Uveitis (Entzündung der Gefäßhaut)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Uveitis (Entzündung der Gefäßhaut)

Bei einer anhaltenden Verminderung der Sehschärfe, die mit dem Tränen sowie einer Rötung eines oder beider Augen einhergeht, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden, um eine Uveitis auszuschließen. Diese Entzündung der Gefäßhaut kann Patienten unabhängig vom Lebensalter treffen und sollte umgehend behandelt werden, um dauerhafte Schäden am Auge zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Uveitis?

Uveitis
Eine einmalige Uveitis heilt meist ohne weitere Folgen für den Patienten aus. Tritt die Entzündung jedoch erneut auf und wird chronisch, ist mit Schäden am Auge zu rechnen, die die Sehschärfe dauerhaft einschränken.
© Kadmy – stock.adobe.com

Eine Uveitis ist eine Entzündung der Gefäßhaut des Auges. Der Augapfel ist eine Struktur, die mit drei Gewebeschichten ausgekleidet ist, wobei die in der Mitte liegende Schicht als Gefäßhaut (Uvea) bezeichnet wird. Die Entzündung kann bestimmte Bereiche der Uvea betreffen.

Daraus ergibt sich eine Unterscheidung zwischen vorderer, intermediärer und hinterer Uveitis, wobei die vordere Uveitis die häufigste Form der Entzündung der Gefäßhaut darstellt und auch als Iritis oder Entzündung der Regenbogenhaut bezeichnet wird. Die Erkrankung kann einmalig auftreten oder chronisch verlaufen. Altersgrenzen bestehen bei den betroffenen Patienten nicht.

Zu den auftretenden Beschwerden zählen dumpfe Schmerzen am Auge, die bis in die Stirn ausstrahlen können. Das Auge ist gerötet und tränt. Die Sehschärfe ist meist vermindert und es besteht eine Lichtempfindlichkeit. Bei einer chronischen Uveitis bestehen oft weniger Beschwerden. Die Erkrankung kann auf einem Auge oder auch beidseitig auftreten.

Ursachen

Ursächlich für eine Uveitis können Bakterien sowie Viren, Pilze und Parasiten sein. Zu den Viren zählen Herpes oder Varizellen. Auch während einer Tuberkulose oder Borreliose kann die Entzündung auftreten.

Sie ist häufig eine Folge einer bereits überstandenen anderen Krankheit wie etwa einer bakteriell durch Yersinien ausgelösten Durchfallerkrankung. Verschiedene Autoimmunerkrankungen begünstigen eine Uveitis ebenfalls. Dazu zählen die chronischen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie rheumatische Erkrankungen wie die juvenile Arthritis, Morbus Bechterew und Sarkoidose, multiple Sklerose oder bestimmte Nierenentzündungen.

Oft lassen sich jedoch keine Ursachen für das Auftreten der Erkrankung finden. Es wird vermutet, dass es sich in diesen Fällen um eine Immunreaktion des Körpers auf bestimmte Eiweißstrukturen des Auges handelt, die als körperfremd angesehen werden und damit die Uveitis auslösen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Uveitis kann akut oder chronisch auftreten. Bei den chronischen Formen der Erkrankung sind jedoch akute Schübe mit symptomfreien Intervallen möglich. Wichtigstes Zeichen stellt eine sich plötzlich oder langsam entwickelnde Sehverschlechterung dar. Die Betroffenen sehen zunehmend verschwommen. Dabei nimmt die Sehschärfe ab.

Zusätzlich treten oft starke Schmerzen auf. Sehr selten kann die Regenbogenhaut unterschiedlich gefärbt sein. In Abhängigkeit davon, wo die Gefäßhaut entzündet ist, kann es auch zu einer deutlichen Rötung des Auges mit starkem Tränenfluss und einer erhöhten Empfindlichkeit gegen Licht (Blenden) kommen. Das gilt vor allem, wenn der vordere Teil des Auges entzündet ist.

Grundsätzlich wird zwischen drei Formen der Uveitis unterschieden. So gibt es eine vordere, mittlere und hintere Uveitis. Die hintere Uveitis ist meist lediglich von einem verschwommenen und unklaren Sehen geprägt. Schmerzen, Rötung der Augen und Tränen kommen hier in der Regel nicht vor. Meist ist eine Uveitis sehr gut behandelbar.

In einigen Fällen kann sie jedoch chronisch werden. Dann treten später öfter Rezidive auf. Mitunter sind auch Verwachsungen der Regenbogenhaut mit der Linse oder dem Kammerwinkel möglich. Sehbehinderungen durch Glaskörpertrübungen, grauen Star oder Glaukom kommen auch vor. Wenn Netz- oder Aderhaut beteiligt sind, kann die Retina zerstört werden, was zur Nachtblindheit oder gar zur völligen Erblindung führen kann.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose der Uveitis stellt der Augenarzt. Über die Befragung des Patienten erhält er bereits erste Hinweise auf eine mögliche Gefäßhautentzündung. Über eine gründliche Untersuchung des Augenhintergrundes lässt sich die Diagnose sichern. Eventuell sind auch Blutuntersuchungen notwendig, um weitere Infektionen, die der Gefäßhautentzündung möglicherweise zugrunde liegen, zu erkennen.

Eine einmalige Uveitis heilt meist ohne weitere Folgen für den Patienten aus. Tritt die Entzündung jedoch erneut auf und wird chronisch, ist mit Schäden am Auge zu rechnen, die die Sehschärfe dauerhaft einschränken.

Komplikationen

Je nach Art der Uveitis können verschiedene Komplikationen auftreten. Eine typische Komplikation der vorderen Uveitis sind Entzündungen im vorderen Abschnitt der Gefäßhaut, die mit Sehstörungen und gelegentlich auch mit Vernarbungen und einer dauerhaften Beeinträchtigung der Sehkraft verbunden sind. Zudem können die Regenbogenhaut und die Linse verkleben. Infolge einer Erhöhung des Augeninnendrucks kann es zum sogenannten grünen Star kommen.

Bei einer mittleren Uveitis kann sich Flüssigkeit auf der Netzhaut sammeln und manchmal zu einem Einreißen der Netzhaut führen. Auch ein grauer oder grüner Star kann auftreten. Bei einer hinteren Uveitis wird häufig auch die Netzhaut geschädigt – es kommt zu Sehstörungen, die chronisch verlaufen können.

Weitere mögliche Komplikationen sind eine Eintrübung der Augenlinse (Katarakt) und die Einlagerung von Kalzium in die Hornhaut. Bei Säuglingen und Kleinkindern nimmt eine Uveitis häufig einen schweren Verlauf und ruft bleibende Schädigungen am Auge hervor. Gerade im Kindesalter verläuft sie dabei oft schmerzlos und ohne sichtbare Rötung, sodass sie erst spät bemerkt wird. Kinder mit juveniler Arthritis sollten deshalb regelmäßig augenärztlich untersucht werden, auch wenn sie über keinerlei Beschwerden am Auge klagen. Bei einer Operation kann es zu Verletzungen am Auge kommen. Außerdem können Infektionen auftreten oder das Auge verheilt nach dem Eingriff nicht richtig und entzündet sich erneut. Die Lasertherapie birgt ähnliche Risiken.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden im Bereich der Augen sollte ein Arzt konsultiert werden. Tränende Augen, Rötungen und Reizungen weisen auf Unstimmigkeiten hin, die kontrolliert und behandelt werden müssen. Kommt es zu Beeinträchtigungen des Sehvermögens, Schmerzen oder einer erhöhten Unfallgefahr, wird ein Arzt zur Abklärung der Ursache benötigt. Leidet der Betroffene unter einer Empfindlichkeit gegenüber Lichteinflüssen, einem unscharfen Sehen oder Schwindel, ist ein Arztbesuch anzuraten. Wird eine Nachtblindheit bemerkt oder stellen sich regelmäßig Kopfschmerzen ein, sollte eine Ursachenforschung betrieben werden.

Plötzliche Veränderungen der gewohnten Sehkraft gelten als besorgniserregend. Sie sollten schnellstmöglich ärztlich untersucht werden. Störungen des Tränenkanals, Schwellungen im Bereich der Augen oder ein Juckreiz sind ebenfalls einem Arzt vorzustellen. Da es unbehandelt zu einer vollständigen Erblindung kommen kann, sollte bereits bei den ersten Unregelmäßigkeiten ein Arztbesuch erfolgen. Zudem empfiehlt sich grundsätzlich ein Kontrollbesuch bei einem Arzt, wenn im Alltag im unmittelbaren Vergleich zu Menschen aus dem sozialen Umfeld ein Unterschied des Sehvermögens wahrgenommen wird.

Gangunsicherheiten, Auffälligkeiten des Verhaltens oder Stimmungsschwankungen deuten auf gesundheitliche Beeinträchtigungen hin, die mit einem Arzt besprochen werden sollten. Häufig treten aufgrund der Funktionsstörungen des Auges parallel psychische Unregelmäßigkeiten auf, da die emotionale Belastung für den Betroffenen sehr stark ist.

Unverzüglich augenärztlich abgeklärt werden müssen dagegen ein plötzlicher Sehverlust, starke Augenschmerzen mit deutlicher Rötung des Auges sowie das Sehen von Farbringen oder Höfen um Lichtquellen. Ist keine augenärztliche Praxis erreichbar, gehören die Betroffenen in die Notaufnahme einer Augenklinik; außerhalb der Sprechzeiten vermittelt auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Uveitis richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Der Augenarzt wählt Medikamente aus, um die Entzündung zu lindern und langfristige Schäden am Auge zu vermeiden. Bei einer bakteriellen Ursache werden Antibiotika verordnet, bei einem ursächlichen Pilzbefall ein Medikament gegen Pilze. Meist wird zur Entzündungshemmung Kortison in Form von Augentropfen verschrieben.

Es ist zudem wichtig, Verklebungen an der Regenbogenhaut zu vermeiden. Dazu muss die Pupille mit entsprechenden Augentropfen (Zykloplegika oder Mydriatika) weitgestellt werden. Bei Störungen des Immunsystems wird die Immunreaktion mit Kortison gedämpft. Je nach der Art der Entzündung werden die Medikamente als Augentropfen, in Tablettenform oder als Spritze verabreicht.

Bei den meisten Patienten wird mit der Gabe von Kortison eine Heilung der Uveitis erreicht. Wenn sich die Entzündung nicht ausreichend zurückbildet, stehen weitere Medikamente zur Verfügung, die in den Entzündungsprozess der Gefäßhautentzündung eingreifen können und so deren Abheilung erreichen. Nur in besonders schweren Fällen ist bei einer Uveitis eine Operation am Glaskörper des Auges notwendig.


Vorbeugung

Es gibt keine wirksame Vorbeugung gegen eine Uveitis, da diese Entzündungsreaktion viele Ursachen haben kann. Es ist jedoch notwendig, sofort einen Augenarzt aufzusuchen, wenn Beschwerden am Auge auftreten, die mit einer Minderung der Sehschärfe einhergehen, damit eine Uveitis schnell festgestellt und behandelt werden kann. Dies ist vor allem für Patienten mit chronischen Grunderkrankungen wichtig.

Nachsorge

Um die Entstehung von Folgeerkrankungen zu vermeiden, sollte an die Behandlung einer Uveitis eine umfassende Nachsorgebehandlung anschließen. Diese besteht aus regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen beim Augenarzt. Dieser misst die Sehschärfe, untersucht den Augenhintergrund sowie Netzhaut, Aderhaut, Strahlenkörper und Iris und kontrolliert den Augeninnendruck und ergreift im Falle einer entstandenen Folgeerkrankung oder einer erneuten Uveitis rechtzeitig Gegenmaßnahmen.

Falls die Sehschärfe infolge der Uveitis dauerhaft beeinträchtigt ist, können eine Brille oder Kontaktlinsen notwendig sein. Liegt infolge der Uveitis eine Linsentrübung vor, muss diese außerdem behandelt werden. Hat sich der Augeninnendruck infolge der Uveitis oder von deren Behandlung erhöht, muss dieser medikamentös gesenkt werden. Hierzu kommen neben drucksenkenden Augentropfen auch Tabletten mit dem Wirkstoff Acetazolamid zum Einsatz, einem sogenannten Carboanhydrasehemmer, der den Augeninnendruck senkt.

War eine Infektion mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten der Auslöser für die Uveitis, sollte außerdem auf eine erhöhte Körperhygiene geachtet werden. Vor allem das Reiben der Augen mit ungesäuberten beziehungsweise nicht desinfizierten Händen sollte hierzu unterlassen werden. Liegt eine Autoimmunerkrankung vor, in deren Folge die Uveitis entstanden ist, muss diese gesondert therapiert werden, um die erneute Entstehung einer Uveitis sowie die Entstehung von Folgeerkrankungen der Augen zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

Gegen das Reizgefühl und die Rötung des betroffenen Auges können begleitend einfache Hausmittel eingesetzt werden. Kalte oder warme Umschläge sind als Sofortmaßnahme bewährt. Dazu sollte ein sauberes Tuch mit kaltem oder lauwarmem Wasser durchtränkt werden. Anschließend sollte diese Kompresse vorsichtig auf das geschlossene Auge gelegt werden. Die Kompresse hilft dabei, das betroffene Auge zu entspannen.

Die Entzündung selbst lässt sich damit aber nicht bekämpfen. Augenspülungen und das Auswaschen von Eiter, wie sie bei äußeren Augenentzündungen üblich sind, helfen bei einer Uveitis nicht: Die Entzündung sitzt im Inneren des Auges und wird von einer Spülung gar nicht erreicht. Auf eigene Spülversuche sollte deshalb verzichtet werden; entscheidend ist die vom Augenarzt verordnete Behandlung.

Auch Auflagen mit Kamillentee galten lange als Mittel zur Symptombesserung. Dazu sollte Wasser abgekocht werden und mit Kamillentee für fünf bis zehn Minuten ziehen. Wichtig ist aber, dass es kein Kamillentee aus dem Supermarkt ist, sondern reine Kamille aus der Apotheke oder einem Reformhaus. Für die Auflage sollte ein sauberes Tuch mit dem lauwarmen oder sogar kalten Kamillen-Sud getränkt werden. Diese feuchte Auflage sollte dann auf das betroffene Auge gelegt werden. Von Kamillenauflagen unmittelbar am Auge wird heute allerdings abgeraten: Kamille kann selbst allergische Reaktionen und Reizungen der Bindehaut auslösen, und der Aufguss ist nicht keimfrei. Bei einer Uveitis ersetzen solche Auflagen die augenärztliche Behandlung ohnehin nicht.

Quellen

  • Lang, G. K., Lang, G. E., Auw-Hädrich, C. (Hrsg.): Entzündliche Augenerkrankungen.
    ISBN: 9783132402997
  • Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132454446
  • Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F. G., et al. (Hrsg.): Die Augenheilkunde.
    ISBN: 9783662658239
  • Salmon, J. F.: Kanskis Klinische Ophthalmologie.
    ISBN: 9783437234859
  • Kampik, A., Grehn, F. (Hrsg.): Augenärztliche Differenzialdiagnose.
    ISBN: 9783132422353

Das könnte Sie auch interessieren