Spielsucht

Letzte Aktualisierung am 24. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Oft werden die Gefahren einer Spielsucht verkannt. Ebenso wie bei anderen Suchterkrankungen können die Folgen aber häufig schwer sein. Die Spielsucht ist von der Internetsucht und der Computerspielsucht zu unterscheiden, obwohl sie miteinander in Verbindung stehen können.

Inhaltsverzeichnis

Definition Spielsucht

Die Spielsucht wird in Psychologie und Psychiatrie auch bezeichnet als pathologisches (krankhaftes) Spielen oder zwanghaftes Spielen. Die Spielsucht zeigt sich unter anderem darin, dass es einem Betroffenen nicht möglich ist, der Versuchung zu widerstehen, sich an Glücksspielen oder Wetten zu beteiligen.

Und nicht nur die Handlungen eines von Spielsucht betroffenen Menschen sind durch das Glücksspiel beeinflusst, sondern auch sein Denken dreht sich in der Regel häufig um dieses Thema. Außerdem drückt sich die Spielsucht darin aus, dass es einem Betroffenen in der Regel bewusst ist, dass sein Spielen zu schweren Folgen im privaten oder beruflichen Umfeld führen kann.

In der Regel sind Männer häufiger von Spielsucht betroffen als Frauen. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland circa 100.000 bis 300.000 Menschen an der Spielsucht.

Ursachen

Mögliche Ursachen, die einer Spielsucht zugrunde liegen, sind vielfältig und variieren in Abhängigkeit vom Betroffenen. Häufig ist es nicht möglich, die Ursachen einer Spielsucht eindeutig zu definieren, da sich meist verschiedene Ursachen summieren.

Eine mögliche Motivation, die hinter dem Glückspiel steht und so ein Risiko darstellt, eine Spielsucht zu entwickeln, ist die, negativen Gefühlen entkommen zu wollen. Zu solchen negativen Gefühlen können beispielsweise Schuldgefühle oder Ängste, aber auch Depressionen zählen.

Diskutiert werden in der Wissenschaft des Weiteren bestimmte Persönlichkeitsvariablen, die Menschen anfällig machen können für eine Spielsucht. Des Weiteren können das Umfeld, in dem ein Mensch aufgewachsen ist, und erbliche Faktoren dazu beitragen, dass ein Betroffener gefährdet ist, sich dem Glücksspiel zuzuwenden und in der Folge eine Spielsucht zu entwickeln.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Spielsucht entwickelt sich in einem langen, schleichenden Prozess. Die Symptome zeigen sich in diesem Phasenverlauf unterschiedlich. Zunächst sind sie wenig ausgeprägt und unspezifisch. Mit der Zunahme des Suchtfaktors treten klassische Anzeichen und Beschwerden auf. Ein erster Hinweis auf eine sich entwickelnde Spielsucht kann ein euphorisches Verhalten aufgrund von Anfangsgewinnen sein.

Größere Verluste führen in der Folge zunehmend zu einem gereizten Verhalten. Der Betroffene möchte das verlorene Geld wieder zurückgewinnen und versorgt sich immer häufiger ungeplant mit Geld, dass oftmals spontan an Geldautomaten gezogen wird. Da der Verlust möglichst schnell wieder wettgemacht werden soll, wird der Betroffene hektisch und unkonzentriert.

Dies macht sich beim Autofahren, in der Familie sowie am Arbeitsplatz zunehmend bemerkbar. Immer länger werdende Abwesenheitszeiten werden durch Lügen erklärt. Der Alltagsablauf wird immer stärker durch den unkontrollierbaren Spielwunsch beeinträchtigt. Das Selbstwertgefühl verändert sich und äußert sich durch depressive Verstimmungen ebenso wie durch Aggressionen.

Mahlzeiten werden aufgrund der Spielsucht nicht mehr regelmäßig eingenommen. Körperhygiene und ein gepflegtes Aussehen werden dem Betroffenen zunehmend unwichtiger. Bestehende soziale Kontakte werden vernachlässigt. Sind keine eigenen Mittel zur Finanzierung der Spielsucht mehr vorhanden, kann es zu illegalen Beschaffungsmaßnahmen kommen.

Außerdem versuchen die Betroffenen, sich Geld zu leihen. Da auch die Arbeitszeit schließlich zum Spielen genutzt wird, werden beim Arbeitgeber fingierte Krankmeldungen vorgelegt. Auseinandersetzungen und Lügen bestimmen auch zunehmend partnerschaftliche Beziehungen. Die Spielsucht bestimmt das Leben. Eine hohe Verschuldung und die eigene Einschätzung einer ausweglosen Situation kann letztlich zu Suizidgedanken führen.

Diagnose & Verlauf

Besteht bei einem Betroffenen der Verdacht, unter Spielsucht zu leiden, kann beispielsweise durch einen Psychologen eine Diagnose der Spielsucht geprüft werden. Dies geschieht unter anderem mithilfe eines sogenannten standardisierten Testverfahrens, bei dem ein Betroffener nach seinen Symptomen befragt wird.

In der Literatur ist bezüglich des Verlaufs einer Spielsucht bei einem Betroffenen ein sogenanntes (idealtypisches) Drei-Phasen-Modell zu finden. Danach kann die Spielsucht in die Phasen der Gewinn-, der Verlust- und der Verzweiflungsphase eingeteilt werden: Während der Gewinnphase findet das Spielen in der Regel noch recht selten statt, ein Betroffener ist euphorisch und das Spielen wird schließlich häufiger.

Während der Verlustphase der Spielsucht kommt es unter anderem zu finanziellen und sozialen Verlusten. Die Verzweiflungsphase kann schließlich mit Persönlichkeitsveränderungen und teilweise sogar mit Selbstmordgedanken einhergehen.

Komplikationen

Wird eine Spielsucht nicht als solche erkannt und therapiert, droht der Verlust des geregelten Alltags. Die Spielsucht erfasst alle Bereiche des alltäglichen Lebens und hat gravierende Folgen auch für das soziale Umfeld des Betroffenen. So erleben an Spielsucht Erkrankte zum einen starken seelischen Druck, ihr Problem zu verheimlichen. Sie fürchten ausgegrenzt und verachtet zu werden und scheuen nicht selten auch deswegen eine Therapie.

Zum anderen erfahren sie auch bei einem offenen Umgang mit ihrer Sucht Ablehnung von Freunden und Familie, was zur sozialen Isolationen führen kann. Hieraus können als Komplikation auch Depressionen resultieren. Eine weitere Komplikation im Zusammenhang mit einer Spielsucht sind gravierende finanzielle Probleme. Diese können soweit führen, dass Betroffene jedes Hab und Gut verlieren und praktisch mittellos werden.

Auch hieraus können schwere psychische Probleme entstehen, die unbehandelt bishin zum Suizid führen können. Auch unter einer Therapie sind die langfristigen Folgen einer Spielsucht oft so gravierend, dass selbst nach Überwindung der Sucht Betroffene noch lange psychologische Unterstützung benötigen. Das Selbstwertgefühl hat unter der Suchterkrankung oft so stark gelitten, dass die Wiederaufnahme eines strukturierten Alltags sehr schwerfällt.

Behandlung & Therapie

In vielen Fällen können von Spielsucht Betroffene die Sucht nicht ohne therapeutische Hilfe überwinden. Und je nach Phase und Ausprägung einer Spielsucht bedürfen oft nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch nahe Angehörige eines Betroffenen professioneller Unterstützung. Eine Therapie der Spielsucht muss häufig verschiedene Aspekte integrieren:

Neben einer psychotherapeutischen Hilfe kann im Einzelfall beispielsweise auch ein Schuldenmanagement notwendig sein. Eine Psychotherapie der Spielsucht kann ambulant oder stationär erfolgen; welche Therapiemaßnahme für einen Betroffenen geeignet ist, muss individuell erarbeitet werden. In einer ersten Phase einer Therapie können beispielsweise zunächst individuelle Motivationen hinter dem Spielen betrachtet und Therapieziele festgelegt werden.

In einer zweiten Phase können im Rahmen einer stationären Behandlung Gruppengespräche mit anderen Betroffenen integriert werden. Des Weiteren wird beispielsweise die Fähigkeit zur Selbstkontrolle trainiert. In der abschließenden Phase einer psychotherapeutischen Behandlung der Spielsucht wird Erarbeitetes stabilisiert. Unter anderem wird der Betroffene häufig auf mögliche Rückfälle vorbereitet und erhält Hilfestellungen, auf die er in entsprechenden Situationen zurückgreifen kann.

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Vorbeugung

Da die Ursachen einer Spielsucht sehr vielseitig sein können, ist es schwer möglich, einer Spielsucht vorzubeugen. Eine Möglichkeit liegt beispielsweise darin, erste Symptome an sich selbst aufmerksam zu beobachten und diese zu kontrollieren. Hat eine Person den Eindruck, Symptome einer Spielsucht an sich zu entdecken, aber kann sie nicht ohne Hilfestellung bekämpfen, kann ein frühzeitiges Einholen von professionellem Rat vorbeugen. Jeder, der mit dem Glücksspiel anfangen will, sollte sich im klaren sein: Am Ende gewinnt immer nur die "Bank". Alles andere ist pure Illusion.

Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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