Tropische Spastische Paraparese

Bei der Tropischen Spastischen Paraparese handelt es sich um eine Erkrankung, die sich in partiellen spastischen Lähmungen im Bereich der unteren Gliedmaßen äußert. Das Vorkommen der Tropischen Spastischen Paraparese beschränkt sich überwiegend auf tropische Regionen. Die Abkürzung der Tropischen Spastischen Paraparese lautet TSP, außerdem ist die Krankheit auch unter dem Namen HTLV-assoziierte Myelopathie bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Tropische Spastische Paraparese?

Die Tropische Spastische Paraparese kommt in Deutschland so gut wie nicht vor. Stattdessen beschränkt sich das Verbreitungsgebiet der Tropischen Spastischen Paraparese in erster Linie auf den tropischen Raum. Mediziner schätzen, dass in Westeuropa etwa 6.000 Menschen an einer Infektion mit HTLV-1 leiden und damit das Risiko in sich tragen, eine Tropische Spastische Paraparese zu erleiden.

Tatsächlich manifestiert sich die Erkrankung jedoch nur bei einem geringen Anteil der infizierten Personen, nämlich bei circa einem Prozent. Der Auslöser der Tropischen Spastischen Paraparese findet sich im HTLV-1-Virus, kurz für Humanes T-lymphotropes Virus 1. Die Erkrankung weist hinsichtlich ihrer Beschwerden Ähnlichkeiten zur Amyotrophen Lateralsklerose sowie der Multiplen Sklerose auf. Bei diesen Krankheiten liegt allerdings keine Infektion mit HTLV-1 bei den erkrankten Menschen vor.

Am häufigsten kommt die Tropische Spastische Paraparese in Zentral- und Südamerika, im südlichen Japan sowie in Afrika vor. Vermutungen zufolge stammt die Tropische Spastische Paraparese ursprünglich aus Afrika und verbreitete sich im Zuge der Kolonialisierung. Grundsätzlich handelt es sich bei HTLV-1-assoziierten Krankheiten um relativ neue Forschungsgegenstände.

Ursachen

Die Tropische Spastische Paraparese entsteht in der Folge einer Infektion mit HTLV-1-Viren. Allerdings bildet nur ein sehr geringer Anteil der infizierten Personen tatsächlich eine Tropische Spastische Paraparese aus, die sich dann im Verlauf des Lebens entwickelt. Grundsätzlich findet die Infektion mit HTLV-1 auf die gleiche Weise wie bei HIV statt.

Somit sind die Erreger der Tropischen Spastischen Paraparese beispielsweise über das Blut oder durch Geschlechtsverkehr übertragbar. Dabei beobachten Mediziner auch Doppelinfektionen mit beiden Krankheitserregern, sowohl HTLV-1 als auch HIV. Davon sind insbesondere drogenabhängige Menschen betroffen, die sich Rauschmittel in die Venen injizieren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die typischen Beschwerden der Tropischen Spastischen Paraparese ähneln jenen von anderen neurodegenerativen Erkrankungen stark. Aus diesem Grund kommt es mitunter zu Verwechslungen der Tropischen Spastischen Paraparese mit der Multiplen Sklerose. Mitunter ähnelt die Krankheit auch der Neurolues, die mit Syphilis in Zusammenhang steht.

So leiden die Patienten mit der Tropischen Spastischen Paraparese zum Beispiel an einer Schwäche der Muskeln, Harninkontinenz sowie gestörten Wahrnehmungen. Mitunter ergeben sich durch die Tropische Spastische Paraparese zudem Beschwerden wie Arthritis und Uveitis. Typische Komplikationen der Tropischen Spastischen Paraparese bestehen etwa in der Entwicklung einer Myelopathie sowie einer Inkontinenz.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein geeigneter Facharzt stellt die Diagnose der Tropischen Spastischen Paraparese. Im Patientengespräch versucht der Arzt herauszufinden, ob und wann eine mögliche Infektion mit den HTLV-1-Viren stattgefunden hat. Dabei ist auch auf eine potenzielle Drogensucht einzugehen. Zudem bringt der Facharzt bei der Anamnese in Erfahrung, ob der Patient in die Risikogebiete der Tropischen Spastischen Paraparese gereist ist.

Da die typischen Symptome der Tropischen Spastischen Paraparese teilweise auf eine Neurodegeneration zurückzuführen sind, ist mitunter ein Neurologe an der Diagnose der Krankheit beteiligt. Wichtig sind dabei vor allem die Beschreibungen des Patienten und verschiedene klinische Untersuchungen. Zentral sind Blutanalysen, um die HTLV-1-Viren bei der Person nachzuweisen.

Auf diese Weise ist auch eine einfache Abgrenzung der Tropischen Spastischen Paraparese von der Multiplen Sklerose möglich. Denn bei letzterer liegen keine entsprechenden Viren im Blut der Patienten vor. Besonders relevant bei der Feststellung der Tropischen Spastischen Paraparese ist die Durchführung einer Differentialdiagnose. Dabei klärt der Arzt ab, ob eventuell eine Multiple Sklerose besteht. Außerdem ist eine Neurolues auszuschließen.

Komplikationen

Die Tropische Spastische Paraparese kann in ihrem Verlauf zu einer Reihe von neurodegenerativen Komplikationen führen. Aus der häufig auftretenden Muskelschwäche gehen Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit hervor. Die Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt und führt bei den Betroffenen oft zu psychischen Leiden, die ihrerseits mit Komplikationen verbunden sind.

Des Weiteren kann TPS eine Inkontinenz hervorrufen. Dadurch kann es zu Hautreizungen, Infektionen und Geschwüren kommen. Treten Wahrnehmungsstörungen auf, besteht ein erhöhtes Unfallrisiko. Zudem können sich Folgebeschwerden entwickeln, wenn die ursächliche Erkrankung nicht behandelt wird. Im schlimmsten Fall führt eine Tropische Spastische Paraparese zu bleibenden Einschränkungen in der Hör- und Sehfähigkeit. Eine mögliche Folgeerkrankung von TPS ist Arthritis, die sich aus wiederkehrenden Gelenk- und Knochenentzündungen entwickelt und den Betroffenen in seinem gesamten Handeln erheblich einschränkt.

Auch Gefäßentzündungen können auftreten und die Sehkraft dauerhaft einschränken. Eine mögliche Spätfolge der Erkrankung ist die Myelopathie, in deren Verlauf es zu neurologischen Problemen wie Taubheitsgefühlen und Gangunsicherheiten kommt. Bei der Behandlung gehen die Risiken hauptsächlich von den verordneten Medikamenten aus, die immer mit gewissen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verbunden sind.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dieser Krankheit muss der Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, da es dabei nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen kann. Je früher ein Arzt kontaktiert wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf der Krankheit. Daher sollte schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen dieser Krankheit der Mediziner kontaktiert werden. Der Arzt ist dann zu kontaktieren, wenn der Betroffene an einer Schwäche in den Muskeln leidet. Dabei kann es auch zu einer Inkontinenz kommen, wobei die meisten Patienten auch an einer gestörten Wahrnehmung leiden. Im Allgemeinen ist die Lebensqualität des Betroffenen durch diese Krankheit erheblich eingeschränkt und verringert. Auch Spastiken können auf diese Beschwerde hindeuten und müssen durch einen Arzt kontrolliert werden.

Meistens kann die Krankheit schon im Kindesalter durch einen Allgemeinarzt oder durch einen Kinderarzt erkannt werden. Die weitere Behandlung richtet sich stark nach den genauen Beschwerden und nach ihrer Ausprägung. In vielen Fällen ist auch eine psychologische Behandlung notwenig, an welcher auch die Eltern und die Angehörigen teilnehmen können.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Therapie der Tropischen Spastischen Paraparese ist bisher nicht möglich. Denn die HTLV-1-Viren lassen sich nach erfolgter Infektion nicht mehr aus dem Organismus entfernen. Aus diesem Grund richten sich aktuelle Therapiemaßnahmen hauptsächlich gegen die Symptome der Tropischen Spastischen Paraparese.

Zum Teil versuchen Mediziner auch, einen Ausbruch der Tropischen Spastischen Paraparese zu verhindern. Denn nicht bei allen HTLV-1-Infizierten kommt es tatsächlich zu einer Erkrankung an der Tropischen Spastischen Paraparese. Japanische Forscher haben beispielsweise die Wirkung von grünem Tee auf die Entstehung der Tropischen Spastischen Paraparese erprobt.

Die Idee besteht darin, dass ein erhöhter Virustiter im Blut der Patienten die Manifestation der Tropischen Spastischen Paraparese begünstigt. Tatsächlich zeigten sich gewisse Erfolge, wobei in Kapseln verabreichtes Pulver des grünen Tees den Virustiter bei manchen Personen reduzierte. Der Inhalt der Kapseln entspricht dabei circa zehn Tassen Tee.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung der Tropischen Spastischen Paraparese ist möglich, indem Menschen eine Infektion mit den HTLV-1-Viren vermeiden. Der Übertragungsmodus der Viren ist der gleiche wie bei HIV. Somit geht beispielsweise ein erhöhtes Risiko von verunreinigten Blutkonserven, dem Gebrauch unreiner Injektionsnadeln sowie ungeschütztem Geschlechtsverkehr aus.

Bei erfolgter Infektion mit den HTLV-1-Viren lässt sich der Ausbruch der Tropischen Spastischen Paraparese vermutlich durch eine Reduzierung des Virustiters verringern. Forscher arbeiten an Möglichkeiten, wie sich der Virustiter effektiv senken lässt.

Das können Sie selbst tun

Wenn Seh- und Sensibilitätsstörungen oder andere Anzeichen einer neurodegenerativen Erkrankung auftreten, sollte der Arzt konsultiert werden. Die Tropische Spastische Paraparese tritt zwar extrem selten auf, kann jedoch einen tödlichen Verlauf nehmen.

Wenn die genannten Symptome während eines längeren Aufenthalts in Südjapan, Afrika, Südamerika oder Mittelamerika auftreten, muss die Reise unterbrochen werden. Die Viruserkrankung bedarf der Behandlung durch einen Facharzt für neurodegenerative Störungen. Erkrankte sollten so zügig wie möglich einen deutschen Arzt aufsuchen und diesen über den Verdacht informieren.

Die Behandlung selbst wird durch Schonung, diätetische Maßnahmen und Arzneimittel aus der Naturheilkunde unterstützt. Patienten sind für mindestens zwei bis vier Wochen arbeitsunfähig. Je nach Verlauf können die Symptome durch eine rechtzeitige Therapie weitestgehend eingedämmt werden.

Eine Umstellung der Ernährung, bei der vor allem grüner Tee und Schonkost auf dem Speiseplan stehen, hilft zusätzlich. Wirksame Naturheilmittel sind beispielsweise Johanniskraut oder Baldrian. Diese Schmerz- und Beruhigungsmittel werden am besten in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen. Sie helfen gegen die typischen Beschwerden und lassen sich mit Grüntee einnehmen, welcher als wirksames Gegenmittel bei einer Tropischen Spastischen Paraparese gilt.

Quellen

  • Diesfeld, H.J., Krause, G., Teichmann, D.: Praktische Tropen- und Reisemedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Kretschmer, H., Kusch, G., Scherbaum, H. (Hrsg.): Reisemedizin. Beratung in der ärztlichen Praxis. Urban & Fischer, München 2005

Experte: Dr. med. Nonnenmacher

Aktualisiert am: 17. Dezember 2018

Mein Name ist Dr. med. Nonnenmacher. Ich bin Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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