Immunsuppressiva

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Medikamente Immunsuppressiva

Bei Autoimmunerkrankungen und Überreaktionen des Immunsystems werden häufig vom Arzt Immunsuppressiva verschrieben. Aber auch bei allergischem Asthma und bei Abstoßung nach einer Organtransplantation werden diese Arzneimittel zur Therapie verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Immunsuppressiva?

Immunsuppressiva
Als Immunsuppressiva werden Medikamente bezeichnet, die die Reaktionen des Immunsystems abschwächen oder gänzlich unterdrücken.

Das Immunsystem des menschlichen Körpers ist ständig in Alarmbereitschaft und bekämpft Eindringlinge wie Bakterien, Viren oder andere fremde Stoffe. Damit wehrt der Körper Krankheiten ab und schützt den Organismus vor Schaden.

Als Immunsuppressiva werden Medikamente bezeichnet, die die Reaktionen des Immunsystems abschwächen oder gänzlich unterdrücken. Die Immunsuppression wird als unphysiologische Unterdrückung einer Immunreaktion durch einen Eingriff von außen definiert. Die Gabe solcher Arzneimittel wird von Medizinern nach bestimmten Eingriffen und bei besonderen Krankheiten verordnet.

Geschichte & Entwicklung

Die Entdeckung und Entwicklung von Immunsuppressiva begann in der Mitte des 20. Jahrhunderts und revolutionierte die Transplantationsmedizin und die Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Die ersten bedeutenden Fortschritte wurden in den 1950er Jahren erzielt, als Cortison und andere Steroide als entzündungshemmende Mittel entdeckt wurden. Diese frühen Immunsuppressiva waren jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

Ein bedeutender Durchbruch kam 1960 mit der Entdeckung von Azathioprin durch George Hitchings und Gertrude Elion. Azathioprin war das erste Medikament, das spezifisch zur Unterdrückung des Immunsystems bei Transplantationspatienten eingesetzt wurde, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Die Verwendung von Azathioprin in Kombination mit Steroiden verbesserte die Überlebensraten nach Transplantationen erheblich.

Die nächste große Entwicklung erfolgte in den 1980er Jahren mit der Einführung von Cyclosporin, einem Wirkstoff, der aus einem Bodenpilz isoliert wurde. Cyclosporin zeigte eine selektive Immunsuppression, die die Abstoßung von Organtransplantaten effektiv verhindern konnte, ohne das gesamte Immunsystem stark zu unterdrücken. Dies führte zu einem dramatischen Anstieg der Transplantationserfolge und setzte neue Maßstäbe in der Transplantationsmedizin.

In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Immunsuppressiva entwickelt, darunter Tacrolimus und Mycophenolatmofetil, die ebenfalls zur Reduzierung von Transplantatabstoßungen und zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen verwendet werden. Diese Medikamente bieten eine größere Wirksamkeit und bessere Verträglichkeit, was die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert hat.

Die kontinuierliche Forschung in diesem Bereich zielt darauf ab, noch spezifischere und weniger toxische Immunsuppressiva zu entwickeln, um die Langzeitergebnisse für Transplantationspatienten und Menschen mit Autoimmunerkrankungen weiter zu verbessern.

Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Vor allem wird der Arzt dem Patienten nach einer Organtransplantation ein Immunsuppressivum verabreichen. Das Immunsystem sieht ein eingepflanztes Organ als einen gefährlichen Fremdkörper an, den es zu entfernen gilt. Was im Normalfall eine Krankheit verhüten soll und kann, führt nach einer Organverpflanzung zum Abstoßen des neuen Organs. Deshalb werden Immunsuppressiva eingesetzt, die solche Abstoßungsreaktionen verhindern sollen. Ein Transplantationspatient muss sein Leben lang diese Medikamente einnehmen, um die unerwünschten Reaktionen des Immunsystems zu verhindern.

Auch bei den sogenannten Autoimmunerkrankungen werden Immunsuppressiva eingesetzt. Diese Krankheiten entstehen durch heftige Aktivitäten des Immunsystems, die sich aber gegen die eigenen Zellen und Organe richten. Die genauen Gründe für solche Erkrankungen sind bisher noch nicht genau bekannt. Vermutlich aber werden sie durch genetische Dispositionen in Kombination mit äußeren Einflüssen ausgelöst.

Beispiele für ein krankmachendes Immunsystem sind entzündliche Darmerkrankungen, die Schuppenflechte, rheumatische Erkrankungen oder Multiple Sklerose. Bei all diesen Krankheiten kommen oft Immunsuppressiva zum Einsatz. Sie dämpfen oder verhindern die überschießenden Reaktionen des Immunsystems und können so dazu beitragen, die Symptome der Krankheiten abzuschwächen und zu lindern.

Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Immunsuppressiva

Bei den Immunsuppressiva gibt es verschiedene Gruppen, die sich in ihrer Wirkung unterscheiden. Die Calcineurinhemmer verhindern, dass Signale von speziellen Zellen der Immunabwehr weitergeleitet werden.

Ohne diese Signale wird das Immunsystem erst gar nicht zum Handeln angeregt. Somit werden die sogenannten T-Zellen nicht aktiviert und greifen zum Beispiel neu eingepflanzte Organe gar nicht erst an. Die Zellteilungshemmer dagegen bewirken, dass das Wachstum der Immunzellen gehemmt und beschnitten wird.

Auch werden Botenstoffe unterdrückt, die das System verstärkt zur Bildung neuer Immunzellen anregen. Die Angriffspunkte der Arzneimittel sind also durchaus unterschiedlich. Es ist aber beiden Arten von Medikamenten eigen, dass sie sehr genau, nach einem detaillierten Plan und nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden müssen.

Auch die Glukokortikoide, zu denen das Kortison gehört, sind selbst Immunsuppressiva. Kortison wird meistens nach einer Transplantation verabreicht. Es hat nur allgemeine und keine speziellen Wirkungen auf das Immunsystem. Das Kortison hemmt die Tätigkeit von Fresszellen, die im Normalfall Bakterien und Fremdkörper vernichten. Auch wenn es akute Abstoßungen eines neuen Organs gibt, wird verstärkt Kortison eingesetzt, um die Abstoßung zu verhindern.


Risiken & Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente haben auch die Immunsuppressiva nicht nur die beabsichtigte Wirkung, sondern es gibt auch zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen. Allgemein ist der Körper durch die Einnahme der Arzneimittel sehr viel anfälliger für Infektionen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Wenn das Immunsystem dazu gebracht wird, fremde Organe und Substanzen zu ignorieren oder nur mit halber Kraft zu arbeiten, dann übersieht es auch Bakterien und Viren. Wenn das gesamte System gedämpft wird, können sich Krankheitserreger ungehindert ausbreiten.

Das Risiko zur Entwicklung von Tumoren ist erhöht. Im Körper verändern sich ständig Zellen, die vom Immunsystem aufgespürt und vernichtet werden. Die Immunsuppressiva hemmen diese gesunde Reaktion der Körperpolizei. Auch kann der gesamte Stoffwechsel und der Kreislauf beeinflusst werden. Es können sich Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte ausbilden.

Der gesamte Verdauungstrakt kann durch die Immunsuppressiva in Mitleidenschaft gezogen werden. Es kann zu Durchfall, Erbrechen und Übelkeit kommen. Doch bei allen Problemen muss sich der Patient genau an die Anweisungen des Arztes halten. Bei auftretenden Nebenwirkungen ist die Rücksprache mit dem Arzt unbedingt notwendig. Auf keinen Fall darf das Medikament einfach abgesetzt werden. Es ist in den meisten Fällen möglich, ein anderes Medikament zu wählen oder mit weiteren Arzneimitteln die Nebenwirkungen abzufangen oder zu mildern.

Anwendung & Sicherheit

Die genaue Anwendung von Immunsuppressiva erfordert eine sorgfältige ärztliche Überwachung, um die Balance zwischen ausreichender Unterdrückung des Immunsystems zur Verhinderung von Transplantatabstoßung oder Kontrolle von Autoimmunerkrankungen und dem Minimieren von Nebenwirkungen zu gewährleisten. Immunsuppressiva wie Cyclosporin, Tacrolimus, Azathioprin und Mycophenolatmofetil werden häufig in spezifischen Dosierungen verschrieben, die je nach Patient und Krankheitsverlauf angepasst werden müssen.

Patienten müssen diese Medikamente regelmäßig einnehmen, oft lebenslang nach einer Transplantation, und dürfen keine Dosen auslassen, um die Wirksamkeit zu gewährleisten. Die genaue Dosierung und das Behandlungsschema werden auf Basis von Blutspiegeln und klinischen Parametern bestimmt. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind notwendig, um die Medikamentenspiegel zu überwachen und potenzielle Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Die Sicherheit der Anwendung von Immunsuppressiva ist von großer Bedeutung, da sie das Risiko für Infektionen und Krebs aufgrund der geschwächten Immunabwehr erhöhen können. Nebenwirkungen wie Nierenschäden, Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Infektionsanfälligkeit sind häufig und erfordern eine ständige ärztliche Überwachung und gegebenenfalls Anpassung der Therapie.

Die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von Immunsuppressiva ist streng reguliert, um die Reinheit, Wirksamkeit und Sicherheit der Medikamente zu gewährleisten. Herstellungsprozesse unterliegen den Good Manufacturing Practices (GMP), und jede Charge durchläuft umfassende Tests, einschließlich Prüfungen auf Identität, Reinheit, Gehalt und Freisetzung. Diese strengen Kontrollen helfen sicherzustellen, dass die Medikamente den höchsten Qualitätsstandards entsprechen und für die Patienten sicher sind.

Alternativen

Zu den Alternativen zu den klassischen, breit wirkenden Immunsuppressiva gehören biologische Therapien, spezifische Immunmodulatoren und andere pharmakologische Ansätze; sie unterdrücken das Immunsystem ebenfalls, greifen aber gezielter ein. Diese Alternativen können in bestimmten klinischen Situationen eingesetzt werden, insbesondere wenn traditionelle Immunsuppressiva nicht wirksam sind oder erhebliche Nebenwirkungen verursachen.

Biologische Therapien:

Biologische Therapien, wie Monoklonale Antikörper (z.B. Rituximab, Infliximab), greifen spezifische Komponenten des Immunsystems an. Rituximab zielt beispielsweise auf CD20-positive B-Zellen ab und wird zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis und bestimmten Krebsarten eingesetzt. Diese Therapien sind oft sehr gezielt und können weniger Nebenwirkungen haben als herkömmliche Immunsuppressiva, allerdings sind sie häufig teurer und erfordern eine spezielle Überwachung.

Januskinase (JAK)-Inhibitoren:

JAK-Inhibitoren wie Tofacitinib blockieren Signalwege, die bei der Entzündungsreaktion eine Rolle spielen. Sie werden zur Behandlung von Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Colitis ulcerosa verwendet. Diese Medikamente bieten eine orale Alternative zu biologischen Therapien und können bei Patienten wirksam sein, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen. Seit 2023 dürfen JAK-Hemmer bei Menschen ab 65 Jahren, bei Rauchern, bei erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bei erhöhtem Krebsrisiko nur noch angewendet werden, wenn keine geeignete Behandlungsalternative zur Verfügung steht.

Calcineurin-Inhibitoren:

Calcineurin-Inhibitoren wie Cyclosporin und Tacrolimus sind keine Alternative zu den Immunsuppressiva, sondern selbst eine Untergruppe von ihnen, die in der Transplantationsmedizin und bei bestimmten Autoimmunerkrankungen verwendet wird. Sie wirken durch Hemmung der T-Zell-Aktivierung und bieten eine gezielte Immunsuppression.

Plasmapherese:

Plasmapherese ist ein physikalisches Verfahren, bei dem schädliche Antikörper aus dem Blut entfernt werden. Es wird bei schweren Autoimmunerkrankungen und Transplantatabstoßungen eingesetzt und kann in Kombination mit pharmakologischen Therapien verwendet werden.

Autologe Stammzelltransplantation:

Bei schweren und therapieresistenten Autoimmunerkrankungen kann eine autologe Stammzelltransplantation in Erwägung gezogen werden. Dieses Verfahren beinhaltet die Zerstörung des bestehenden Immunsystems und dessen Wiederaufbau durch Stammzellen des Patienten.

Im Vergleich zu den älteren, breit wirkenden Immunsuppressiva bieten die neueren Wirkstoffe und Verfahren gezieltere Behandlungsansätze, die potenziell weniger Nebenwirkungen und eine bessere Wirksamkeit bei bestimmten Patientengruppen haben. Allerdings können sie auch komplexer und teurer sein, was eine sorgfältige Abwägung der individuellen Patientenbedürfnisse und -bedingungen erfordert.

Forschung & Zukunft

Aktuelle Trends in der Forschung zu Immunsuppressiva konzentrieren sich auf die Entwicklung gezielterer und weniger toxischer Behandlungsansätze, die das Risiko von Infektionen und anderen Nebenwirkungen reduzieren. Ein bedeutender Trend ist die Erforschung von selektiven Immunmodulatoren, die spezifische Signalwege oder Zelltypen im Immunsystem anvisieren, um die Immunantwort präziser zu steuern.

Biologische Therapien bleiben ein zentraler Fokus, insbesondere die Entwicklung neuer monoklonaler Antikörper und Fusionsproteine. Diese biologischen Agenzien zielen auf spezifische Moleküle wie Zytokine oder Zelloberflächenmarker ab, um die Immunantwort bei Transplantationspatienten und Patienten mit Autoimmunerkrankungen zu regulieren. Beispielsweise werden neue Antikörper gegen IL-17 und IL-23 erforscht, die bei Erkrankungen wie Psoriasis und entzündlichen Darmerkrankungen vielversprechend sind.

CAR-T-Zell-Therapien (Chimeric Antigen Receptor T-Cell) sind eine weitere innovative Richtung. Ursprünglich für die Krebsbehandlung entwickelt, wird untersucht, wie diese Technologie zur Modulation des Immunsystems bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden kann. Diese Ansätze bieten das Potenzial für hochpersonalisierte Behandlungen.

Die Forschung zu JAK-Inhibitoren wird ebenfalls intensiv vorangetrieben, mit neuen Inhibitoren, die spezifischere und sicherere Profile bieten. Diese oralen Medikamente hemmen die Januskinasen, die wichtige Rollen in der Signalübertragung von Zytokinen spielen, und haben sich als wirksam bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen erwiesen.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Gentherapie, die darauf abzielt, genetische Defekte zu korrigieren, die zu Autoimmunerkrankungen führen. Forschungen konzentrieren sich darauf, wie Gene gezielt modifiziert oder reguliert werden können, um das Immunsystem zu normalisieren.

Insgesamt strebt die Forschung danach, Immunsuppressiva zu entwickeln, die spezifischer, effektiver und sicherer sind, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und die Risiken langfristiger Immunsuppression zu minimieren.

Wechselwirkungen

Ein Teil der Immunsuppressiva ist für Wechselwirkungen besonders anfällig, weil die Wirkung an einen engen Blutspiegel gebunden ist – das gilt vor allem für die Wirkstoffe, deren Menge im Blut regelmäßig kontrolliert wird: Fällt der Spiegel zu niedrig aus, droht die Abstoßung; steigt er zu hoch, drohen Vergiftungserscheinungen. Die Calcineurinhemmer Cyclosporin und Tacrolimus werden über das Enzymsystem CYP3A4 abgebaut, an dem zahlreiche andere Arzneimittel und auch einzelne Lebensmittel ansetzen. Die Produktinformation eines Tacrolimus-Präparats rät deshalb ausdrücklich von Grapefruit und Grapefruitsaft ab: Beide können den Wirkstoffspiegel im Blut anheben und damit das Risiko schwerer unerwünschter Wirkungen erhöhen. Pflanzliche Zubereitungen mit Johanniskraut nennt dieselbe Quelle als zu vermeiden, und zwar in beide Richtungen – sie können den Spiegel senken, wodurch der Schutz vor der Abstoßung verlorengeht, oder ihn anheben. Dass ein Mittel pflanzlich ist, macht es unter einer Immunsuppression also nicht unbedenklich.

Eine zweite, leicht zu übersehende Kombination betrifft Azathioprin. Allopurinol, ein Mittel gegen erhöhte Harnsäurewerte und Gicht, hemmt das Enzym, über das Azathioprin abgebaut wird. Die Produktinformation von Allopurinol hält fest, dass die gleichzeitige Anwendung die Belastung durch Azathioprin oder Mercaptopurin erhöht und damit das Risiko einer Schädigung des Knochenmarks; die Menge des Immunsuppressivums ist dann anzupassen. Auch die gleichzeitige Gabe von Cyclosporin und Tacrolimus wird vermieden, weil sich ihre nierenschädigende Wirkung addiert.

Impfungen unter Immunsuppression

Unter Immunsuppressiva kann die Antwort des Körpers auf eine Impfung schwächer ausfallen – der aufgebaute Schutz ist dann geringer als bei anderen Menschen. Lebendimpfstoffe, die abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Erreger enthalten, sind unter dieser Behandlung zu vermeiden: Die gedämpfte Abwehr hält den Impfstamm nicht mehr zuverlässig in Schach. Impfstoffe ohne vermehrungsfähige Erreger sind von diesem Vorbehalt nicht erfasst; bei ihnen bleibt allein die Frage, wie gut der Schutz ausfällt. Aus demselben Grund spielt der Zeitpunkt eine Rolle: Impfungen werden nach Möglichkeit vor dem Beginn einer geplanten Immunsuppression erledigt.

Haut und Sonnenlicht

Zu den Spätfolgen einer über Jahre fortgeführten Immunsuppression gehören bösartige Hautveränderungen; die Produktinformation eines Tacrolimus-Präparats führt neben Hautkrebs auch das Kaposi-Sarkom auf. Sie hält deshalb fest, dass die Belastung durch Sonnen- und UV-Licht begrenzt werden sollte – durch schützende Kleidung und ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Das ist keine allgemeine Gesundheitsempfehlung, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, die sich aus der Behandlung selbst ergibt: Dieselbe Abwehr, die entartete Zellen aufspürt, wird durch das Medikament gedämpft.

Austausch in der Apotheke

Bei den meisten Arzneimitteln darf die Apotheke ein wirkstoffgleiches Präparat eines anderen Herstellers abgeben. Für mehrere Immunsuppressiva gilt das nicht: Der Gemeinsame Bundesausschuss führt Cyclosporin als Lösung zum Einnehmen und als Weichkapsel, Tacrolimus als Hartkapsel und als retardierte Hartkapsel sowie Everolimus in bestimmten Stärken in der Liste der Arzneimittel, deren Ersetzung durch ein wirkstoffgleiches Präparat ausgeschlossen ist. Maßgeblich für die Aufnahme in diese Liste ist die enge therapeutische Breite: Schon geringe Unterschiede in der aufgenommenen Wirkstoffmenge können klinisch bedeutsam werden.

In dieselbe Richtung weist die Produktinformation eines Tacrolimus-Präparats. Sie hält fest, dass verschiedene Zubereitungen zum Einnehmen nicht ohne ärztliche Begleitung gegeneinander ausgetauscht werden dürfen und dass ein unbeabsichtigter oder unbeaufsichtigter Wechsel zwischen Zubereitungen mit unterschiedlicher Wirkstofffreisetzung unsicher ist – er kann zur Abstoßung des Transplantats ebenso führen wie zu vermehrten unerwünschten Wirkungen. Für Betroffene bedeutet das: Die vertraute Packung zu behalten, ist hier keine Gewohnheit, sondern Teil der Behandlung.

Quellen

  • Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
    ISBN: 9783437238840
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie.
    ISBN: 9783662583302
  • Murphy, K., Weaver, C.: Janeway Immunologie.
    ISBN: 9783662560037
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., et al. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437061257

Das könnte Sie auch interessieren