Harnstau
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Der Rückstau des Urins in den ableitenden Harnwegen wird in der Medizin als Harnstau bzw. Harnstauung bezeichnet. Er entsteht, wenn der Harn nicht mehr frei abfließen kann. In Abhängigkeit zu den jeweiligen Beschwerden wird eine Unterscheidung in einen akuten Harnstau sowie in einen chronischen Harnstau getroffen.
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Was ist Harnstau?
Sofern es in den ableitenden Harnwegen zu einer Behinderung kommt, kann der Urin des Betroffenen nicht mehr ungehindert abfließen. Die Hindernisse treten in der Regel im Bereich der Nieren oder im Bereich der Harnleiter auf. Je nach Ursache kann es aber auch im Bereich der Harnblase oder im Bereich der Harnröhre zu einem Hindernis kommen.
Unbehandelt kann ein Harnstau für den Betroffenen lebensgefährlich werden. So führt beispielsweise ein Übertritt von Bakterien aus dem Urogenitaltrakt in die Blutbahn zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung.
Je nach Schweregrad kann es neben der sogenannten Urosepsis auch zu einem chronischen Nierenversagen kommen. Der Betroffene muss sich im Rahmen einer fortgeschrittenen chronischen Niereninsuffizienz einer Dialyse unterziehen.
Ein einseitiger Stau bleibt dabei oft lange folgenlos, weil die zweite Niere die Arbeit übernimmt. Betrifft der Stau dagegen beide Seiten oder eine allein verbliebene Niere, kommt es rasch zu einem sogenannten postrenalen Nierenversagen. Wird der Abfluss rechtzeitig wiederhergestellt, erholt sich die Nierenfunktion in aller Regel wieder; besteht der Stau über Wochen, bleibt ein dauerhafter Schaden zurück. Zur Festlegung einer optimalen Therapie müssen jedoch zuerst die Ursachen eines Harnstaus ermittelt werden.
Ursachen
Ursächlich für einen Harnstau treten unter anderem Steine in den Harnleitern sowie in den Nieren in Erscheinung. Nicht selten begünstigen jedoch auch Tumore das Auftreten eines Harnstaus.
Sofern der Körper beispielsweise im Rahmen eines Unfalls einer hohen Gewalteinwirkung ausgesetzt wird, kann es durch ein sogenanntes Trauma zu einem akuten Harnstau kommen.
Oftmals können die Betroffenen auch aufgrund einer neurologischen Grunderkrankung ihren Harnfluss nicht mehr aktiv steuern. So wird beispielsweise bei einer Querschnittslähmung das Legen eines Blasenkatheters erforderlich. Ein chronischer Harnstau wird unter anderem durch eine angeborene Verengung der Harnröhre begünstigt.
Welche Ursache im Vordergrund steht, hängt stark vom Lebensalter ab: Bei Kindern sind es meist angeborene Engstellen am Nierenbeckenabgang oder ein Rückfluss von Urin aus der Blase in den Harnleiter, bei Erwachsenen mittleren Alters Harnleitersteine, bei Männern ab 50 Jahren die gutartige Prostatavergrößerung und bei Frauen die Schwangerschaft sowie Tumoren im kleinen Becken.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Harnstau kann sich plötzlich oder schleichend ankündigen. Ein akuter Harnstau ist mit starken Schmerzen und Druck im Unterbauch verbunden. Die prall gefüllte Blase kann sich nicht mehr entleeren und läuft über. Daher klagt der Patient neben den Schmerzen über ein ständiges Harnträufeln. Dieses Harnträufeln kann nicht unterdrückt werden und wird daher als Überlaufinkontinenz bezeichnet.
Die Flankenschmerzen sind bei einem akuten Harnstau unerträglich. Es handelt sich um kolikartige Schmerzen, die manchmal in die Leiste oder die Genitalien ausstrahlen. Zuweilen befindet sich Blut im Urin. In manchen Fällen kann es zu Schüttelfrost und Fieber kommen. Das ist ein besonders lebensbedrohlicher Notfall, weil es sich hier um eine sogenannte Urosepsis handeln könnte.
Selten wird auch völliger Harnverhalt beobachtet, bei welchem sogar die Überlaufinkontinenz entfällt. Der Harn staut sich dann im Nierenbecken und den Harnleitern und führt längerfristig zu einer Nierenschädigung. Ein akuter Harnstau kann jedoch ohne Folgeschäden ausheilen, wenn die Behandlung rechtzeitig eingeleitet wird. Ein chronischer Harnstau führt zu Folgeschäden, die sich besonders in einer Niereninsuffizienz bis zum Nierenversagen bemerkbar machen.
Dabei kann der chronische Harnstau völlig symptomfrei bleiben. In einigen Fällen treten jedoch auch hier Flankenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Bei einer bereits vorhandenen Nierenschädigung wird auch Blut im Urin beobachtet. Weitere Symptome werden durch die jeweils zugrunde liegende Erkrankung verursacht.
Diagnose & Verlauf
Zur Diagnose eines Harnstaus kommt als bildgebendes Verfahren die sogenannte Sonografie zum Einsatz. Durch die Verwendung von Ultraschall kann der Arzt den Rückstau im Nierenbecken sowie Veränderungen im Bereich der Nieren und der Harnblase erkennen.
Zur Konkretisierung des ersten Befunds wird nicht selten eine Computertomografie angeordnet. Durch die Gabe von einem sogenannten Kontrastmittel kann das tiefer liegende Gewebe näher betrachtet werden. Die Computertomografie (CT) kommt jedoch nur zur Anwendung, sofern der Verdacht auf eine krankhafte Veränderung von umliegendem Gewebe geäußert wird.
Alternativ zur Computertomografie wurde lange Zeit die sogenannte Ausscheidungsurografie zur Diagnose eines Harnstaus eingesetzt. Über die Armvene wird dem Betroffenen ein spezielles Kontrastmittel verabreicht. Das Kontrastmittel wird in der Regel zur besseren Darstellung mit Iod angereichert. Heute wird diese Untersuchung nur noch selten durchgeführt, weil Ultraschall und Computertomografie den Harnstau zuverlässiger und ohne die Belastung durch jodhaltiges Kontrastmittel darstellen.
Je nach Schweregrad klagen die Betroffenen über leichte Schmerzen im Bereich der Nieren. Mit der Zeit kommt es dann zu einem vermehrten Verlust von funktionierendem Nierengewebe. Zudem führt ein Harnstau in den meisten Fällen zu einer gesteigerten Anfälligkeit für Infekte.
Komplikationen
Bei einem Harnstau kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Ein Stau des Harns in der Harnblase führt zu einer schmerzhaften Überdehnung dieser. Außerdem kann sich dadurch die Harnblase leicht infizieren. Im Verlaufe kann sich die Infektion über den gesamten Körper ausbreiten und so zu einer Blutvergiftung beziehungsweise Sepsis führen.
Dies ist für den Betroffenen lebensgefährlich und muss sofort behandelt werden, ansonsten kann es zu einem septischen Schock führen. Dabei kommt es zu einer Mangelversorgung von Organen mit Blut, welche infolgedessen absterben können. Hierbei sind insbesondere die Niere und die Lunge betroffen.
Des Weiteren kann der Harnstau zu einer Infektion der Niere führen, welche anschließend im Verlaufe versagen kann (Niereninsuffizienz). Bei dieser ist die Niere nicht mehr adäquat in der Lage, den Harn zu filtrieren, das Wasser bleibt im Körper zurück. Dadurch hat der Betroffene mehr Blutvolumen, so dass vermehrt Ödeme entstehen. Auch ein erhöhter Blutdruck ist die Folge, was weitere Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann.
Daneben ist ebenso der Säure-Base-Haushalt und der Elektrolythaushalt gestört. Es sammeln sich vermehrt Säuren im Körper an, was zur Folge hat, dass sich auch mehr Kalium im Blut ansammelt, was Herzrhythmusstörungen begünstigt. In den schlimmsten Fällen muss sich der Betroffene einer lebenslangen Dialyse oder gar einer Nierentransplantation unterziehen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Harnverhalt und Schmerzen beim Urinieren deuten auf einen Harnstau hin. Ein Arzt sollte konsultiert werden, wenn die Beschwerden länger als ein bis zwei Tage bestehen bleiben oder weitere Symptome auftreten. Krampfartige Schmerzen deuten darauf hin, dass der Urin bereits auf die Harnwege drückt, und sollten rasch abgeklärt werden. Bei einem plötzlichen Harnverhalt mit prall gefüllter, schmerzender Blase darf dagegen nicht abgewartet werden – hier ist sofort ärztliche Hilfe nötig, damit die Blase entlastet werden kann. Ein akutes Krankheitsgefühl weist auf eine Infektion hin. Spätestens, wenn Fiebersymptome auftreten, ist medizinischer Rat gefragt. Auch Anzeichen einer Nierenkolik oder einer anderen schweren Folgeerkrankung sind umgehend von einem Arzt abzuklären.
Der Betroffene sollte einen Harnstau diagnostizieren und behandeln lassen, bevor es zu einer Blutvergiftung kommt. Eine Sepsis kann zu einem septischen Schock führen, der intensivmedizinisch behandelt werden muss. Werden bei dem Betroffenen Anzeichen eines solchen Schocks bemerkt, sollten die Ersthelfer den Notarzt alarmieren. Im besten Fall wird ein Harnstau frühzeitig erkannt und direkt vom Hausarzt behandelt. Eine frühzeitige Abklärung erlaubt eine beschwerdefreie und schnelle Behandlung. Weitere Ansprechpartner sind der Urologe und Fachärzte für innere Medizin.
Behandlung & Therapie
Bei einem Harnstau hängt die Wahl der Therapie in erster Linie von der Symptomatik sowie von der Lokalisation der Beschwerden ab. Sofern der Harnstau mit einer bakteriellen Infektion einhergeht, empfiehlt sich eine Therapie mit Antibiotika. Durch die Gabe von Antibiotika wird jedoch nur die Infektion bekämpft, nicht der Rückstau selbst beseitigt. Eine infizierte Harnstauungsniere – erkennbar an Fieber und Schüttelfrost – ist ein Notfall: Das Antibiotikum erreicht den abgeschlossenen, gestauten Hohlraum kaum, so dass der Urin zusätzlich sofort abgeleitet werden muss.
Trotz der Gabe von Antibiotika sollte stets die zugrunde liegende Grunderkrankung therapiert werden. So wird im Rahmen der Therapie eines Harnstaus bei den Betroffenen ein Katheter gelegt. Nur so kann der Urin aus der Blase kontinuierlich ablaufen. Ein Dauerkatheter begünstigt allerdings seinerseits Harnwegsinfektionen und sollte deshalb nur so lange liegen bleiben wie nötig.
Zur Therapie eines Harnstaus erfreut sich auch die sogenannte Nephrostomie einer wachsenden Beliebtheit. Bei dieser Form der Therapie wird der angestaute Urin über die Haut abgeleitet. Hierzu wird dem Betroffenen unter örtlicher Betäubung ein sogenannter Nephrostomie-Katheter durch die Haut gelegt. Alternativ lässt sich der Harn über eine innen liegende Harnleiterschiene (Doppel-J-Katheter) ableiten, die bei einer Blasenspiegelung eingelegt wird.
Aussicht & Prognose
Bei einer frühen und umfangreichen medizinischen Versorgung ist die Prognose des Harnstaus gut. Der Rückstau des Urins lässt sich beheben, indem das Abflusshindernis beseitigt oder der Harn über einen Katheter abgeleitet wird. Innerhalb weniger Tage oder Wochen tritt im Normalfall eine Verbesserung ein und der Urin kann wie gewohnt vollständig ausgeschieden werden.
Dennoch ist die Klärung der zugrunde liegenden Ursache essentiell, damit eine dauerhafte Beschwerdefreiheit eintreten kann. Andernfalls kommt es nach kurzer Zeit erneut zu einem Harnstau. Sind Infektionen oder Entzündungen vorhanden, werden sie meist gemeinsam mit dem Harnstau behandelt. Häufig kann der Patient bereits nach kurzer Zeit als genesen aus der Behandlung entlassen werden.
Wird keine Therapie eingeleitet, entwickeln und vermehren sich Keime sowie Krankheitserreger. Diese lösen Folgeerkrankungen aus, die einen ungünstigen Verlauf nehmen können.
Für eine günstige Prognose ist die Ursache der Störung zu ermitteln und zu behandeln. Bei einigen Patienten wird vorübergehend oder dauerhaft ein Katheter gelegt, damit der Abtransport des Urins gewährleistet wird. Schwangere gehören zu einer Risikogruppe. Sie gefährden die Gesundheit des ungeborenen Kindes, wenn sie erst spät einen Arzt aufsuchen oder die Behandlung des Harnstaus verweigern. Das Wachstum des Kindes kann Ursache der Beschwerden sein und muss von einem Arzt abgeklärt werden, damit eine Linderung eintritt.
Vorbeugung
Zur Vermeidung eines Harnstaus empfiehlt es sich, regelmäßige Untersuchungen in Bezug auf Nierensteine durchführen zu lassen. Bereits bei den ersten Anzeichen auf Nierensteine kann eine geeignete Therapie eingeleitet werden. Darüber hinaus empfiehlt sich ein regelmäßiger Gang zur Toilette. So können gefährliche Bakterien gründlich ausgespült werden. Männern ab 50 Jahren hilft zudem die regelmäßige urologische Untersuchung, weil eine vergrößerte Prostata in dieser Altersgruppe die häufigste Ursache eines Harnstaus ist. Bei den ersten Anzeichen eines Harnstaus sollte jedoch stets ein Arzt aufgesucht werden.
Nachsorge
Bei einem Harnstau stehen dem Patienten wenige Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei muss in erster Linie die Grunderkrankung erkannt und behandelt werden, damit es nicht erneut zu dieser unangenehmen Beschwerde kommt und weitere Komplikationen verhindert werden können. Je früher der Harnstau dabei erkannt und behandelt wird, desto besser ist meistens auch der weitere Verlauf dieser Krankheit.
Da im Vordergrund die frühzeitige Erkennung der Krankheit steht, sollte der Patient dabei schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen der Erkrankung einen Arzt aufsuchen. Die Behandlung selbst richtet sich dabei nach dem genauen Grund der Beschwerden und besteht je nach Ursache in einer Ableitung des Urins, einem operativen Eingriff oder der Einnahme von Medikamenten. Der Betroffene sollte dabei auf eine richtige Einnahme mit der vorgeschriebenen Dosierung achten und dabei auch die Anweisungen des Arztes beachten.
Sollten Fragen oder Unklarheiten auftreten, ist immer zuerst ein Arzt zu konsultieren. Kommt bei einer zusätzlichen Infektion ein Antibiotikum zum Einsatz, sollte der Betroffene während der Einnahme keinen Alkohol trinken. Während der Behandlung sind viele Patienten auf die Hilfe und die Unterstützung der eigenen Familie angewiesen. Dabei können durch intensive Gespräche auch psychische Verstimmungen oder Depressionen verhindert werden.
Das können Sie selbst tun
Bei einem Harnstau hängt die Wahl der Behandlung vorwiegend von der Symptomatik ab. Kommt zum Harnstau eine bakterielle Infektion hinzu, muss in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Dieser wird geeignete Antibiotika verschreiben und dem Patienten empfehlen, viel Wasser oder ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee zu trinken.
Bei Harnverhalt in Folge einer Blasenentzündung hilft eine Wärmflasche auf dem Unterbauch. Außerdem sollte warme Unterwäsche getragen und kalte Sitzflächen gemieden werden. Bäder und Saunabesuche können verkrampfte Muskulatur lockern; den Rückstau des Urins beseitigen sie jedoch nicht.
Die Naturheilkunde empfiehlt, einen Sud aus einer frischen Quecke zuzubereiten und diesen in kleinen Schlucken zu trinken. Bewährt hat sich auch der regelmäßige Verzehr von Meerrettich und Maistee.
Bei Harnverhalt in Folge von Blasensteinen oder einer schweren Erkrankung ist allerdings immer eine medizinische Behandlung vonnöten. Eine Unterstützung der Therapie mit Hausmitteln ist manchmal möglich, sollte jedoch immer in Rücksprache mit dem zuständigen Arzt erfolgen. Zeigen die genannten Maßnahmen keine Wirkung, sollte deshalb in jedem Fall der Hausarzt oder ein Urologe konsultiert werden.
Quellen
- Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Ruf, C., Nestler, T.: Facharztwissen Urologie.
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- Gschwend, J. E., Hautmann, R. (Hrsg.): Urologie.
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- Kuhlmann, U., Hoyer, J., Luft, F. C., et al.: Nephrologie.
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