Serumkrankheit


Aktualisiert am 11. März 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Anders als unmittelbare allergische Reaktionen treten Symptome der Serumkrankheit mit zeitlicher Verzögerung auf. Im Bedarfsfall sind Beschwerden medizinisch zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Serumkrankheit?

Bei der Serumkrankheit handelt es sich um eine verzögerte Überempfindlichkeitsreaktion der körpereigenen Abwehr. Im Rahmen der Serumkrankheit richtet sich diese Immunreaktion vor allem gegen artfremde Proteine (Eiweiße), die über die Blutbahn in den Organismus gelangen (vor allem mithilfe von Injektionen bzw. Spritzen).

Meist tritt die Serumkrankheit erst nach mehrmaliger Konfrontation des Körpers mit einem entsprechenden Eiweiß auf. Seltener kann sich die verzögerte Immunreaktion aber auch bereits nach einmaliger Eiweißzufuhr einstellen. Als verzögert werden Überempfindlichkeitsreaktionen im Rahmen der Serumkrankheit bezeichnet, weil Symptome meist erst ca. 7-14 Tage nach Konfrontation des Organismus mit einem Protein auftreten.

Zu den typischen Symptomen, die mit der Serumkrankheit einhergehen können, zählen beispielsweise Gelenkschmerzen, Ausschläge, Schwellungen der Lymphknoten, Schmerzen an den Gelenken und plötzliches Fieber.

Ursachen

Substanzen, die beim Menschen eine Serumkrankheit hervorrufen können, sind beispielsweise Antiseren und Impfseren. Bei Anti- und Impfseren als mögliche Ursache der Serumkrankheit handelt es sich um aufbereitete Antikörper (durch das Immunsystem produzierte Eiweiße), die aus dem Blut von Menschen oder Säugetieren gewonnen werden.

Als Antiseren werden dabei im Speziellen Substanzen bezeichnet, die bei der Bekämpfung von Vergiftungen eingesetzt werden. Impfseren finden dagegen zum Zweck der sogenannten Passivimpfung (der Verabreichung spezieller Antikörper) Anwendung. Reagiert der Körper auf die Gabe entsprechender Eiweiße nun seinerseits mit einer nicht gewünschten Antikörperbildung, so tritt die Serumkrankheit ein:

Die körpereigenen Immunreaktionen rufen kontinuierliche Veränderungen an Gefäßen und/oder weiteren Körperstrukturen hervor, die sich schließlich nach einigen Tagen in krankheitstypischen Symptomen äußern.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Serumkranheit zeigt sich mit einer Vielzahl an Symptomen, die meist binnen weniger Tage auftreten. Dermatologische Symptome können bereits früher nach einer Injektion artfremder Proteine auftreten. Dabei treten die Symptome im Mittel zwischen dem sechsten und elften Tag nach Injektion auf. In Extremfällen vergeht mehr als ein Monat bis zur Ausbildung von Symptomen.

An der Injektionsstelle kann es zu Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und einer Lymphknotenschwellung kommen. Diese Symptome können von Schmerzen begleitet sein. Es kommt meistens zu Fieber und allgemeinen Krankheitszeichen. Dabei kommen Gelenkschmerzen und geschwollene Lymphknoten vor. Der Kreislauf kann geschwächt sein und ein Blutdruckabfall folgt. Im Extremfall kann die Serumkrankheit zu einem Schock führen.

Weiterhin kann es zu Entzündungen verschiedener Körperteile kommen. So ist die Ausbildung einer Meningitis möglich. Es können auch die Nieren oder der Dünndarm von Entzündungen betroffen werden. Es kann zudem zu einer Entzündung der serösen Häute kommen. Diese ummanteln die inneren Organe und können durch Entzündungserscheinungen strukturell geschwächt werden und Schmerzen bereiten.

Die meisten Symptome können binnen einiger Tage von allein abklingen. Es kommt nicht bei allen Betroffenen einer Serumkrankheit zur Ausbildung vieler oder gefährlicher Symptome.

Diagnose & Verlauf

Der ärztliche Verdacht auf eine vorliegende Serumkrankheit basiert häufig zunächst auf charakteristischen Beschwerden eines Betroffenen. Weitere diagnostische Hinweise erhält der behandelnde Arzt dann in der Regel im Rahmen eines Patientengesprächs (hier berichtet der Betroffene beispielsweise über das Einsetzen entsprechender Beschwerden und seine Krankenvorgeschichte).

Häufig müssen in einem nächsten Schritt andere Erkrankungen geprüft bzw. ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome wie die der Serumkrankheit aufweisen; hierzu zählen vor allem Masern und Scharlach (durch Viren bzw. Bakterien hervorgerufene Infektionskrankheiten).

Der Verlauf der Serumkrankheit ist unter anderem von der individuell ausgeprägten Symptomatik abhängig. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden, die mit der Serumkrankheit einhergehen, nach einigen Tagen selbstständig wieder ab. Erfolgt keine erneute Konfrontation des Organismus mit den krankheitsverursachenden Seren, so unterbleiben meist erneute Symptome.

Komplikationen

In der Regel heilt die Serumkrankheit innerhalb von 14 Tagen von alleine aus. Komplikationen treten selten auf. Die Schwere der Immunreaktion ist jedoch von der Art und Menge des eingesetzten Antigens abhängig. Normalerweise kommt es im Zeitraum von 4 bis 21 Tagen nach dem Kontakt mit dem Antigen wie Serum, Insektenstich oder Medikament lediglich zu Fieber, Schwellungen der Lymphknoten und Hautjucken.

In selteneren Fällen sind jedoch auch Komplikationen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis), Entzündungen der Nieren (Nephritis) oder Darmentzündungen (Enteritis) möglich. Diese sind nicht bakteriell bedingt, sondern treten im Rahmen von Immunreaktionen auf. Ihr Verlauf ist abhängig von der Heftigkeit der immunologischen Prozesse.

Bei besonders schweren Verläufen kann es sogar zu einem lebensgefährlichen Kreislaufschock kommen. Wenn ein Kreislaufschock eintritt, ist dringende medizinische Nothilfe erforderlich, um den lebensgefährlichen Zustand zu beenden. Während des Schocks sinkt der Blutdruck sehr stark ab. Außerdem treten kalter Schweiß, Zyanose und Durstgefühl auf. Dadurch kommt es zur Unterversorgung des Körpers und besonders des Gehirns mit Sauerstoff.

Auch ein plötzliches Nierenversagen kann eintreten. Das Hauptaugenmerk bei der Behandlung des Schocks muss auf der Stabilisierung des Blutdruckes liegen. In den allermeisten Fällen ist eine Behandlung der Serumkrankheit jedoch nicht notwendig, weil die Symptome von alleine verschwinden. Allerdings müssen bei besonders heftigen Erkrankungsfällen Immunsuppressiva wie Kortikosteroide gegeben werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Gelenkschmerzen, Ausschlag oder Fiebersymptome auftreten, liegt womöglich die Serumkrankheit zugrunde. Ärztlicher Rat ist gefragt, wenn die typischen Krankheitszeichen auftreten und nicht von selbst wieder abklingen. Sollte der Blutdruck rasant abfallen, wird am besten sofort der Arzt konsultiert. Auch Schockreaktionen und eine Schwellung der Lymphknoten sind typische Warnzeichen, die einer Abklärung bedürfen. Die Serumkrankheit tritt im Zusammenhang mit einer Immunreaktion auf. Wenn die Symptome nach der Einnahme bestimmter Arzneimittel auftreten, die Cefaclor, Amoxicillin oder Sulfonamide enthalten, muss der zuständige Arzt informiert werden.

Menschen mit einer Immunschwäche oder chronischen Erkrankungen zählen zu den Risikogruppen. Auch ältere Menschen, Kinder und Schwangere sollten den Arzt aufsuchen, wenn ungewöhnliche Fiebersymptome oder Schmerzen auftreten, die das Wohlbefinden beeinträchtigen. Neben dem Hausarzt kann ein Internist oder ein Immunologe konsultiert werden. Weitere Ansprechpartner sind der ärztliche Notdienst oder bei intensiven Beschwerden der Notarzt. Kinder werden am besten dem Kinderarzt vorgestellt oder direkt in das nächste Krankenhaus gebracht.

Behandlung & Therapie

Aufgrund des meist selbstständigen Abklingens von Symptomen der Serumkrankheit ist eine medizinische Behandlung in vielen Fällen nicht notwendig.

Verursachen entsprechende Beschwerden beim Patienten allerdings einen hohen Leidensdruck und konnten alternative Ursachen auftretender Symptome diagnostisch ausgeschlossen werden, können Behandlungsschritte zum Einsatz kommen, die lindernde Wirkung haben. Einer solchen Symptombehandlung bei vorliegender Serumkrankheit dienen beispielsweise Antihistaminika oder Corticosteroide. Das zu den Corticosteroiden zählende Kortison ist unter anderem in der Lage, Prozesse des Immunsystems zu beeinflussen und auf diese Weise körpereigene Überempfindlichkeitsreaktionen im Rahmen einer Serumkrankheit zu hemmen.

Sogenannte Antihistaminika schwächen in der Symptombekämpfung der Serumkrankheit etwa die körpereigene Bildung und/oder den Wirkungsgrad von Histaminen - Histamine wiederum sind an der Entstehung von Entzündungsreaktionen beteiligt. In der Folge können Antihistaminika also Entzündungsprozesse und damit verbundene Symptome im Rahmen einer Serumkrankheit bremsen.

Bei sehr schweren Verläufen der Serumkrankheit kann in seltenen Fällen darüber hinaus eine sogenannte Plasmapherese notwendig werden. Hierbei handelt es sich um einen Austausch des Blutplasmas eines betroffenen Patienten; das körpereigene Blutplasma wird beispielsweise durch Plasmakonzentrate gesunder Plasmaspender ersetzt.

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Vorbeugung

Ist einer Person bekannt, welche Seren bei ihr die Serumkrankheit hervorrufen, so beugt das Meiden eines Injizierens entsprechender Substanzen in der Regel einem Krankheitsausbruch vor. Da die Serumkrankheit meist nur in Reaktion auf artfremde Seren auftritt, können Symptome der Erkrankung beispielsweise häufig verhindert werden, indem bei Therapie- bzw. Impfbedarf ausschließlich humane (arteigene bzw. menschliche) Serumpräparate verwendet werden.

Nachsorge

Der Betroffene sollte im Alltag darauf achten, sein Immunsystem täglich zu unterstützen. Dazu gehört eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung. Darüber hinaus ist eine gute Schlafhygiene wichtig. Das körpereigene Immunsystem lässt sich mit der Aufnahme einer vitaminreichen Kost bei gleichzeitigem Verzicht auf Alkohol und Nikotin stärken.

Bei Aufenthalten in Räumen, die geschlossen sind, ist regelmäßiges Lüften angezeigt. Außerdem ist der Aufenthalt im Freien ganz wichtig - am besten mehrere Stunden am Tag. Auf diese Weise kann der Organismus den notwendigen Sauerstoff aufnehmen. Auch sportliche Aktivitäten helfen bei der Stärkung des Körpers. Essentiell für die Genesung ist es, emotionalen Stress und körperliche Überlastungen zu vermeiden.

Der Alltag sollte dahingehend optimiert werden, dass Phasen, die von starker Hektik wie auch physischer Anstrengung geprägt sind, auf ein Minimum reduziert werden. Bei ersten Anzeichen von Beeinträchtigungen sollte eine Pause eingelegt werden. Wenn der Betroffene mit diesen Maßnahmen zwar keine Heilung erreichen kann, ist es ihm damit gleichwohl möglich, sein allgemeines Wohlbefinden zu stärken und so einiges für die Verbesserung seiner Lebensqualität zu tun.

Die Tages- und Nachtrhythmen gilt es an die individuellen Bedürfnisse der Körpers anzupassen. Kontinuierliche Tagesabläufe sind in der Lage, eine Linderung vorhandener Beschwerden zu ermöglichen. Bei den ersten Anzeichen von Entzündungen beziehungsweise Verschlechterungen der Gesundheit erscheint die Konsultation eines Arztes unerlässlich.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag sollte der Betroffene darauf achten, dass er sein Immunsystem täglich unterstützt. Dies kann durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, eine ausreichende Bewegung sowie eine gute Schlafhygiene erfolgen. Das körpereigene Abwehrsystem wird gestärkt, sobald der Betroffene eine vitaminreiche Kost zu sich nimmt und parallel den Konsum von Schadstoffen wie Alkohol und Nikotin unterlässt.

Bei Aufenthalten in geschlossenen Räumen sind diese regelmäßig zu lüften. Aufenthalt im Freien sollten täglich für mehrere Stunden stattfinden, damit der Organismus ausreichend Sauerstoff aufnehmen kann. Sportliche Aktivitäten helfen ebenfalls dabei, den Körper zu stärken. Emotionaler Stress sowie körperliche Überlastungen sollten unterlassen werden. Der Alltag ist dahingehend zu optimieren, dass Phasen von starker Hektik oder physischer Anstrengung reduziert werden. Sobald es erste Anzeichen von Beeinträchtigungen gibt, ist eine ausreichende Ruhe nötig und eine Pause ist einzulegen.

Wenngleich der Betroffene mit den Maßnahmen der Selbsthilfe keine Heilung erreichen kann, so kann er dennoch mit ihnen ein allgemeines Wohlbefinden stärken und damit viel zur Verbesserung seiner Lebensqualität beitragen. Die Rhythmen von Tag und Nacht sind an die Bedürfnisse des Körpers anzupassen. Regelmäßige Tagesabläufe helfen, um eine Linderung von vorhandenen Beschwerden zu erreichen. Bei ersten Entzündungen oder Verschlechterungen der Gesundheit ist die Zusammenarbeit mit einem Arzt unerlässlich.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

KaaDee kommentierte am 10.03.2019

Meine Impf-Vita:

- 1971/72 Grundimmunisierung gegen Tetanus

- 1978 Auffrischungsimpfung wegen tiefer Schnittverletzung an der Hand, danach Komplikation am Impfarm, welcher eine Woche lang bis zum Handgelenk rot und geschwollen war.

- 1986 Erneute Impfung mit Tetanus-Antitoxin in Kombination mit Tetanus-Immunglobulin, darauf folgend neurologische Beschwerden (Abschwächung Trizeps-Reflex, positives Hoffmann-Tinel-Zeichen) mit Ausfallerscheinungen in den Händen, Dauer ca. 3 1/2 Jahre.

- 1990 erneute Tetanus-Antitoxin-Impfung in Kombination mit Tetanus-Immunglobulin (so gen. Simultanimpfung), zwei Tage später körperlicher Zusammenbruch mit Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, geschwollenen Lymphknoten überall, Schwindel, Sehstörungen und Einschlafgefühl in den Beinen. Behandlung über mehrere Monate, etwa vier Wochen nach der Impfung neuropathische Schmerzen und Arthralgien in den Beinen, später auch in den Armen.

- 1991 Diagnose einer Polyneuropathie unbekannter Genese, besteht fortschreitend bis heute mit zunehmender Muskelschwäche, neuropathischen Schmerzen, sporadischen Schwindelattacken und Sehstörungen, Tinnitus und Kopfschmerzattacken.

- Bis 1990 aktiv sportlich tätig und beruflich erfolgreich.

- Seit 1996 dauerhaft erwerbsunfähig und schwerbehindert.