Rubeosis iridis

Letzte Aktualisierung am 9. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Rubeosis iridis ist eine häufige Komplikation der diabetischen Retinopathie und hat ihre Ursache in einer Minderdurchblutung. Die Patienten leiden an einer Profileration von Gefäßen im Bereich der Iris und des Augenkammerwinkels, die mit Blutungen vergesellschaftet sein kann. Neben einer kausalen Behandlung der Grunderkrankung erfolgt die Therapie der Patienten in Form einer symptomatischen Glaukom-Therapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Rubeosis iridis?

Proliferationen entsprechen schnellen Wachstums- oder Vermehrungsprozessen im Körpergewebe, die einer Wucherung gleichkommen. Die Grundlage jeder Profileration ist beschleunigte Zellteilung, wie sie die Abheilungsphase der Wundheilung kennzeichnet. Zellproliferation unterliegt der Steuerung unterschiedlichster Faktoren.

Hormone wie Somatotropin sind genauso relevant wie wachstumsfördernde Proteine. Gewebebereiche mit erhöhten Proliferationsvorgängen bezeichnet die Histologie als Proliferationszonen. Unterschiedliche Erkrankungen sind durch symptomatische Profileration gekennzeichnet. Eine solche Erkrankung ist Rubeosis iridis.

Hierbei handelt es sich um die Komplikation unterschiedlicher Augenerkrankungen. Charakteristischerweise betrifft die Profileration bei Patienten mit Rubeosis iridis die Blutgefäße der Iris. Auch die Gefäße des Augenkammerwinkels können von den vermehrten Teilungsprozessen betroffen sein.

Ursachen

Den ursächlichen Rahmen für Rubeosis iridis bildet eine Sauerstoffmangelversorgung. Der Sauerstoffmangel betrifft das Gewebe der Netzhaut und kann die Folge unterschiedlicher Primärerkrankungen sein. Zu den häufigsten Grunderkrankungen zählt in diesem Zusammenhang Diabetes.

Diese Stoffwechselerkrankung kann in einer diabetischen Retinopathie zur Manifestation gelangen, die mit Minderdurchblutung im Bereich der Netzhaut einhergeht. Eine derartige Minderdurchblutung ist immer mit einer Sauerstoffunterversorgung gleichzusetzen, da das Blut im menschlichen Organismus als Transportmedium für Nähr- und Sauerstoff fungiert.

Eine Unterversorgung der Netzhaut tritt nicht nur bei der diabetischen Retinopathie, sondern auch nach einem Zentralvenenverschluss ein. Auf den Sauerstoffmangel reagiert der Organismus mit der Ausschüttung vasoproliferativer Faktoren. Der Vascular Endothelium Growth Factor ist in diesem Kontext besonders relevant: Dieser Wachstumsfaktor initiiert die Vasoproliferation.

Über das Kammerwasser erreichen diese Faktoren den vorderen Augenabschnitt und haben damit Direktkontakt mit dem Kammerwinkel und der Iris. In diesen Strukturen lösen die Faktoren eine Neubildung von Blutgefäßen aus, die der vorausgegangenen Minderdurchblutung vorbeugen soll.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Rubeosis iridis leiden primär an einer Minderdurchblutung oder anderweiter Sauerstoffunterversorgung im Bereich der Iris und des Kammerwinkels. Dieses Phänomen löst die Neubildung von Blutgefäßen aus. Das Gewebe beginnt im Iris- und Kammerwinkelbereich zu wuchern und zeigt sich in der Histologie damit als Profilerationszone.

In den meisten Fällen bleibt die vermehrte Zellteilung im Gewebe der Gefäße nicht folgenlos. Starke Vasoproliferation zieht oftmals Gefäßschädigungen nach sich, die mit sichtbaren Blutungen einhergehen. Nach Rupturen der neu gebildeten Gefäße lassen die Blutungen die Gefahr einer Kammerwasserabflussblockade ansteigen.

Falls das Kammerwasser blutungsbedingt nicht mehr hinzureichend aus dem Auge abfließen kann, steigt der Augendruck an. Je weiter der Druck ansteigt, desto wahrscheinlicher bildet sich in einer Konsequenz ein Glaukom aus.

Bei dieser Art des Glaukoms handelt es sich um ein sogenanntes Offenwinkelglaukom, das sekundär aus der Profileration entstanden ist. Da auch die Profileration selbst lediglich das Symptom einer übergeordneten Erkrankung ist, handelt es sich bei beiden Erscheinungen um sekundäre Krankheitsprozesse.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Verdachtsdiagnose Rubeosis iridis lässt sich rein blickdiagnostisch stellen. Vor allem bei begleitenden Gefäßrupturen und Blutungen entwickelt der Arzt diesen Verdacht. Falls in der Anamnese der Zusammenhang mit einer Primärerkrankung hergestellt werden kann, erhärtet sich die erste Verdachtsdiagnose.

Eine Gewebeprobe aus der Profilerationszone kann dem Ausschluss von bösartigen Teilungsprozessen dienlich sein. Eine Augendruckmessung ist im Rahmen der Diagnostik unbedingt angezeigt, um das eventuell bestehende Glaukomrisiko einschätzen zu können.

In vielen Fällen begeben sich die Betroffenen lange nicht zum Augenarzt, da sie hinter den Erscheinungen keine Gefahr vermuten. Aus diesem Grund wird die Diagnose in zahlreichen Fällen erst relativ spät gestellt. Im Prinzip hängt die Prognose für Patienten mit Rubeosis iridis von der primär ursächlichen Erkrankung und dem Zeitpunkt der Diagnose ab.

Komplikationen

Eine starke Vasoproliferation hat oftmals eine Schädigung der Gefäße im Auge zur Folge, verbunden mit sichtbaren Blutungen und der Gefahr einer sogenannten Kammerwasserabflussblockade. Blockiert die Blutung den Abfluss des Kammerwassers, so kann dies zu einem Anstieg des Augendrucks führen. Ein hoher Augendruck begünstigt wiederum die Entstehung eines Glaukoms.

Auch Sehstörungen sind nicht auszuschließen. Bei der Behandlung einer Rubeosis iridis gehen die Risiken hauptsächlich von den verordneten Medikamenten aus. Da der Augenkrankheit meist eine Diabetes-Erkrankung zugrunde liegt, werden hauptsächlich Präparate verwendet, die stark in die körpereigenen Prozesse eingreifen. Bei der Insulin-Therapie können sich gelegentlich Ödeme oder Wassereinlagerungen im Körper bilden.

Der Patient leidet manchmal auch unter einer Gewichtszunahme und Sehstörungen. Durch das Spritzen von Insulin können Störungen im Unterhautfettgewebe auftreten. Gelegentlich treten auch Hautreizungen an der Einstichstelle auf, die sich durch Rötungen, Juckreiz, Schwellungen und Quaddeln äußern. Die Vasoproliferation selbst wird in seltenen Fällen operativ behandelt. Ein chirurgischer Eingriff birgt das Risiko von Verletzungen und Infektionen, kann allerdings auch zu schweren Komplikationen wie Sehstörungen oder dem dauerhaften Verlust der Sehkraft führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Rubeosis iridis sollte immer von einem Arzt behandelt werden. Es kann bei dieser Krankheit nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass der Betroffene immer auf eine Behandlung durch einen Arzt angewiesen ist, um weitere Komplikationen zu verhindern. Der Arzt ist dann aufzusuchen, wenn es im Bereich der Augen an der Iris zu einer Neubildung der Gefäße kommt. Dabei können die Augen sehr rot oder sehr müde wirken, sodass bei diesen ersten Anzeichen ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Auch die Durchblutung ist gesteigert, sodass es zu geplatzten Adern im Auge kommt, welche relativ leicht zu erkennen sind. Dabei können auch Außenstehende den Betroffenen auf die Symptome der Rubeosis iridis hinweisen. Sollte die Rubeosis iridis nicht behandelt werden, kann es auch zur Ausbildung eines Glaukoms kommen, welches ebenfalls behandelt werden muss. Die Rubeosis iridis wird durch einen Augenarzt behandelt. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf und die Erkrankung kann meist relativ gut behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Im klinischen Alltag unterscheiden behandelnde Ärzte zwischen kausalen und symptomatischen Behandlungsansätzen. Symptomatische Behandlungen verringern zwar die einzelnen Symptome, lassen die eigentliche Ursache einer Erkrankung aber unberührt. Kausale Therapien lösen die Ursache soweit wie möglich auf und beseitigen auf diese Weise zugleich alle bestehenden Symptome.

Auch für Patienten mit Rubeosis iridis spielt die Unterscheidung zwischen kausalen und symptomatischen Therapieansätzen eine wesentliche Rolle. Im Vordergrund der Therapie steht bei der Gefäßprofileration im Bereich der Iris und des Kammerwinkels die kausale Behandlung der Grunderkrankung.

Mit dieser Kausaltherapie soll die Ursache für die auslösende Sauerstoffunterversorgung aufgelöst werden, um eine abermalige oder progrediente Ischämie auszuschließen. Falls der Krankheitsprozess bereits in ein entstehendes Sekundärglaukom gemündet ist, muss dieses Glaukom symptomatisch behandelt werden.

Diese symptomatische Behandlung entspricht einer anti-glaukomatösen Therapie. Mittlerweile wird der Einsatz von VEGF- bindenden Antikörpern zur Therapie von Rubeosis iridis diskutiert. Bei Antikörpern dieser Art handelt es sich zum Beispiel bei Bevacizumab. Vermutlich könnte eine Behandlung mit diesen Mitteln die Vasoproliferation verhindern, oder zumindest hemmen.

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Vorbeugung

Rubeosis iridis lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie den Ursachen des Phänomen vorzubeugen ist. Da es sich bei Diabetes mellitus um eine der häufigsten Ursachen für Retinopathien handelt und weil diese Retinopathien in vielen Fällen Rubeosis iridis zur Folge haben, gelten zur Prävention der Gefäßprofileration im weitesten Sinne die Vorbeugungsmaßnahmen für Diabetes. Dazu zählt neben einer gesunden Ernährungsweise zum Beispiel ausreichend Bewegung.

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lücke, N.: Diabetes mellitus. Compact-Verlag, München 2010


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