Wundinfektion
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Nach Erleiden einer Wunde kann es im Wundbereich zu einer Wundinfektion kommen. Der ältere Ausdruck Wundbrand meint dagegen nicht jede Wundinfektion, sondern das Absterben von Gewebe – die Gangrän und insbesondere den Gasbrand. Konnte einer Wundinfektion nicht rechtzeitig vorgebeugt werden, bedarf diese Infektion meist einer gezielten therapeutischen Behandlung.
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Was ist eine Wundinfektion?
Von einer Wundinfektion wird in der Medizin gesprochen, wenn sich eine Wunde aufgrund eindringender Mikroorganismen infiziert. Eine solche Wundinfektion zeigt sich in der Regel beispielsweise durch einen Entzündungsprozess im Wundbereich.
Eine Wundinfektion wird den sogenannten Wundheilungsstörungen zugeordnet. Vor allem Wunden, bei denen es zu einem großflächigen Gewebeverlust kam (wie dies beispielsweise infolge starker Verbrennungen oder als Folge von Hundebissen geschehen kann), sind anfällig für das Auftreten einer Wundinfektion.
Dies ist unter anderem dadurch bedingt, dass entsprechende Wunden häufig nicht vernäht werden können, sondern auf natürlichem Weg heilen müssen. Die Heilung kann sich dabei bis zu einigen Monaten erstrecken und die Wunde ist somit anfällig für das Eindringen schädigender Mikroorganismen.
Bisswunden gehören grundsätzlich ärztlich versorgt. Sie werden in der Regel nicht sofort vernäht, weil die Erreger aus dem Maul tief in das Gewebe gelangen und ein dichter Wundverschluss die Infektion einschließen würde.
Eine spezielle Form der Wundinfektion stellt die MRSA-Infektion oder die Nosokomiale Infektion dar. Manche Erreger sind gegen gängige Antibiotika unempfindlich geworden. Bekanntestes Beispiel ist der methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA). Er kommt nicht nur in Krankenhäusern vor; entscheidend für seine Verbreitung sind der Umfang des Antibiotikaeinsatzes und die Übertragungswege, vor allem über die Hände.
Ursachen
Allerdings führt ein Eindringen entsprechender Bakterien, Viren oder Parasiten nicht in jedem Fall zu einer Wundinfektion; ob es zu einer Infektion kommt, hängt unter anderem ab von der Art eingedrungener Erreger, von deren Anzahl und auch vom Immunsystem des betroffenen Patienten.
Sind Bakterien die Ursache für eine Wundinfektion, kann sich eine solche Infektion in verschiedenen Formen zeigen: Sogenannte Kokken (kugelförmige Bakterien) führen beispielsweise meist zu einer ausgeprägten Eiterbildung im Wundbereich, während fäulniserregende Bakterien häufig einen charakteristischen Geruch hervorrufen, der mit einer Wundinfektion einhergeht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Eine bestehende Wundinfektion wird in der Regel von ziemlich eindeutigen Symptomen begleitet, die erhebliche Schmerzen verursachen können. In der Regel ist eine Wundinfektion stets mit einer starken Rötung an der betroffenen Stelle verbunden. Betroffene Personen können eine solche Rötung mit bloßem Auge erkennen. In einigen Fällen ist zudem eine sichtbare Schwellung zu erkennen, die ebenfalls unmittelbar an der Wunde auftritt.
Ein anderes und ziemlich eindeutiges Symptom ist die Bildung von Eiterflüssigkeit. Die Bildung von Eiter tritt im Zusammenhang mit einer Wundinfektion sehr häufig auf, da dies ein Anzeichen für eine schwere Entzündung ist. Wer sich an dieser Stelle für eine ärztliche und medikamentöse Behandlung entscheidet, der trifft die richtige Wahl. Eine solche Behandlung ist nämlich im Falle einer Wundinfektion unerlässlich, da sich die auftretenden Symptome andernfalls erheblich verschlimmern können.
Die Infektion breitet sich unter Umständen im gesamten Körper aus, sodass die Gefahr einer Blutvergiftung besteht. In einigen Fällen bildet sich an der Wunde ein Abszess. Das ist ein Hohlraum, der sich mit Eiterflüssigkeit füllt. Der Druck im Inneren wird mit der Zeit immer größer, sodass die Eiterflüssigkeit in den Blutkreislauf gelangen kann. Ein solcher Abszess ist ebenfalls mit dem bloßen Auge sichtbar und sollte schnellstmöglich ärztlich versorgt werden.
Diagnose & Verlauf
Eine Wundinfektion erkennt der Arzt zunächst am Befund: an Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerz, an Eiter und an einer Heilung, die nicht vorankommt. Ein Abstrich aus der Tiefe der Wunde klärt anschließend, welcher Erreger beteiligt ist und welches Antibiotikum gegen ihn wirkt.
Weitere diagnostische Verfahren, um das Vorliegen einer Wundinfektion bestätigen zu können, können im Bedarfsfall etwa das Röntgen oder das Durchführen eines Ultraschalls sein: Durch die Methode des Röntgens können eingeschränkt beispielsweise Eiterherde dargestellt werden, die sich im Rahmen einer Wundinfektion gebildet haben. Auch anhand des Ultraschallverfahrens können Flüssigkeiten erkannt werden, die sich im Wundbereich angesammelt haben.
Der Verlauf einer Wundinfektion hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielt dabei etwa die Art der Auslöser einer Wundinfektion eine Rolle. Außerdem können ein zeitiger Behandlungsbeginn und eine sachgemäße medizinische Behandlung den Verlauf einer Wundinfektion positiv beeinflussen.
Komplikationen
Eine Wundinfektion kann Komplikationen mit sich führen, die vor allem im Zusammenhang mit der Größe der Wunde und der Wundhygiene stehen. Eine fachgerechte Versorgung der Wunde mit ständigen Kontrollen und medizinischer Versorgung schließt Komplikationen in den meisten Fällen hingegen aus.
Die Infektion einer Wunde bedeutet immer einen Angriffspunkt für weitere Krankheitserreger, die bei unzureichender Hygiene oder im Falle einer Exposition die Wunde besiedeln. Sie führen zu einem schlechteren Abheilen der Wunde, rufen typische Infektionssymptome hervor oder verstärken bereits bestehende Symptome. Ist die Wunde groß und dermaßen geschädigt, dass der Körper die Wundheilung nicht mehr leisten kann, muss zugunsten der Gesundheit über operative Verfahren nachgedacht werden. Amputationen und Teilamputationen können in schweren Fällen notwendig werden.
Außerdem erhöht eine hygienisch schlecht versorgte Wunde das Risiko für eine Blutvergiftung (Sepsis). Dieser Zustand ist immer lebensbedrohlich und in schweren Fällen kaum noch zu behandeln. Medizinisch unbehandelt führt eine solche Sepsis zum Tod des Betroffenen.
Zudem kann eine tiefgehende Wundinfektion je nach Stelle zu Folgeschäden führen, die unter anderem die Muskeln und Nerven betreffen. Funktionsverluste im betroffenen Bereich, insbesondere bei kompliziert abheilenden Wunden, können auftreten. Das Risiko für alle Komplikationen in diesem Zusammenhang lässt sich mit ausreichenden Hygienemaßnahmen verringern.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Im Normalfall heilen Wunden langsam und stetig ab. Ein Arzt wird nicht benötigt, wenn über mehrere Tage eine kontinuierliche Verbesserung der Wunde wahrzunehmen ist und vorhandene Beschwerden abnehmen. Kommt es jedoch zu einer Zunahme von gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder entwickeln sich andere Unregelmäßigkeiten, wird eine ärztliche Untersuchung benötigt. Bei einer Schwellung im Bereich der Wunde sowie einer starken Rötung besteht Handlungsbedarf. Da es bei einem ungünstigen Verlauf zu einer Sepsis kommen kann, ist die Rücksprache mit einem Arzt erforderlich.
Eine Blutvergiftung stellt einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand dar. Daher sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn es innerhalb kurzer Zeit zu einer Verschlechterung der allgemeinen gesundheitlichen Entwicklung kommt. Bei Fieber oder der Bildung von Eiter besteht Anlass zur Besorgnis. Entsteht ein Abszess, ist ein Arztbesuch notwendig. Kommt es zu rasanten gesundheitlichen Veränderungen binnen weniger Minuten, ist unverzüglich ein Krankenhaus aufzusuchen.
Sofort ärztliche Hilfe ist nötig, wenn sich von der Wunde ein roter Streifen in Richtung Körpermitte ausbreitet, wenn benachbarte Lymphknoten anschwellen, wenn Fieber oder Schüttelfrost hinzukommen oder wenn sich der Zustand rasch verschlechtert. Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung, hoher Puls und kalte, fahle Haut sind Zeichen einer Sepsis – dann gilt der Notruf 112.
Klagt der Betroffene über Schmerzen, eine plötzliche starke Müdigkeit oder eine Abnahme der körperlichen Kräfte, sollte dem nachgegangen werden. Bei einem Unwohlsein sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl liegt eine gesundheitliche Störung vor, die untersucht und behandelt werden muss. Eine Gereiztheit, starke Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten sowie eine Überempfindlichkeit bei Berührungen sind Anzeichen einer vorhandenen Unregelmäßigkeit. Diese muss ärztlich abgeklärt werden.
Behandlung & Therapie
Bei der medizinischen Behandlung einer Wundinfektion kommt es häufig zunächst zu einer sogenannten Wundrevision, also einer eingehenden Untersuchung der Wundinfektion. Diese Wundrevision soll beispielsweise Aufschluss darüber geben, bis in welche Tiefen einer Wunde eine entsprechende Wundinfektion bereits vorgedrungen ist, und in welchem Ausmaß die Wunde verschmutzt ist.
Des Weiteren wird im Rahmen der Wundrevision geprüft, ob von der vorliegenden Wundinfektion eventuell Blutgefäße, Nerven oder Körperhöhlen in Mitleidenschaft gezogen sind. Im Rahmen einer folgenden chirurgischen Behandlung der Wundinfektion wird bei Bedarf abgestorbenes Gewebe im Wundbereich entfernt.
Geht eine Wundinfektion einher mit einem starken Nässen der betroffenen Wunde, ist eine weitere mögliche Therapiemaßnahme das Legen einer sogenannten Wunddrainage, also einer Form von Abfluss-System, durch das Gewebsflüssigkeiten nach außen abgeleitet werden können. Häufig folgt eine anschließende Versorgung einer Wundinfektion dann in Form eines täglichen Verbandwechsels, wozu unter anderem steriles (keimfreies) Verbandsmaterial verwendet werden muss. Bei sekundär heilenden Wunden ist heute die feuchte Wundbehandlung mit modernen Wundauflagen der Standard; ein gleichmäßig feuchtes Wundmilieu fördert die Heilung, während ein Austrocknen der Wunde sie verzögert.
Breitet sich eine Wundinfektion über die Wunde hinaus aus, sind Antibiotika regelhaft angezeigt. Kommt es zu einer Sepsis (Blutvergiftung), müssen sie sofort und über die Vene gegeben werden; hier ist die Antibiotikagabe nicht eine Ergänzung, sondern lebensrettend, und jede Stunde Verzögerung verschlechtert die Aussichten.
Vorbeugung
Um einer Wundinfektion vorzubeugen, sollte eine Wunde unter anderem zunächst zügig gesäubert und versorgt werden. Je nach Schwere einer erlittenen Wunde kann es sinnvoll sein, im Zweifelsfall frühzeitig den behandelnden Arzt aufzusuchen, um eine fachgerechte Wundversorgung zu gewährleisten und einer Wundinfektion vorzubeugen.
Nach jeder Verletzung sollte außerdem der Tetanusschutz im Impfausweis nachgesehen werden. Ist er unklar oder liegt die letzte Auffrischung zu lange zurück, wird sofort geimpft. Ist die Grundimmunisierung unvollständig oder unbekannt, gibt der Arzt bei tiefen, stark verschmutzten oder durch einen Biss entstandenen Wunden zusätzlich Tetanus-Immunglobulin; wer vollständig geimpft ist, erhält allein die Auffrischimpfung. Näheres dazu im Artikel Wundstarrkrampf.
Nachsorge
Nach der Behandlung einer Wundinfektion geht es darum, den Heilungsverlauf zu sichern und einen Rückfall früh zu erkennen. Der Arzt kontrolliert die Wunde in vereinbarten Abständen, entfernt Fäden oder Drainagen und beurteilt, ob sich neues, gut durchblutetes Gewebe bildet.
Ein verordnetes Antibiotikum wird bis zum Ende der verschriebenen Dauer eingenommen, auch wenn die Beschwerden schon vorher nachlassen. Wurde im Abstrich ein Erreger nachgewiesen, prüft der Arzt anhand des Verlaufs, ob das Mittel wirkt, und wechselt es andernfalls.
Wächst die Rötung erneut, kehren Schmerzen oder Fieber zurück oder sondert die Wunde wieder Eiter ab, ist eine sofortige Wiedervorstellung nötig. Bleibt eine Narbe zurück, sollte sie in den ersten Monaten vor starker Sonneneinstrahlung geschützt werden.
Heilt eine Wunde trotz Behandlung nicht ab, wird nach einer zugrunde liegenden Ursache gesucht - etwa einer Durchblutungsstörung, einem Diabetes mellitus oder einem Fremdkörper, der in der Wunde verblieben ist. In solchen Fällen übernimmt eine spezialisierte Wundsprechstunde die weitere Versorgung. Auch der Tetanusschutz wird bei dieser Gelegenheit anhand des Impfausweises überprüft.
Das können Sie selbst tun
Bei einer Wundinfektion muss besondere Sorgfalt herrschen. Um keine Blutvergiftung zu riskieren, ist eine genaue Beobachtung der gesundheitlichen Entwicklungen wichtig. Bei einer Zunahme von Beschwerden oder allgemeinen Unregelmäßigkeiten muss ein Arzt aufgesucht werden. Andernfalls kann es zu einem akuten Zustand und dem vorzeitigen Ableben kommen.
Im Alltag ist darauf zu achten, dass die Wunde vor äußeren Einflüssen geschützt wird. Insbesondere Verunreinigungen sind zu vermeiden. Aus diesem Grund ist der betroffene Bereich großzügig abzudecken oder vor Berührungen zu sichern. Der Wundverband sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert und gewechselt werden. Bei einer Zunahme der Wundflüssigkeit ist Handlungsbedarf gegeben. Bestehen Unsicherheiten über die korrekte Vorgehensweise eines Verbandswechsels, ist die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu suchen.
Bei den allgemeinen Bewegungsabläufen ist darauf zu achten, dass keine Spannungsgefühle auftreten. Diese können zu einer Dehnung der Haut und damit zu Störungen führen. Es drohen eine Vergrößerung der vorhandenen Wunde oder Beeinträchtigungen beim fortschreitenden Heilungsprozess. Wichtig ist es daher, die Motorik an die gesundheitlichen Gegebenheiten anzupassen und Überlastungen zu vermeiden. Häufig ist daher in der Genesungszeit auf sportliche Aktivitäten vollständig zu verzichten.
Zur Unterstützung der Heilung sollten dem Organismus ausreichende Vitamine zugeführt werden. Daher ist auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.
Quellen
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Kramer, A., Assadian, O., Exner, M., et al. (Hrsg.): Krankenhaus- und Praxishygiene.
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- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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- Protz, K., Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung.
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- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
