Tropische Spastische Paraparese

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei der Tropischen Spastischen Paraparese handelt es sich um eine Erkrankung, die sich in partiellen spastischen Lähmungen im Bereich der unteren Gliedmaßen äußert. Das Vorkommen der Tropischen Spastischen Paraparese beschränkt sich überwiegend auf tropische Regionen. Die Abkürzung der Tropischen Spastischen Paraparese lautet TSP, außerdem ist die Krankheit auch unter dem Namen HTLV-assoziierte Myelopathie bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Tropische Spastische Paraparese?

Tropische Spastische Paraparese
HTLV-1 tritt auch als Doppelinfektion mit HIV auf. Davon sind insbesondere drogenabhängige Menschen betroffen, die sich Rauschmittel in die Venen injizieren.
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Die Tropische Spastische Paraparese kommt in Deutschland so gut wie nicht vor. Stattdessen beschränkt sich das Verbreitungsgebiet der Tropischen Spastischen Paraparese in erster Linie auf den tropischen Raum. Mediziner schätzen, dass in Westeuropa etwa 6.000 Menschen an einer Infektion mit HTLV-1 leiden und damit das Risiko in sich tragen, eine Tropische Spastische Paraparese zu erleiden.

Tatsächlich manifestiert sich die Erkrankung jedoch nur bei einem geringen Anteil der infizierten Personen, nämlich bei circa einem Prozent. Der Auslöser der Tropischen Spastischen Paraparese findet sich im HTLV-1-Virus, kurz für Humanes T-lymphotropes Virus 1. Die Erkrankung weist hinsichtlich ihrer Beschwerden Ähnlichkeiten zur Amyotrophen Lateralsklerose sowie der Multiplen Sklerose auf. Bei diesen Krankheiten liegt allerdings keine Infektion mit HTLV-1 bei den erkrankten Menschen vor.

Am häufigsten kommt die Tropische Spastische Paraparese in Zentral- und Südamerika, im südlichen Japan sowie in Afrika vor. Vermutungen zufolge stammt die Tropische Spastische Paraparese ursprünglich aus Afrika und verbreitete sich im Zuge der Kolonialisierung. Grundsätzlich handelt es sich bei HTLV-1-assoziierten Krankheiten um relativ neue Forschungsgegenstände.

Ursachen

Die Tropische Spastische Paraparese entsteht in der Folge einer Infektion mit HTLV-1-Viren. Allerdings bildet nur ein sehr geringer Anteil der infizierten Personen tatsächlich eine Tropische Spastische Paraparese aus, die sich dann im Verlauf des Lebens entwickelt. Grundsätzlich findet die Infektion mit HTLV-1 auf die gleiche Weise wie bei HIV statt.

Somit sind die Erreger der Tropischen Spastischen Paraparese beispielsweise über das Blut oder durch Geschlechtsverkehr übertragbar. Dabei beobachten Mediziner auch Doppelinfektionen mit beiden Krankheitserregern, sowohl HTLV-1 als auch HIV. Davon sind insbesondere drogenabhängige Menschen betroffen, die sich Rauschmittel in die Venen injizieren.

Von der Mutter auf das Kind wird HTLV-1 vor allem über die Muttermilch übertragen. Betroffen ist davon ein erheblicher Teil der Kinder infizierter Mütter, und zwar umso häufiger, je länger gestillt wird. Infizierten Müttern wird deshalb vom Stillen abgeraten.

Die Tropische Spastische Paraparese ist nicht die einzige Folgeerkrankung einer HTLV-1-Infektion. Bei ebenfalls wenigen Prozent der Infizierten entsteht eine adulte T-Zell-Leukämie beziehungsweise ein T-Zell-Lymphom (ATLL), eine bösartige Erkrankung bestimmter weißer Blutkörperchen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die typischen Beschwerden der Tropischen Spastischen Paraparese ähneln jenen von anderen neurodegenerativen Erkrankungen stark. Aus diesem Grund kommt es mitunter zu Verwechslungen der Tropischen Spastischen Paraparese mit der Multiplen Sklerose. Mitunter ähnelt die Krankheit auch der Neurolues, die mit Syphilis in Zusammenhang steht.

So leiden die Patienten mit der Tropischen Spastischen Paraparese zum Beispiel an einer Schwäche der Muskeln, Harninkontinenz sowie gestörten Wahrnehmungen. Mitunter ergeben sich durch die Tropische Spastische Paraparese zudem Beschwerden wie Arthritis und Uveitis. Die Inkontinenz nimmt im weiteren Verlauf häufig zu. Die zugrunde liegende Myelopathie, also die Schädigung des Rückenmarks, ist dabei Teil der Erkrankung selbst und keine hinzutretende Komplikation.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein geeigneter Facharzt stellt die Diagnose der Tropischen Spastischen Paraparese. Im Patientengespräch versucht der Arzt herauszufinden, ob und wann eine mögliche Infektion mit den HTLV-1-Viren stattgefunden hat. Dabei ist auch auf eine potenzielle Drogensucht einzugehen. Zudem bringt der Facharzt bei der Anamnese in Erfahrung, ob der Patient in die Risikogebiete der Tropischen Spastischen Paraparese gereist ist.

Da die typischen Symptome der Tropischen Spastischen Paraparese teilweise auf eine Neurodegeneration zurückzuführen sind, ist mitunter ein Neurologe an der Diagnose der Krankheit beteiligt. Wichtig sind dabei vor allem die Beschreibungen des Patienten und verschiedene klinische Untersuchungen. Zentral sind Blutanalysen, um die HTLV-1-Viren bei der Person nachzuweisen.

Auf diese Weise ist auch eine einfache Abgrenzung der Tropischen Spastischen Paraparese von der Multiplen Sklerose möglich. Denn bei letzterer liegen keine entsprechenden Viren im Blut der Patienten vor. Besonders relevant bei der Feststellung der Tropischen Spastischen Paraparese ist die Durchführung einer Differentialdiagnose. Dabei klärt der Arzt ab, ob eventuell eine Multiple Sklerose besteht. Außerdem ist eine Neurolues auszuschließen.

Komplikationen

Die Tropische Spastische Paraparese kann in ihrem Verlauf zu einer Reihe von neurodegenerativen Komplikationen führen. Aus der häufig auftretenden Muskelschwäche gehen Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit hervor. Die Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt und führt bei den Betroffenen oft zu psychischen Leiden, die ihrerseits mit Komplikationen verbunden sind.

Des Weiteren kann die TSP eine Inkontinenz hervorrufen. Dadurch kann es zu Hautreizungen, Infektionen und Geschwüren kommen. Treten Wahrnehmungsstörungen auf, besteht ein erhöhtes Unfallrisiko. Zudem können sich Folgebeschwerden entwickeln, wenn die ursächliche Erkrankung nicht behandelt wird. Im schlimmsten Fall verliert der Betroffene die Gehfähigkeit; dauerhafte Lähmungen der Beine und eine Blasenstörung bestimmen dann den Alltag. Eine mögliche Folgeerkrankung der TSP ist Arthritis, die sich aus wiederkehrenden Gelenk- und Knochenentzündungen entwickelt und den Betroffenen in seinem gesamten Handeln erheblich einschränkt.

Auch Gefäßentzündungen können auftreten und die Sehkraft dauerhaft einschränken. Im Verlauf der Myelopathie kommt es zu neurologischen Problemen wie Taubheitsgefühlen und Gangunsicherheiten. Bei der Behandlung gehen die Risiken hauptsächlich von den verordneten Medikamenten aus, die immer mit gewissen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verbunden sind.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dieser Krankheit muss der Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, da es dabei nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen kann. Je früher ein Arzt kontaktiert wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf der Krankheit. Daher sollte schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen dieser Krankheit der Mediziner kontaktiert werden.

Der Arzt ist dann zu kontaktieren, wenn der Betroffene an einer Schwäche in den Muskeln leidet. Dabei kann es auch zu einer Inkontinenz kommen, wobei die meisten Patienten auch an einer gestörten Wahrnehmung leiden. Im Allgemeinen ist die Lebensqualität des Betroffenen durch diese Krankheit erheblich eingeschränkt und verringert. Auch Spastiken können auf diese Beschwerde hindeuten und müssen durch einen Arzt kontrolliert werden.

Meistens tritt die Krankheit erst im Erwachsenenalter in Erscheinung, häufig zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr; erste Anlaufstelle ist der Allgemeinarzt, die weitere Abklärung übernimmt ein Neurologe. Die weitere Behandlung richtet sich stark nach den genauen Beschwerden und nach ihrer Ausprägung. In vielen Fällen ist auch eine psychologische Behandlung notwendig, an welcher auch die Angehörigen teilnehmen können.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Therapie der Tropischen Spastischen Paraparese ist bisher nicht möglich. Denn die HTLV-1-Viren lassen sich nach erfolgter Infektion nicht mehr aus dem Organismus entfernen. Aus diesem Grund richten sich aktuelle Therapiemaßnahmen hauptsächlich gegen die Symptome der Tropischen Spastischen Paraparese. Gegen die Spastik kommen dabei Medikamente wie Baclofen oder Tizanidin zum Einsatz, die Blasenstörung wird urologisch behandelt. Fester Bestandteil der Behandlung ist zudem eine regelmäßige Physiotherapie, die der Versteifung der Gelenke entgegenwirkt und die Gehfähigkeit möglichst lange erhalten soll.

Zum Teil versuchen Mediziner auch, einen Ausbruch der Tropischen Spastischen Paraparese zu verhindern. Denn nicht bei allen HTLV-1-Infizierten kommt es tatsächlich zu einer Erkrankung an der Tropischen Spastischen Paraparese. Japanische Forscher haben beispielsweise die Wirkung von grünem Tee auf die Entstehung der Tropischen Spastischen Paraparese erprobt.

Die Idee besteht darin, dass ein erhöhter Virustiter im Blut der Patienten die Manifestation der Tropischen Spastischen Paraparese begünstigt. Tatsächlich zeigten sich gewisse Erfolge, wobei in Kapseln verabreichtes Pulver des grünen Tees den Virustiter bei manchen Personen reduzierte. Der Inhalt der Kapseln entspricht dabei circa zehn Tassen Tee. Es handelt sich dabei jedoch um eine kleine Vorstudie; ein Nachweis, dass grüner Tee den Ausbruch oder den Verlauf der Erkrankung tatsächlich beeinflusst, steht bis heute aus.


Vorbeugung

Eine Vorbeugung der Tropischen Spastischen Paraparese ist möglich, indem Menschen eine Infektion mit den HTLV-1-Viren vermeiden. Der Übertragungsmodus der Viren ist der gleiche wie bei HIV. Somit geht beispielsweise ein erhöhtes Risiko von verunreinigten Blutkonserven, dem Gebrauch unreiner Injektionsnadeln sowie ungeschütztem Geschlechtsverkehr aus.

Ebenso wichtig ist der Verzicht auf das Stillen durch infizierte Mütter, da das Virus über die Muttermilch besonders häufig weitergegeben wird.

Bei erfolgter Infektion mit den HTLV-1-Viren lässt sich der Ausbruch der Tropischen Spastischen Paraparese vermutlich durch eine Reduzierung des Virustiters verringern. Forscher arbeiten an Möglichkeiten, wie sich der Virustiter effektiv senken lässt.

Nachsorge

Bei der Tropischen Spastischen Paraparese (TSP) kann sich die Nachsorge nur auf ein Lindern beziehungsweise Behandeln der Symptome der Erkrankung beschränken. Generell ist die TSP nicht heilbar. Der Betroffene ist bis an sein Lebensende mit den Krankheitserregern infiziert.

Je nach Krankheitsverlauf und Schweregrad der TSP können sich beim Betroffenen symptomatisch Muskelschwächen, Inkontinenz, Wahrnehmungsstörungen, Arthritis und Uveitis manifestieren. Bei auftretenden Muskelschwächen fokussiert sich die Nachsorge auf den Ausgleich der Bewegungseinschränkungen. Physiotherapie und ähnliche Anwendungen werden dafür regelmäßig verordnet.

Ursache der Muskelschwächen ist ein Absterben von Nervenzellen. Für seine Beweglichkeit im Alltag ist der Betroffene orthopädisch zu versorgen (zum Beispiel Rollstuhl, Geh- und Stehhilfen). In Einzelfällen führen die Muskelschwächen zu einer dauerhaften körperlichen Behinderung. Entsprechende Pflegemaßnahmen sind dann einzuleiten.

Im Fall von Wahrnehmungsstörungen und Schmerzen wird bei der Nachsorge die medikamentös begonnene Therapie fortgeführt. Insgesamt ist der Betroffene auch nach seinem klinischen Aufenthalt umfangreich neurologisch zu betreuen. Regelmäßig ist ambulant oder klinisch das Blut des Betroffenen zu analysieren. Die Blutanalysen dienen der Krankheitsprognose.

Für die Nachsorge wesentlich ist die umfassende psychologische Beratung und Betreuung des Betroffenen. Denn TSP führt grundsätzlich zu erheblichen Einschränkungen in der Lebensqualität. Zudem ist der Betroffene darüber aufzuklären, wie sich eine Übertragung auf weitere Personen vermeiden lässt: durch geschützten Geschlechtsverkehr, den Verzicht auf Blut-, Organ- und Gewebespenden, den Verzicht auf gemeinsam benutzte Spritzbestecke und – bei betroffenen Müttern – den Verzicht auf das Stillen.

Das können Sie selbst tun

Wenn Seh- und Sensibilitätsstörungen oder andere Anzeichen einer neurodegenerativen Erkrankung auftreten, sollte der Arzt konsultiert werden. Die Tropische Spastische Paraparese tritt zwar extrem selten auf, schreitet jedoch langsam fort und kann zu dauerhaften Lähmungen führen.

Treten die genannten Symptome auf, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Ein früherer längerer Aufenthalt in Südjapan, Afrika, Südamerika oder Mittelamerika ist dabei ein wichtiger Hinweis für den Arzt, denn zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Erkrankung können Jahrzehnte liegen. Die Viruserkrankung bedarf der Behandlung durch einen Facharzt für Neurologie. Erkrankte sollten so zügig wie möglich einen deutschen Arzt aufsuchen und diesen über den Verdacht informieren.

Unterstützend wirken Schonung und eine angepasste Ernährung; für Mittel aus der Naturheilkunde ist ein Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung nicht belegt. Wie lange Betroffene arbeitsunfähig sind, hängt vom Verlauf ab; da die Erkrankung chronisch fortschreitet, ist häufig eine dauerhafte Anpassung der beruflichen Tätigkeit nötig. Je nach Verlauf lassen sich die Symptome durch eine frühzeitig begonnene Behandlung lindern; aufhalten lässt sich die Erkrankung damit nicht.

Eine Umstellung der Ernährung mit leichter Kost kann das Wohlbefinden verbessern; grüner Tee wurde in einer kleinen Studie erprobt, gilt aber nicht als Gegenmittel gegen die Tropische Spastische Paraparese. Pflanzliche Mittel wie Johanniskraut oder Baldrian werden gelegentlich zur Beruhigung und Schlafförderung eingesetzt. Schmerzmittel sind sie jedoch nicht. Johanniskraut schwächt zudem die Wirkung zahlreicher Arzneimittel ab, unter anderem von Gerinnungshemmern, der Antibabypille und Mitteln zur Unterdrückung des Immunsystems, und darf deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.

Quellen

  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie.
    ISBN: 9783662468913
  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin. Reisemedizin – Globale Gesundheit.
    ISBN: 9783437216428
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Modrow, S., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
    ISBN: 9783662617809

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