Wanderniere

Als Wanderniere (Nephroptose, Senkniere) bezeichnet man eine Absenkung der Niere, die den Harnfluss behindern und zu schmerzhaften Beschwerden führen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wanderniere?

Eine Ursache für die Beweglichkeit der Niere ist eine unzureichende Fixierung durch Blutgefäße beziehungsweise die Fettkapsel, was häufig auf ein geschwächtes Bindegewebe zurück zu führen ist.
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Das Krankheitsbild der Wanderniere besteht bereits seit dem 9. Jahrhundert. Seit 1885 wird der Terminus Nephroptose verwendet, der zunächst aber für unterschiedliche Krankheitsbilder gebraucht wurde. Von einer Nephroptose spricht man, wenn die Niere bei aufrechter Körperhaltung um etwa fünf Zentimeter absinkt.

Eine Wanderniere tritt meist zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr auf, wobei Frauen häufiger davon betroffen sind als Männer. Im Normalfall senken beziehungsweise heben sich die Nieren beim Ein- und Ausatmen, wobei die Beweglichkeit individuell verschieden ist. Man kann insgesamt drei Grade der Beweglichkeit unterscheiden:

  • Bei tiefem Einatmen senkt sich der untere Pol der Niere, sonst bleibt er jedoch hinter dem Rippenbogen liegen.
  • Beim Einatmen senkt sich die Niere so weit ab, dass im Rahmen einer Palpation die Hand zwischen Rippenbogen und oberen Nierenpol gelegt werden kann.
  • Die Niere bewegt sich so frei, dass sie sich auch beim Husten oder bei aufgerichtetem Oberkörper komplett vor dem Rippenbogen befindet. Sie kehrt erst bei Lageveränderung hinter den Rippenbogen zurück.

Ursachen

Eine Ursache für die Beweglichkeit der Niere ist eine unzureichende Fixierung durch Blutgefäße beziehungsweise die Fettkapsel, was häufig auf ein geschwächtes Bindegewebe zurück zu führen ist. Betroffen sind vor allem schlanke Personen, die sehr stark an Gewicht verloren haben. In den meisten Fällen tritt eine Nephroptose an der rechten Niere auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer aufrechten Körperposition bewegt sich die erkrankte Niere nach unten und kann sich bis in das Becken absenken. In vielen Fällen treten keine Beschwerden auf, jedoch kann es durch die Zugwirkung am Nierengefäßstiel, die auftritt, wenn die Niere absinkt, auch zu Schmerzen kommen. Als Leitsymptom tritt sehr häufig ein einseitiger Abdominal- beziehungsweise Flankenschmerz auf, der bei Bewegung schlimmer wird.

Legt sich der Patient hin, so verschwinden die Schmerzen meist wieder. Weitere Symptome sind eine nachlassende Urinproduktion, Erbrechen, Übelkeit sowie Herzjagen. In Folge kann auch eine Minderdurchblutung der Niere auftreten, problematisch ist es auch, wenn der Harnleiter abknickt, der die Verbindung zwischen Niere und Harnblase herstellt.

Dann tritt ein Harnstau auf und es kann zu einer schweren Schädigung der Niere kommen. Das Nierenbecken beziehungsweise das Kelchsystem können sich stark erweitern und es treten Nierensteine auf. Eine weitere Folge sind Nierenbeckenentzündungen oder Harnwegsinfektionen. Grundsätzlich werden drei Gruppen der Nephroptose unterschieden:

  • Wandernieren, die keine Beschwerden verursachen
  • Wandernieren mit unklaren Symptomen ohne funktionelle beziehungsweise anatomische Störungen
  • Wandernieren mit Beschwerden, die exakt lokalisierbar sind, und bei denen es zu eindeutigen funktionellen und anatomischen Veränderungen kommt. Hier treten oft kolikartige Schmerzen auf und die Patienten klagen über Kreuzschmerzen beim Bücken.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Nach einer Anamnese werden die Patienten zunächst körperlich untersucht. Eine Wanderniere kann vor allem durch eine spezielle Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung oder mit Hilfe eines Ultraschalls festgestellt werden. Außerdem müssen andere Erkrankungen wie Gallenwegs- sowie Magen-Darm-Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen, oder Veränderungen an der Wirbelsäule ausgeschlossen werden.

Bei Frauen sollte auch eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. Ein Isotopennephogramm kann Auskunft darüber geben, ob Abflussbehinderungen bestehen. Sinkt die Niere um zwei Wirbelkörperhöhen ab und kann ein Aufstau festgestellt werden, so wird eine Nephroptose angenommen. Auch auf den Röntgenbildern kann der Arzt eine Positionsänderung der Niere feststellen.

Im Rahmen einer Isotopenclearance, die im Liegen beziehungsweise im Sitzen durchgeführt wird, kann die Nierendurchblutung oder eine eventuelle Urinabflussbehinderung untersucht werden. Bei einem bestehenden Hypertonus kann auch eine Angiographie hilfreich sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Wanderniere ist in der Regel immer eine Behandlung durch einen Arzt notwendig. Der Betroffene sollte schon bei den ersten Symptomen und Beschwerden einen Arzt kontaktieren, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden kommt. Dabei wirkt sich eine frühzeitige Erkennung und Behandlung der Wanderniere sehr positiv auf den weiteren Verlauf aus. Unbehandelt kann es durch diese Krankheit im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen kommen. Ein Arzt ist bei der Wanderniere dann zu kontaktieren, wenn der Betroffene an starken Schmerzen an den Nieren oder an den Flanken leidet.

In der Regel kommt es auch zu einer starken Übelkeit und zu Erbrechen, wobei die meisten Patienten auch an einem deutlich erhöhten Puls leiden. Die Symptome verschwinden auch nicht wieder von alleine. Nicht selten ist das Wasserlassen mit starken Schmerzen verbunden, was ebenso auf eine Wanderniere hinweisen kann. Bei diesen Symptomen ist in erster Linie ein Allgemeinarzt oder ein Internist zu kontaktieren. In Notfällen oder bei sehr starken Schmerzen kann auch direkt ein Notarzt gerufen oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. In den meisten Fällen kann eine Wanderniere gut behandelt werden, wenn sie schon früh erkannt wird.

Therapie & Behandlung

Liegen keine oder nur geringe Beschwerden vor, so muss eine Wanderniere nicht behandelt werden. Für leichte Schmerzen werden Medikamente verabreicht. Im Rahmen einer konservativen Therapie erfolgt darüber hinaus eine Stärkung der Bauchmuskulatur, eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist das Tragen eines Korsetts.

Wenn die Symptome durch eine konservative Therapie nicht verbessert werden können, so kann eine Operation erfolgen. Diese ist vor allem dann indiziert, wenn die Patienten unter starken Beschwerden oder Harnflussstörungen leiden. In diesem Fall wird die Niere im Rahmen einer Operation befestigt. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt, wobei der Chirurg an der Flanke zunächst einen Hautschnitt macht. Anschließend wird die bewegliche Niere durch Nähte an der Rippenunterkante oder an der Rückenmuskulatur befestigt. Für einen besseren Halt nimmt der Arzt auch Einkerbungen an der Nierenkapsel vor.

Anschließend führt man einen Drainageschlauch ein, damit Wundflüssigkeit aufgefangen werden kann. Dieser Schlauch wird nach einigen Tagen wieder entfernt. Im Normalfall kann durch die Operation ein weiteres Absinken der Niere verhindert werden und die Symptome verschwinden. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beweglichkeit weiterhin besteht oder wieder auftritt.

Nach der Operation ist eine körperliche Schonung von sechs bis zwölf Wochen erforderlich. In dieser Zeit sollte der Patient nichts Schweres heben beziehungsweise so wenig wie möglich husten, damit ein Ausreißen der Nähte verhindert werden kann.

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Vorbeugung

Um einer Nephroptose vorzubeugen, sollte auf eine gute Körperhaltung geachtet und langes Stehen an einem Ort vermieden werden. Von Vorteil ist auch ein Training der Bauchmuskeln. Auch ein großer Gewichtsverlust kann zum Entstehen einer Wanderniere betragen.

Nachsorge

Die Wanderniere ist eine häufige nephrologische Erkrankung, die unter der wissenschaftlichen Bezeichnung Nephroptose geführt wird. Es handelt sich dabei um eine Absenkung der Niere, was in den meisten Fällen aufgrund einer reduzierten Muskelspannung oder einer drastischen Gewichtsreduzierung geschieht. Die Niere erfährt dabei eine Lageänderung bei Bewegungen des Körpers und senkt sich der Schwerkraft bedingt nach unten.

Aus diesem Grund bezeichnet man die Nephroptose auch im umgänglichen Sprachgebrauch als "Wanderniere" oder "Senkniere". Die Nieren sind durch Enden der Gefäße an der Hauptschlagader und der Hohlvene und durch eine Fettschicht verbunden. Eine erblich bedingte Schwäche des Bindegewebes die Nephoptose indizieren. Auch bei Menschen, die besonders wenig Gewicht aufweisen, kann es zu einer Wanderniere kommen.

Verursacht die Wanderniere keine Symptome, ist eine Behandlung nicht notwendig. Es können allerdings allerdings aufgrund der Senkung der Niere Rücken- und Flankenschmerzen und immer wiederkehrende Koliken auftreten, die sich in liegender Position mildern. Zudem kann auch der Harnleiter knicken und einen Harnstau oder blutigem Urin hervorrufen.

Dieser wiederum ist häufige Ursache einer Nierenbeckenentzündung. Eine Kompression der Nierengefäße und die folgende Mangeldurchblutung kann ebenfalls zu Schmerzen führen. Weitere Folgeerkrankung kann durch die Gefäßschädigung ein arterieller Bluthochdruck sein. Eine operative Fixierung (Nephropexie) der Niere ist bei schwerwiegenden Symptomen unumgänglich.

Das können Sie selbst tun

Im Falle einer Erkrankung an der Nephroptose, auch Wanderniere genannt, gibt es einige einfache Regeln, um die Symptome im alltäglichen Leben zu lindern. Dies empfiehlt sich bei leichten Schmerzen, die verstärkt konservativ behandelt werden und bei denen keine ärztliche Therapie nötig ist. Dann hat der Patient selbst die Chance, seine Beschwerden zu verbessern.

Bei stärkeren Schmerzen ist eine ärztliche Behandlung oder Operation jedoch unerlässlich. Bewegung führt häufig zu einer Verschlimmerung der Schmerzen. Auch zu langes Stehen sollte vermieden werden. Einfaches Hinlegen kann dem entgegenwirken. Alternativ können Medikamente gegen leichte Schmerzen eingenommen werden. Prophylaktisch stärkt das Trainieren der Bauchmuskulatur die Position der Niere und kann somit zu einer Besserung beitragen. Da eine unzureichende Fettschicht, neben fehlenden Muskeln, ebenfalls das Absenken begünstigt, kann mit einer kontrollierten Gewichtszunahme das umliegende Gewebe stabilisiert werden.

Eine weitere Möglichkeit ist das Tragen eines Korsetts im Alltag. Dadurch wird die Körperhaltung im Stehen und Sitzen korrigiert und die Bewegung der Niere verringert. Sollte es trotz dieser Maßnahmen zu einer Verschlimmerung der Schmerzen kommen, wird dringend zu einem erneuten Arztbesuch geraten.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 28. August 2020

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