Thrombozytose

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einer Thrombozytose sind die Blutplättchen im menschlichen Blut kurzfristig und vorübergehend stark erhöht. Thrombozytosen treten zum Beispiel als Reaktion auf Blutverluste oder Entzündungen ein. Die Behandlung erfolgt abhängig von der jeweiligen Ursache im Einzelfall und kann beispielsweise die Gabe von ASS beinhalten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Thrombozytose?

Thrombozytose
Patienten mit einer Thrombozytose zeigen im Blut eine erhöhte Konzentration an Blutplättchen.
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Die Blutplättchen im menschlichen Blut sind auch als Thrombozyten bekannt. Thrombozyten entstehen durch die Abschnürung von Megakaryozyten im Knochenmark und besitzen eine Lebensdauer zwischen fünf und zwölf Tagen. Alte Thrombozyten werden innerhalb von Milz, Leber und Lunge abgebaut. Thrombozyten sind mit Enzymen der Glykolyse ausgestattet.

Sie enthalten Elemente des Pentosephosphatzyklus, der Atmungskette und des Citratzyklus. Zusätzlich können Thrombozyten aus ihrer Zellmembran die sogenannte Arachidonsäure freisetzen. Im zirkulierenden Blut liegen lediglich inaktive Thrombozyten vor, die durch Oberflächenkontakt aktiviert werden. Aktivierte Thrombozyten setzen Stoffe zur Blutstillung frei und verschließen durch Adhäsion und Aggregation eine eingetretene Verletzung.

Als Thrombozytose ist ein vorübergehender Anstieg der Thrombozytenanzahl im menschlichen Blut bekannt. Die Anzahl der Blutelemente steigt bei der Thrombozytose über 500.000/µl hinaus. Von der Thrombozytose ist die Thrombozythämie zu unterscheiden, bei der sich die Blutplättchen auf lange Sicht vermehren. Die Thrombozytose ist demgegenüber ein reversibler, zeitlich stark begrenzter Anstieg.

Ursachen

Die Ursachen für eine Thrombozytose können verschiedener Art sein. So kann eine kurzfristige Erhöhung der Thrombozytenanzahl zum Beispiel einer reaktiven Blutbildveränderung entsprechen, wie sie im Rahmen von Erkrankungen des blutbildenden Systems, nach Splenektomien, oder nach größeren Blutverlusten auftreten. Aus diesem Grund sind zum Beispiel Patienten nach Operationen häufig von dem Phänomen betroffen.

Auch im Rahmen von Infektionen oder Tumorerkrankungen kann sich die Thrombozytenzahl des Bluts allerdings vorübergehend erhöhen. Auch zytostatische Chemotherapien, chronischer Eisenmangel und chronisch-entzündliche Erkrankungen können eine vorübergehende Thrombozytose zur Folge haben.

Von diesen Ursachen abzugrenzen ist die Thrombozytose im Rahmen von myeloproliferativen Erkrankungen. Bei diesen Erkrankungen liegt eine gesteigerte Proliferation der Zellen vor. Die Rede ist dabei von einer essentiellen Thrombozythämie, die eine dauerhafte starke Vermehrung der Blutplättchen zur Folge hat, die eine starke Vermehrung der Blutplättchen im Blut zur Folge hat. Bei Ursachen wie schweren Blutverlusten scheiden sich die Geister an der Frage nach dem Umgang.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit einer Thrombozytose zeigen im Blut eine erhöhte Konzentration an Blutplättchen. Die Thrombozytenzahl wird üblicherweise in Tausend pro Mikroliter oder in Milliarden pro Liter angegeben; beide Angaben bezeichnen denselben Wert. Bei Patienten mit Thrombozytose liegen die Werte über 500.000/µl. Ein wichtiges Merkmal der Thrombozytose ist, dass es sich lediglich um einen vorübergehenden und meist kurzfristig eintretenden Anstieg der Blutplättchen handelt.

Dieser Anstieg ist selbst ein Symptom und lässt sich im engeren Sinn nicht als Erkrankung werten. Eine extrem erhöhte Blutplättchenanzahl kann in Abhängigkeit von der jeweiligen Ursache Thrombosen begünstigen. Die Begleitsymptome einer Thrombozytose hängen von der primären Ursache ab. Wenn zum Beispiel hohe Blutverluste eingetreten sind, kann ein hämorrhagischer Schock vorliegen. In solchen Situationen ist die Thrombozytose mit Werten bis über 1.000.000 pro µl eine natürliche Körperreaktion.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Thrombozytose wird labordiagnostisch gestellt. In diesem Zusammenhang gilt eine Anzahl von 500.000 Blutplättchen pro Mikroliter Blut als Richtwert für die Diagnose. Der Anstieg der Blutplättchen wird innerhalb der Diagnostik in der Regel auf eine bestimmte Ursache zurückgeführt.

Die Ursache kann nach Operationen oder Unfällen eindeutig sein und bedarf dann keiner weiteren Abklärung. In weniger eindeutigen Fällen muss eine weiterführende Ursachenabklärung erfolgen, die klinisch umfangreiche Untersuchungen erfordern kann. Die Prognose der Patienten hängt von der jeweiligen Ursache für den Anstieg ab.

Komplikationen

Eine Thrombozytose muss nicht in jedem Fall zu schwerwiegenden Beschwerden oder zu starken Komplikationen führen. Sollte das Symptom nur kurzzeitig auftreten, so muss es in der Regel nicht behandelt werden und es kommt nicht zu weiteren Beschwerden. Allerdings kann eine Thrombozytose mit Fieber einhergehen, wenn eine Infektion oder Entzündung ihre Ursache ist; die zugrunde liegende Erkrankung muss dann behandelt werden; die zugrunde liegende Erkrankung muss in diesem Fall behandelt werden.

Bei langanhaltenden Beschwerden ist außerdem eine kausale Behandlung dieser Erkrankung notwendig, um weitere Beschwerden und Komplikationen zu vermeiden. Vor allem nach einem Unfall oder nach einer Operation kann diese Beschwerde eintreten und muss hierbei untersucht und behandelt werden. Da nach einem Unfall der Blutverlust in der Regel schnell gestoppt wird, verschwinden die Symptome der Thrombozytose wieder von alleine.

Die Behandlung der Thrombozytose kann mit Hilfe von Medikamenten erfolgen und findet in der Regel ohne Komplikationen statt. Mit Hilfe von blutverdünnenden Mitteln können die Beschwerden relativ gut gelindert und eingeschränkt werden. Diese Mittel erhöhen allerdings das Blutungsrisiko. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird von der Erkrankung nicht eingeschränkt. Bei inneren Blutungen sind allerdings weitere operative Eingriffe notwendig, um diese zu stoppen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Der Betroffene ist bei einer Thrombozytose auf jeden Fall auf die Abklärung durch einen Arzt angewiesen. Da sich hinter dem Anstieg der Blutplättchen eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung verbergen kann, ist ein Besuch bei einem Arzt unabdingbar. Bleibt eine solche Erkrankung unerkannt, können sich die Beschwerden verschlechtern und es kann zu Komplikationen kommen.

In den meisten Fällen wird die Thrombozytose bei einer Blutuntersuchung festgestellt. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Blutwert den entsprechenden Maximalwert übersteigt und daher kontrolliert werden sollte. Allerdings kann diese Übersteigung auch nur kurzzeitig auftreten, sodass in der Regel ein erneuter Test durchgeführt werden sollte, um den Verdacht zu bestätigen. Die Thrombozytose kann durch einen Allgemeinarzt erkannt werden. Weiterhin kann ein starkes Fieber auf eine Entzündung als Ursache der Thrombozytose hinweisen und sollte dann von einem Arzt untersucht werden, wenn es lange anhält und nicht wieder von alleine verschwindet.

Die Thrombozytose wird durch einen Allgemeinarzt oder durch einen Internisten behandelt. Die Behandlung selbst richtet sich nach der genauen Ursache der Krankheit.

Behandlung & Therapie

Eine Thrombozytose wird in aller Regel kausal behandelt. Das heißt, dass die primäre Ursache für den Anstieg der Blutplättchen definiert und, wenn möglich, beseitigt wird. Wenn sich die Ursache nicht beseitigen lässt, stehen medikamentöse Lösungen zur Reduktion der Thrombozytenzahl zur Verfügung. Allerdings wird im Zusammenhang mit bestimmten Ursachen kontrovers darüber diskutiert, ob eine derartige Intervention überhaupt sinnvoll ist.

Vor allem nach großen Blutverlusten halten viele Wissenschaftler die natürlich reaktive Überproduktion von Thrombozyten für ein Phänomen, das keine medikamentöse Intervention erfordert. Andere Wissenschaftler betrachten die medikamentöse Intervention auch in diesen Fällen als erforderlich und befürchten trotz der Blutverluste Thrombosen als mögliche Komplikationen der erhöhten Thrombozytenzahl.

Bei einer medikamentösen Intervention wird den Patienten meist ASS verabreicht. Dabei handelt es sich um Acetylsalicylsäure, die einen weit verbreiteten schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend wirkenden Arzneistoff darstellt. Zusätzlich kann ASS als thrombozytenaggregationshemmender Wirkstoff aktiv werden. ASS senkt das Risiko für Thrombosen ab, indem es blutverdünnende Wirkung entfaltet.

Allerdings ist die Gabe bei inneren Blutungen beispielsweise kontraproduktiv, da eine Verdünnung des Bluts in diesem Zusammenhang zum Verbluten des Patienten beitragen könnte. Daher wird der Wirkstoff nach Unfällen in den meisten Fällen nicht verabreicht. Auch bei sehr hohen Thrombozytenzahlen von über einer Million pro Mikroliter wird auf ASS verzichtet, weil dann eine erworbene Blutungsneigung besteht. Bei Thrombozytosen anderer Ursache zählt die Behandlung mit ASS aber zu den häufigsten Therapieschritten.


Vorbeugung

Thrombozytosen können vielerlei Ursachen haben. Ihnen lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie ihren Ursachen vorzubeugen ist. Damit gelten als Vorbeugemaßnahmen zum Beispiel alle vorbeugenden Schritte im Bezug auf hohe Blutverluste und entzündliche Phänomene. Da auch chronischer Eisenmangel die Zahl der Blutplättchen ansteigen lässt, handelt es sich auch bei der ausreichenden Einnahme von Eisen um eine Vorbeugemaßnahme.

Nachsorge

Bei der Thrombozytose stehen in der Regel nur wenige und meist auch nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Der Betroffene sollte daher schon bei den ersten Symptomen dieser Krankheit einen Arzt aufsuchen, damit es im weiteren Verlauf nicht zu Komplikationen oder zu anderen Beschwerden kommt. Eine frühzeitige Diagnose mit einer anschließenden Behandlung wirken sich in der Regel sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

In den meisten Fällen bildet sich die Thrombozytose von selbst zurück, sobald die auslösende Erkrankung behandelt oder der Blutverlust ausgeglichen ist. Die Nachsorge besteht deshalb vor allem aus regelmäßigen Blutbildkontrollen, bis sich die Zahl der Blutplättchen wieder normalisiert hat.

Bleiben die Werte dauerhaft erhöht, ist eine weiterführende Abklärung sinnvoll, da dann eine essentielle Thrombozythämie vorliegen kann. War ein operativer Eingriff der Auslöser, etwa die Entfernung der Milz, gilt es nach dem Eingriff von Anstrengungen oder von stressigen und körperlichen Aktivitäten abzusehen. Betroffene sollten außerdem auf Anzeichen einer Thrombose wie Schwellung, Schmerz und Überwärmung eines Beins achten und diese umgehend ärztlich abklären lassen. Sehstörungen oder brennende Schmerzen in Händen und Füßen können auf Durchblutungsstörungen kleiner Gefäße hinweisen. Bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerz ist der Notruf 112 zu wählen. In der Regel verringert diese Krankheit nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.

Das können Sie selbst tun

Eine Thrombozytose muss in der Regel nicht behandelt werden. Meist ist die Anzahl der Blutplättchen im Blut nur leicht erhöht und es treten keinerlei Beschwerden auf. Eine Behandlung ist vonnöten, wenn die Thrombozytenzahl stark erhöht ist, da dadurch eine Störung der Blutzirkulation auftreten kann. Außerdem muss die Ursache der Thrombozytose abgeklärt werden. Dazu kann der Patient beitragen, indem er den Arzt über Vorerkrankungen und Risikofaktoren informiert.

Sollten die Beschwerden nach einer akuten Blutung oder einer Operation auftreten, muss der Arzt konsultiert werden. Bei schweren Infektionen ist eine Selbstbehandlung ebenfalls nicht zu empfehlen. Es gilt, den Auslöser zu beheben, bevor die Symptome langfristig behandelt werden. Patienten, die an rheumatischen Erkrankungen oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leiden, sollten den Arzt konsultieren. Eine Selbstbehandlung ist auch in diesem Fall nicht sinnvoll.

Daneben sind verschiedene Allgemeinmaßnahmen sinnvoll. Weil das Ungleichgewicht der Blutplättchen zu Müdigkeit führen kann, gelten Schonung und Ruhe. Der Patient sollte sich bei Kopfschmerzen oder Schwindel schlafen legen. Bei starkem Nasenbluten helfen kühlende Auflagen im Nacken. Blutungsneigungen wie Nasen- oder Zahnfleischbluten treten bei einer Thrombozytose allerdings nur bei sehr stark erhöhten Werten auf und gehören dann in ärztliche Abklärung. Nachtschweiß lässt sich am besten durch ein optimal klimatisiertes Schlafzimmer beheben. Bei Wadenkrämpfen hilft Bewegung. Schmerzen, Schwellung oder Überwärmung einer Wade können dagegen auf eine Thrombose hindeuten; die Stelle darf dann nicht massiert werden und muss sofort ärztlich untersucht werden. Zahnfleischbluten sowie Sehstörungen sollten ärztlich behandelt werden.

Quellen

  • Eucker, J., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212079
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Pötzsch, B. (Hrsg.): Hämostaseologie.
    ISBN: 9783642015434
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473

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