, weil sich bakterielle Infektionen des Rachenraums nicht immer verhindern lassen.
Nachsorge
Die tägliche Basistherapie der Psoriasis guttata trägt dazu bei die intakte Hautbarriere wiederherzustellen. Dazu gehört die äußerliche Anwendung von wirkstofffreien Salbengrundlagen auf der Haut. Auch das äußerliche Auftragen von Salicylsäure und Salben mit drei bis zehn Prozent Harnstoff kann die Haut regenerieren. Salicylsäure sollte bei kleinen Kindern allerdings nicht großflächig aufgetragen werden, weil sie über die Haut aufgenommen wird. Unterstützt werden kann die Therapie durch Öl- und Solebäder.
Ein ebenfalls bewährtes Mittel ist Steinkohlenteer, der als Salbe oder Gel auf die lokale Stelle aufgetragen wird. Dort zieht er einige Stunden ein und wird dann abgewaschen. Lange Zeit war Steinkohlenteer ein Standardmittel gegen die Schuppenflechte. Wegen seines möglicherweise krebserzeugenden Potenzials wird er heute nur noch zurückhaltend eingesetzt. Manchmal muss es auch ein starker Wirkstoff wie Kortison sein. Wichtig ist, dass die Haut täglich mit Feuchtigkeit versorgt wird. Dafür eignen sich natürliche Hausmittel wie Mandelöl, Traubenkernöl oder Umschläge aus Heilerde.
In der Regel reicht eine Basistherapie als alleinige Nachsorge der Psoriasis guttata nicht aus. Viele Patienten leiden durch die Psoriasis unter einem enormen Leidensdruck und psychischen Belastungen. Natürlich kann Stress auch eine Wechselwirkung sein und die Psoriasis guttata verschlimmern.
Eine psychosomatische Behandlung sowie eine Schulung des Patienten können deshalb sehr sinnvoll sein. Dabei erhält der Patient wichtige Informationen zum Krankheitsbild und erfährt, was er bei der Pflege der Haut beachten muss. Sehr hilfreich ist die Aufklärung über Möglichkeiten zur Stressverringerung und Entspannungsmethoden. Solche Schulungen können ambulant, aber auch stationär erfolgen.
Das können Sie selbst tun
Die Psoriasis guttata kann von den Betroffenen selbst behandelt werden. Notwendig ist hierzu lediglich eine umfassende Vorbereitung durch den Arzt, indem dieser die notwendigen Salben verschreibt und Tipps für die Anwendung gibt.
Wichtig ist die konsequente Behandlung der Schuppenflechte mittels einer strikten Körperhygiene und lindernder Salben. Die Bettwäsche sollte regelmäßig gewechselt werden, weil sich abgeschuppte Hautschüppchen darin sammeln. Ansteckend ist die Schuppenflechte dabei nicht: Sie lässt sich weder durch Hautkontakt noch über Wäsche oder Gegenstände übertragen. Gegen den Juckreiz helfen kühlende Auflagen sowie Bäder mit Kräuterzusätzen. Ein Aufkratzen der Hautveränderungen gilt es unbedingt zu vermeiden, da dies unter Umständen zu weiteren Schmerzen oder sogar zu Vernarbungen führen kann. Daneben kann auch eine Umstellung der Ernährung hilfreich sein. Es empfiehlt sich eine gesunde und ausgewogene Diät, die sich aus viel Obst und Gemüse zusammensetzen sollte. Ungesunde Lebensmittel wie Fast Food, Zucker oder fetthaltige Speisen gilt es zu vermeiden. Auch auf Alkohol und Zigaretten sollten Psoriasis-guttata-Patienten verzichten.
Begleitend zur symptomatischen Behandlung müssen die Ursachen der Psoriasis guttata ermittelt und behoben werden. Dies gelingt durch konsequentes Beobachten und Ausschließen möglicher Auslöser. Vielen Betroffenen hilft die Vermeidung bestimmter Medikamente sowie die frühzeitige ärztliche Behandlung wiederkehrender Rachen- und Mandelentzündungen.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446069
- Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
ISBN: 9783131755476
- Zink, A. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Dermatologie und Allergologie.
ISBN: 9783437238376
- Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin.
ISBN: 9783662725535
