Typ-III-Allergie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Typ-III-Allergie handelt es sich um eine sogenannte Reaktion vom "Immunkomplextyp". Hierbei lagern sich Antigen-Antikörper-Komplexe in Gefäßwänden der Blutgefäße ab und führen dort zu einer lokalen Entzündung, aufgrund der die Gefäße verengt und verstopft und die betroffenen Organe zerstört werden können.
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Was ist Typ-III-Allergie?
Die Einteilung der Allergietypen (inkl. der Typ-III-Allergie) in vier verschiedene Kategorien ist ein ziemlich "alter Hut" in der Medizin: Die Wissenschaftler Coombs und Gell veröffentlichten diese Klassifikation im Jahre 1963 und seitdem ist sie fester Bestandteil des Medizinstudiums und der Ausbildung in medizinischen Pflegeberufen.
Nach aktuellem Stand der immunologischen Forschung darf die Coombs und Gell-Einteilung heutzutage eigentlich als überholt betrachtet werden. Dennoch wird sie aus didaktischen Gründen gern verwendet und eignet sich zum Verständnis der pathophysiologischen Abläufe hinter den sehr vielseitigen Ausprägungen von allergischen Reaktionen.
Die Serumkrankheit oder auch Unverträglichkeiten auf bestimmte Medikamente wie Penicillin gehören in diese Kategorie, auch bestimmte Nieren- und Lungenerkrankungen oder die rheumatoide Arthritis haben eine derartige Entstehungsgeschichte.
Ursachen
Bei vielen Autoimmunerkrankungen ist diese Reaktion gegen die falschen Antigene gerichtet: Nicht mehr Bakterien werden erkannt, sondern Bestandteile des eigenen Blutes oder eigener Zelloberflächen.
Lösliche Antigen-Antikörper-Komplexe lagern sich dann in Gefäßwänden und im Gewebe ab und lösen Entzündungsreaktionen aus. Diese können so schlimm werden, dass die betroffenen Organe dadurch geschädigt werden.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Anzeichen einer Typ-III-Allergie sind in der Regel innerhalb von sechs bis zwölf Stunden wahrnehmbar; die örtlich begrenzte Arthus-Reaktion beginnt schon früher. Meist entsteht eine Gefäßentzündung. Rote Einblutungen in einer runden Form verweisen auf die Erkrankung. Meist werden Arterien und Venen in Mitleidenschaft gezogen. Neben lokalen Anzeichen lassen sich auch Symptome am gesamten Körper wahrnehmen.
Leukozyten setzen bei der Typ-III-Allergie Enzyme frei, die das Gewebe schädigen. Dadurch können Geschwüre auftreten und einzelne Hautbezirke absterben. Entzündungen der Gefäße sind üblich, was Fachleute als Arthus-Reaktion bezeichnen. Manchmal tritt mit zeitlicher Verzögerung die so genannte Serumkrankheit auf. Die Symptome besitzen eine unterschiedliche Intensität und fallen oft mild aus.
So bleibt es bei Rötungen, Juckreiz und Schwellungen. Die Beschwerden klingen nach einiger Zeit von allein ab. Entzündungen an den Nieren oder ein Schock stellen die Ausnahme dar. Die Typ-III-Allergie breitet sich nicht selten auf den gesamten Körper aus. Dann haben sich die Immunkomplexe im Blutkreislauf verteilt.
Betroffene klagen regelmäßig über Beschwerden im Herz-Kreislauf-System. Der Herzschlag beschleunigt sich, ohne dass eine Belastungssituation vorliegt. Der Blutdruck rast in den Keller. Fieber und Durchfall können diesen Zustand begleiten. Kommt es zum erneuten Kontakt mit den Allergenen, kann dadurch eine langanhaltende Erkrankung gefördert werden.
Diagnose & Verlauf
Im Falle der sogenannten Serumkrankheit ist dies eine grundsätzlich sinnvolle Reaktion. Spritzt man einem Menschen bestimmte Eiweiße aus dem Serum von anderen Tierarten, so verträgt er diese normalerweise nicht, sie werden im Blut als fremd erkannt und durch Antikörper markiert.
Manchmal benötigt die Medizin allerdings Antiserum oder Impfserum, welches nur in Tierarten hergestellt werden kann. Dieses wird zwar gereinigt und laborchemisch aufbereitet - trotzdem erkennen manche Körper es als fremd und kämpfen dagegen an. Dann kommt es zu einer Typ-III-Allergie. Benutzt werden Antiseren zum Beispiel als Schutz gegen Schlangengift oder als passiver Impfstoff zur Verhinderung einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus, wenn man bereits Kontakt mit diesem hatte.
Auch auf Medikamente wie Penicillin reagieren manche Menschen allergisch im Sinne einer Typ-III-Reaktion. Symptome dieser Reaktion sind Hautausschlag, Fieber, Gelenkentzündungen, Nierenversagen mit Ödembildung, Durchfall. Die Typ-III-Reaktion setzt verzögert ein, da die Symptomatik erst sechs bis zwölf Stunden nach Kontakt mit dem auslösenden Antigen auftritt. Als "Reaktion vom verzögerten Typ" wird in der Einteilung nach Coombs und Gell dagegen die Typ-IV-Allergie bezeichnet, deren Beschwerden erst nach ein bis drei Tagen einsetzen.
Weitere Beispiele für Typ-III-Allergien führen tief in die Pathologie der Autoimmunerkrankungen hinein: Bei der Panarteriitis nodosa kommt es zu einer Entzündung von Gefäßwänden im ganzen Körper mit Gefäßverschlüssen oder inneren Blutungen.
Charakteristische Autoantikörper können hier laborchemisch nachgewiesen werden. Bei der Immunkomplex-Glomerulonephritis, die auch durch harmlose Atemwegsinfekte ausgelöst werden kann, lagern sich Antigen-Antikörper-Komplexe in den winzigen Blutgefäßen der Niere ab und verstopfen diese. Wer zwei bis vier Wochen nach einer Mandelentzündung plötzlich Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen bemerkt oder ein Nachlassen der Urinmenge, könnte an solch einem Autoimmunphänomen leiden, das glücklicherweise oft gut und kurzfristig therapierbar ist.
Auch die rheumatoide Arthritis, der Lupus erythematodes oder die exogen-allergische Alveolitis, letztere auch als Farmerlunge bekannt, sind Typ-III-Reaktionen. Bei der Farmerlunge kommt es durch jahrelanges Einatmen von Bauernhof-spezifischen Stäuben, vor allem Schimmelpilzen, zu einer Antigen-Antikörper-Komplex-Ablagerung in der Lunge, die zu einer Entzündung und in der Folge zu Luftnot und Bluthochdruck im Lungenkreislauf führt. Analog gibt es zum Beispiel auch eine Winzerlunge, eine Holzarbeiterlunge oder eine Käsewäscherlunge.
Komplikationen
Die Typ-III-Allergie gehört neben der Typ-II-Allergie zu den Allergieformen mit den höchsten Risiken für Komplikationen. Bei der aktiven Aufnahme von Immunkomplexen aus Allergenen und IgG- sowie IgM-Antikörpern durch Granulozyten entstehen Gewebe schädigende Enzyme, die zu Serumkrankheit, allergischer Vaskulitis oder einer exogen-allergischen Alveolitis führen können. Die Serumkrankheit entsteht bei der Injizierung von Antiserum oder Impfserum tierischer Herkunft.
Dabei entstehen Immunkomplexe, die sich in den Gelenken und kleinen Blutgefäßen ablagern und dort Entzündungen hervorrufen können. Die mit Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen und Schwellungen der Lymphknoten verbundene Erkrankung heilt in der Regel folgenlos aus. In seltenen Fällen kann es jedoch zu schweren Verläufen mit Kreislaufschock kommen.
Die allergische Vaskulitis ist durch die Entzündung von kleinen Blutgefäßen gekennzeichnet. Sie kann zu verschiedenen Komplikationen wie Nierenversagen, schweren Darmblutungen, mentalen Störungen oder Schlaganfällen führen. Teilweise kommen tödliche Verläufe vor. Die Prognose ist von der Stärke und Lokalisation der Vaskulitis abhängig. Die exogen-allergische Alveolitis kann zwar sehr gut behandelt werden.
Das gilt aber nur, wenn der konkrete Auslöser gefunden wird. Andernfalls wird der Verlauf oft chronisch. Das Lungengewebe kann dann im Rahmen einer Lungenfibrose umgebaut werden, was langfristig zum Tod führt. Des Weiteren ist dann auch eine Rechtsherzbelastung durch einen erhöhten Blutdruck im kleinen Blutkreislauf möglich, die in schweren Fällen Atemnot und Herzinsuffizienz hervorruft.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei einer Typ-III-Allergie ist immer eine Behandlung durch einen Arzt notwendig. Da sich der Verlauf zu Beginn nicht abschätzen lässt und schwere Reaktionen unbehandelt fortschreiten, sollte der Betroffene dabei immer einen Arzt aufsuchen. Nur so können weitere Komplikationen verhindert werden. Schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen dieser Allergie ist daher ein Arzt zu kontaktieren. Im schlimmsten Falle kann es durch die Krankheit zum Tode des Betroffenen kommen, wenn die inneren Organe beschädigt werden.
Ein Arzt ist bei dieser Krankheit dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an Beschwerden an der Haut leidet, nachdem ein bestimmter Stoff eingenommen wurde. Es kommt dabei zu einer starken Rötung oder zu einem Juckreiz, welcher sich am gesamten Körper ausbreiten kann. Nicht selten kommt es durch die Typ-III-Allergie auch zu Fieber oder zu einem starken Durchfall, welcher sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirkt. Werden die Beschwerden nicht behandelt, so kann es auch zu einer Entzündung an den Nieren kommen. In der Regel kann die Typ-III-Allergie durch einen Allgemeinarzt oder durch einen Allergologen erkannt werden. Bei der weiteren Behandlung ist meist der Besuch eines Facharztes notwendig. Zeigen sich Anzeichen eines Kreislaufschocks wie Blutdruckabfall, Herzrasen, kalter Schweiß oder eine Bewusstseinstrübung, wählen Betroffene oder Angehörige sofort den Notruf 112. Bei weniger dringenden Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117 erreichbar.
Behandlung & Therapie
Angesichts der Bandbreite dieser Erkrankungen besitzt natürlich jede einzelne Unterart von Typ-III-Allergie ihre eigene Therapie.
Im Falle der Autoimmunkrankheiten versucht der Arzt in den meisten Fällen, das Immunsystem des Körpers soweit zu unterdrücken, dass die Bildung der Immunkomplexe nachlässt und die Entzündung der Gefäßwände zurückgeht. Medikamente wie Cortisol oder andere Immunsuppressiva kommen hier zum Einsatz.
Im Falle einer allergischen Reaktion wie bei der Serumkrankheit bleibt nur das sofortige Unterbinden der Antigenzufuhr und eine symptomatische Notfalltherapie.
Vorbeugung
Für die allergischen Lungenerkrankungen gilt: Je länger der Kontakt mit den auslösenden Stäuben, desto weiter schreitet die Erkrankung voran. Arbeitsschutzmaßnahmen sind hier bei den betroffenen Berufen extrem wichtig für die spätere Gesundheit.
Nachsorge
Die Typ-III-Allergie bedarf einer umfassenden Nachsorge. Nach einer allergischen Reaktion sollte umgehend der Arzt konsultiert werden. Die initiale Untersuchung dient der Abklärung der Beschwerden und der Einleitung einer Therapie. Die eigentliche Nachsorge beginnt, sobald der Patient sich von der allergischen Reaktion erholt hat.
Zunächst führt der Arzt ein Gespräch mit dem Patienten, um die Schwere der Allergie einzuschätzen. Auch die Belastung, welche die Allergie auf das Leben des Patienten hat, ist für die Wahl der Nachsorge-Behandlung wichtig. Der Facharzt kann eingehende Untersuchungen vornehmen und beispielsweise die auslösenden Antigene bestimmen.
Eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), wie sie bei der Typ-I-Allergie eingesetzt wird, kommt bei einer Typ-III-Reaktion nicht in Betracht. Nach einer allergischen Reaktion sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Beschwerden zu lindern und erneute Reaktionen zu vermeiden. Der Hausarzt oder Allergologe kann den Kontakt zu einem Fachzentrum herstellen, in dem Patienten die notwendige Therapie erhalten. Die Nachsorge einer Typ-III-Allergie erfolgt durch den Hausarzt oder einen Allergologen. Je nach Symptombild und Art der Allergie können bei Bedarf weitere Fachärzte in die Behandlung involviert werden.
Das können Sie selbst tun
Die Typ-III-Allergie kann mittels verschiedener Selbsthilfe-Maßnahmen behandelt werden. Zunächst gilt es, die auslösenden Substanzen zu meiden. Da dies in der Praxis nicht immer möglich ist, sollte der Betroffene wissen, an wen er sich bei einer Reaktion wendet. Ein Notfallmedikament, das die Beschwerden einer Typ-III-Reaktion rasch lindert und das der Patient bei sich tragen könnte, gibt es nicht: Die Immunkomplexe bilden sich erst Stunden nach dem Kontakt, und die Behandlung gehört in ärztliche Hand.
Grundsätzlich sollte ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung geführt werden. Das stärkt die allgemeine Belastbarkeit; auf die Typ-III-Reaktion selbst lässt sich damit jedoch nicht einwirken, denn die Beschwerden entstehen gerade durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems. Sollte es dennoch einmal zu einer schweren allergischen Reaktion kommen, wird über den Notruf 112 der Notarzt gerufen oder der Patient in ein Krankenhaus gebracht. Je nach Schwere der allergischen Reaktion genügen anschließend Schonung oder eine umfassende ärztliche Behandlung.
Die Typ-III-Allergie äußert sich dadurch, dass die allergische Reaktion deutlich zeitversetzt nach dem Kontakt mit dem auslösenden Stoff auftritt. Deshalb sollten betroffene Personen den Kontakt mit möglichen Auslösern wie Medikamenten oder Stäuben genau verfolgen und auftretende Beschwerden mit Uhrzeit und Datum notieren. Die Daten können anschließend verwendet werden, um den Auslöser zu ermitteln. Treten Beschwerden auf, die auf eine allergische Reaktion hindeuten, gehören sie ärztlich abgeklärt, auch wenn sie zunächst leicht erscheinen; wie eine Typ-III-Reaktion weiter verläuft, lässt sich zu Beginn nicht abschätzen. Bis zur Untersuchung sollte der Betroffene sich schonen.
Quellen
- Biedermann, T., Heppt, W., Renz, H., Röcken, M. (Hrsg.): Allergologie.
ISBN: 9783642372025
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
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- Murphy, K., Weaver, C.: Janeway Immunologie.
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- Rink, L., Kruse, A., Haase, H.: Immunologie für Einsteiger.
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- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
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