Wanderniere

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Wanderniere (Nephroptose, Senkniere) bezeichnet man eine Absenkung der Niere, die den Harnfluss behindern und zu schmerzhaften Beschwerden führen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wanderniere?

Wanderniere
Eine Ursache für die Beweglichkeit der Niere ist eine unzureichende Fixierung durch Blutgefäße beziehungsweise die Fettkapsel, was häufig auf ein geschwächtes Bindegewebe zurückzuführen ist.
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Das Krankheitsbild der Wanderniere ist bereits seit dem 9. Jahrhundert beschrieben. Seit 1885 wird der Terminus Nephroptose verwendet, der zunächst aber für unterschiedliche Krankheitsbilder gebraucht wurde. Von einer Nephroptose spricht man, wenn die Niere bei aufrechter Körperhaltung um mehr als fünf Zentimeter absinkt.

Eine Wanderniere tritt meist zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr auf, wobei Frauen häufiger davon betroffen sind als Männer. Im Normalfall senken beziehungsweise heben sich die Nieren beim Ein- und Ausatmen, wobei die Beweglichkeit individuell verschieden ist. Man kann insgesamt drei Grade der Beweglichkeit unterscheiden:

  • Bei tiefem Einatmen senkt sich der untere Pol der Niere, sonst bleibt er jedoch hinter dem Rippenbogen liegen.
  • Beim Einatmen senkt sich die Niere so weit ab, dass im Rahmen einer Palpation die Hand zwischen Rippenbogen und oberen Nierenpol gelegt werden kann.
  • Die Niere bewegt sich so frei, dass sie sich auch beim Husten oder bei aufgerichtetem Oberkörper komplett vor dem Rippenbogen befindet. Sie kehrt erst bei Lageveränderung hinter den Rippenbogen zurück.

Ursachen

Eine Ursache für die Beweglichkeit der Niere ist eine unzureichende Fixierung durch Blutgefäße beziehungsweise die Fettkapsel, was häufig auf ein geschwächtes Bindegewebe zurückzuführen ist. Betroffen sind vor allem schlanke Personen, die sehr stark an Gewicht verloren haben. In den meisten Fällen tritt eine Nephroptose an der rechten Niere auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer aufrechten Körperposition bewegt sich die erkrankte Niere nach unten und kann sich bis in das Becken absenken. In vielen Fällen treten keine Beschwerden auf, jedoch kann es durch die Zugwirkung am Nierengefäßstiel, die auftritt, wenn die Niere absinkt, auch zu Schmerzen kommen. Als Leitsymptom tritt sehr häufig ein einseitiger Abdominal- beziehungsweise Flankenschmerz auf, der bei Bewegung schlimmer wird.

Legt sich der Patient hin, so verschwinden die Schmerzen meist wieder. Weitere Symptome sind eine nachlassende Urinproduktion, Erbrechen, Übelkeit sowie Herzjagen. In Folge kann auch eine Minderdurchblutung der Niere auftreten, problematisch ist es auch, wenn der Harnleiter abknickt, der die Verbindung zwischen Niere und Harnblase herstellt.

Dann tritt ein Harnstau auf und es kann zu einer schweren Schädigung der Niere kommen. Das Nierenbecken beziehungsweise das Kelchsystem können sich stark erweitern und es können sich Nierensteine bilden. Eine weitere Folge sind Nierenbeckenentzündungen oder Harnwegsinfektionen. Grundsätzlich werden drei Gruppen der Nephroptose unterschieden:

  • Wandernieren, die keine Beschwerden verursachen
  • Wandernieren mit unklaren Symptomen ohne funktionelle beziehungsweise anatomische Störungen
  • Wandernieren mit Beschwerden, die exakt lokalisierbar sind, und bei denen es zu eindeutigen funktionellen und anatomischen Veränderungen kommt. Hier treten oft kolikartige Schmerzen auf und die Patienten klagen über Kreuzschmerzen beim Bücken.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Nach einer Anamnese werden die Patienten zunächst körperlich untersucht. Eine Wanderniere kann durch bildgebende Untersuchungen festgestellt werden. Lange Zeit war dafür ein Röntgen-Kontrastmittelbild der Harnwege im Liegen und im Stehen üblich. Heute wird der Lagewechsel meist im Ultraschall beurteilt; ergänzend kommen Computertomographie oder Magnetresonanztomographie zum Einsatz. Außerdem müssen andere Erkrankungen wie Gallenwegs- sowie Magen-Darm-Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen, oder Veränderungen an der Wirbelsäule ausgeschlossen werden.

Bei Frauen sollte auch eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. Ein Isotopennephrogramm kann Auskunft darüber geben, ob Abflussbehinderungen bestehen. Sinkt die Niere um zwei Wirbelkörperhöhen ab und kann ein Aufstau festgestellt werden, so wird eine Nephroptose angenommen. Auch auf den Röntgenbildern kann der Arzt eine Positionsänderung der Niere feststellen.

Im Rahmen einer Isotopenclearance, die im Liegen beziehungsweise im Sitzen durchgeführt wird, kann die Nierendurchblutung oder eine eventuelle Urinabflussbehinderung untersucht werden. Bei einem bestehenden Hypertonus kann auch eine Angiographie hilfreich sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Wanderniere, die keine Beschwerden verursacht, ist meist ein harmloser Zufallsbefund und muss nicht behandelt werden. Treten dagegen Beschwerden auf, sollte der Betroffene einen Arzt kontaktieren, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden kommt. Dabei wirkt sich eine frühzeitige Erkennung und Behandlung der Wanderniere sehr positiv auf den weiteren Verlauf aus. Bleibt ein dauerhafter Harnstau unbehandelt, kann er die Niere schwer schädigen und ihre Funktion auf Dauer beeinträchtigen. Ein Arzt ist bei der Wanderniere dann zu kontaktieren, wenn der Betroffene an starken Schmerzen an den Nieren oder an den Flanken leidet.

Bei ausgeprägten Beschwerden kommt es auch zu einer starken Übelkeit und zu Erbrechen, wobei viele Patienten zusätzlich an einem deutlich erhöhten Puls leiden. Typisch ist, dass die Beschwerden zwar im Liegen nachlassen, im Stehen und bei Bewegung aber immer wieder zurückkehren. Nicht selten ist das Wasserlassen mit starken Schmerzen verbunden, was ebenso auf eine Wanderniere hinweisen kann. Bei diesen Symptomen ist in erster Linie ein Allgemeinarzt oder ein Internist zu kontaktieren. Bei sehr starken Schmerzen kann auch direkt ein Krankenhaus aufgesucht werden. Für Beschwerden ohne Notfallcharakter ist außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zuständig. In den meisten Fällen kann eine Wanderniere gut behandelt werden, wenn sie schon früh erkannt wird. Kommen zu den Flankenschmerzen jedoch Fieber, Schüttelfrost, Verwirrtheit oder ein rasch schlechter werdender Allgemeinzustand hinzu, kann sich aus einem aufgestauten Harn eine Blutvergiftung entwickeln; dann wählen Betroffene oder Angehörige sofort den Notruf 112 und alarmieren so den Notarzt.

Behandlung & Therapie

Liegen keine oder nur geringe Beschwerden vor, so muss eine Wanderniere nicht behandelt werden. Für leichte Schmerzen werden Medikamente verabreicht. Im Rahmen einer konservativen Therapie erfolgt darüber hinaus eine Stärkung der Bauchmuskulatur, eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist das Tragen eines Korsetts.

Wenn die Symptome durch eine konservative Therapie nicht verbessert werden können, so kann eine Operation erfolgen. Diese ist vor allem dann indiziert, wenn die Patienten unter starken Beschwerden oder Harnflussstörungen leiden. In diesem Fall wird die Niere im Rahmen einer Operation befestigt. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt, wobei der Chirurg an der Flanke zunächst einen Hautschnitt macht. Anschließend wird die bewegliche Niere durch Nähte an der Rippenunterkante oder an der Rückenmuskulatur befestigt. Für einen besseren Halt nimmt der Arzt auch Einkerbungen an der Nierenkapsel vor.

Anschließend führt man einen Drainageschlauch ein, damit Wundflüssigkeit aufgefangen werden kann. Dieser Schlauch wird nach einigen Tagen wieder entfernt. Im Normalfall kann durch die Operation ein weiteres Absinken der Niere verhindert werden und die Symptome verschwinden. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beweglichkeit weiterhin besteht oder wieder auftritt.

Nach der Operation ist eine körperliche Schonung von sechs bis zwölf Wochen erforderlich. In dieser Zeit sollte der Patient nichts Schweres heben beziehungsweise so wenig wie möglich husten, damit ein Ausreißen der Nähte verhindert werden kann.


Vorbeugung

Um einer Nephroptose vorzubeugen, sollte auf eine gute Körperhaltung geachtet und langes Stehen an einem Ort vermieden werden. Von Vorteil ist auch ein Training der Bauchmuskeln. Zu vermeiden ist dagegen ein starker Gewichtsverlust, denn er begünstigt das Entstehen einer Wanderniere.

Nachsorge

Die Wanderniere wird unter der wissenschaftlichen Bezeichnung Nephroptose geführt. Eine auffällig bewegliche Niere lässt sich in bildgebenden Untersuchungen recht häufig nachweisen; Beschwerden verursacht sie jedoch nur selten. Es handelt sich dabei um eine Absenkung der Niere, was in den meisten Fällen aufgrund einer reduzierten Muskelspannung oder einer drastischen Gewichtsreduzierung geschieht. Die Niere erfährt dabei eine Lageänderung bei Bewegungen des Körpers und senkt sich schwerkraftbedingt nach unten.

Aus diesem Grund bezeichnet man die Nephroptose auch im umgangssprachlichen Gebrauch als "Wanderniere" oder "Senkniere". Die Nieren werden durch die Enden der Gefäße an der Hauptschlagader und der Hohlvene sowie durch eine Fettschicht in ihrer Lage gehalten. Eine erblich bedingte Schwäche des Bindegewebes kann die Nephroptose begünstigen. Auch bei Menschen, die besonders wenig Gewicht aufweisen, kann es zu einer Wanderniere kommen.

Aufgrund der Senkung der Niere können Rücken- und Flankenschmerzen und immer wiederkehrende Koliken auftreten, die sich in liegender Position mildern. Zudem kann auch der Harnleiter knicken und einen Harnstau oder blutigen Urin hervorrufen.

Dieser wiederum ist häufige Ursache einer Nierenbeckenentzündung. Eine Kompression der Nierengefäße und die folgende Mangeldurchblutung kann ebenfalls zu Schmerzen führen. Eine weitere Folgeerkrankung kann durch die Gefäßschädigung ein arterieller Bluthochdruck sein. Eine operative Fixierung (Nephropexie) der Niere kann bei schwerwiegenden Symptomen notwendig werden.

Das können Sie selbst tun

Im Falle einer Erkrankung an einer Nephroptose, auch Wanderniere genannt, gibt es einige einfache Regeln, um die Symptome im alltäglichen Leben zu lindern. Dies empfiehlt sich bei leichten Schmerzen, die konservativ behandelt werden und bei denen keine ärztliche Therapie nötig ist. Dann hat der Patient selbst die Chance, seine Beschwerden zu verbessern.

Bei stärkeren Schmerzen ist jedoch eine ärztliche Behandlung erforderlich; in schweren Fällen kommt auch eine Operation infrage. Bewegung führt häufig zu einer Verschlimmerung der Schmerzen. Auch zu langes Stehen sollte vermieden werden. Einfaches Hinlegen kann dem entgegenwirken. Alternativ können Medikamente gegen leichte Schmerzen eingenommen werden. Prophylaktisch stabilisiert das Trainieren der Bauchmuskulatur die Position der Niere und kann somit zu einer Besserung beitragen. Da eine unzureichende Fettschicht, neben fehlenden Muskeln, ebenfalls das Absenken begünstigt, kann mit einer kontrollierten Gewichtszunahme das umliegende Gewebe stabilisiert werden.

Eine weitere Möglichkeit ist das Tragen eines Korsetts im Alltag. Dadurch wird die Körperhaltung im Stehen und Sitzen korrigiert und die Bewegung der Niere verringert. Sollte es trotz dieser Maßnahmen zu einer Verschlimmerung der Schmerzen kommen, wird dringend zu einem erneuten Arztbesuch geraten.

Quellen

  • Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
    ISBN: 9783662634011
  • Michel, M. S., Thüroff, J. W. (Hrsg.): Urologische Differenzialdiagnose.
    ISBN: 9783131010636
  • Gasser, T., Eberli, D., Thomas, C.: Basiswissen Urologie.
    ISBN: 9783662674499
  • Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Ruf, C., Nestler, T.: Facharztwissen Urologie.
    ISBN: 9783662744864
  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783137002062

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