Schwefel

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Schwefel ist ein anorganisches chemisches Element, welches bei Raumtemperatur in festem Aggregatzustand vorliegt. Elementarer Schwefel ist gelb und als Molekül in zahlreichen Verbindungen enthalten. Auch in der Medizin spielt Schwefel zur Therapie chronischer Leiden eine Rolle, die Anwendung kann sowohl äußerlich als auch innerlich erfolgen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schwefel?

Bei Akne und Hautentzündungen kommt Schwefel als Zusatz in Cremes und Salben zum Einsatz.
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Schwefel ist auch unter seinem lateinischen Namen Sulfur bekannt, ein sogenanntes Nichtmetall von zitronengelbem Aussehen und ubiquitärer Verbreitung. Elementarer Schwefel kommt in der Natur nicht so häufig vor wie schwefelhaltige Verbindungen.

Aufgrund seiner Reaktionsfreudigkeit geht Schwefel schnell Verbindungen mit anderen chemischen Elementen, beispielsweise Sauerstoff oder Kohlenstoff, ein. Die beiden bekanntesten und häufigsten Schwefelverbindungen sind das Schwefeldioxid und der Schwefelwasserstoff, typisch erkennbar an seinem modrig-faulen Geruch.

Für alle Lebewesen, also für Pflanzen, Tiere, Menschen oder auch Bakterien, ist Schwefel ein essenzielles Element. Elementarer Schwefel kann vom menschlichen Organismus aber nicht verwertet werden, sondern nur anorganische und organische Verbindungen mit dem Schwefelatom. Viele Mikroorganismen betreiben eine so genannte anaerobe Energiegewinnung, welche nur mithilfe von Schwefel als Katalysator erfolgen kann. Im Organismus von komplexen Lebewesen, also auch beim Menschen, ist Schwefel unabdingbarer Bestandteil zahlreicher Enzyme und Aminosäuren. Die Entwicklung des Lebens per Evolution wäre also ohne Schwefel gar nicht denkbar.

Funktion, Wirkung & Aufgaben

Elementarer Schwefel ist eine kristalline Substanz von pulverartiger Konsistenz, die auf der Erdoberfläche in vielen Gesteinen zu finden ist. Da der Körper nicht in der Lage ist, Schwefel selbst zu synthetisieren, muss das chemische Element mit der Nahrung zugeführt werden.

Schwefelhaltige Verbindungen sind jedoch in vielen Grundnahrungsmitteln in ausreichender Menge vorhanden, sodass es, zumindest in den westlichen Industrienationen, kaum zu Mangelerscheinungen kommen kann. Die wichtigen Aufgaben und die Wirkung des Schwefels ergeben sich aus seiner Funktion als zentraler Bestandteil oder Nebenbestandteil von Enzymkomplexen oder Aminosäuren. Viele Stoffwechselprozesse könnten also ohne Schwefel als Molekül überhaupt nicht funktionieren. Wird Schwefel als Nahrungsergänzung aufgenommen, so ist die innerliche Wirkung bis heute nicht bekannt.

Zur Behebung angeblicher Schwefelmangelzustände wird die Einnahme von organischem Schwefel in der Zustandsform als Methylsulfonylmethan, besser bekannt unter der Kurzbezeichnung MSM, empfohlen. Während die etablierte medizinische Wissenschaft nicht davon ausgeht, dass überhaupt ein Schwefelmangel bei normaler Ernährung vorkommt, gehen Befürworter der Schwefelmangeltheorie davon aus, dass zu wenig Schwefel zu ernsthaften gesundheitlichen Störungen und Beeinträchtigungen führen kann, welche durch die Zufuhr von MSM wieder behoben werden könnten.

Die Möglichkeit einer Überdosierung, Nebenwirkungen oder toxischen Auswirkungen ist bei Schwefel nicht bekannt. In der pharmazeutischen und chemischen Industrie dient Schwefel unter anderem der Produktion von Kunstdünger, Insektiziden, Farbstoffen und Schwefelsäure. Schwefel ist auch Bestandteil in bestimmten Explosivstoffen und Schwarzpulver.

Bildung, Vorkommen, Eigenschaften & optimale Werte

Bei äußerer Anwendung regen Schwefelverbindungen die Wundheilung an, trocknen aber auch die Haut leicht aus. Schwefel wirkt zudem leicht antiseptisch und entzündungshemmend, dadurch können entzündlich-rheumatische Erkrankungen positiv in ihrem Verlauf beeinflusst werden.

Bei Akne und Hautentzündungen kommt Schwefel als Zusatz in Cremes und Salben zum Einsatz. Gegen Rheuma ist Schwefel häufig Bestandteil von Badezusätzen. Eine innere Anwendung als MSM soll die allgemeinen Abwehrkräfte stärken, die Durchblutung fördern sowie Kreislauf und Stoffwechsel anregen. Besonders Patienten mit chronischen oder entzündlichen Leiden der Gelenke und am Bewegungsapparat können von einer Behandlung mit schwefelhaltigen Verbindungen offenbar profitieren.

Die Bestimmung von elementarem Schwefel im Blut ist bis heute nicht üblich. Ob ein Schwefelmangel vorliegt oder nicht, kann also nur indirekt über den Nachweis von schwefelhaltigen Aminosäuren erfolgen. Die wichtigste, physiologisch relevante, schwefelhaltige Aminosäure ist das Homocystein. Es handelt sich dabei um ein Zwischenprodukt des Zellstoffwechsels, mit dem sich eine gute prognostische Aussage über die Gefäßgesundheit treffen lässt. Auch das Erkrankungsrisiko für Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit oder Cholesterinstoffwechselstörungen werden von der schwefelhaltigen Aminosäure Homocystein beeinflusst. Der Normalwert für Homocystein beträgt bei Erwachsenen im Vollblut 6-12 µmol/Liter.


Krankheiten & Störungen

Sind Hautflächen verbrannt, nässend oder stark entzündet, dann dürfen keine schwefelhaltigen Zubereitungen angewendet werden. Warmwasserbäder mit Schwefelzusätzen dürfen nicht von Patienten angewendet werden, die an Bluthochdruck, fieberhaften Infekten oder Herzmuskelschwäche leiden.

Die Unbedenklichkeit einer Anwendung bei Schwangeren und Ungeborenen ist bei Schwefel noch nicht abschließend geklärt. Deshalb sollte eine Anwendung während der Stillzeit auch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Ebenso sollten schwefelhaltige Verbindungen nicht bei Kleinkindern und Säuglingen angewendet werden, da hier ebenfalls Erfahrungswerte fehlen. Als Nebenwirkungen kann es bei innerlicher Anwendung von Schwefel zu leichten Magen-Darm-Störungen kommen, bei äußerlicher Anwendung wurden vereinzelt Überempfindlichkeitsreaktionen in Form von Hautrötungen, Schwellungen oder Hauttrockenheit berichtet.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Arzneizubereitungen sind jedoch nicht bekannt. Neben verschiedenen körperlichen Symptomen sollen auch psychische Krankheitserscheinungen wie Ängste oder Niedergeschlagenheit im Zusammenhang mit einem Schwefelmangel auftreten können. Es handelt sich dabei allerdings um empirische Berichte, die nicht auf ein Kollektiv der Allgemeinbevölkerung übertragbar sind.

Eine Anwendung von organischem Schwefel zur Linderung dieser Symptome sollte daher nicht ohne Konsultation eines Facharztes erfolgen. Eine Interaktion von organischen Schwefelverbindungen wie MSM mit Psychopharmaka gilt als ausgeschlossen. Schwefel soll darüber hinaus auch das Potenzial haben, allergische Symptome abzumildern.

Quellen

  • Gerok, W., Huber, C., Meinertz, T., Zeidler, H. (Hrsg.): Die innere Medizin – Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer, Stuttgart 2007
  • Löffler, G.: Basiswissen Biochemie. Springer, Berlin 2008
  • Schänzler, N., Bieger, W.P.: Laborwerte. Gräfe und Unzer, München 2009

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