Strukturelle Körpertherapie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Strukturelle Körpertherapie (SKT) gehört zu den ganzheitlichen Körpertherapiemethoden, die vor allem bei psychosomatischen Beschwerden angeboten werden. Körper und Seele werden dabei als Einheit betrachtet und die Wechselwirkungen in der therapeutischen Arbeit berücksichtigt.
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Was ist die Strukturelle Körpertherapie?
Als Strukturelle Körpertherapie wird eine Körper-Psychotherapie-Methode bezeichnet, bei der durch tiefgehende Bindegewebsmassagen eine bessere Aufrichtung des Körpers erreicht werden soll, die auch zu einer Verbesserung der psychischen Verfassung führen soll.
Die Körperpsychotherapie geht von Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele und von Auswirkungen der Schwerkraft auf den Körper aus und stützt ihre Behandlung auf diese Annahme. Durch ganzheitliche Techniken sollen angestaute Emotionen und Traumata im Körper aufgelöst werden, die nach diesem Verständnis häufig zu Krankheiten führen. Die Strukturelle Körpertherapie hat ihren Ursprung in der Methode "Rolfing" von Dr. Ida Pauline Rolf (1896 - 1979).
Sie war eine amerikanische Biochemikerin und entdeckte im Laufe ihrer Forschungen Zusammenhänge zwischen chronischen Krankheiten und der Körperstruktur/Körperhaltung. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte sie ihre Methode, das Rolfing, bei dem in 10 Schritten die tiefen Bindegewebsstrukturen des Körpers verändert und damit auch positive psychische Veränderungen eingeleitet werden sollen.
Ihre wissenschaftliche Ausbildung erhielt Ida Rolf in einem ganz anderen Fach: 1920 erwarb sie an der New Yorker Columbia University den Doktorgrad im Fach Biochemie, danach forschte sie am Rockefeller Institute. Die Körperarbeit entwickelte sie nebenher und über Jahrzehnte hinweg, angeregt durch Osteopathie, Chiropraktik, Yoga und die Bewegungslehren ihrer Zeit. Ihr eigener Name für das Ergebnis lautete nicht Rolfing, sondern strukturelle Integration; die Kurzform Rolfing brachten erst ihre Schüler auf. Einem breiteren Publikum wurde die Methode in den 1960er Jahren bekannt, als Ida Rolf sie am kalifornischen Esalen Institute unterrichtete, damals einem Treffpunkt der amerikanischen Körper- und Bewusstseinsbewegung.
Aus dieser Geschichte erklärt sich die Vielzahl der Bezeichnungen, unter denen dieselbe Grundidee heute angeboten wird. Rolfing ist markenrechtlich geschützt und darf nur führen, wer von einem lizenzierten Institut zertifiziert wurde; strukturelle Integration ist demgegenüber frei verwendbar und benennt die Arbeitsweise, wie Ida Rolf sie begründet hat. Mehrere ihrer Schüler haben im Lauf der Jahrzehnte eigene Schulen gegründet, die diese Grundidee jeweils anders weiterführen und unter eigenem Namen anbieten. Die Strukturelle Körpertherapie steht in dieser Reihe. Für Ratsuchende hat das eine praktische Folge: Der Name eines Angebots sagt für sich genommen wenig darüber aus, was und wie lange der Anbieter gelernt hat.
Gegenüber der Massage liegt der Unterschied sowohl im Ziel als auch im Handgriff. Wer massiert, behandelt vor allem Muskulatur und will die bearbeitete Stelle lockern und ihre Durchblutung anregen; die Strukturelle Körpertherapie greift dagegen am Bindegewebe an und rechnet jeden Handgriff dem Umbau des gesamten Körpergefüges zu. Von der manuellen Therapie und der Osteopathie grenzt sie sich dadurch ab, dass sie keine Gelenke einrichtet und nicht von einer ärztlichen Diagnose ausgeht, sondern die Haltung im Stehen und Gehen zum Maßstab nimmt. Der Bindegewebsmassage steht sie in der Technik näher, verfolgt aber ein anderes Ziel: Jene will über Reflexbahnen auf innere Organe wirken, diese die Statik des Körpers verändern.
Bei der Beurteilung des Verfahrens sind zwei Dinge auseinanderzuhalten. Dass Muskeln, Organe und Nerven von Bindegewebe umhüllt sind, dass diese Hüllen untereinander in Verbindung stehen, Zug über größere Strecken weitergeben und reich an Nervenendigungen sind, ist anatomisch belegt und keine Besonderheit dieser Methode. Der Schritt, den die Strukturelle Körpertherapie darüber hinaus tut – dass sich Gewebeverhärtungen durch Druck von außen dauerhaft lösen ließen und die Statik des Körpers auf diesem Weg bleibend zu verändern sei –, ist eine Annahme des Verfahrens und aus der Anatomie allein nicht abzuleiten. In der Darstellung der Anbieter stehen beide Ebenen häufig unmittelbar nebeneinander.
Funktion, Wirkung & Ziele
Besonders bietet sie sich auch für Menschen an, die ihren Körper als Werkzeug nutzen, wie z. B. Schauspieler, Tänzer, Musiker und Sportler, Manager und Politiker. Sie ist nicht symptomorientiert, wird aber bei verschiedenen gesundheitlichen Problemen eingesetzt:
- funktionelle Störungen des Bewegungsapparates
- Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall, HWS-/LWS-Syndrom, Wirbelsäulenverkrümmung
- Gelenkprobleme, Fehlhaltungen
- chronische Muskelverspannungen
- psychosomatische Beschwerden, Atembeschwerden
- Ängste, Depressionen
Körperorientierte Methoden sehen Körper und Geist als eine untrennbare Einheit und Gefühle als fließende Energie, die normalerweise von allein fließt. Wird dieser Fluss nach diesem Verständnis behindert, soll es zu einer Stauung der Lebenskraft mit verschiedenen Auswirkungen auf das Körperbewusstsein und krankmachenden Folgen kommen. Bindegewebe durchzieht als Hüll- und Stützgewebe den gesamten Körper. Bei der Strukturellen Körpertherapie werden das Bindegewebe und die Muskelhäute (Faszien) mobilisiert und verändert.
Durch die Faszien wird die Muskelkraft im Körper übertragen. Wenn das muskuläre Bindegewebe elastisch und geschmeidig ist, verbessert sich die Körperwahrnehmung und Koordination. Bei Überlastung und Stress geht die Elastizität der Muskulatur verloren, der Körper schmerzt und wird unbeweglich. Die zahlreichen Verformungen im Leben hinterlassen Spuren im Gewebe. Nach dem Modell der Strukturellen Körpertherapie spiegeln sich in verklebten Faszien- und Bindegewebsschichten chronischer Stress, Bandscheibenschäden, rheumatische Erkrankungen und Arthrosen. Hier setzt die Strukturelle Körpertherapie an, um diesen blockierenden Kräften entgegenzuwirken und den Körper durch eine Aufrichtung wieder in Harmonie und Gleichgewicht zu bringen.
Das Bindegewebe, an dem die Behandlung ansetzt, besteht im Wesentlichen aus Kollagen, aus elastischen Fasern und aus einer wasserbindenden Grundsubstanz, in die beide eingebettet sind. Aus dem Mischungsverhältnis dieser Bestandteile ergibt sich, wie zugfest und wie verformbar eine Struktur ist; dieselbe Gewebeart bildet die derbe Sehne ebenso wie die verschiebliche Schicht unter der Haut.
Neuere Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass die tiefen Faszien dicht mit Sinnesrezeptoren besetzt sind, die Druck, Bewegung, Spannungsänderungen und Temperatur melden. Damit ist das Bindegewebe nicht nur Hülle und Kraftüberträger, sondern zugleich ein Meldeorgan für die eigene Körperlage. Auf diesen Befund berufen sich körperorientierte Verfahren, wenn sie erklären, weshalb Klienten während einer Behandlung ihre Haltung anders wahrnehmen als zuvor. Seit 2007 finden zu diesen Fragen regelmäßig internationale Fachkongresse statt; sie haben die Faszien als eigenen Forschungsgegenstand etabliert, ohne damit bereits die Wirksamkeit einzelner Behandlungsmethoden zu belegen. Der Unterschied zwischen einem gut untersuchten Gewebe und einem gut untersuchten Verfahren ist an dieser Stelle wesentlich.
In 10 aufeinanderfolgenden Sitzungen versucht der Therapeut mit dem Klienten zusammen, ein neues Körpergleichgewicht herzustellen, indem er chronisch verkürzte Muskeln und verklebtes Bindegewebe wieder löst. Durch achtsames Entgegenwirken bei vegetativen Stresssymptomen soll eine behutsame Befreiung von Haltungseinschränkungen und negativen Gedankenmustern erreicht werden. Die Strukturelle Körpertherapie ist aber nicht nur für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen geeignet, sondern auch für Gesunde, die mehr innere Beweglichkeit und Lebensfreude empfinden möchten.
Die Therapie besteht aus 10 einzelnen Sitzungen, die systematisch aufeinander abgestimmt sind. Je nach Verlauf der Therapie können die 10 Basissitzungen um weitere 1 bis 5 Sitzungen aufgestockt werden. Die Kosten für eine Sitzung betragen ca. 90 € für 1,5 Stunden, die kompletten Kosten für 10 Sitzungen ca. 795 €. In jeder der Einzelsitzungen findet zunächst ein persönliches Gespräch statt, anschließend eine visuelle Untersuchung der Körperstrukturen im Gehen und Stehen. Während der Behandlung, die meistens im Liegen erfolgt, werden durch sensiblen und gezielten Druck die Faszien gelöst.
Die zehn Sitzungen folgen nach der Systematik des Verfahrens einem festen Aufbau, nicht dem jeweiligen Beschwerdebild. Die ersten Sitzungen gelten den oberflächlichen Schichten und der Atmung, die mittleren dem tiefer gelegenen Gewebe entlang der Körperachse einschließlich Becken und Wirbelsäule, die letzten der Verbindung des Erarbeiteten zu einem Ganzen. Diese Reihenfolge ist der Grund, weshalb eine einzelne Sitzung nach dem Selbstverständnis der Methode wenig aussagt und weshalb eine Behandlung an einer Stelle stattfinden kann, über die der Klient selbst gar nicht geklagt hat.
Der Druck, mit dem gearbeitet wird, ist deutlich spürbar und kann an verspannten Stellen bis an die Grenze des Angenehmen gehen; er wird langsam aufgebaut und mit der Atmung des Klienten abgestimmt. Je nach Körperregion und Tiefe der bearbeiteten Schicht setzt der Therapeut Fingerkuppen, Knöchel, Handflächen oder Ellbogen ein. Zwischen den Griffen wird der Klient aufgefordert, sich zu bewegen, aufzustehen oder einige Schritte zu gehen, damit sich das Bearbeitete in ein Bewegungsmuster einfügt. Zwischen zwei Sitzungen liegt in der Regel etwa eine Woche, sodass sich die gesamte Reihe über einige Monate erstreckt. Ein Muskelkatergefühl oder eine vorübergehende Müdigkeit am Tag danach kommt vor und gehört zum erwarteten Verlauf.
Beurteilt wird das Ergebnis in erster Linie am äußeren Bild und an der Selbstwahrnehmung. Viele Anbieter lichten Stand und Gangbild vor der ersten und nach der letzten Sitzung ab, um Veränderungen sichtbar zu machen. Beides sind allerdings Beobachtungen und keine Messungen, und beide sind der Erwartung des Betrachters zugänglich – ein Umstand, der bei der Bewertung solcher Vorher-Nachher-Vergleiche mitzudenken ist. Nach Abschluss der Reihe empfehlen die Schulen eine Pause von mehreren Monaten, in der sich das Erarbeitete im Alltag setzen soll, bevor über weitere Sitzungen entschieden wird.
Zur Erfahrung gehört bei manchen Klienten außerdem, dass während der Behandlung Gefühle oder Erinnerungen aufkommen. Das Verfahren deutet das im Sinne seiner eigenen Annahme, wonach sich Belastungen im Gewebe niederschlagen. Unabhängig von dieser Deutung gilt: Ein Therapeut ohne psychotherapeutische Ausbildung ist für die Begleitung solcher Reaktionen nicht ausgebildet. Wer eine belastende Vorgeschichte mitbringt, sollte das deshalb vor Beginn ansprechen.
Körpertherapiemethoden gewinnen an Bedeutung, weil sie anders als die symptomorientierte Schulmedizin die Wechselwirkungen von Körper und Seele in die Behandlung einbeziehen und dort ansetzen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
In der heutigen Zeit unserer hochtechnisierten Medizin wird dem Menschen zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt, deshalb fühlen sich viele zu alternativen Therapien hingezogen, die den Menschen ganzheitlich betrachten und sich Zeit nehmen. Körpertherapien sollten bei ernsthaften Beschwerden allerdings keinen Arztbesuch ersetzen. Bei Beschwerden sollte lieber erst ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen herauszufinden, bevor eine Körpertherapie in Erwägung gezogen wird. Auch wenn eine strukturelle Körpertherapie keinen ausreichenden Erfolg bringt, sollte lieber ein Arzt aufgesucht werden, um mögliche Ursachen der Beschwerden herauszufinden und sinnvoll zu behandeln.
Ein weiteres Risiko ist, dass der Begriff Körpertherapie nicht geschützt ist und als Selbsterfahrungsmethode keiner Ausübungsbeschränkung unterliegt. Wenn Körpertherapien zur Heilung und Linderung von Krankheiten und Beschwerden eingesetzt werden sollen, dürfen sie aber nur von Ärzten, Heilpraktikern, Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ausgeübt werden. Wer nicht das Risiko von unzureichend ausgebildeten Therapeuten eingehen möchte, sollte sich vor einer Behandlung über die Ausbildung des Therapeuten informieren.
Die Beleglage ist für die Strukturelle Körpertherapie nicht dieselbe wie für ihre Ursprungsmethode, und sie ist für beide dünn. Für das Rolfing liegen einzelne klinische Untersuchungen vor, die kurzfristige Verbesserungen beschreiben; darüber hinaus stützt sich die Methode überwiegend auf Erfahrungsberichte, deren Aussagekraft begrenzt ist. Für die aus ihr hervorgegangenen Abwandlungen, zu denen die Strukturelle Körpertherapie zählt, existieren noch weniger Daten, weil jede Schule ein eigenes Vorgehen entwickelt hat und Ergebnisse deshalb nicht ohne Weiteres übertragbar sind. Wer sich für eine solche Behandlung entscheidet, sollte das wissen – nicht, weil damit etwas gegen sie spräche, sondern weil die Erwartung an das Ergebnis daran hängt.
Wie jede Behandlung, die mit kräftigem Druck auf Gewebe arbeitet, hat auch die Strukturelle Körpertherapie Grenzen. Frische Verletzungen, akute Entzündungen, offene Wunden, ein bestehendes Blutgerinnsel in den Beinvenen, eine fortgeschrittene Osteoporose sowie Erkrankungen, die die Blutgerinnung betreffen oder mit gerinnungshemmenden Mitteln behandelt werden, sprechen gegen eine Bearbeitung der betroffenen Region. Auch nach Operationen und im Bereich von Implantaten ist Zurückhaltung angezeigt. Wer solche Umstände nicht von sich aus nennt, kann von einem Therapeuten ohne medizinische Ausbildung nicht erwarten, dass sie ihm auffallen; die Auskunft über den eigenen Gesundheitszustand liegt hier stärker beim Klienten als bei einer ärztlichen Behandlung.
Bei der Auswahl eines Anbieters helfen einige nachprüfbare Punkte weiter als der Name der Methode: die Dauer und der Abschluss der Ausbildung, ob daneben eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz oder ein Gesundheitsfachberuf vorliegt, ob vor Beginn nach Vorerkrankungen und Medikamenten gefragt wird und ob der Anbieter bereit ist, die Grenzen seines Verfahrens zu benennen. Wer die Heilung benannter Krankheiten in Aussicht stellt, verspricht mehr, als die Datenlage hergibt.
Weil die Kosten damit vollständig beim Klienten liegen, lohnt sich vor Beginn eine Verständigung über den Umfang. Die Reihe ist als Ganzes angelegt; ein Abbruch nach wenigen Sitzungen entspricht nach dem Selbstverständnis des Verfahrens keiner verkürzten, sondern einer unvollständigen Behandlung. Wer unsicher ist, kann eine einzelne Sitzung vereinbaren, um Vorgehen und Umgangston kennenzulernen, sollte deren Ergebnis nach dem Modell der Methode allerdings nicht als Maßstab für die gesamte Reihe nehmen.
Quellen
- Marlock, G., Weiss, H., Niemeyer, T. (Hrsg.): Handbuch der Körperpsychotherapie.
ISBN: 9783794531554
- Senf, W., Broda, M., Voos, D., Neher, M. (Hrsg.): Praxis der Psychotherapie.
ISBN: 9783132420793
- Heuft, G., Conrad, R.: Lehrbuch Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
ISBN: 9783608402179
- Petermann, F., Vaitl, D. (Hrsg.): Entspannungsverfahren.
ISBN: 9783621281256
- Liem, T.: Psychosomatische Osteopathie.
ISBN: 9783437550478
