Wahrnehmungsstörung

Eine Wahrnehmungsstörung tritt auf, wenn die Verarbeitung der Sinneseindrücke im Gehirn nicht richtig vonstatten geht. Die Gründe für Wahrnehmungsstörungen können vielfältig sein. Eine Therapie wird individuell je nach Grad und Art der Wahrnehmungsschwäche bestimmt und von Spezialisten durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Wahrnehmungsstörungen?

Die Therapien, um die mangelhaften Fähigkeiten zu behandeln, werden von Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Heilpädagogen und Logopäden durchgeführt.

Die Wahrnehmungsstörung betrifft das Zentralnervensystem, wo die Verarbeitung der Sinneseindrücke (die visuellen, auditiven, olfaktorischen, gustatorischen und taktilen Wahrnehmungen) aus einem bestimmten Grund nicht gewöhnlich abläuft.

Im engeren Sinne spricht man von Wahrnehmungsstörungen, wenn das Spüren, die Verbindung der Sinnessysteme oder die Abfolge der Sinnesstimuli betroffen sind. Es gibt drei Arten der Wahrnehmungsstörungen: die taktil-kinästhetischen, die intermodalen und die serialen Wahrnehmungsstörungen.

Ursachen

Die Gründe der Wahrnehmungsstörungen können unterschiedlich sein. Es können angeborene Defekte, aber auch erworbene Mängel sein, die die Wahrnehmungsstörung hervorrufen.

Bei manchen Patienten handelt es sich um eine nicht rechtzeitig behandelte Seh- oder Hörschwäche. Wenn diese Schwäche seit längerer Zeit besteht und durch Brille oder Hörgerät erst spät oder gar nicht korrigiert wurde, so haben die Betroffenen mangelhafte Erfahrungen bei der Wahrnehmung von alltäglichen Geschehnissen.

Dieser Erfahrungsrückstand trägt zu der Wahrnehmungsstörung bei. Eine weitere Ursache für eine Wahrnehmungsstörung kann eine Entwicklungs- und Reifungsstörung sein, die wegen mangelnder Förderung und Anregung entsteht. Zur Feststellung der genauen Gründe der Wahrnehmungsstörung sind umfangreiche medizinische und psychologische Untersuchungen nötig.

Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

Der erste Schritt der Diagnose passiert durch Beobachtung. Falls die oben genannten Schwächen zu beobachten sind, so sollten sich die Betroffenen (oder Verwandte der Betroffenen) an einen Arzt wenden. Es kann vor allem bei Kindern vorkommen, dass es nur um eine vorübergehende Schwäche an der Wahrnehmung geht.

Eine genaue Diagnose können Psychologen, Fachärzte, Heil- und Sonderpädagogen stellen. Zunächst werden die betroffenen Sinnesorgane untersucht, gegebenenfalls sind zusätzlich noch neurologische Untersuchungen nötig, um die Gründe der Wahrnehmungsstörung feststellen zu können.

Im Normalfall nehmen wir die Umwelt bewusst und unbewusst ununterbrochen durch unsere fünf Sinneseindrücke, also Hören, Tasten, Riechen, Schmecken und Sehen, wahr. Die äußeren Reize werden zum Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet.

Nach dieser Verarbeitung hören wir einen Ton, oder es erscheint vor uns ein tatsächliches Bild. Bei einer Wahrnehmungsstörung passiert diese Verarbeitung nicht oder nicht vollständig. Bei der Verarbeitung und Formung unserer Wahrnehmungen spielen frühere Erfahrungen bzw. unsere Wünsche eine große Rolle. Ein Beispiel für die Störung der visuellen Wahrnehmung ist, dass die Betroffenen die räumliche Lage eines Gegenstandes nicht erfassen können oder Schwierigkeiten haben, gleiche Formen zu erkennen.

Ein Beispiel für eine auditive Wahrnehmungsstörung ist, wenn die Patienten sich damit schwer tun, Worte in Laute zu zerlegen. Es kommt vor, dass die Betroffenen nicht merken, wenn es ihnen zu heiß oder zu kalt ist. Dies ist eine Störung der Körperwahrnehmung.

Komplikationen

In vielen Fällen besteht die Wahrnehmungsstörung bei einer Person schon von Geburt an. Diese kann in der Regel nicht behandelt werden und verschwindet auch nicht wieder von alleine. Tritt eine Wahrnehmungsstörung mit der Zeit auf, so kann diese in vielen Fällen behandelt werden. So helfen Brillen oder Hörgeräte Menschen beim Sehen und Hören.

Meistens tragen diese Geräte auch dazu bei, dass die Entwicklung der Wahrnehmungsstörung gestoppt wird. Wird nämlich bei einer Wahrnehmungsstörung keine Behandlung wahrgenommen oder keine entsprechende Hilfe genutzt, so verschlechtert sich die Störung in der Regel. Die Augen können noch weiter abgeschwächt werden, da sich die Muskeln anstrengen müssen, um scharf zu sehen.

Bei Störungen am Gehörgang wird die Lautstärke oft erhöht, was zu einer weiteren Schädigung der Ohren führt. Daher sollten Wahrnehmungsstörung immer bei einem Arzt behandelt werden. Ohne Behandlung können sie zu starken Kopfschmerzen oder auch psychischen Probleme führen. Die betroffene Person ist oft orientierungslos und verspürt Ängste aufgrund der körperlichen Veränderungen. Eine Wahrnehmungsstörung kann auch dann auftreten, wenn die Sinnesorgane richtig funktionieren, die Signale allerdings nicht oder falsch ausgewertet werden. In diesen Fällen ist keine direkte Behandlung möglich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wahrnehmungsstörungen sind ernst zu nehmen, da sie gefährliche Ursachen haben können. Es ist deshalb unumgänglich, einen Arzt aufzusuchen. Nur ein Mediziner kann eine zuverlässige Diagnose stellen und adäquate Behandlungsschritte einleiten. Die Betroffenen sollten deshalb auf gar keinen Fall zögern. Der Hausarzt kann als erste Anlaufstelle gelten. Mit ihm können die Symptome ausgiebig besprochen werden.

Bei Kindern sollte umgehend ein Kinderarzt aufgesucht werden. Da die körperliche Entwicklung eines Kindes noch nicht vollständig abgeschlossen ist, müssen Eltern unmittelbar tätig werden. Sie sollten umgehend einen Kinderarzt mit einbeziehen. Je nach Art und Ausmaß der Wahrnehmungsstörungen kommen auch weitere medizinische Ansprechpartner in Betracht. Führen die Wahrnehmungsstörungen zu Sprachschwierigkeiten, sollte ein Logopäde aufgesucht werden. Daneben können auch Heilpädagogen, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten bei der Behandlung behilflich sein.

Allerdings sollten diese erst nach einer vorherigen Konsultation eines Hausarztes aufgesucht werden. Dieser kann aufgrund seiner medizinischen Erfahrung an den kompetentesten Facharzt überweisen. So kann es auch notwendig sein, einen Neurologen oder Hals-Nasen-Ohrenarzt einzuschalten.

Behandlung & Therapie

Wenn die Ursachen der Wahrnehmungsstörung körperlich bedingt sind, so werden zuerst die Ursachen behandelt, um die Schwäche zu beseitigen. Andernfalls helfen spezielle Trainings, bei denen die mangelhaften Fähigkeiten behandelt werden. Die Therapien werden von Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Heilpädagogen und Logopäden durchgeführt.

Die Affolter-Methode oder geführte Interaktionstherapie, benannt nach der schweizerischen Psychologin und Psychotherapeutin Félicie Affolter, ist eine auf dem Tastsinn basierte, alltagsbezogene Behandlungsmethode, die bei einer Wahrnehmungsstörung angewendet werden kann. Das bedeutet, dass das Erkennen der Beziehung zwischen Körper und Umwelt durch gezieltes Führen der Körperteile, vor allem der Hände, erfolgt.

Der Therapeut führt die Hände der Patienten gezielt während alltäglicher Situationen, damit dieser die Umwelt durch Tasten erkennt. Auf diese Weise können die Patienten zur gespürten Information kommen. Diese Therapie erreicht die Verbesserung der Wahrnehmung und die Erweiterung der gespürten Informationssuche.

So kommen die Betroffenen zu mehr Information über die Umwelt und erwerben ein größeres Verständnis über diese. Sie werden flexibler, selbstständiger, sogar ihre sprachliche Leistungen verbessern sich. Die Therapie fördert motorische, kognitive und emotionale Leistungen. Selbstverständlich ist der Heilprozess umso schneller, je früher die Defizite erkannt und behandelt werden.

Aussicht & Prognose

Bei der Wahrnehmungsstörung kann es zu unterschiedlichen Verläufen kommen, die in der Regel stark von der Ursache der Wahrnehmungsstörung abhängen. Sollte die Wahrnehmungsstörung durch den Konsum von Alkohol oder von anderen Drogen auftreten, so verschwindet diese meistens schon nach einer kurzen Zeit, wenn die jeweilige Substanz abgesetzt und nicht mehr eingenommen wird. In Fällen der Abhängigkeit ist dafür ein Entzug notwendig.

Der übermäßige Konsum von Drogen kann auch dazu führen, dass bestimmte Nerven im Körper beschädigt werden und an diesen Stellen Wahrnehmungsstörungen auftreten. Auch können einige Medikamente eine Wahrnehmungsstörung auslösen und sollten dann nach Rücksprache mit einem Arzt durch ein anderes ersetzt oder komplett abgesetzt werden.

Sollte die Wahrnehmungsstörung an den Ohren oder an den Augen auftreten, so können diese Störungen relativ gut behandelt werden. Dazu stehen dem Betroffenen Brillen, Kontaktlinsen oder Hörgeräte zur Verfügung, sodass die Wahrnehmungsstörung gut ausgeglichen werde kann. Falls die Wahrnehmungsstörung behandelt werden kann, führt sie in den meisten Fällen zu keinen weiteren Komplikationen.

Bei bestimmten Syndromen führt eine geistige Behinderung zu einer Wahrnehmungsstörung. Eine allgemeine Voraussage über den Krankheitsverlauf bei einer Wahrnehmungsstörung ist kaum möglich, da die Behandlung und ihr Erfolg stark von der Ursache der Krankheit abhängen.

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Vorbeugung

In vielen Fällen liegt eine Wahrnehmungsstörung bereits seit der Geburt vor. Eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme ist es daher, dass die schwangere Frau nicht raucht, keinen Alkohol trinkt und auch sonst keine Drogen zu sich nimmt. Von ärztlicher Seite sollte unbedingt eine Sauerstoffunterversorgung beim Geburtsvorgang vermieden und über den Verzicht auf einen Kaiserschnitt nachgedacht werden.

Außerdem wird ein Kind, das in einer liebevollen und mit einer großen Vielfalt an Reizen ausgestatteten Welt aufwächst, später weniger gefährdet sein, an einer Wahrnehmungsstörung zu leiden.

Das können Sie selbst tun

Wahrnehmungsstörungen können ernste Ursachen haben und sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Einige der Symptome lassen sich jedoch mit Hilfe von Hausmitteln und praktischen Maßnahmen lindern. Zunächst empfiehlt es sich, die Beschwerden in einem Tagebuch festzuhalten und Art und Intensität der Störungen genau zu notieren.

Leichte Wahrnehmungsstörungen lassen sich oft bereits durch körperliche Bewegung, Entspannung oder eine ausgewogene Mahlzeit reduzieren. Manchmal liegt den Beschwerden auch Erschöpfung oder Dehydration zugrunde. Bei Verdacht auf Wahrnehmungsstörungen sollte deshalb zunächst der eigene Lebensstil hinterfragt werden. Sind hier keine Auffälligkeiten festzustellen, liegt den Störungen möglicherweise eine Allergie oder Unverträglichkeit zugrunde, die sich durch die Vermeidung des jeweiligen Stoffes behandeln lässt. Ist ein Hitzschlag ursächlich, helfen Bettruhe und kühlende Anwendungen wie zum Beispiel ein Kältewickel.

Chronische Wahrnehmungsstörungen, die zu Beeinträchtigen im Alltag führen, sollten mit dem Hausarzt besprochen werden. Ist der Nachwuchs betroffen, sollte zunächst mit dem Kinderarzt gesprochen werden. Weitere Ansprechpartner sind je nach Art der Beschwerden auch Logopäden, Heilpädagogen, Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten. Bei auditiven Wahrnehmungsstörungen wie zum Beispiel Tinnitus empfiehlt sich der Gang zum Ohrenarzt.

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 22. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Tanja kommentierte am 15.08.2013

Würde gerne mehr darüber erfahren. Meine Mama hatte vor vier Monaten einen Schlaganfall bekommen und jetzt wurde bei ihr diese Wahrnehmungsstörung festgestellt. Sie sieht bzw. nimmt die linke Seite nicht mehr wahr. Ich würde gern wissen, was man so dagegen tun kann und wie man ihr helfen kann.

EMI kommentierte am 06.10.2014

Meine Tochter ist fast neun Jahre alt und man hat im Kindergarten schon gesagt, dass sie sehr verträumt ist. Jetzt ist sie in der 3. Klasse und ab der 1. hat man dasselbe gesagt. Nun waren wir beim Ohrenarzt und er hat festgestellt, dass sie akustisch auf beiden Seiten nichts rausfiltern kann, wenn viele Geräusche da sind. Die Lehrer meinten, sie sei sehr verträumt und oft abwesend, sie sei unkonzentriert. Sie ist aber auch sehr ängstlich. Sie hat nicht sehr viele Freunde. Sie geht überhaupt nicht auf andere zu und wenn diese etwas von ihr wollen, müssen sie schon sehr hartnäckig sein. Trotzdem ist sie aber sehr lieb und gibt immer mehr, als sie zurückbekommt. Sie meldet sich zwar im Unterricht, ist aber schüchtern, ängstlich, hat kein Selbstvertrauen und lässt anderen immer den Vortritt. Sie redet nicht einfach drauf los und braucht lange, um ihre Gedanken in Worte zu fassen. Der Augenarzt konnte nichts finden. Die Schule meinte, das Sozialpädiatrische Zentrum könnte feststellen, was sie hat und was man dagegen tun könnte. Was meinen Sie?

Amric kommentierte am 08.12.2015

Bei unserem Sohn wurde vor zwei Jahren festgestellt, dass er eine Wahrnehmungsstörung hat. Er ist sehr verträumt, unkonzentriert und spricht auch sehr schnell und undeutlich. Er wurde im Intergrationskindergarten mit Hilfe von Logopädie und Ergotherapie behandelt und gefördert. Jetzt ist er in der ersten Klasse. Der Lehrerin und den Horterzieherinnen ist es ebenfalls aufgefallen, dass er Schwierigkeiten mit der Konzentration hat. Er blockiert ganz einfach. Hat jemand vielleicht einen guten Rat?

Namida kommentierte am 11.03.2016

@Amric: Ist dein Sohn in der Schule ein I-Kind oder hat er einen Einzelfallhelfer, der ihn unterstützt? Mein Kind hat auch Wahrnehmungsstörungen (Raum-Lage, Körperschema und Gleichgewicht). Ich fand das Buch von Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf "Drück Mich Mal Ganz Fest" sehr hilfreich. Wir hatten zwei Jahre Ergo mit SI und haben jetzt zu Psychomotorik gewechselt (über die Schulärztin beim Jugendamt). Dazu machen wir therapeutisches Reiten. Es sind nach zwei Monaten bereits Fortschritte erkennbar (nicht bei jedem schlägt diese Therapieform an). Aber auch jegliche tiergestützte Therapie könnte hilfreich sein (Ergo mit Therapiehunden z.B.).

Sandra kommentierte am 17.09.2016

Ich habe von Geburt an Wahrnehmungsstörungen. Ich bin 28 Jahre alt und wegen der Wahrnehmungsstörungen hatte ich Physio- und Ergotherapie. Mittlerweile ist es besser, aber wenn ich müde bin oder Kopfweh habe ist es trotzdem da, weil ich dann unkonzentriert bin. Was kann ich machen?

Martina kommentierte am 05.11.2016

Meine Tochter hat eine Wahrnehmungsstörung, sie ist 20 Jahre alt, ihre Berufssaubildung hat sie hinter sich. Sie arbeitet nun und ist dort sehr glücklich. Dennoch hat sie es schwer Freunde zufinden, gerne würde sie viel unternehmen. Wie kann man Kontakte finden? Habe gerade den Komentar von Sandra gelesen, wie geht es dir mit Freunden?

David kommentierte am 24.02.2017

Mein Sohn hatte vor drei Jahren ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall. Leider hat er immer noch Probleme bei der räumlichen Wahrnehmung und Orientierung. Er kann sich örtlich überhaupt nicht zurechtfinden, er erkennt nicht einmal die Straßen und Örtlichkeiten wo er aufgewachsen ist. Kann man das durch Therapien oder Schulungen fördern und wie und wo werden diese angeboten?

Paula kommentierte am 13.04.2017

Meine Tochter ist 29 Jahre alt. Seit etwa vier Jahren werde ich das Gefühl nicht los, dass sie an einer Wahrnehmungsstörung leidet. Ich selbst habe mir Hilfe bei einer Psychologin gesucht, weil ich mit dem Verhalten meiner Tochter nicht mehr zurecht kam. Einmal ist sie auch mit zu einer Sitzung gekommen. Die Psychologin fragte sie, seit wann sie sich zu Hause nicht mehr wohlfühle? Sie sagte, seit ihrem zwanzigsten Lebensjahr, mein Mann und ich waren fassungslos. Zu diesem Zeitpunkt ist sie zum Studium, und zog zu ihrem damaligen Freund. Nach dem Studium ging es langsam los, sie fing an zu kritisieren. Dann wurde sie schwanger und mein Mann und ich machten die Hölle durch. Ich würde beschuldigt Schuld zu sein, dass sie wochenlang vor der Geburt liegen musste, auch an ihrem Blutsturz war ich Schuld. Sie wünschte schon in der Schwangerschaft keinen Kontakt mehr mit mir. Als das Kind da war ging das so weiter, jeder Versuch an sie ranzukommen, schlug fehl. Meinen Enkel wage ich nicht anzufassen, denn ich merke, dass sie Angst hat. Wir sind nun ratlos, was sollen wir tun? Können wir überhaupt etwas tun?