Bevacizumab

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bevacizumab zählt zu den Wirkstoffen zur Behandlung von Krebserkrankungen. Dabei handelt es sich um einen humanisierten monoklonalen Antikörper.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bevacizumab?

Bevacizumab
Bevacizumab zählt zu den Wirkstoffen zur Behandlung von Krebserkrankungen, z.B. bei Brustkrebs.

Bevacizumab gilt als wichtiges Therapiemittel gegen Krebskrankheiten. Der Wirkstoff dient zur Behandlung verschiedener Krebsarten wie Brustkrebs, Darmkrebs, Nierenkrebs und Lungenkrebs.

Die Zulassung von Bevacizumab fand im Jahr 2005 statt. So gehört der monoklonale Antikörper zu den eher jüngeren Behandlungsmitteln. Zum Einsatz kam der Arzneistoff bislang jedoch mit beachtlichem Erfolg. Seit 2018 sind in der Europäischen Union neben dem ursprünglichen Präparat auch Biosimilars von Bevacizumab zugelassen, also Nachfolgepräparate biologischer Arzneimittel.

Neben der Behandlung von Krebserkrankungen sind auch andere Indikationen denkbar. So wird das Mittel mitunter gegen die altersbedingte Makuladegeneration der Augen verabreicht.

Pharmakologische Wirkung

Krebs zählt zu den tückischsten Krankheiten der Gegenwart. So kommt es dabei zu einem unkontrollierten Wachstum der Körperzellen. Im weiteren Verlauf verdrängen die Krebszellen das gesunde Gewebe mehr und mehr, was schließlich zur Entstehung eines bösartigen (malignen) Tumors führt.

Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Zellen teilen sich die Krebszellen immer wieder. Bei einigen Tumoren findet das Abspalten und Streuen der Krebszellen statt, sodass sie über das Lymphsystem oder die Blutbahn zu anderen Organen gelangen und diese ebenfalls schädigen können. Mediziner sprechen in solchen Fällen von Tochtergeschwülsten oder Metastasen. Auf diese Weise verbreitet sich der Krebs zunehmend im Körper und führt im letzten Stadium schließlich zum Tode des Patienten.

Damit der Tumor wachsen kann, ist er auf eine eigenständige Blutversorgung angewiesen. So benötigt er für sein rasantes Wachstum viel Sauerstoff und Nährstoffe. Zu diesem Zweck wird von dem Tumor der Botenstoff VEGF gebildet. Dieser bindet sich an einen Rezeptor, wodurch Blutgefäße entstehen.

Um gegen das Wachstum des Tumors vorzugehen, kommt Bevacizumab ins Spiel. Der Antikörper, dessen Herstellung gentechnisch erfolgt, fängt den VEGF-Botenstoff ab, sodass sich dieser nicht mehr an seinen Rezeptor binden kann. Auf diese Weise lässt sich das Ausbilden von Blutgefäßen anhalten. Aufgrund dieser Eigenschaft gehört Bevacizumab zu den Angiogenese-Hemmern. Weil die Zufuhr an Nährstoffen und Sauerstoff ausbleibt, wächst der Krebstumor schließlich nicht mehr weiter.

Ein zusätzlicher Effekt von Bevacizumab ist das Abdichten von Blutgefäßen, wodurch weniger Flüssigkeit in das benachbarte Gewebe austritt und der Entstehung von Ödemen (Wassereinlagerungen im Körper) entgegengewirkt wird.

Wirkungsvoll zeigt sich Bevacizumab auch am menschlichen Auge. So wird durch den Stoff in der Netzhaut das Anwachsen von störenden Blutgefäßen verhindert. Das Gleiche gilt für das Ansammeln von Wassereinlagerungen an der Makula. Für die Anwendung im Auge ist Bevacizumab allerdings nicht zugelassen, und die Fachinformation hält ausdrücklich fest, dass die Zubereitung für diesen Weg nicht entwickelt wurde.

Verabreicht wird Bevacizumab durch eine Infusion. Dabei gelangt der Arzneistoff unmittelbar in die Blutbahn und verbreitet sich in hohem Tempo im Organismus. Weil Bevacizumab mit einer Eiweißstruktur ausgestattet ist, lässt sich der allmähliche Abbau des Stoffes im gesamten Körper vornehmen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zur Anwendung kommt Bevacizumab zur Therapie von verschiedenen Krebserkrankungen. So wird das Mittel zum Beispiel in Kombination mit einer Chemotherapie gegen Dickdarmkrebs oder Enddarmkrebs verabreicht. Auch zur Erstbehandlung von Brustkrebs, der mit Metastasen verbunden ist, eignet sich das Mittel, wenn es mit dem Zytostatikum Paclitaxel oder Capecitabin zur Anwendung gelangt.

Zusammen mit einer Chemotherapie findet Bevacizumab auch Verwendung gegen Bronchialkrebs. Dabei reduziert sich das Einsatzgebiet jedoch auf fortgeschrittene Tochtergeschwülste, die nicht mehr operabel sind. Weitere Krebsarten, die mit dem monoklonalen Antikörper therapiert werden können, sind Karzinome an den Eileitern, den Eierstöcken oder dem Bauchfell sowie Nierenkrebs und Gebärmutterhalskrebs.

Experimentell lässt sich Bevacizumab auch gegen Gefäßneubildungen an der Netzhaut des Auges verabreichen. Dabei wird der Stoff eingesetzt, um Makulaödeme oder eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD) zu behandeln. Zu diesem Zweck injiziert der Arzt das Bevacizumab in den Glaskörper des Auges, was zu einem Wachstumsstopp und mitunter sogar zu einem Rückgang der schädlichen Blutgefäße führt. Da Bevacizumab für augenärztliche Behandlungen allerdings nicht zugelassen ist, erfolgt seine Anwendung im Off-Label-Use.


Verabreichung & Dosierung

Verabreicht werden darf Bevacizumab nur von fachkundigem medizinischem Personal. Die empfohlene Dosis liegt bei 5 bis 15 Milligramm je Kilo Körpergewicht. Die Gabe erfolgt im Abstand von drei Wochen im Rahmen einer Infusion, die etwa 90 Minuten dauert.

Damit ist das Schema allerdings nur zum Teil beschrieben. Die Fachinformation sieht je nach Anwendungsgebiet und je nach dem Mittel, mit dem Bevacizumab kombiniert wird, auch einen kürzeren Abstand zwischen zwei Gaben vor. Ebenso ist die Infusionsdauer nicht festgeschrieben: Verträgt ein Patient die erste Gabe gut, kann die folgende in kürzerer Zeit verabreicht werden. Welches Schema gilt, hängt also von der behandelten Krebsart und vom übrigen Behandlungsplan ab.

Der Wirkstoff wird in eine Vene gegeben, und zwar als Infusion und nicht als Druck- oder Bolusinjektion. Die erste Infusion nimmt dabei die längste Zeit in Anspruch; wird sie gut vertragen, kann die zweite kürzer erfolgen, und wird auch diese gut vertragen, können sich die weiteren noch einmal verkürzen. Eine Verringerung der Menge wegen Nebenwirkungen sieht die Fachinformation dagegen nicht vor: Ist eine Anpassung nötig, wird die Behandlung entweder ausgesetzt oder dauerhaft beendet. Weil es sich um ein biologisches Arzneimittel handelt, verlangt die Fachinformation, die Bezeichnung des Präparats und die Bezeichnung der verwendeten Charge eindeutig zu dokumentieren; das erlaubt es, spätere Beobachtungen zur Verträglichkeit einer bestimmten Produktionsreihe zuzuordnen.

Rund um Operationen ruht die Behandlung. Vor einem geplanten Eingriff wird sie abgesetzt, nach einem größeren Eingriff erst wieder aufgenommen, wenn die Wunde vollständig verheilt ist. Auch bei Wundheilungsstörungen unter laufender Behandlung wird sie bis zur Abheilung ausgesetzt.

Risiken & Nebenwirkungen

Viele Patienten leiden nach der Gabe von Bevacizumab unter unerwünschten Nebenwirkungen. Am häufigsten treten Durchfall, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Schwächegefühle, zu hoher Blutdruck, Erkrankungen an den Augen, Darmblutungen, Nasenbluten, Kopfschmerzen, Schnupfen, Fieber, Verfärbungen der Haut, Hautrockenheit, Hautentzündungen oder sogar ein Magen-Darm-Durchbruch auf.

Weiterhin sind Abszesse, Bauchschmerzen, Blutarmut, Ohnmacht, Infektionen, Muskelschwäche, Atembeschwerden, Austrocknung oder Antriebslosigkeit im Bereich des Möglichen. Schlimmstenfalls drohen ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall. Weil Bevacizumab die Gefäßneubildung hemmt, kann außerdem die Wundheilung gestört sein; vor und nach größeren Operationen wird die Behandlung deshalb unterbrochen. Kontrolliert wird zudem die Eiweißausscheidung im Harn, da unter der Behandlung eine Proteinurie auftreten kann.

Zu den schwerwiegendsten Nebenwirkungen zählt die Fachinformation drei Gruppen: den Durchbruch der Wand des Magen-Darm-Trakts, Blutungen einschließlich solcher aus der Lunge und die arterielle Thromboembolie, also den Verschluss einer Schlagader durch ein verschlepptes Gerinnsel. Als die in klinischen Studien am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen nennt sie einen zu hohen Blutdruck, Erschöpfung oder Schwäche, Durchfall und Bauchschmerzen.

Neben dem Durchbruch der Darmwand kann Bevacizumab die Bildung von Fisteln begünstigen, also von unnatürlichen Verbindungsgängen zwischen zwei Hohlorganen. Besonders betroffen sind Patientinnen, die wegen eines fortbestehenden, wiederkehrenden oder mit Tochtergeschwülsten einhergehenden Gebärmutterhalskrebses behandelt werden; bei ihnen können Fisteln zwischen Scheide und Magen-Darm-Trakt entstehen. Eine vorausgegangene Bestrahlung ist dafür der wesentliche Risikofaktor. Auch die Gallenblase kann durchbrechen, und in seltenen Fällen wurde eine nekrotisierende Fasziitis beschrieben, eine rasch fortschreitende Infektion des Bindegewebes, die meist auf eine Wundheilungsstörung, einen Durchbruch oder eine Fistel folgt.

Gerinnsel können sich sowohl in den Schlagadern als auch in den Venen bilden. In den Studien traten Verschlüsse von Hirngefäßen, vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns und Herzinfarkte unter Bevacizumab in Verbindung mit einer Chemotherapie häufiger auf als unter der Chemotherapie allein. Ein erhöhtes Risiko tragen Patienten, die bereits einen solchen Verschluss erlitten haben, an Zuckerkrankheit leiden oder in höherem Lebensalter stehen. Auf der venösen Seite steht die Lungenembolie im Vordergrund. Bei lebensbedrohlichen Ereignissen wird die Behandlung beendet.

Der zu hohe Blutdruck hängt wahrscheinlich von der verabreichten Menge ab. Ein bereits vorbestehender Bluthochdruck wird deshalb vor Behandlungsbeginn angemessen eingestellt, und der Blutdruck wird während der Behandlung überwacht. Damit verwandt ist das posteriore reversible Enzephalopathie-Syndrom, eine seltene Störung des Gehirns, die sich in Krampfanfällen, Kopfschmerzen, verändertem Bewusstsein, Sehstörungen oder sogar einer Erblindung durch die Hirnrinde äußern kann – mit oder ohne begleitenden Bluthochdruck. Die Diagnose wird durch bildgebende Verfahren gesichert, vorzugsweise durch eine Kernspintomographie; Bevacizumab wird dann abgesetzt.

Auch die Eiweißausscheidung im Harn steigt offenbar mit der verabreichten Menge. Patienten mit Bluthochdruck in der Vorgeschichte tragen ein erhöhtes Risiko. Erreicht die Ausscheidung das Ausmaß eines nephrotischen Syndroms, wird die Behandlung dauerhaft beendet.

Da die Hemmung der Gefäßneubildung auch die Gefäßwand betrifft, kann sie die Entstehung von Aussackungen und Einrissen von Schlagadern begünstigen. Vor Behandlungsbeginn wird dieses Risiko bei Patienten mit Bluthochdruck oder mit solchen Aussackungen in der Vorgeschichte abgewogen. Ferner wurden Fälle einer Herzschwäche berichtet, die von einer unbemerkten Abnahme der Pumpleistung bis zu einer behandlungs- oder krankenhauspflichtigen Herzschwäche reichten; die meisten Betroffenen hatten ein fortgeschrittenes Mammakarzinom und zuvor Anthrazykline oder eine Bestrahlung der linken Brustwand erhalten.

Über eine Absterben des Kieferknochens wurde ebenfalls berichtet, überwiegend bei Patienten, die zuvor oder gleichzeitig Bisphosphonate in die Vene erhielten. Vor Behandlungsbeginn werden deshalb eine zahnärztliche Untersuchung und vorbeugende Maßnahmen erwogen; größere zahnärztliche Eingriffe während der Behandlung gelten als zusätzlicher Risikofaktor.

Bei Frauen vor den Wechseljahren kann Bevacizumab die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Die Fachinformation rät deshalb, vor Behandlungsbeginn über Maßnahmen zum Erhalt der Fruchtbarkeit zu sprechen.

Bei der Behandlung des Auges kann es zu umfangreichen Augenentzündungen kommen. Ist das Immunsystem des Patienten bereits geschwächt, besteht die Gefahr einer Weichteilinfektion. Die Therapie muss dann umgehend beendet werden.

Die Fachinformation führt die Risiken der nicht zugelassenen Anwendung im Auge eigens auf. Berichtet wurden dabei Einzelfälle und Häufungen schwerer Ereignisse: eine durch Erreger verursachte sowie eine keimfreie Entzündung des Augeninneren, eine Entzündung der Regenbogenhaut und des Glaskörpers, eine Ablösung der Netzhaut, ein Riss des Pigmentepithels der Netzhaut, ein erhöhter Augeninnendruck sowie Blutungen in den Glaskörper, in die Netzhaut und in die Bindehaut. Einige dieser Ereignisse führten zu Sehstörungen unterschiedlichen Ausmaßes bis hin zur dauerhaften Erblindung. Außerdem sinkt nach einer solchen Injektion die Konzentration des Botenstoffs VEGF im Blut, und es wurde über Blutungen außerhalb des Auges sowie über Gefäßverschlüsse berichtet – die Wirkung bleibt also nicht auf das Auge beschränkt.


Kontraindikationen

Liegt bei dem Patienten eine Überempfindlichkeit gegen Bevacizumab vor, ist auf die Anwendung des Mittels zu verzichten. Gleiches gilt für eine Überempfindlichkeit gegen menschliche bzw. tierische Antikörper. Genauer nennt die Fachinformation an dieser Stelle die Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen einen der sonstigen Bestandteile sowie die Überempfindlichkeit gegen Erzeugnisse aus Zellen des chinesischen Hamsters, in denen der Antikörper hergestellt wird, und gegen andere gentechnisch gewonnene menschliche oder vermenschlichte Antikörper.

Auch während der Schwangerschaft muss auf den Einsatz von Bevacizumab verzichtet werden, da sich bei Tierversuchen beträchtliche Schäden bei den Neugeborenen ergaben. Anders als bei vielen anderen Krebsmitteln handelt es sich dabei nicht um eine bloße Vorsichtsmaßnahme, sondern um eine ausdrücklich aufgeführte Gegenanzeige.

Unbehandelte Metastasen im Gehirn galten früher ebenfalls als Gegenanzeige; heute führt die Fachinformation sie dort nicht mehr auf, weist aber darauf hin, dass solche Patienten von den Zulassungsstudien ausgeschlossen waren und das Risiko von Hirnblutungen bei ihnen nicht untersucht ist. Ebenfalls abzusehen ist von der Behandlung von Kindern und Jugendlichen, da noch keine ausreichenden Daten für deren Therapie vorliegen.

Von den Gegenanzeigen zu unterscheiden sind schließlich die Zustände, in denen die Behandlung ruht oder beendet wird: eine kürzlich aufgetretene Blutung aus der Lunge, ein Durchbruch der Magen-Darm-Wand, eine Fistel schweren Grades, ein nephrotisches Syndrom und ein posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom. Sie stehen nicht am Anfang der Behandlung, sondern beenden eine bereits begonnene.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Auch Wechselwirkungen zwischen Bevacizumab und anderen Arzneimitteln sind denkbar. So sollte eine gemeinsame Verwendung des Stoffes mit anderen Krebsmitteln wie Sunitinib unterbleiben, da sonst Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen drohen. In zwei Studien zum fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom entwickelte ein erheblicher Teil der Patienten unter dieser Kombination eine Blutarmut, die durch die Zerstörung roter Blutkörperchen in kleinsten Gefäßen entsteht; bei einigen kamen ein zu hoher Blutdruck, erhöhte Nierenwerte und Beschwerden des Nervensystems hinzu. Nach dem Absetzen beider Wirkstoffe bildeten sich diese Befunde zurück.

Auf die Verstoffwechselung gebräuchlicher Zytostatika hat Bevacizumab dagegen keinen klinisch bedeutsamen Einfluss, und umgekehrt verändert eine begleitende Chemotherapie die Ausscheidung des Antikörpers nicht in nennenswertem Maß. Wechselwirkungen entstehen hier also nicht über den Stoffwechsel, sondern über die Summe der unerwünschten Wirkungen.

Genau das zeigt sich bei platin- oder taxanhaltigen Behandlungen: In Verbindung mit Bevacizumab wurden vermehrt schwere Verminderungen der neutrophilen Granulozyten, mit Fieber einhergehende Verminderungen und Infektionen beobachtet, einige davon mit tödlichem Ausgang. Betroffen waren vor allem Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom oder mit fortgeschrittenem Mammakarzinom.

Nicht zusammen angewendet werden dürfen Bevacizumab-haltige Chemotherapieschemata und monoklonale Antikörper gegen den Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor, wenn ein fortgeschrittenes Kolorektalkarzinom behandelt wird. Zwei große Studien deuten für diese Kombination auf ein kürzeres Überleben und auf mehr Nebenwirkungen hin.

Bei Bisphosphonaten, die über die Vene gegeben werden, ist wegen des Risikos für ein Absterben des Kieferknochens besondere Vorsicht geboten. Und zur gleichzeitigen Anwendung einer Strahlentherapie und Bevacizumab wurden Sicherheit und Wirksamkeit nach der Fachinformation nicht ermittelt.

Alternative Behandlungsmethoden

Seit dem Ablauf des Patentschutzes stehen neben dem ursprünglichen Präparat mehrere Biosimilars zur Verfügung, also Nachfolgepräparate biologischer Arzneimittel. Sie enthalten denselben Wirkstoff und richten sich nach demselben Anwendungsgebiet; für den Patienten ändert sich der Behandlungsansatz durch einen Wechsel also nicht.

Anders liegt es bei der Anwendung am Auge. Weil Bevacizumab dafür nicht zugelassen ist und die Zubereitung für diesen Weg nicht entwickelt wurde, gibt es Wirkstoffe, die eigens für die Injektion in den Glaskörper entwickelt und zugelassen wurden. Ranibizumab etwa ist bei Erwachsenen zur Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration zugelassen, ebenso bei einer Sehverschlechterung durch ein Makulaödem bei Zuckerkrankheit oder durch einen Verschluss einer Netzhautvene sowie bei einer Gefäßneubildung der Aderhaut. Wo eine zugelassene Behandlung zur Verfügung steht, entfällt der Grund für die Anwendung außerhalb der Zulassung.

Bei den Krebserkrankungen richtet sich die Alternative nach der Erkrankung selbst. Die Fachinformation beschreibt Bevacizumab in ihren Anwendungsgebieten nicht als alleinige Behandlung, sondern in Kombination: mit einer Chemotherapie, beim Nierenzellkarzinom mit Interferon alfa-2a und beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit EGFR-aktivierenden Mutationen mit dem Wirkstoff Erlotinib. Die jeweilige Begleitbehandlung ohne den Antikörper bleibt daher eine Möglichkeit, etwa wenn eine Wundheilungsstörung, ein Gefäßverschluss oder ein Durchbruch der Darmwand das Absetzen erzwingt. Bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom stehen mit Wirkstoffen wie Sunitinib weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die allerdings nicht zusammen mit Bevacizumab gegeben werden sollen.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Engelhardt, M., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch – Chemotherapie-Manual Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783662677483
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Lang, G. K., Lang, S. J., Lang, G. E., et al.: Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132454446

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