Acetylsalicylsäure

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), der unter anderem in Aspirin enthalten ist, wurde bereits um 1850 von einem französischen Chemiker aus der Weidenrinde gewonnen. Doch erst um 1900 gelang es zwei deutschen Chemikern der Firma Bayer, die Substanz so weiter zu entwickeln, dass sie nicht mehr die ursprünglich stark ätzende Wirkung bei der Einnahme entfaltete. Damit war das heute auf der ganzen Welt bekannte Schmerzmittel geboren, das fortan unter dem Namen Aspirin von der Firma Bayer vertrieben wurde.

Inhaltsverzeichnis

Medizinische Wirkung & Anwendung

Acetylsalicylsäure verfügt nicht nur über eine schmerzstillende Wirkung bei Kopf-, Glieder- und Zahnschmerzen, sondern wirkt beispielsweise auch fiebersenkend bei grippalen Infekten.

Die Wirkung der Acetylsalicylsäure und deren Anwendungen verfügt nicht nur über eine schmerzstillende Wirkung bei Kopf-, Glieder- und Zahnschmerzen, sondern wirkt beispielsweise auch fiebersenkend bei grippalen Infekten.

Erst viel später entdeckten Wissenschaftler noch eine andere interessante Wirkung dieser Substanz. Acetylsalicylsäure verhindert das Zusammenklumpen von Blutplättchen und wirkt damit Durchblutungsstörungen und der Entstehung von Thrombosen in den Blutgefäβen entgegen. Seit 1985 wird dieser Wirkstoff bei akuten Herzinfarkten, zur Vorbeugung eines erneuten Herzinfarktes oder Schlaganfalls sowie zur Prophylaxe gegen Reisethrombose bei langen Flugreisen eingesetzt.

Auch nach chirurgischen Eingriffen wird ASS zur Vorbeugung gegen Thrombosen und Embolien verwendet. Doch die Acetylsalicylsäure kann noch mehr. Durch ihre entzündungshemmende Wirkung wirkt sie auch bei Rheuma und Arthritis und bringt die entzündlichen Veränderungen in den Gelenken und Weichteilen zum Abklingen. Doch damit noch nicht genug: die Acetylsalicylsäure zerstört auch die Protein-Moleküle, die den Augapfel beim Grauen Star eintrüben.

Wechselwirkungen

Acetylsalicylsäure hemmt die Produktion des Enzyms Cyclooxygenase und die Bildung bestimmter Prostaglandine. Damit erklärt sich die schmerzstillende, fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung. Jedoch sind einige dieser Prostaglandine für den Schutz der Magenschleimhaut zuständig.

Aus diesem Grund kommt es bei Menschen mit einem empfindlichen Magen zu Sodbrennen, Reizungen und Blutungen der Magen- und Darmschleimhaut bei Einnahme von ASS. Die Aufdeckung des Wirkprinzips der Acetylsalicylsäure, genauer gesagt dessen hemmende Wirkung auf die Prostaglandinsynthese, wurde 1982 mit dem Nobelpreis geehrt.

Die Einnahme von Acetylsalicylsäure bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Medikamenten sollte immer mit dem Arzt abgesprochen werden. So kann ASS die Blutungszeit bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulantien verlängern. Bei gleichzeitigem Konsum von Alkohol bzw. Einnahme von Kortisonpräparaten kann es zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt kommen. Die gleichzeitige Einnahme von Diabetes-Medikamenten und ASS kann eine Unterzuckerung fördern.


Verabreichung und Dosierung

Acetylsalicylsäure (ASA), besser bekannt unter dem Markennamen Aspirin, ist ein weit verbreitetes Medikament mit analgetischen, antipyretischen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Zusätzlich wird es in niedriger Dosierung zur Prävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen eingesetzt.

Trotz seiner vielfältigen Anwendungsbereiche ist bei der Verabreichung und Dosierung von ASA besondere Vorsicht geboten, um die Wirksamkeit zu maximieren und das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.

Die Dosierung von ASA variiert je nach Verwendungszweck. Zur Schmerzlinderung oder Fiebersenkung bei Erwachsenen wird häufig eine Dosis von 500 bis 1000 mg alle 4 bis 6 Stunden empfohlen, jedoch sollte die Tageshöchstdosis von 4.000 mg nicht überschritten werden. Für die kardiovaskuläre Prävention werden deutlich niedrigere Dosen im Bereich von 75 bis 325 mg täglich verwendet, abhängig von den individuellen Risikofaktoren und der ärztlichen Empfehlung.

Es ist wichtig, ASA nicht auf nüchternen Magen einzunehmen, um das Risiko von Magenbeschwerden zu verringern. Personen, die zu Magengeschwüren oder gastritisähnlichen Symptomen neigen, sollten mit ihrem Arzt über magenschonende Alternativen oder die Notwendigkeit eines begleitenden Magenschutzmittels sprechen.

ASA ist für bestimmte Personengruppen kontraindiziert, darunter Kinder und Jugendliche mit viralen Infektionen aufgrund des Risikos des Reye-Syndroms, sowie bei Personen mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Salicylate. Darüber hinaus sollten Schwangere, insbesondere im letzten Trimenon, und stillende Mütter die Einnahme von ASA vermeiden, es sei denn, es wird ausdrücklich von einem Arzt empfohlen.

Die langfristige Verwendung von ASA, auch in niedrigen Dosen, kann das Blutungsrisiko erhöhen, einschließlich gastrointestinaler Blutungen. Daher ist es entscheidend, die langfristige Anwendung von ASA unter medizinischer Aufsicht zu halten, regelmäßige Überwachungen durchzuführen und die Notwendigkeit der Fortsetzung der Therapie regelmäßig zu überprüfen.

Risiken & Nebenwirkungen

Acetylsalicylsäure ist rezeptfrei verkäuflich und vor allem unter den Handelsnamen Aspirin®, Alka-Seltzer®, Acesal®, ASS-Ratiopharm® und Thomapyrin® bekannt. Die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist lang, doch beweist die weltweite Akzeptanz dieses Wirkstoffes, dass es sehr selten zu den angegebenen Nebenwirkungen kommt, wenn das Mittel nicht regelmäβig ohne ärztliche Kontrolle über längere Zeiträume eingenommen wird.

Bei einer langfristigen Einnahme von Acetylsalicylsäure kann es zu Sehstörungen, Schwindel, Übelkeit und Ohrensausen kommen. Diese Nebenwirkungen verschwinden wieder, wenn die Einnahmedosis verringert oder das Medikament ganz abgesetzt wird. Bei einer Neigung zu Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren ist der Einsatz des Wirkstoffes ASS unter Berücksichtigung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses abzuwägen. Für Kinder und Jugendliche ist Acetylsalicylsäure als Schmerzmittel nicht geeignet.

Den Wirkstoff Acetylsalicylsäure gibt es in Form von herkömmlichen Tabletten, Brause- und Kautabletten. Die Dosierung beträgt zwischen 400 und 500 mg pro Tablette. Als tägliche Höchstmenge werden 4 g ASS empfohlen. Acetylsalicylsäure wird auch in Kombination mit Koffein angeboten, das die Wirkung von ASS noch verstärkt. Auch als Kombinationspräparat mit Vitamin C ist Acetylsalicylsäure erhältlich.

Kontraindikationen

Acetylsalicylsäure ist ein weit verbreitetes Medikament mit zahlreichen therapeutischen Anwendungen, einschließlich der Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber sowie der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Trotz seiner Beliebtheit und Wirksamkeit gibt es mehrere Kontraindikationen, die vor der Verwendung von ASA berücksichtigt werden müssen, um ernsthafte Gesundheitsrisiken zu vermeiden.

Einer der Hauptgründe, ASA nicht zu verwenden, ist eine bekannte Allergie oder Überempfindlichkeit gegen Salicylate, die schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann. Ebenso ist ASA bei Personen mit bestimmten Erkrankungen des Verdauungssystems, wie aktiven Magen-Darm-Geschwüren oder gastrointestinalen Blutungen, kontraindiziert, da es die Magenschleimhaut reizen und das Blutungsrisiko erhöhen kann.

Patienten mit hämorrhagischen Erkrankungen oder solchen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten ASA meiden, da es die Blutgerinnung weiter hemmen und das Risiko schwerer Blutungen erhöhen kann. Ebenso ist die Anwendung bei Personen mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen aufgrund des erhöhten Risikos von Nebenwirkungen und Toxizität eingeschränkt.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Vermeidung von ASA bei Kindern und Jugendlichen mit viralen Infektionen, insbesondere bei Grippe oder Windpocken, aufgrund des Risikos des Reye-Syndroms, einer seltenen, aber schwerwiegenden Erkrankung, die das Gehirn und die Leber betrifft.

Schwangere, insbesondere im dritten Trimenon, sollten ASA aufgrund des Risikos von Komplikationen, einschließlich vorzeitiger Schließung des Ductus arteriosus beim Fötus und erhöhtem Blutungsrisiko bei der Mutter während der Entbindung, nur unter strenger ärztlicher Anweisung einnehmen.

Die sorgfältige Abwägung dieser Kontraindikationen ist entscheidend, um die Sicherheit und Wirksamkeit von ASA als therapeutische Substanz zu gewährleisten und potenziell schwerwiegende Gesundheitsprobleme zu vermeiden.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Acetylsalicylsäure interagiert mit einer Vielzahl von Medikamenten, was die Wirksamkeit dieser Medikamente beeinflussen und das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann. Eine der bekanntesten Interaktionen ist die mit anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDs), wie Ibuprofen. Die gleichzeitige Einnahme von ASA mit NSAIDs kann das Risiko von Magen-Darm-Blutungen erhöhen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Interaktion von ASA mit Antikoagulanzien wie Warfarin. ASA verstärkt die Wirkung von Antikoagulanzien, was das Blutungsrisiko signifikant erhöhen kann. Daher ist besondere Vorsicht geboten, und die Kombination sollte nur unter strenger medizinischer Überwachung erfolgen.

Auch die Kombination von ASA mit Kortikosteroiden erhöht das Risiko von Magen-Darm-Geschwüren und Blutungen. Ebenso kann die gleichzeitige Einnahme von ASA und Alkohol das Risiko von Magen-Darm-Blutungen verstärken.

ASA kann zudem die Wirkung von bestimmten blutdrucksenkenden Medikamenten, wie ACE-Hemmern und Diuretika, verringern, was eine Anpassung der Dosierung erforderlich machen kann.

Bei Diabetikern, die Sulfonylharnstoffe zur Blutzuckerkontrolle einnehmen, kann ASA die hypoglykämische Wirkung dieser Medikamente verstärken, was zu Hypoglykämie führen kann.

Es ist wichtig, vor Beginn einer ASA-Therapie den behandelnden Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um potenzielle Interaktionen zu identifizieren und zu managen. Die genaue Beobachtung der Patienten und gegebenenfalls eine Anpassung der Medikation können erforderlich sein, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu gewährleisten.

Alternative Behandlungsmethoden

Für Patienten, die Acetylsalicylsäure nicht vertragen, gibt es mehrere alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe, die je nach Bedarf für Schmerzmanagement, Entzündungshemmung oder Prävention von kardiovaskulären Ereignissen eingesetzt werden können.

Bei Schmerz und Entzündung bieten nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen und Naproxen eine alternative Option. Diese Wirkstoffe haben ähnliche entzündungshemmende und schmerzlindernde Effekte wie ASA, können aber bei einigen Patienten besser vertragen werden. Es ist jedoch wichtig, das erhöhte Risiko von Magen-Darm-Nebenwirkungen zu beachten, das auch bei diesen Substanzen besteht.

Für Patienten, die ein geringeres Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen benötigen, können COX-2-Hemmer wie Celecoxib eine Alternative darstellen. Diese Medikamente sind speziell dafür entwickelt worden, Entzündungen und Schmerzen zu lindern, während sie ein geringeres Risiko für Magen-Darm-Probleme bieten als traditionelle NSAIDs.

Bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Thrombozytenaggregationshemmer wie Clopidogrel als Alternative zu ASA verwendet werden, insbesondere für Patienten, die zur ASA-Unverträglichkeit neigen oder bei denen eine ASA-Allergie bekannt ist. Clopidogrel wird häufig zur Verhinderung von Schlaganfällen und Herzinfarkten bei Patienten mit einem hohen Risiko für diese Bedingungen eingesetzt.

In Situationen, in denen eine entzündungshemmende Behandlung erforderlich ist, aber NSAIDs und ASA nicht geeignet sind, können Kortikosteroide als kurzfristige Alternative in Betracht gezogen werden, um akute Entzündungsreaktionen zu kontrollieren.

Schließlich, für die Schmerzbehandlung, können Paracetamol (Acetaminophen) eine geeignete Alternative für Patienten sein, die eine leichte bis mäßige Schmerzlinderung ohne die entzündungshemmenden Eigenschaften von ASA benötigen.

Es ist wichtig, dass Patienten mit ihrem Arzt sprechen, um die beste alternative Behandlung basierend auf ihren spezifischen gesundheitlichen Bedürfnissen und individuellen Risikofaktoren zu bestimmen.

Quellen

  • "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
  • "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
  • "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor

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