Pyodermie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Pyodermie
Eine Pyodermie ist häufig keine Primärerkrankung. Sie kann hervorgerufen werden durch eine Störung des Immunsystems, durch andere primäre Erkrankungen, durch Hautinfekte aber auch durch Streptokokken beziehungsweise Staphylokokken.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Pyodermie?
Bei einer Pyodermie handelt es sich um eine brennende und eitrige Hautentzündung, die unterschiedliche Hautschichten betreffen kann. Auslöser sind in den meisten Fällen als Eiterbakterium bekannte β-hämolysierende Streptokokken und Staphylokokken. Trotz des ähnlichen Namens hat die Pyodermie nichts mit dem Pyoderma gangraenosum zu tun, einer nicht durch Bakterien verursachten Erkrankung mit schmerzhaften Geschwüren. Beim Pyoderma gangraenosum kann eine chirurgische Wundreinigung die Geschwüre verschlimmern und gehört deshalb in fachärztliche Hand, bei der Pyodermie ist die Reinigung der Wunde dagegen unbedenklich.
In der Hautheilkunde werden primäre Pyodermien, die auf zuvor gesunder Haut entstehen, etwa die Impetigo contagiosa, die Haarbalgentzündung oder das Furunkel, von sekundären Pyodermien auf vorgeschädigter Haut unterschieden.
Nach der Tiefe der Entzündung werden drei Arten unterschieden:
- Die Oberflächenpyodermie (surface pyodermia)
Hierbei sind lediglich die obersten Epidermisschichten betroffen. Es gibt vier Sonderformen: Intertrigo (eine Hautfaltendermatitis), Pyotraumatische Dermatitis (hot spot), bakterielle Übersiedlung der Haut (bacterial overgrowth syndrome) und Mukokutane Pyodermie.
- Die oberflächliche Pyodermie
Besonders im Bereich der Haarfollikel sind auch tiefere Schichten der Epidermis betroffen. Die Infektion jedoch bleibt oberhalb der Basallamina. Hier sind drei Sonderformen bekannt: Impetigo (hoch ansteckend), bullöse Impetigo und Follikulitis (oberflächlich und bakteriell).
- Die tiefe Pyodermie
Auch in der Dermis oder sogar der Subkutis kommt es zu einer Infektion. Möglich sind: Follikulitis (häufigste Form), Furunkulose (Haarbalg ist infiziert und kann zerstört werden), Zellulitis (auch die Unterhaut ist infiziert). Die hier gemeinte Zellulitis ist eine tiefe bakterielle Entzündung der Unterhaut und hat nichts mit der kosmetisch störenden Cellulite (Orangenhaut) zu tun.
Ursachen
Ist jedoch die Haut verletzt oder durch eine Erkrankung geschädigt, haben die infektionsauslösenden Bakterien leichtes Spiel. Es kommt zu einer Eiterbildung, der Pyodermie. Eine Pyodermie wird also nicht nur durch Ansteckung, sondern auch durch ein nicht richtig funktionierendes Immunsystem ausgelöst. Ein weiterer Auslöser für die Pyodermie sind unterschiedliche Krankheiten.
So kann eine hormonelle Erkrankung wie zum Beispiel die Schilddrüsenerkrankung oder eine Überfunktion der Nebennierenrinde (Cushing-Syndrom) verantwortlich sein. Ein wichtiger begünstigender Faktor ist ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus; er spielt vor allem bei immer wiederkehrenden Furunkeln eine Rolle. Auf jeden Fall sollte nach einem auslösenden Faktor gesucht werden, da die Pyodermie häufig keine primäre Erkrankung ist. Eine weitere Ursache können allergische Hautreaktionen darstellen.
Zum Beispiel eine Lebensmittelallergie oder eine Atopie; seltener eine Überempfindlichkeit gegen Insektenstiche wie eine Flohbissallergie. Liegt eine Vorerkrankung der Haut, zum Beispiel Neurodermitis, vor, ist die Infektionsgefahr um ein Vielfaches erhöht und der Verlauf der Pyodermie ist häufig schwerwiegender.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptomatik einer Pyodermie ist sehr vielschichtig. Juckreiz, Schuppenbildung und Rötungen sowie Krustenbildungen gehören genau wie eine Hautverfärbung zu den typischen Symptomen. Betroffen sein kann grundsätzlich jede Körperstelle; besonders anfällig sind Hautbereiche, die aufeinanderliegen und feucht werden, etwa Achseln, Leisten und die Gesäßfalte, sowie Stellen mit vielen Haarfollikeln. Bei der Impetigo contagiosa der Kinder liegen die Herde dagegen meist im Gesicht rund um Mund und Nase sowie an den Händen.
Bei Kindern, vor allem Klein- und Kindergartenkindern, liegt meistens eine Impetigo contagiosa vor, bei der es sich um eine Entzündung der Oberhaut handelt. Die Übertragung durch Staphylokokken oder Streptokokken führt zu unterschiedlich großen Hautbläschen mit einem geröteten Saum und einer eitrigen Eintrübung.
Die kleinen Bläschen platzen sehr leicht und schnell auf. In Folge entstehen honiggelbe Krusten und die Infektionsherde breiten sich aus. Eine Übertragung auf andere Hautregionen oder auch andere Personen erfolgt durch die Finger, die mit den infizierten Stellen in Berührung gekommen sind.
Diagnose & Krankheitsverlauf
In der Regel erfolgt eine klinische Untersuchung inklusive labortechnischer Analyse mit oder ohne Hautabstrich. Liegt eine tiefere Entzündung vor, wird eine Bakterienkultur angelegt. Dies ist mit oder ohne Hautbiopsie möglich. Dringen die infektionsauslösenden Bakterien in die tiefer gelegenen Hautschichten ein, kann es zu einer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens sowie zu Übelkeit kommen.
Nicht nur die Haut, sondern der gesamte Organismus ist dann betroffen. Für eine Diagnose kann auch eine Übertragung durch andere Personen in Betracht gezogen werden. Denn nicht selten handelt es sich bei Klein- und Kindergartenkindern um Staphylokokken oder Streptokokken, die von einem anderen Kind übertragen wurden. Die Ansteckung erfolgt dabei vor allem als Schmierinfektion über die Hände und gemeinsam benutzte Gegenstände, seltener durch Tröpfcheninfektion aus dem Rachen. Komplikationen sind bei rechtzeitiger Behandlung selten.
Allerdings können bei einer Infektion durch Streptokokken die auch bei Scharlach auftretenden Streptokokken-Zweiterkrankungen ausgelöst werden. Nach einer Hautinfektion droht dabei vor allem eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis), während das rheumatische Fieber nur nach Infektionen des Rachens auftritt. Bei einer Infektion durch Staphylokokken besteht die Gefahr eines Lyell-Syndroms (staphylogenes Lyell-Syndrom). Dabei verbreiten sich Giftstoffe der Bakterien über das Blut und lösen die oberste Hautschicht großflächig ab. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder.
Komplikationen
In vielen Fällen schämen sich die Patienten für die Beschwerden der Pyodermie und leiden daher auch an Minderwertigkeitskomplexen und an einem verringerten Selbstwertgefühl. Auch Depressionen oder anderen psychische Verstimmungen können durch die Krankheit auftreten. Weiterhin kann es auch zur Ausbildung von Bläschen auf der Haut kommen. Die Bläschen selbst sind dabei schmerzhaft und können leicht aufplatzen. Ebenso kann sich die Pyodermie auf andere Regionen der Haut übertragen.
Aufgrund der Ansteckungsgefahr sollte enger Hautkontakt mit anderen Menschen vermieden werden; Handtücher und Waschlappen dürfen nicht geteilt werden. Weiterhin führt die Pyodermie nicht selten zu einer Übelkeit oder zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl beim Betroffenen. Die Behandlung der Pyodermie erfolgt in der Regel mit Hilfe von Antibiotika. Bleibt sie aus oder greift sie nicht, können die Bakterien in tiefere Schichten vordringen und einen Abszess, eine Wundrose oder im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung verursachen. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch eine rechtzeitig behandelte Pyodermie nicht beeinflusst.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Pyodermie sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Nur durch eine richtige Behandlung können weitere Komplikationen und Beschwerden verhindert werden. Eine frühe Diagnose und Behandlung der Pyodermie wirken sich dabei immer positiv auf den weiteren Verlauf aus. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an verschiedenen Hautbeschwerden leidet, die nicht von alleine wieder verschwinden und in der Regel auch ohne einen besonderen Grund auftreten. Dabei kommt es vor allem zu einem starken Juckreiz und zu Rötungen an den betroffenen Stellen.
Der gesamte Körper kann von den Beschwerden der Pyodermie betroffen sein. Ebenso können Bläschen auf der Haut auf die Pyodermie hindeuten und sollten von einem Arzt untersucht werden. Da die Erkrankung auch auf andere Menschen durch Hautkontakt übertragen werden kann, sollte der Hautkontakt vorerst vermieden werden. Die Pyodermie kann dabei durch einen Allgemeinarzt oder durch einen Hautarzt behandelt werden. Bei rechtzeitiger Behandlung heilt eine Pyodermie meist folgenlos aus.
Bei hohem Fieber, Schüttelfrost, rasch zunehmender Schwellung oder roten Streifen, die von der entzündeten Stelle in Richtung Rumpf ziehen, ist umgehend ärztliche Hilfe nötig. Bei starker Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens sollte der Notruf 112 gewählt werden. Ein Furunkel im Gesicht, vor allem an Oberlippe und Nase, gehört ebenfalls sofort in ärztliche Behandlung, weil sich die Entzündung von dort in Richtung Gehirn ausbreiten kann.
Behandlung & Therapie
Da es sich, wie bereits erwähnt, bei einer Pyodermie häufig nicht um eine Primärerkrankung handelt, ist eine auslösende Erkrankung abzuklären. Kann diese erfolgreich therapiert werden, kann ein erneutes Auftreten der Hautinfektion meistens verhindert werden. Die Pyodermie für sich betrachtet wird mit Antibiotika behandelt.
Wichtig ist, das verordnete Antibiotikum genau so lange einzunehmen, wie es der Arzt angeordnet hat, und die Einnahme nicht eigenmächtig zu beenden, sobald die Beschwerden nachlassen. In den meisten Fällen beträgt die Behandlungsdauer wenige Tage bis zwei Wochen. Nur bei tiefen oder immer wiederkehrenden Infektionen dauert sie länger. Nach der ersten Hälfte der Behandlungszeit sollte eine Kontrolluntersuchung durchgeführt werden.
Diese ermöglicht eine individuelle Festsetzung der Einnahme eines Antibiotikums. Hinzu kommt die Anwendung von Sprays und Spülungen. Mit ihnen kann nicht nur die Keimzahl auf der Haut vermindert, sondern auch die Heilung beschleunigt werden. Besonders anfällige Stellen können zudem gezielt behandelt werden.
Die therapeutisch angewendeten Waschlösungen sind hochgradig antibakteriell und müssen einige Minuten auf der Haut einwirken. Nur so ist bestmöglich gewährleistet, dass die Kontaktzeit mit der Haut ausreicht, um die Bakterien abzutöten. Auch das gründliche Ausspülen ist sehr wichtig.
Vorbeugung
Stark entfettende, alkalische Seifen sollten nicht angewendet werden, da sie die Haut in ihrer natürlichen gesunden Funktion schädigen. Außerdem wird das körpereigene Fett herausgezogen. Die Haut trocknet aus. Wer von Natur aus eine eher trockene Haut hat, sollte nur kurz und nicht so heiß duschen.
Nachsorge
Nach der erfolgreichen Behandlung einer Pyodermie muss vor allem das erneute Auftreten einer Pyodermie vermieden werden. Hierzu ist eine regelmäßige, aber hautschonende Körperhygiene sehr wichtig. Darüber hinaus empfiehlt es sich, das Auftreten schwerer Folgeerkrankungen wie einer im schlimmsten Fall tödlichen Blutvergiftung zu verhindern. Die Akne inversa, eine chronisch entzündliche Erkrankung der Haarfollikel in Achseln, Leisten und Gesäßfalte, ist dagegen keine Folge einer Pyodermie, wird aber leicht mit immer wiederkehrenden Furunkeln verwechselt und braucht eine eigene Behandlung.
Neben dem Waschen mit einer milden, seifenfreien Waschlotion und dem Desinfizieren der Hände, insbesondere nach dem Besuch öffentlicher Toiletten, sollte täglich geduscht werden. Außerdem ist eine schonende Hautpflege förderlich, um das erneute Auftreten einer Pyodermie zu verhindern. Diese sollte aus dem regelmäßigen Abspülen der Haut mit pH-neutralen Reinigungsmitteln und einer ausgewogenen, hautgesunden Ernährung bestehen.
Zusätzlich dazu sollten die Entzündungswerte im Blut regelmäßig vom zuständigen Haus- oder Facharzt kontrolliert werden, um das erneute Auftreten einer Pyodermie und das Auftreten von Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Daneben kann eine Langzeittherapie mit Antibiotika auch nach der erfolgreichen Therapie einer Pyodermie angezeigt sein. Wegen der Gefahr von Resistenzen wird eine solche Dauerbehandlung heute allerdings nur zurückhaltend eingesetzt. Bei immer wiederkehrenden Furunkeln steht stattdessen die Sanierung der Bakterienbesiedlung von Nase und Haut im Vordergrund.
Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn bereits Folgeerkrankungen aufgetreten sind. Auch hierbei sollten die Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden. Bei einer Akne inversa können zusätzlich Operationen der Haut notwendig sein, bei denen das entzündete Gewebe entfernt wird.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446069
- Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
ISBN: 9783131755476
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Höger, P. H.: Kinderdermatologie.
ISBN: 9783132420649

