Splenektomie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Splenektomie ist ein medizinischer Fachbegriff für die chirurgische Entfernung der Milz. Der Eingriff wird auch als Milzexstirpation bezeichnet.
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Was ist eine Splenektomie?
Bei einer Splenektomie wird die Milz operativ entfernt. Die Milz ist ein lymphatisches Organ, das in den Blutkreislauf eingeschaltet ist. Sie liegt in der Bauchhöhle in unmittelbarer Nähe zum Magen. Die Milz übernimmt im Körper mehrere Aufgaben. Zum einen findet in der Milz eine Vermehrung der Lymphozyten statt.
Lymphozyten sind weiße Blutkörperchen und damit Teil des Abwehrsystems. Zum anderen ist die Milz ein wichtiger Speicherort für die Monozyten. Auch diese gehören zu den weißen Blutkörperchen. Drittens dient sie der Entsorgung und Aussortierung veralteter roter Blutkörperchen (Erythrozyten). Bei Ungeborenen spielt sie zudem eine Rolle bei der Bildung der Erythrozyten. Viertens filtert die Milz Krankheitserreger aus dem Blut, insbesondere Bakterien mit einer schützenden Kapsel; auf dieser Filterleistung beruht das erhöhte Infektionsrisiko nach einer Milzentfernung. Die Milz ist ein sehr gut durchblutetes Organ. Bei Verletzungen der Milz können lebensgefährliche Blutungen entstehen. Deshalb ist die Splenektomie in der Regel ein Notfalleingriff bei schweren Verletzungen der Milz, die mit starken Blutungen einhergehen. Früher wurde eine verletzte Milz fast immer vollständig entfernt. Nach heutigem Kenntnisstand wird dagegen zunächst versucht, das Organ zu erhalten – etwa durch Übernähen oder durch eine abwartende Behandlung unter engmaschiger Überwachung –, weil die Milz für die Infektabwehr wichtig ist.
Die Milz liegt im linken Oberbauch unter dem Zwerchfell und wird vom Rippenbogen weitgehend verdeckt. Bei einem Erwachsenen ist sie etwa faustgroß; ihre Größe schwankt allerdings erheblich und nimmt bei zahlreichen Erkrankungen zu. Ihre Blutversorgung erhält sie über die Milzarterie, einen Ast des Truncus coeliacus, und über die Milzvene, die in die Pfortader mündet. Diese Gefäße treten am sogenannten Milzhilus in das Organ ein und aus. Zusätzlich ist die Milz über Bänder mit Magen, Zwerchfell und Dickdarmflexur verbunden, was für die Operation von Bedeutung ist, weil diese Nachbarorgane beim Ablösen verletzt werden können.
Ein wichtiger anatomischer Umstand sind die Nebenmilzen. Dabei handelt es sich um kleine, versprengte Inseln von Milzgewebe, die bei einem erheblichen Teil der Menschen vorkommen und meist in der Nähe des Milzhilus liegen. Für einen Notfalleingriff spielen sie keine Rolle, wohl aber für die geplante Operation bei Bluterkrankungen: Bleibt eine Nebenmilz zurück, kann sie an Größe zunehmen und die Aufgaben der entfernten Milz teilweise übernehmen, sodass die Beschwerden nach anfänglicher Besserung zurückkehren. Nebenmilzen werden deshalb vor dem Eingriff gesucht und während der Operation gezielt mit entfernt. Ist gar kein funktionsfähiges Milzgewebe mehr vorhanden, spricht man von einer Asplenie. Erkennbar ist dieser Zustand im Blutausstrich an sogenannten Howell-Jolly-Körperchen, Kernresten in den roten Blutkörperchen, die eine arbeitende Milz sonst aussortiert. Dieselben Veränderungen finden sich auch bei einer Milz, die zwar vorhanden ist, aber ihre Aufgaben nicht mehr erfüllt, etwa bei der Sichelzellenanämie.
Ein Leben ohne Milz ist möglich, weil andere Gewebe einen Teil ihrer Leistungen übernehmen. Der Abbau gealterter roter Blutkörperchen verlagert sich weitgehend in die Leber und in das Knochenmark, und auch Lymphknoten und Knochenmark beherbergen genügend Abwehrzellen, um die alltägliche Immunabwehr aufrechtzuerhalten. Vollständig ersetzbar ist das Organ jedoch nicht. Was fehlt, ist vor allem die Filterleistung für Erreger, die im Blut zirkulieren und von einer schützenden Kapsel umgeben sind. Genau daraus ergeben sich die lebenslangen Vorsichtsmaßnahmen nach dem Eingriff.
Funktion, Wirkung & Ziele
Die Milz ist von einer Kapsel umgeben. Ist nur die Kapsel beschädigt, kommt es in der Regel nur zu kleineren Sickerblutungen. Bei einer gleichzeitigen Verletzung des Funktionsgewebes fällt die Blutung deutlich schwerer aus. In einigen Fällen kann die Blutung auch erst später auftreten. Wenn das Funktionsgewebe verletzt ist, die Kapsel aber zunächst noch intakt, entwickelt sich innerhalb der Milz ein Bluterguss. Bei zunehmendem Druck reißt die Kapsel und es kommt zu plötzlichen starken Blutungen in die Bauchhöhle. Eine solche zweizeitige Milzruptur ist eine Indikation für eine Splenektomie. Zu den nicht notfallmäßigen Indikationen gehören beispielsweise die hereditäre Sphärozytose und die hereditäre Elliptozytose. Die hereditäre Sphärozytose ist eine angeborene hämolytische Anämie. Da ein Großteil der Erythrozyten Formanomalien aufweist, werden übermäßig viele rote Blutkörperchen von der Milz aussortiert.
In der Folge entwickelt sich eine Blutarmut. Nur die Entfernung der Milz kann den übermäßigen Abbau der roten Blutkörperchen dauerhaft stoppen; sie wird deshalb bei schweren Verlaufsformen erwogen, während leichte Formen heute meist nicht operiert werden. Auch bei einer autoimmunen hämolytischen Anämie wird die Milz entfernt. Dies geschieht heute allerdings erst, wenn Kortison und andere Medikamente die Zerstörung der roten Blutkörperchen nicht ausreichend bremsen. Thalassämien mit Transfusionsbedarf stellen ebenfalls eine Operationsindikation dar. Die Thalassämie ist eine Erkrankung der roten Blutkörperchen. Früher wurde die Milz bei Vorliegen einer Thalassämie allerdings deutlich häufiger entfernt. Heute wird versucht auf Alternativen auszuweichen. Dasselbe gilt bei der Behandlung der Sichelzellenanämie.
Bei Fehlschlagen konservativer Maßnahmen wird die Milz auch bei der idiopathisch thrombozytopenischen Purpura (Morbus Werlhof) entfernt. Heute ist dafür die Bezeichnung Immunthrombozytopenie gebräuchlich, abgekürzt ITP. Weitere Indikationen für eine Splenektomie sind die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (Moschcowitz-Syndrom) und die Myelofibrose bei Milzinfarkt, Blutungen, symptomatischer Splenomegalie oder bei einem hohen Transfusionsbedarf. Bei der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura kommt die Milzentfernung heute allerdings nur noch in Ausnahmefällen infrage, weil die Erkrankung in erster Linie mit einem Plasmaaustausch und Medikamenten behandelt wird.
Weitere Gründe für eine Milzentfernung liegen im Organ selbst. Dazu zählen große oder wachsende Milzzysten, gutartige und bösartige Milztumoren, ein Milzabszess sowie eine so stark vergrößerte Milz, dass sie durch ihre bloße Größe Beschwerden verursacht oder übermäßig viele Blutzellen abbaut. Bei bestimmten Bluterkrankungen wird die Milz zudem im Rahmen eines Eingriffs an einem Nachbarorgan mit entfernt. Historisch bedeutsam war die Splenektomie außerdem als Teil der sogenannten Staging-Laparotomie beim Morbus Hodgkin: Um festzustellen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hatte, wurde der Bauchraum eröffnet und die Milz entnommen. Seit sich die Ausbreitung mit Computertomographie und nuklearmedizinischen Verfahren zuverlässig beurteilen lässt, wird dieser Eingriff nicht mehr durchgeführt.
Umgekehrt sind die Möglichkeiten gewachsen, das Organ zu erhalten. Bei einer Verletzung kann die Blutung neben dem Übernähen auch durch Aufbringen blutstillender Materialien, durch eine Netzumhüllung oder durch das Umstechen einzelner Gefäße zum Stillstand gebracht werden. Ist der Kreislauf stabil, kommt zusätzlich eine Embolisation infrage: Dabei schiebt der Radiologe über die Leistenarterie einen Katheter bis in die Milzarterie und verschließt das blutende Gefäßgebiet gezielt von innen, ohne dass der Bauch eröffnet werden muss. Auch eine Teilentfernung ist möglich, bei der nur der zerstörte Abschnitt entnommen und der Rest belassen wird. Alle diese Verfahren verfolgen dasselbe Ziel, nämlich dem Patienten wenigstens einen Teil der Abwehrleistung des Organs zu erhalten.
In Notfallsituationen, die ein schnelles Handeln erfordern, erfolgt die Splenektomie über einen großzügigen Längsschnitt am Bauch. Alternativ kann auch ein Querschnitt über dem Nabel durchgeführt werden. Wenn die Milz sicher als Blutungsquelle identifiziert ist, wird der Längsschnitt nach links bzw. der Querschnitt nach oben erweitert. Die Blutungsquelle muss so schnell wie möglich erkannt und zunächst lokal komprimiert werden.
Nach einer eingehenden Inspektion der Milz fällt die Entscheidung für das weitere operative Vorgehen. Wenn die Blutungsstelle gut zugänglich ist, wird versucht die Blutung auch ohne eine Splenektomie zu stillen. Wenn dies nicht gelingt, wird der Milzhilus mit Klammern abgeklemmt. So wird die Blutzufuhr zur Milz unterbunden und die Blutung kommt zunächst zum Stillstand. Anschließend wird die Milz entfernt.
Bei einer geplanten Splenektomie wird die Milz in der Regel mithilfe eines linksseitigen Randschnitts am Rippenbogen entfernt. Die einzelnen Milzgefäße im Milzhilus werden zunächst abgeklemmt und dann durchtrennt. Anschließend wird das Organ entfernt. Die Splenektomie kann auch laparoskopisch als minimalinvasives Verfahren durchgeführt werden. Bei planbaren Eingriffen gilt dieses Vorgehen heute als Standard, sofern die Milz nicht stark vergrößert ist.
Vor einem planbaren Eingriff wird die Milz mit Ultraschall und meist zusätzlich mit einem Schnittbildverfahren dargestellt. Bestimmt werden dabei ihre Größe, der Verlauf der Gefäße und das Vorhandensein von Nebenmilzen. Hinzu kommen ein Blutbild, die Gerinnungswerte und die üblichen Vorbereitungen einer Bauchoperation. Bei Erkrankungen, die mit einem Mangel an Blutplättchen einhergehen, hält das Team Blutprodukte bereit; gerinnungshemmende Medikamente werden nach ärztlicher Vorgabe rechtzeitig angepasst. Weil der Eingriff in Narkose erfolgt, findet zuvor ein Gespräch mit dem Narkosearzt statt.
Bei der laparoskopischen Milzentfernung wird der Patient auf die rechte Seite gelagert, damit die Milz durch ihr eigenes Gewicht vom Zwerchfell wegsinkt und der Zugang frei wird. Über mehrere kleine Schnitte werden eine Kamera und die Arbeitsinstrumente eingebracht, der Bauchraum wird mit Kohlendioxid aufgedehnt. Der Operateur löst nacheinander die Bänder zum Dickdarm, zum Zwerchfell und zum Magen, wobei die kurzen Magengefäße durchtrennt werden, und verschließt zuletzt die Gefäße am Milzhilus, in der Regel mit einem Klammernahtgerät. Anschließend wird das Organ in einen reißfesten Bergebeutel gelegt und darin zerkleinert, sodass es durch einen der kleinen Zugänge entnommen werden kann. Ist die Milz sehr groß, wird der Beutel über einen etwas größeren Schnitt geborgen oder von vornherein offen operiert. Wird Milzgewebe wegen einer Bluterkrankung entfernt, verzichtet man auf das Zerkleinern, wenn das Gewebe für die feingewebliche Untersuchung im Ganzen benötigt wird.
Der Vorteil des minimalinvasiven Vorgehens liegt in den kleineren Wunden: Die Patienten haben weniger Schmerzen, kommen früher wieder auf die Beine und verlassen das Krankenhaus in der Regel nach einigen Tagen. Nach einem Notfalleingriff mit großem Bauchschnitt dauert die Erholung deutlich länger. In beiden Fällen schließt sich eine Nachsorge an, die weit über die Wundheilung hinausreicht, denn das Leben ohne Milz erfordert dauerhaft besondere Vorsichtsmaßnahmen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Eine Splenektomie zieht ein lebenslang erhöhtes Infektionsrisiko nach sich. Gefürchtet sind vor allem hämatogene Infektionen mit Pneumokokken, Meningokokken oder Haemophilus influenzae. Eine besonders schwere Verlaufsform einer bakteriellen Infektion nach einer Splenektomie ist das Postsplenektomie-Syndrom. Es tritt in 1 bis 5 Prozent aller Operationsfälle auf und ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. 40 bis 70 Prozent aller Patienten mit Postsplenektomie-Syndrom versterben. Ursache ist eine Störung der Fresszellen aufgrund der Milzentfernung, die zu einer verminderten Abwehr gegenüber bekapselten Bakterien führt.
Das Postsplenektomie-Syndrom tritt wenige Tage bis hin zu mehreren Jahren nach der Operation auf. Häufig geht das Syndrom mit dem Waterhouse-Friderichsen-Syndrom einher. Prophylaktisch werden Patienten nach einer Splenektomie gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b geimpft. Bei einem planbaren Eingriff werden diese Impfungen möglichst schon einige Wochen vor der Operation gegeben, weil der Impfschutz dann besser aufgebaut wird. Auch eine Stand-by-Antibiose oder eine dauerhafte Behandlung mit Antibiotika werden prophylaktisch genutzt.
In den ersten Tagen nach dem Eingriff stehen andere Gefahren im Vordergrund. Weil die Milz sehr stark durchblutet ist, kann es zu einer Nachblutung aus dem Gefäßstumpf am Milzhilus kommen. Beim Ablösen des Organs können die Nachbarorgane verletzt werden, vor allem die Magenwand und die linke Dickdarmflexur; unbemerkte Verletzungen dieser Art führen zu einer Bauchfellentzündung. Im leeren Milzlager unter dem Zwerchfell kann sich Flüssigkeit sammeln, die sich entzünden und zu einem Abszess entwickeln kann. Eine besondere Form der Gerinnselbildung ist die Thrombose der Milzvene, die sich in die Pfortader fortsetzen kann; sie äußert sich oft nur mit unbestimmten Bauchschmerzen und wird deshalb gezielt gesucht, wenn die Zahl der Blutplättchen nach der Operation stark ansteigt.
Auf lange Sicht ist die entscheidende Aufgabe der Nachsorge der Umgang mit dem erhöhten Infektionsrisiko. Patienten ohne Milz erhalten einen Notfallausweis, den sie ständig bei sich tragen sollten und der behandelnde Ärzte sofort auf die fehlende Milz hinweist. Die Schutzimpfungen werden nach ärztlichem Plan aufgefrischt, hinzu kommt üblicherweise die jährliche Impfung gegen die Grippe. Wichtiger als jede einzelne Maßnahme ist jedoch das Verhalten im Ernstfall: Bei Fieber, Schüttelfrost oder rasch zunehmendem Krankheitsgefühl muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, weil eine Blutvergiftung bei fehlender Milz binnen Stunden lebensbedrohlich werden kann und die Zeit bis zum Beginn der Behandlung über den Ausgang entscheidet.
Auch einige alltägliche Gefahren verdienen besondere Aufmerksamkeit. Bissverletzungen durch Hunde und Katzen können Erreger übertragen, die bei fehlender Milz schwere Verläufe auslösen, und werden deshalb frühzeitig ärztlich behandelt. Vor Reisen in tropische Gebiete ist eine reisemedizinische Beratung angezeigt, unter anderem wegen der Malaria, die bei Menschen ohne Milz schwerer verläuft. Dasselbe gilt für durch Zecken übertragene Erkrankungen. Ein Zeckenbiss sollte deshalb beobachtet und bei Beschwerden ärztlich vorgestellt werden. Bei Kindern ist das Risiko schwerer Infektionen nach einer Milzentfernung höher als bei Erwachsenen, weshalb dort besonders zurückhaltend operiert und, wenn möglich, ein Teil des Organs erhalten wird.
Quellen
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Billmann, F., Keck, T. (Hrsg.): Facharztwissen Viszeralchirurgie.
ISBN: 9783662728826
- Schumpelick, V., Kasperk, R., Stumpf, M.: Operationsatlas Chirurgie.
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- Carus, T.: Operationsatlas laparoskopische Chirurgie.
ISBN: 9783662582381
- Andreesen, R., Heimpel, H. (Hrsg.): Klinische Hämatologie.
ISBN: 9783437295904
